Vatersuche - US-Staatsbürgerschaft - Zum Leitfaden für US-Besatzungskinder

Margaretha Rebecca Hopfner

Beiträge zum Thema Adoption

im Diskussionsforum von adoption.de

2003

 

Seine persönliche Herkunft gehört zum Menschen und sie gehört dem Menschen!
Jeder Mensch hat das Recht auf seine Herkunft!
Die Anonymisierung von Menschen und Inkognito-Adoption
sind menschenverachtend! Sie machen aus Menschen (die ihre Herkunft tief innen immer in sich tragen!!!) zwangsläufig (moderne Nobel-)Sklaven und schaffen weltweit ein ungeheures Missbrauchspotential!!!!!!!
Herkunft darf also dem Menschen nicht vorenthalten, enteignet, geraubt werden!
Herkunft darf niemals vernichtet werden!!!
Adoption ist kein Instrument zur Familienplanung!
Adoption kann ein Weg sein, einem verwaisten Kind eine Familie zu geben.
Es müssen rechtliche Regelungen geschaffen werden, welche die Herkunft dem adoptierten Menschen auf allen Ebenen rechtlich bewahrt und gleichzeitig durch adoptional wirksame Bestimmungen sinnvoll ergänzt.
Adoption muss national und international rechtlich derart geregelt werden, dass die Menschenwürde aller Betroffenen gewahrt bleibt!
Kein einziger Mensch ist ein Bastard!!!!!
"DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR."
Ingeborg Bachmann

Einige Jahre beteiligte ich mich an den Diskussionen im Forum von adoption.de. Es existieren dort bereits über Tausend registrierte Beiträge von mir, und die inhaltlich mir wichtigsten präsentiere ich ebenfalls seit Jahren auch hier. Die Beiträge habe ich im originalen Wortlaut sowie der von mir im Forum verwendeten Orthographie übernommen, Verschreibungen wurden absichtlich nicht wegkorrigiert. Es handelt sich bei meinen Beiträgen um jene Bruch-Stücke der "Dinge meines Lebens", die im fortgesetzten Prozess ihres vorläufigen und schließlichen "Erkennens" buchstäblich aus mir herausgebrochen sind! Mein Mitschreiben im Forum hatte wesentlichen Anteil am unumgänglichen Verarbeitungsprozeß zur Geschichte meiner Adoption. Ein Dankeschön an das Ehepaar Fasen, welches die so wichtige Webseite zum Thema Adoption geschaffen hat und betreut und an all jene Diskussionsteilnehmer, die im Lauf der Jahre einen Austausch zum Thema Adoption mit mir gepflegt haben. Nur in der direkten Kommunikation mit anderen Betroffenen war mir mein eigener Ausdruck in dieser Form erst möglich!!!


08.10.2003 - 20:08:
Re: vorher? - Ergaenzung
noch eine ergaenzung zu meinem posting ist mir wichtig: diese umgebung (nicht meine a-eltern) erwartete dann auch unausgesprochen aber dennoch recht deutlich, dass ich froh und dankbar sein muesse, dass ich es so gut getroffen habe ...
margaretha

07.10.2003 - 23:41:
Re: vorher?
liebe irma,
von meinen (a-)eltern habe ich persoenlich nichts darueber erfahren. meine (a-)mama starb auch zu frueh, da war ich gerade einmal 8 1/2. und reden ueber diese dinge war nicht das, was mein (a-)vater getan haette. aber viel spaeter (auch nach seinem tod) habe ich dann erfahren, dass meine (a-)mama siebenmal (!!!)schwanger war ... vergeblich ... eine (a-)\"verwandte\" zu mir: ja, das haette man heute alles medizinisch \"machen\" koennen; im unterton mitgeschwungen hat dann in meine richtung: dann haette man ja dich nicht gebraucht! dies aus meiner sicht
margaretha

