Vatersuche - US-Staatsbürgerschaft - Zum Leitfaden für US-Besatzungskinder

Erste Monate - Ein dramatischer Lebensanfang als
"US-Besatzungskind"

"Haben Sie einen Zweifel, dass in dieser angeblich zivilisierten Welt die Menschen einander langsam umbringen ... ?" INGEBORG BACHMANN

In Deutschland endete die Besatzungszeit formell 1949 (ein sogenanntes "Besatzungsstatut" war vom 21. September 1949 bis zum 4. Mai 1955 weiterhin wirksam. Für Berlin galt danach das Besatzungsrecht der Alliierten auf Basis der "Erklärung für Berlin" ab dem 5. Mai 1955 weiter.) , in Österreich - meinem Geburtsland - endete sie Ende 1955. Ich wurde im Oktober/Anfang November 1955 gezeugt und im Juli 1956 in Bregenz/Vorarlberg geboren. Meine leibliche Mutter Maria Magdalena Schwentner, der mein leiblicher Vater die Heirat versprochen hatte, lebte im Sommer 1955 bis zum 7. November 1955 mit meinem leiblichen Vater Richard Manuel Danielson in Heidelberg zusammen. Er persönlich hat meine leibliche Mutter vor seiner Rückkehr in die USA zu ihr nach Hause in Österreich gebracht, um ihre Familie kennenzulernen. Die noch lebenden Familienmitglieder erinnern sich gut an das Erscheinen meines leiblichen Vaters. Mein leiblicher Vater bezeichnete sich selbst in einem Brief als "member of the occupation forces". Und es besteht keinerlei Zweifel, dass mich die österreichische Umgebung - Vorarlberg gehörte zwar zur französischen Besatzungszone - als "Besatzungskind" eines "Ami" identifizierte und behandelte! Dass dabei eine "ordentliche" Portion purer Nachkriegs-Nazi-Hass gegen mich die emotionale und geistige Stoßrichtung der gezielten und brutalen Entwertungs- und Ausgrenzungs"maßnahmen" - "Man wollte dich verrecken lassen ...", hieß es einst mir gegenueber - diktierte, ist mir ebenfalls unzweifelhaft klar geworden.

