Vatersuche - US-Staatsbürgerschaft - Zum Leitfaden für US-Besatzungskinder

Zweimal getauft

Vermutlich hatten meine Adoptiveltern Konrad und Margaretha Hopfner keine Kenntnis, dass ich bereits nach röm.-kath. Ritus getauft worden war. Dass sie mir allerdings die zusätzlichen Namen Margaretha Ottilia zu den Namen Rebecca Christin gaben, und dies zu einem Zeitpunkt, als ich lediglich in Pflege bei ihnen war, läßt darauf schliessen, dass insbesondere der Name Rebecca damals und dort wohl nicht als gesellschaftsfähig angesehen wurde, ja mehr, dass sie einen geradezu dramatischen Handlungsbedarf gesehen haben, mich - halbverhungerte "Rebecca Christin" - in den ortsüblicheren Namen meiner (Adoptiv-)Mama "Margaretha" - und allein der soziale Status meiner Mama war beinahe unantastbar - und deren Mutter "Ottilia" zu verstecken und somit in Sicherheit zu bringen. Eine "Verwandte" aus dem Adoptionsfamilienzusammenhang viel, viel später einmal nicht ohne einen verächtlichen Unterton: "Ja, was glaubst du denn, wer hätte schon Rebecca zu dir gesagt!" So ist aus mir eine Art U-Boot geworden, eines noch dazu, dem auch die bewußte Erinnerung an seine Ursprungsidentität fehlte. Allerdings ist es mir ein grosses Bedürfnis, zu betonen, dass meine (Adoptiv-)Eltern mich gezielt vom Wissen um den katastrophalen Lebensanfang fernhielten, um mir die Entwicklung in ein positives Selbstbild, das sich wesentlich aus der Identität meiner geliebten Mama herleitete, zu ermöglichen, was ihnen zunächst auch weitgehend gelungen ist. Bis zu meiner Matura wurde ich Margaretha Ottilia genannt, und sämtliche meiner Zeugnisse - mit Ausnahme meines Maturazeugnisses - lauten auf diese Namen.

Margaretha Rebecca Hopfner, Wien 2004

Home 

E-Mail

Language-Tool

©2004

 Impressum