05.10.2003 - 13:42:
An Nadya
liebe nadya,
ich danke dir fuer deine ausfuehrliche antwort, und ich kann dir versichern, dass mir nun einiges klarer geworden ist von dem, was du EIGENTLICH sagen wolltest. sei mir nicht boes', dass ich dich in richtung einer bestimmten aussage regelrecht angegriffen habe, aber dieses thema (erbanlagen) ist auch bei mir nach wie vor aeusserst emotional besetzt, und ich denke, dass da ein ungeheurer unfug damit getrieben werden kann. uebrigens dazu: auch ich denke mir selbstverstaendlich, dass erbanlagen eine gewichtige rolle spielen, allerdings bin ich sehr, sehr vorsichtig damit, phanomene im psycho-sozialen, intellektuellen und kulturellen bereich hier eindeutig zuzuordnen. wie heisst es so schoen: nix ist fix ... (so sehe ich es jedenfalls) ... sag mir dennoch, worauf du das bezogen hast: \"where you come from ...\" (weisst du, dass mein leiblicher vater amerikaner ist?:-))) noch etwas: ich habe dich mit keiner silbe als \"verabscheuungswuerdig\" beschimpft, bitte, hier reagierst DU nun sehr extrem ... im gegenteil, ich habe sogar gesagt, dass ich dir nicht nahe treten und deine redlichen bemuehungen um deine a-kinder nicht in frage stellen will ... (mich hat einfach eine bestimmte passage in deinem posting - will aber nicht mehr darauf herumreiten - erschrocken!!!)
ich wuensche dir also noch einen schoenen erholsamen sonntag und gruesse dich lieb
margaretha

06.10.2003 - 09:21:
Re: An S(...)
und ich habe NEUN halbgeschwister, mit einer einzigen schwester entsteht so etwas wie ein geschwisterlicher kontakt seit gut zwei jahren, nachdem diese mehrfach den kontakt zu mir gesucht hat. und sie gehoert nicht zu jenen, mit denen ich anlaesslich der sog. reunion 1986 ausgiebiger kontakt haben konnte, sie war damals naemlich noch zu jung. der kontakt zu allen anderen hat sich im lauf der jahre wieder \"verlaufen ... trotz anfaenglich da und dort vorhandener \"genetic attraction\" ... also nicht die quantitaet macht's ... sondern die kontinuitaet des sozialen kontaktes ... aus meiner pers. sicht jedenfalls ...
margaretha

04.10.2003 - 14:05:
Re: An Nadya
liebe nadya,
1. dies ist ein oeffentliches forum, und du kannst zu jedem der beitraege deine stellungnahme abgeben, ohne jegliche einschraenkung. 2. zum thema dankbarkeit fuer das rein physische leben: fakt ist und bleibt, dass das jeweilige konkrete kind von seinen jeweiligen konkreten leiblichen eltern das leben erhalten hat und von niemandem sonst (gut im fall von repro-medizin haben da noch einige mediziner etc. ihre haende im spiel) ... im interesse des kindeswohles sollten die leiblichen eltern - so schwer dies auch fallen mag - geachtet werden. ich als adoptierte bin als religiöser mensch dafuer dankbar, dass ER mir durch meine leiblichen eltern das leben geschenkt hat. haette ich ein besseres verhaeltnis zu ihnen, waere ich ihnen wahrscheinlich ohne zu zoegern dafuer dankbar, so aber habe auch ich meine probleme damit ... dennoch sind meine konkreten leiblichen eltern von meiner existenz nicht wegzudenken. dies sollten auch saemtliche a-eltern bedenken, die kinder fremder menschen - von welchen auch immer - bei sich aufnehmen. 3. ein satz in deinem statement hat mich nicht nur erschreckt, sondern auch entsetzt: \" ... bin ich mal froh, dass sie deshalb nicht unbedingt schlechte Menschen sein muessen, es sind halt nur ihre Anlagen etwas fragwuerdig ...\" also, nadya, hier muss ich dir sagen, genau an der einstellung, die hinter so einem satz steckt, habe ich jahre, wenn nicht jahrzehnte UNSAEGLICH GELITTEN ... zum glueck waren es nicht meine a-eltern, die diese haltung in sich getragen haben, es waren andere ... WIR ALLE (auch du, nadya) haben gute und schlechte seiten in uns, gute und weniger gute anlagen, die einer kultuvierung beduerfen ... es drueckt mir einfach die kehle zu, dieses \"heruntersehen\" auf das \"schlechte blut\", und ich muss zugeben, dass ich beinah fassungslos bin ... immer besser verstehe ich die schreie der empörung von s(...) hier herinnen, und ich begreife immer besser, in welche richtung sie gerichtet sind ... ich will dir nicht nahe treten, nadya, will auch nicht dein redliches bemuehen um deine a-kinder gaenzlich in frage stellen (zumal ich ja aus einem einzigen statement kein bild ueber eine gesamtsituation erlangen kann), aber denke dran, auch deine a-kinder haben konkrete leibliche eltern (mit eigenen geschichten, die ja auch sehr traurig und dramatisch verlaufen sein koennen), und bestimmt haben sie wegen fehlern, die diese ihre leiblichen eltern gemacht haben, kein \"schlechtes blut\" (=andere bezeichnung fuer biologisches erbe). sie sind vielleicht mit einer schweren psycho-sozialen hypothek belastet, aber das praedestiniert sie nicht zum \"schlecht sein\" von der disposition her u.s.f.
mfg margaretha