Die ersten Monate meines Lebens sind durch eine - wie ich auch aus mündlichen Erzählungen weiß - lebensbedrohliche Dramatik gekennzeichnet, an deren gesundheitlichen Folgen ich bis zum heutigen Tage trage. Bei allem Verständnis für die äußerst schwierige Situation, in der sich meine leibliche Mutter Maria M. Schwentner damals befunden hat, denn sie war als noch nicht einmal Volljährige von allen verlassen und sich selbst überlassen (die beharrliche Weigerung ihrer Familie, mich aufzunehmen fuehre ich auf dort wohl noch stark praesente nazistische Einstellungen zurück), frage ich mich dennoch, was sie veranlaßte, mich bei Menschen in Pflege zu geben, die ihrer eigenen Aussage mir gegenüber nach Alkoholiker waren, von denen sie sich selbst distanzieren wollte und mußte und dies ein paar Wochen nach meiner Geburt auch getan hat - dies muss selbstverstaendlich auch im Zusammenhang damit gesehen werden, dass ihre Familie sich dezidiert weigerte, mich bei sich aufzunehmen! Ich muß mich auch immer und immer wieder fragen, ob sie mich denn nach Dänemark mitzunehmen beabsichtigte, wohin sie ja angegeben hatte, auswandern zu wollen (Sollte mit dieser Mitteilung an die Behoerde lediglich deren Interesse an mir neutralisiert werden?); aus Dänemark, wo sich meine leiblichen Eltern laut Angabe meines leiblichen Vaters im Jahr 1953 kennengelernt hatten, holte sie mein leiblicher Vater Richard M. Danielson nämlich im Sommer 1955 mit einem Heiratsversprechen zu sich nach Heidelberg; dort bewohnten beide bis Anfang November 1955 gemeinsam die Mietwohnung meines leiblichen Vaters bis zu dem Zeitpunkt, als mein leiblicher Vater - ein in Deutschland stationierter US-amerikanischer Besatzungssoldat - seinen Militärdienst in Deutschland beendete und in seine Heimat USA zurückkehrte. Ich frage mich auch, weshalb sie mir keine Taufpaten - sie ließ mich ja taufen, bevor sie mich verließ, um in die Schweiz arbeiten zu gehen - gegeben hat, und weshalb sie mich nicht krankenversichern ließ.
Schließlich kann ich nicht aufhören, darüber nachzudenken, weshalb meine leibliche Mutter Ende Jänner 1957 vier Tage vor meiner wiederholten Spitalseinweisung einen Antrag meiner Pflege"eltern" Lorenzi auf Dauerpflege vor der Behörde in Bregenz mitunterschrieben hat. Hat sie nicht gesehen, in welcher problematischen gesundheitlichen Verfassung ich war, oder wollte sie es gezielt nicht sehen.  Hat sie möglicherweise insgeheim gar damit gerechnet, dass ich diese katastrophale Pflegesituation nicht überlebe, nicht überleben soll, damit sie selber - wieder gänzlich frei - nach Dänemark zurückkehren könnte? Meinte sie, erkannt zu haben, dass möglicherweise ich der Grund dafür war, dass mein leiblicher Vater sich von ihr trennte, denn der wollte ja noch seine berufliche Ausbildung fortsetzen? Hatte sie die Hoffnung, ihn schließlich - ohne mich - wieder zurückzugewinnen? Oder wollte sie mir ein aus ihrer Sicht unvermeidbar schweres Leben bei fremden Menschen - eine Annahme, die durch die Erfahrungen in meinem Leben zahllose Male bestätigt wurde - ersparen, was ich allerdings mit Blick auf ihr Verhaltens, dass sie mir in den letzten Jahrzehnten "angedeihen" ließ, stark bezweifle, denn da hat sie keine Spur eines empathischen Verhaltens mir gegenüber erkennen lassen, im Wissen, dass ich an meiner ganzen Biografie nachmalig beinahe zu Grunde gegangen bin? In physischer Sicherheit war ich an meinem Lebensanfang jedenfalls erst ab jenem Zeitpunkt, als mich meine späteren Adoptiveltern Anfang März 1957 in ihre Pflege übernahmen! Meine diesbezüglichen Anfragen an meine leibliche Mutter haben nicht die ganze Wahrheit ans Licht gebracht, die von ihr schriftlich und mündlich geschilderte Version entspricht in wesentlichen Punkten nicht den historischen Fakten. Vor dieser Wahrheit ist sie ein Leben lang davongelaufen, bis über den großen Teich hin ...  Dass man mir laut einer Mitteilung meines (Adoptiv-)Vaters - an eine Person seines Vertrauens und mit Rücksicht auf mich nicht an mich persönlich, denn mein Vater hat all dies mir gegenüber niemals erwähnt! - schließlich sogar während der gut fünf Wochen im Spital nicht ausreichend zu essen gegeben haben dürfte - möglicherweise wurde ich nicht krankenversicherte "Exotin" dort als "unnützer Esser" eingestuft; jedenfalls war ich abgemagert, als meine Mama mich zu sich nahm, denn diese Auskunft erhielt ich auch von mehreren anderen mündlichen Quellen - kann allerdings weder meiner leiblichen Mutter noch meinem leiblichen Vater zur Last gelegt werden!! Fragen über Fragen also, die mich wahrscheinlich nie mehr loslassen werden ... Deshalb muß ich sie alle stellen!

Anmerkung: Bei obigen Dokumenten bzw. Teile von Dokumenten  handelt es sich um Niederschriften des Jugendamtes (damals Fürsorge) in Bregenz und um je ein Schreiben meines Pflege"vaters" Josef Lorenzi sowie meines späteren (Adoptiv-)Vaters Konrad Hopfner.

Was noch gesagt sein will!

Möglicherweise löst beim einen und anderen mein Schritt, diese und weitere auf meiner Homepage gezeigten Dokumente und Texte zu meiner Biografie in Teilen oder als Ganzes auf diesem Weg der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, Verwunderung aus. Weniger Erstaunen dürfte hervorrufen, dass auch ich selbstverständlich in meinem Innern jene durch "Erziehung" eingepflanzte zum "guten Benehmen" "mahnende" Stimme vernehme: "Das tut man nicht!" Dennoch waren es mir die "Dinge meines Lebens" so viel wert, den inneren und äußeren Spießrutenlauf auf mich zu nehmen und den Schritt in die Öffentlichkeit zu tun!
Vorweg sei betont, dass viele von uns Adoptierten mit einem geradezu "universalen" gesellschaftlichen Schweige"gebot" konfrontiert sind. Informell wird zumeist erwartet, wir sollen doch froh und dankbar dafür sein, dass ... und gefälligst still sein ... Formell wird uns in nicht seltenen Fällen jegliche Information über unseren je ganz konkreten Lebensanfang, zu unserer Geschichte als einmalige menschliche Geschöpfe, gezielt vorenthalten. Es sind dies fundamentalste Informationen, die für die allermeisten anderen Menschen existentielle Selbstverständlichkeiten darstellen! Ich persönlich bin nicht mehr bereit, dieses IN PERMANENZ ERZWUNGENE EXTREM UNWÜRDIGE VERSTECKSPIEL, ich nenne es mittlerweile das "Adoptionsspiel", das von uns auf allen Ebenen und mit allen Konsequenzen gewaltsam einfordert, so zu tun, als wären wir andere, mitzuspielen oder zu unterstützen, lange genug habe ich es - nicht immer zu meinem Wohl - getan, denn JEDES gezielte AUSBLENDEN DER LEIBLICHEN HERKUNFTSIDENTITÄT kommt einem FORTGESETZTEN SYMBOLISCHEN VERNICHTUNGSAKT gleich! Dieser Umstand könnte möglicherweise erklären, weshalb ich mich - trotz aller großen Liebe, die mir von meinen Adoptiveltern und meinen, wie ich sie gerne nenne, Lebensbegleitern zuteil geworden ist - durch Jahrzehnte hindurch im tiefsten Innern stets gefühlt habe, als wäre ich ein Leben lang abgetrieben worden!!! Vielleicht hat dieses Abgeschnittenwordensein von der eigenen Ursprungsgeschichte auch bewirkt, dass ich gezwungen war, mein gesamtes Leben in den Geschichten von Fremden einzurichten, mich, meine Identität über die Identitäten Fremder zu definieren, und, wie ich heute erst weiss, über ähnlich gelagerte Geschichten Fremder mich meiner eigenen Ursprungsgeschichte anzunähern. Niemals durfte ich aus dem Innersten meiner selbst diejenige leben, die ich von allem Anfang an war und - ich erkenne dies erst mit beinah fünfzig Jahren - "innen" immer geblieben bin, sondern war mir unter dem ungeheuren Druck der NOCHMALIGEN UND ENDGÜLTIGEN NEGATION DER URSPRUNGS- bzw. HERKUNFTSIDENTITÄT DURCH ADOPTION als DAUERPERVERTIERUNG wirksamen IdentifikationsZWANGES, der sich einen jedem menschlichen Individuum innewohnenden IdentifikationsWUNSCH, denn Identifikationsprozesse fungieren als Entwicklungsmotor!!!, nutzbar machte, und somit um den Preis totaler SELBSTVERLEUGNUNG zur DAUERMARIONETTE in das Dasein eines TANZBAEREN degradiert und dem ANDAUERND ERFORDERLICHEN EBENSO SINN- UND ZWECKENTFREMDETEN WIE DAUERTRAUMATISIERENDEN EINSATZ SÄMTLICHER PSYCHISCHER, SOZIALER UND GEISTIGER RESSOURCEN sowie einem FORTGESETZTEN PROZESS DER AUSLIEFERUNG UND SCHLIESSLICH SELBSTAUSLIEFERUNG AUF ALLEN EBENEN eine UNABLÄSSIG EXZESSIV UND INTENSIV ZU ERBRINGENDE ANPASSUNGSLEISTUNG abverlangt, damit ich eine CHANCE AUF LEBEN erhielt in diesem Leben ... IN DEN LEBEN UND GESCHICHTEN FREMDER. Vielleicht bin ich auch deshalb womöglich von mir weniger Wohlmeinenden als sozialer und geistiger "Parasit" eingeordnet und empfunden worden.