03.10.2003 - 22:22:
Re: An Martina
liebe ...,
mir ist es ziemlich egal, wo deine beitraege erscheinen, hauptsache sie ERSCHEINEN ... :-))) zu deinem vorigen posting an mich: schau, wenn menschen gerne ihr wissen demonstrieren, sollen sie das nach meinem dafuerhalten auch tun. wen's nicht interessiert, kann sich ja rasch aus den beitraegen wegklicken. ich handhabe das jedenfalls so. mir persoenlich gefaellt es sogar, wenn da ein wenig mit wissen und wissenschaft geprahlt wird, und immer wieder stelle ich fest, dass manche leute hier tatsaechlich ueber ein enormes wissen verfuegen, suse gehoert fuer mich zweifellos zu diesen, auch harald und so manch andere ... ich für mich habe da ein wenig \"abstand\" gewonnen. auch für mich war frueher wissenschaft, der \"rationale diskurs\" geradezu eine \"heilige kuh\" ... deshalb hab ich auch grosses verstaendnis fuer menschen, die dies praesentieren moechten ... heute jagen mir allerdings die begriffe \"wissenschaft\" oder gar \"naturwissenschaft\"(=leitwis senschaft etc.) nicht mehr den kalten schauer heiliger ehrfurcht ueber den ruecken, wiewohl ich nach wie vor groessten respekt vor wissenschaftlichem erkenntnisgewinn habe ... wittgenstein hat in seinem tractatus (dem sinn nach) gesagt: wenn alle wissenschaftlichen fragen geloest sind, sind die eigentlichen lebensprobleme noch gar nicht beruehrt (kann gerne das zitat heraussuchen ...) ... in dieser aussage steckt eine grosse wahrheit, um sie auszudrücken, brauchte es einen grossen philosophen ... auch für mich ist wissenschaft nicht mehr die allerkläererin für alle \"dinge\" \"meiner welt\" ... was du zu dieser adoptierten sagst: ja, es immer wieder erschütternd, was da so \"vorgefunden\" wird an kinderschicksalen ... allerdings ist es gerade solchen kindern gegenueber dann einmal sehr, sehr wichtig, ihre leiblichen eltern nicht zu menschenlichen negativa zu stilisieren, im interesse des kindes sollte auch solchen eltern wuerde zugestanden werden (sogar dann noch, wenn sie nur noch in ihrer zerstoerung erkannt werden kann), achtung entgegengebracht werden, liebevolles gefunden werden ... kann schwierig werden, aber ich halte das fuer sehr wichtig. auch ich selber will mir die GUTEN seiten meiner leiblichen eltern vergegenwaertigen, und auch die kann ich in meinen leiblichen eltern finden und mich ihrer erfreuen ...
nun, ..., hoffe ich, dass ich deine geduld nicht ueber gebuehr strapaziert habe ... :-)))
ich wuensche dir einfach ein schoenes wochenende und gruesse dich lieb aus wien
margaretha

03.10.2003 - 10:58:
Re: Adoption
hallo s(...),
du hast ganz recht, mir ist sonnenklar dass zwischen wunsch und wirklichkeit mitunter - wenn nicht zumeist - ein abgrund klafft. dennoch ist es legitim, solche wuensche zu artikulieren, denkanstoesse zu geben, die vielleicht beim einen oder anderen hellhoerigen ein wenig des nachdenkens in die aus meiner sicht richtige richtung bewirken koennen, denn wie schon ingeborg bachmann sagte (nicht woertlich jetzt): im spannungsfeld zwischen dem möglichen und dem unmöglichen erweitern wir unsere möglichkeiten ... es ist fuer mich auch deshalb legitim, dies zu artikulieren, da ich mir über den weg der - fortgesetzten - artikulation auch klarer darueber werde, was fuer mich persoenlich als adoptierte hier wichtig ist und wichtig werden koennte ...
sei herzlich gegruesst
margaretha


02.10.2003 - 23:28:Re: offene Adoption und so ein paar Gedanken ...
liebe patty,
dein gedicht gefaellt mir, und ich habe mir auch deine homepage ein wenig angesehen. ist wirklich sehr ansprechend geworden. zudem muss ich sagen, dass ich dich sehr bewundere dafuer, wie offen du mit adoption und mit deiner/eurer geschichte umgehst! ich selber habe mich oft gefragt, wie ich selber als adoptivmutter handeln wuerde, und ich kann nicht bestaetigen, dass ich zu dieser form der offenheit bereit gewesen waere, denn sie waere für mich auf dauer wahrscheinlich zu \"anstrengend\" geworden. was ich bestimmt gemacht haette, waere, das kind als kind seiner konkreten, mir namentlich bekannten eltern anzunehmen. ich haette bestimmt die abgebende mutter kennenlernen wollen, ihre sicht der dinge anhoeren wollen, mich selber vergewissern wollen, wo sie steht, wie sie zur freigabe steht (wenn ich es denn auch wirklich erfassen haette koennen!) ... ich haette dieses kind als das kind konkreter leiblicher eltern mit eigener geschichte, die schon vor meinem eintritt in sein leben begonnen hat, mein kind werden lassen wollen, aber ich haette bestimmt nicht so tun wollen, als waere dieses kind ganz und gar nur mein kind ... ich haette mich wohl sehr bemueht, ihm ein gefuehl fuer seine wuerde mitzugeben, als der mensch, der es nun einmal (inklusive seiner konkreten leiblichen herkunft mit allem, was da eben hineinspielt) ist ... aber da ich nichts davon in die tat umgesetzt habe, bleibt all mein diesbezuegliches ueberlegen spekulation, und ich kann nicht sagen, ob auch nur eins meiner vorhaben, meiner realitaet standgehalten haette ... deshalb meine grosse achtung vor dir, dass du diesen deinen/euren weg tatsaechlich eingeschlagen hast ... ich wage auch keine aussage darueber, ob offene adoption wirklich als generelle loesung gut waere, da sind schon ganz triftige argumente dagegen vorgebracht worden, auch hier herinnen. und darueber koennen bestimmt jene mehr sagen - wie ... beispielsweise -, die in diesem bereich taetig sind, paare begleiten, kontakte zu diversen sozialarbeitern etc. haben u.s.f. ...
dir und deiner familie und den leiblichen eltern deiner/eurer kinder von herzen alles gute
margaretha