So gebe ich hier darüber hinaus - mit Blick auf die geradezu im Archaischen wurzelnde existenzbegründende und existenzsichernde Bedeutung der Namensgebung - bewußt zu bedenken, welche Konsequenzen es haben mag, wenn die leiblichen Eltern ihrem Kind nicht ihren und einen von ihnen gewählten Namen geben! Und ich gebe des weiteren zu bedenken, welche tragische Funktion eine neue Identität neben ihrer lebenssichernden Aufgabe AUCH bekommt, wenn sie mit Absolutheitscharakter an die Stelle der Ursprungsidentität zu treten hat: Wenn diese die Urprungsidentität restlos zu ersetzen hat, dann ist die neue Identität zugleich auch SARGDECKEL und somit der in ihr eingesperrte Mensch tatsächlich ein LEBENDIG BEGRABENER, wird die adoptionale Identität auf symbolischer Ebene zum geradezu TÖDLICHEN KORSETT! Ich komme also nicht umhin, mich IN WAHRNEHMUNG MEINER INNEN UND AUSSEN ABSOLUT SCHIZOIDEN SITUATION geradezu als UNTOTE bzw. als LEBENDE TOTE, EINE AM LEBEN GELASSENE VON DEN EIGENEN LEIBLICHEN ELTERN UND DER SOZIETÄT VOLLSTÄNDIG DEM VERGESSEN ÜBERANTWORTETE UND SOMIT FÜR TOT ERKLÄRTE zu EMPFINDEN UND ZU DENKEN!!!!! I C H DURFTE UNTER GENAU DER VORAUSSETZUNG IN DIESEM LEBEN ÜBERHAUPT DA SEIN, ALS ES M I C H EBEN NICHT GAB UND GIBT!!!! IN DER FOLGE WURDE SOMIT J E D E R SCHRITT IN DIESES - IN VIELEM SO SCHOENE - LEBEN HINEIN ZULGEICH!!!! EINER IN DEN INNEREN ABGRUND AUS PURER NEGATION, FREMD-NEGATION UND SELBST- NEGATION, NEGATION DURCH ADOPTION!!!! ADOPTION ALS EINE AUF SYMBOLISCHER EBENE REALISIERTE UND LEBENSLÄNGLICH PRAKTIZIERTE FORM GESELLSCHAFTLICHER A B T R E I B U N G, eines von ihr erzwungenen und auf allen relevanten sozialen Lebensebenen vollzogenen "BUNDESBRUCH"s der gesamten Gesellschaft!!!! DENN AUCH DIE ADOPTION WAR IN JEDEM AUGENBLICK TROTZ IHRER RETTUNGSINSTANZ FÜR DAS NACKTE LEBEN EINE HINRICHTUNGSINSTANZ FÜR DENJENIGEN MENSCHEN, DER ICH VON DER GEBURT HER WAR!!! UND MEINE PERSÖNLICHE JAHRZEHNTE ANDAUERNDE LEBENSERFAHRUNG HAT MIR BEWIESEN, DASS DIESER UMSTAND, DIE ENTSETZLICH NEGATIVEN BEGLEITERSCHEINUNGEN VON ADOPTION KEINEN BEZIEHUNGSWEISE KAUM EINEN MENSCHEN MEHR INTERESSIEREN. Soll der/die Adoptierte doch endlich Ruhe geben ... Mit DIESER Geschichte, DIE JA EINE VON DER GESELLSCHAFT ENTSORGTE IST, WILL UND DARF SICH NIEMAND MEHR AUSEINANDERSETZEN ... Und so bleibt der/die "Entsorgte" eben allein damit ... MIT DEM FRATZENGESICHT SEINER ADOPTION ...
Für die allermeisten Adoptierten kann des demnach in ihrer Ursprungsidentität nur heißen: Kein Ort nirgends! DENN DIE, ALS DIE WIR ZUR WELT KAMEN, DURFTEN UND DÜRFEN WIR SCHLICHT NICHT SEIN!!! Wenn ich mich diesen grausamen Tatsachen heute stelle, sie mir als Teil MEINER EIGENEN GESCHICHTE vor Augen führe, tue ich dies nicht, um das Mitleid anderer oder deren große Aufmerksamkeit zu erheischen - wenn ich diesen meinen Weg konsequent gehe, kann ich nicht damit rechnen, von "der Gesellschaft", von welcher immer, von wem immer, dafür geliebt, geachtet und respektiert zu werden, denn ein zum Verschwinden gebrachter Mensch wie ich ist eben die viel gefürchtete weggesperrte sprichwörtliche "Leiche im Keller" -, wenngleich mir und meinesgleichen sehr wohl für ein überwiegend erlittenes Leben Zuwendung, Mitgefühl, Anteilnahme und Achtung zusteht, sondern ich tue es allein, um mich auf den Boden dieser meiner ureigensten Geschichte zu stellen, denn sie ist das einzige, das mir unzweifelhaft und nicht anzweifelbar von irgendjemandem wirklich gehört, ihr Fundament der Ort, der mir Sicherheit in dieser Welt gibt. Die Zeiten, in denen ich mich also GEZWUNGENERMASSEN IM INTERESSE MEINES PSYCHISCHEN, SOZIALEN UND MATERIELLEN ÜBERLEBENS ZUM "NARREN" GEMACHT UND FÜR DIE SOZIETÄT DEN ADOPTIONS"TROTTEL" GEGEBEN habe, sind demnach nunmehr ENDGÜLTIG VORBEI!!! Ich begehe diesen meinen Weg der Aufarbeitung meiner persönlichen Lebensgesichte aber auch für alle jene vielen Menschen, die Ähnliches erlebt haben, die ähnlich fühlen und denken wie ich, die aber - aus welchen Gründen immer - nicht die Kraft und Möglichkeit hatten und haben, das Erlebte zur Sprache und an die Öffentlichkeit zu bringen!!!!

Zudem sei eine Frage gestellt, die zunächst den engeren Themenkreis Adoption überschreitet: Wer denn, wenn ich einmal so fragen darf, interessiert sich schon - abgesehen von ein paar versprengten mainstreamsurfenden Wissenschaftern und Journalisten - für sogenannte "Besatzungskinder" und das, was sie zu sagen haben? (Was, so denken sich wohl nicht wenige "umfassend" "Informierte", können schon "Bastarde" überhaupt Vernünftiges zu sagen haben?!!!) Zumeist wollen doch nicht einmal die Besatzungsmächte, die sie fallengelassen haben im ehemaligen Feindesland wie unbrauchbares Leergut, etwas mit ihnen zu tun haben, was eine besonders unwürdige Behandlung von Menschen darstellt, die von der Kriegsmacht - auch im Fall rigoroser diesbezüglich eingeforderter Verhaltenskodices - von vornherein als potentielles "Unbill" des kriegerischen Geschehens und seiner möglichen Folgen bewußt einkalkuliert werden; etwas krasser gesagt, werden Besatzungskinder - und dies in der Tat nicht nur von den Kriegshandelnden - wohl dem "Dreck", den "schmutzigen Kosten" zugerechnet, den ein Krieg eben "notgedrungen" verursacht oder einfach "mit sich bringt". Das Schicksal von Besatzungskindern, JEDES EINZELNE ist das eines MENSCHEN mit Herz und Verstand und einer WÜRDE, die in JEDEM MENSCHEN wohnt (Zu "Bastarden" gemacht werden sie erst durch die ungeheurlichen Zuschreibungen und die fortgesetzt niederträchtige Behandlung durch andere Menschen und deren Sozietäten!!!!) , zählt deshalb aus meiner Sicht zu den bewußt ALLSEITS aus dem Geschichtsbild verdrängten - erst in jüngster Zeit wird ihnen zögerlich Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit zuteil - und somit gezielt vergessenen Opfern eines Krieges! So gut wie niemand will mit ihnen, ihrer GESCHICHTE, zu tun haben, aber so gut wie für jeden dürfen sie als Dreckkübel für jede nur denkbare niederträchtige Projektion dienen!!! Dass die Supermacht USA hier ja geradezu als leuchtendes Beispiel im Ignorieren und systematischen Ausgrenzen dieser ihrer Hinterlassenschaft , insbesondere jener im Nachkriegs-Deutschland, vorangeht, ist ein Vorgehen, das des Staates, der die politisch-moralische Leadership in der ganzen Welt für sich beansprucht, in der Tat NICHT WÜRDIG ist, denn so wird aus dem auch von mir hochgeschätzten heroischen Befreier vom nationalsozialistischen Terror zugleich ein von mir inzwischen zutiefst so empfundener menschenverachtender schändlicher Verräter am eigenen Fleisch und Blut - man bedenke, meine leibliche Grossmutter war immerhin ein Mitglied der Daughters of the American Revolution!!!, und ich bin ein Mensch, der die USA nach wie vor für so vieles liebt und achtet!!! -, läßt man SEINE Besatzungskinder einen Preis für andere im Großen wie im Kleinen mitbezahlen, für den sie EIN LEBEN LANG nur SCHANDE und SCHMACH oder aber ihre vollständige VERLEUGNUNG und somit psychische und soziale VERNICHTUNG erhalten und der ihnen VON KEINER SEITE IN KEINER WEISE - weder von hier noch von dort noch von irgendjemandem - jemals zurückerstattet wird!!! Auf diese Weise stempelt die USA - insbesondere, wie dies bei mir traurige Wahrheit wurde, im Falle des Fehlens eines entsprechenden paternalen Willens zur offiziellen Anerkennung der Vaterschaft - IHRE BESATZUNGSKINDER aus ihrer und der Sicht vieler anderer zu IMMERWÄHRENDEN BASTARDEN! Und hier liegt meines Erachtens die Wurzel für all die Verachtung, den Mißbrauch und nackten Hass, welcher/m Besatzungskinder in ihrem gesamten weiteren Lebensverlauf unterworfen werden!!!!