02.10.2003 - 12:13:Re: An Margaretha
hallo, liebe ...,
herzlichen dank fuer deinen beitrag und dass du auch ueber deine persoenliche erfahrung berichtest. ich denke, dass sich im umgang mit adoption in den letzten jahrzehnten doch ein positiver prozess eingestellt hat. dass es ein forum wie dieses gibt, ist doch ein kleines beispiel fuer den wandel!!! das ist nicht der einzige bereich!!! leider sehen wir im zuge zur diskussion und handhabe der anonymen geburt bzw. babyklappe leider auch einen trend in die gegenrichtung, so empfinde ich dieses thema jedenfalls .... ich kann es mir gut vorstellen, dass du/ihr \"blauäugig\" (dein wort!) in die ganze adoption hineingegangen bist/seid. sicher seid ihr damit nicht allein gewesen!!! auch meine (a-)eltern haben im guten glauben gehandelt, das richtige zu tun und mir gutes zu tun, als sie das thema adoption ganz einfach nicht berührten. zum teil war es gut, denn ich denke, es sollte im alltag einer a-familie auch nicht überstrapaziert werden, um sich nicht in permanenz als ausserhalb der \"normalität\" (allerdings was ist normalität?) zu erfahren, andererseits hat dieses ausblenden des faktums zu massiven störungen in meinem innenleben gefuehrt und jenen kraeften tuer und tor geoeffnet, die - hinter den kulissen - gerade auf diesem hintergrund ungehindert ihren dreck in mich hineinkippen konnten. (auch die anonymitaet der geburt oeffnet ja taetern aller coleur im grunde tuer und tor, und - provokativ formuliert - sind sie eigentlich die grossen profiteure einer anonymisierung!!!) allerdings finde ich es in deinem fall wirklich beachtlich, wie weit du dich dem GESAMTEN problembereich geöffnet hast, dafuer hast du meine uneingeschraenkte hochachtung, und hier hat doch bei dir/euch eine enorme entwicklung stattgefunden! was deinen (a-)sohn anbelangt, so lass ihn doch die schritte in richtung leiblicher herkunft SELBER gehen, lass ihn tempo und zielrichtung bestimmen. er ist zudem erwachsen und sollte auch deswegen diese angelegenheit allein in seine hände nehmen. ein wenig erstaunt mich, dass - wenn ich richtig informiert bin - in deutschland amtlicherseits die zustimmung der a-eltern erforderlich ist für die nachforschungen. würde ich das noch bis zur volljährigkeit des kindes als sinnvoll akzeptieren, so empfinde ich das für den erwachsenen adoptierten einfach als entwürdigende bevormundung, wenn nicht gar als partielle entmündigung (ich argumentiere nicht juristisch, sondern subjektiv aus meiner position als adoptierte). jedenfalls bin ich mir 100% sicher, dass du deinem sohn hier keine hindernisse in den weg legen würdest, und ich denke, das hast du ihn doch bestimmt auch schon wissen lassen ...
so viel fuer heute ...
alles liebe aus wien
margaretha