Gerade ein Staat vom welthistorischen und weltpolitischen Format der USA sollte freiwillig die Verantwortung für diese seine Besatzungskinder übernehmen, ihnen bei der Suche nach ihren Vätern behilflich und nicht hinderlich sein, und ... sie nach festgestellter Vaterschaft dezidiert unter ihren Schutz stellen, indem sie diesen durch ihre besondere Herkunftssituation ohnehin schwer belasteten und gezeichneten Menschen von sich aus die US-Staatsbürgerschaft verleiht!

Wie ich vernommen habe, stehen in jüngerer Zeit da und dort ehemalige Besatzungskinder in Europa auf und machen auf ihre ungeheuren Lebensschicksale aufmerksam, fordern öffentliche Aufmerksamkeit ein und verlangen staatliche Entschädigungen für Erlittenes. Vielfach bleibt aber "alles beim Alten": Kein Ort nirgends, hier nicht und dort schon gar nicht, und dann noch dazu nicht selten in die Adoption "entsorgt" ...
Und es ist eben, was es ist: Ich bin ein sogenanntes US-"Besatzungskind", ein "Ami-Balg", ein TRANSATLANTISCHER, INTERKONTINENTALER BASTARD eben, ein in einer spezifischen historischen Situation unehelich gezeugtes und geborenes "Kind der Schande", das nirgendwo hineinpasste (und immer noch ein Mensch, der nirgendwo wirklich dauerhaft heimisch werden kann!!!), ein Mensch, der auf Grund des Verhaltens seiner leiblichen Eltern und Verwandten - und ich spreche hier ausschließlich vom Verhalten meiner eigenen leiblichen Eltern und Verwandten!!! - ein Leben lang an jenem von "der Gesellschaft" hierfür vergebenen Stigma zu tragen hat, von dem sich eben diese leiblichen Eltern und Verwandten seinerzeit und - was insbesondere die leiblichen Eltern anbetrifft, die mich auf dem Altar ihres jeweils getrennt voneinander geträumten "American Dream" regelrecht "hingerichtet" haben - durch wiederholtes Davonlaufen konsequent befreiten, was wiederum zur Folge hatte, dass ich gerade dafür von der Sozietät ein Leben lang auf den verschiedensten Ebenen "AUSGESPERRT", "ANGEZEIGT", "EINGESPERRT", "ANGEKLAGT", "VERURTEILT", "ABGEURTEILT", "GEBRAUCHT", "MISSBRAUCHT", "VERBRAUCHT", "ABGESCHLACHTET" und "AUSGEWEIDET" werden sollte. Und wenn demnach schon aus welchen Gründen immer kaum jemand zu dieser meiner Ursprungsidentität und der damit verbundenen Geschichte meines Hereintretens in diese Welt sich offen zu bekennen in der Lage sieht, gerade weil sich kaum jemand dafür zu interessieren scheint - mit Ausnahme der äußerst wenigen Menschen, die persönlich reif genug, bereit und zur menschenwürdigen Kommunikation derartiger Lebensgeschichten fähig sind, auch jene selbstverständlich seien nicht unerwähnt, die sich an den etwas unerfreulicheren Fakten eines einzelnen Lebens mittels eines gewissen Sozio-Voyeurismus zu "delektieren" vermögen - und weil da weit und breit keine Lobby existiert, die sich stark machen würde für einen Menschen meiner spezifischen Herkunftssituation, und weil da keine sinnstiftende Schicksalsgemeinschaft die subjektive Erfahrung intellektuell verortet und psycho-sozial abfedert, wer denn sonst, als ich selber soll Partei ergreifen für diesen - unaufhörlich schmerzenden - Bereich meiner Person! Und dies - so sei es denn - tue ich nun eben! Denn in der Schau UND in der Kommunikation meines GESAMTEN Lebens erst werde ich endlich ALS GANZES GEBOREN und sehe mich ALS DIESER G A N Z E M E N S C H ALLEN MENSCHENLICHEN WESEN DIESER ERDE GEGENÜBER ALS E B E N B Ü R T I G an! (Wer immer mit dieser meiner Haltung ein Problem hat, möge sich damit und mit sich selbst befassen, mich aber mit seinen eventuell menschenverachtenden Überlegungen und vor deren möglichen Handlungskonsequenzen verschonen!!!!)

Weil ich persönlich das ungeheure Glück hatte, das weiss Gott nicht jedem/r Adoptierten und Besatzungskind zuteil wurde und wird, im wahrsten Sinn wunderbare Adoptiveltern erhalten zu haben, und darüberhinaus einige wenige, jedoch hervorragende Lebensbegleiter, habe ich einigermassen lang gebraucht, um das geradezu gigantische, ja hochkonzentrierte Potential an Verachtung als solches zu erkennen, das "die Gesellschaft" Adoptierten und Besatzungskindern in allen möglichen Lebenssituationen "angedeihen" zu lassen bereit ist, nicht wenig davon habe ich ja auch selber "erfahren dürfen". So bin ich ungezählte Male in den diversesten Kommunikationssituationen mit unterschiedlichsten Menschen immer wieder - ausgesprochen und unausgesprochen - auf eine wesentliche Haltung mir gegenüber gestoßen, die ich in einen einzigen Satz gießen möchte: Du bist es nicht wert, geachtet und respektiert zu werden! Adoptierte und sogenannte Besatzungskinder sind eben Menschen, denen wohl kaum jemand zu verstehen gibt: Es ist gut, dass du in der Welt bist, weil du bist, wer du - von deiner leiblichen Herkunft her - bist, auf dich kann man deshalb stolz sein! Wie immer gibt es, gab und gibt es auch für mich - dies muß ich der Gerechtigkeit halber ebenso feststellen und hier festhalten - stets wieder jene berühmten Ausnahmen von der Regel, die MIR, also dem Menschen, der ich von der Geburt her bin, mit Achtung und Respekt begegnet sind und begegnen! Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass ein Großteil der kommunikativen Prozesse wesentlich von unbewußt wirkenden Faktoren gesteuert werden, sodass ich den wenigsten Menschen, die der von mir beschriebenen Haltung in ihrem Verhalten mir gegenüber gefolgt sind, einen tatsächlichen Vorwurf deswegen machen würde! Dennoch habe ich - ebenfalls bewußt und unbewußt - schon vor Jahrzehnten wohl aufgehört, von anderen Menschen Achtung und Respekt für meine Person zu erwarten oder gar einzufordern, wiewohl ich jeden einzelnen Verachtungsakt mir gegenüber als solchen erkannt habe, nach wie vor erkenne und mein Verhalten eben dahingehend abgestimmt habe und abstimme, dass ich mich aus Gründen der umso wichtigeren Selbstachtung - die wurde mir nämlich von jenen mich liebenden Menschen dafür umso tiefer eingewurzelt - im Bedarfsfall in selbstgewählte Distanz begebe, d.h. die entsprechenden mir unerträglichen Kommunikationssituationen einfach nach Möglichkeit für immer verlasse.
Der Grundstein dieser Verachtungs"praxis", die sich in der Regel über ein ganzes Leben subtil und verdeckt oder aber offen und brutal hinzieht, wird von den in Frage kommenden Akteuren, die über unser Leben verfügen, bewußt und unbewußt ganz am Anfang unseres gesellschaftlichen Lebens damit gelegt, dass wir in unserer Ursprungsidentität und -geschichte gezielt zum Verschwinden gebracht werden; ein Verachtungsvorgang, der wegen seiner Vernichtungsdimension auf symbolischer Ebene wohl zu den brutalsten zählt. Und dennoch gestehe ich selbstverständlich auch zu, dass - wie auch in meinem eigenen Fall - oftmals versucht wird, in einer jeweils konkreten Situation aus einer an sich tragischen Grundkonstellation noch das Beste für die Beteiligten zu erwirken. Natürlich sind wir selten geachtete, im günstigen Fall zumindest geduldete Adoptierte, "Bastarde" und Besatzungskinder - für unseren speziellen Status selbst vollkommen unschuldig - nicht die einzigen menschlichen Geschöpfe in dieser Welt, über die Verachtung ausgeschüttet wird! Mittlerweile empfinde ich allerdings die gesellschaftliche Position Adoptierter und Besatzungskinder insbesondere auf der Ebene "informeller" Kommunikationsfelder als - ich formuliere hier nun ganz bewußt provokant - diejenige nach Art eines "Freiwild"es, eines "Vogelfreien", noch härter formuliert kann man mit Blick auf bestimmte Adoptionspraktiken durchaus von MODERNER SKLAVEREI sprechen!!!; seine/ihre "Funktion" als Projektionsfigur scheint beinah grenzenlos zu sein, und daraus resultierend auch die Bandbreite der möglichen Verhaltensweisen ihm/ihr gegenüber, der Instrumentalisierung und Funktionalisierung, dem potentiellen und schier unbegrenzten Mißbrauch seiner/ihrer Person in diversesten Bereichen.

Des weiteren stelle ich mit Blick auf meine private Geschichte klar fest, dass an den "Ungereimtheiten" in den mir von meinen leiblichen Eltern über meinen Lebensanfang gemachten Mitteilungen der Kontakt zwischen ihnen und mir schon vor vielen, vielen Jahren regelrecht zerbrochen ist. Beide wollen darüber keinen Informationsaustausch mehr mit mir! Erst die Einsichtnahme in die amtliche Dokumentation dazu hat mir - eine fürchterliche - Klarheit über diesen meinen Lebensabschnitt gebracht, hat mir allerdings auch Klarheit über die Gründe jahrzehntelanger gesundheitlicher Schwierigkeiten gebracht, und ist mir erst jetzt - nach unnötigem und kräfteraubendem psychischem, sozialem und intellektuellem "Umherirren" und nunmehr auch mit kompetenter psycho-therapeutischer Unterstützung - ein echter Neuanfang möglich geworden.

Zudem vertrete ich mit Nachdruck die Ansicht, und ich wiederhole mich bewußt, dass jeder/m Adoptierten vom Gesetzgeber ein subjektives Recht auf Zugang zu sämtlichen sein Leben betreffenden Informationen eingeräumt werden sollte. Die vielfach geübte Praxis, diese Informationen den Adoptierten vorzuenthalten, ist nach meinem subjektiven Rechtsempfinden, meinem moralischen und ethischen Empfinden schlicht menschenunwürdig! Es ist ein Gebot der Stunde, sowohl mit Blick auf die ganz persönliche Entwicklungsgeschichte jedes einzelnen, als auch mit Bedacht auf äußerst bedenkliche gesamtgesellschaftliche Entwicklungstendenzen, Tendenzen und Praktiken, die einer totalen Anonymisierung eines Menschen, von Menschengruppen, Vorschub leisten, dies herbeiführen wollen, DASS ADOPTIERTE IHR LEBEN IN DIE EIGENEN HÄNDE NEHMEN, UM ES ENDLICH FREI GESTALTEN ZU KÖNNEN! Jede/r Adoptierte sollte, so es sein Wunsch und Wille ist, die für ihn wichtigen Informationen zu seinem Leben erhalten!

Mein Dank gilt deshalb gerade jenen Menschen, die mir bei diesem schwierigen und schweren psychischen, sozialen und intellektuellen Prozeß geduldig und verstehend zur Seite gestanden haben, und besonders jenen, die mir durch weitere hilfreiche Maßnahmen den Weg zu mir selbst geebnet haben!!!!!!

Margaretha Rebecca Hopfner, Wien 2005

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