01.10.2003 - 19:10:Adoption
an alle diskussionsteilnehmerInnen
mit grossem interesse habe ich die beitraege zum thema offene adoption gelesen und festgestellt, dass das meinungsspektrum doch recht breit ist. wunderbar ... ich stelle fuer mich fest, dass ich mich einzelnen standpunkten (personen, die beitraege gegeben haben) nicht fix zuordnen koennte, und so argumentiere ich -wie immer schon - aus meiner subjektiven sicht als adoptierte: bei all meiner liebe und achtung fuer meine (a-)eltern habe ich dennoch schrecklich darunter gelitten, nichts ueber meine leibliche herkunft zu wissen (dieses wissen erhielt ich erst nach dem tod meiner a-eltern), besonders in der pubertaet war ich uferlosen phantasieen in alle richtungen ausgeliefert, ALLES (ursachen fuer weggabe, soziale zuordnungen, erbanlagen etc.) war einfach moeglich und nichts konkret ... jede/r, der ueber meine adoption bescheid wusste konnte auch in mich hineinphantasieren, was immer er/sie wollte, der gute das gute, der boese die uebelsten zumutungen. besonders letztere habe ich auch in voller wucht abbekommen: meine stiefmutter im o-ton: \"du wirst schon von so einem gesindel kommen\" u.v.m. schon in diesen jahren habe ich mir gesagt: auch wenn ich von bettlern und gar verbrechern abstammen sollte, wenn ich das ergebnis eines inzestes waere, muesste ich einen weg finden, um dazu ja sagen zu koennen ... jede wahrheit ist mir lieber als die ungewissheit, denn nur das wissen um die wahrheit (warum, wer, wie etc.) ermoeglicht mir eindeutige zuordnungen zur welt um mich ... und: erst seit ich die GANZE wahrheit kenne - so entsetzlich sie auch in manche richtungen auch ist - , fange ich an, ruhiger zu werden, kannn ich mich und meine verfassungen, verhaltensweisen besser verstehen, einordnen und auch eine distanz dazu aufbauen ... (ein anonym geborener mensch ist davon fuer immer abgeschnitten, und das ist eine katastrophe aus meiner sicht ... ganz abgesehen von den gesamtgesellschaftlichen konsequenzen im moralischen, ethischen, rechtlichen bereich, hier sehe ich bei einer legalisierung der anonymen geburt in vieler hinsicht sehr sehr schwarz!) ... meine sehr persönliche ansicht, unter welchen voraussetzungen eine adotpion gelingen kann, habe ich weiter unten dargelegt. ich kopier' sie einfach noch einmal herein, weil ich keine lust habe, alles noch einmal zu tippen: ADOPTION MACHT SINN ... wesentliche voraussetzungen scheinen mir die folgenden zu sein: - dass die leibliche mutter bei ihrer entscheidung ausreichend unterstuetzung erhaelt und ihre entscheidung zur freigabe nach moeglichkeit wirklich frei vom einwirken massiver aeusserer zwangseinwirkung treffen kann und dass sie VORHER ausreichend ueber die alternativen moeglichkeiten, die ihr zur verfuegung stünden, unterrichtet wurde ... UND eine nachbetreuung erhaelt ... - dass - so der fall - die künftigen adoptiveltern ebenfalls VORHER ihre eigene leibliche kinderlosigkeit so gut es geht verarbeitet haben, damit der/die adoptierte nicht lediglich zum psychischen und sozialen \"platzhalter\" (hier tut mir auch die juristische diktion weh: \"an kindes statt\")degradiert wird ... - dass die adoptiveltern VORHER AUSREICHEND vorbereitet werden auf die \"spezialitaeten\" der ganzen situation ... - dass den adoptierten jede - auch rechtliche - möglichkeit an die hand gegeben wird - so sie dies einmal wuenschen - , informationen (so viele als moeglich) ueber ihre abstammung zu erhalten ... und dass die adoptierten die möglichkeit erhalten, so sie katastrophales unrecht durch ihre adoptiveltern erfahren mussten, das adoptionsverhaeltnis auch wieder aufzulösen, wenn sie dies wuenschen ... - dass es den adoptierten selbst ueberlassen bleibt, ob sie sich auf die suche nach dieser ihrer abstammung machen, den leiblichen eltern begegnen wollen ... - dass den adoptierten ein wuerdiger platz in der rechtsordnung geschaffen wird, der sie als vollwertige familienmitglieder (im grossen familiaeren zusammenhang) der adoptivfamilie integriert, damit sie auch in dieser rechtsordnung nicht lediglich der \"nur\"-mensch sind ... - dass die adoptiveltern bereit sind, die abstammungseltern zu achten und dem wunsch nach wissen seitens des a-kindes offen und unterstuetzend im laufe seiner entwicklung begegnen ... - dass die adoption selbst im naeheren familiaeren umfeld nicht gesellschaftlichen tabus unterliegt ... ADOPTION MACHT AUCH SINN, - weil damit das a-kind in einem familiären umfeld aufwachsen kann ... - weil es eine starke familiäre zugehörigkeit aufbauen kann ... - weil durch den rechtlichen schutz und status sicherheit geschaffen wird ... ADOPTION MACHT NUR SINN, WENN DAS KIND UM SEINER SELBST WILLEN MIT ALLEM, WAS ES MITBRINGT AN EIGENSCHAFTEN UND GESCHICHTE, GELIEBT WIRD!!!
so viel dazu von mir ...
ich gruesse alle lieb
margaretha

26.09.2003 - 20:04:Re: An Martina
hallo, liebe ...,
sooooo schweigsam war ich doch nicht, in letzter zeit, oder :-)))) na ja, wie ich schon sagte, manchmal brauche ich ein wenig abstand zu den ado-agenden. dieses sehr tiefe eintauchen in meine eigene geschichte hat mich doch auch ein wenig hergenommen ... aber es ist ja beabsichtigt von mir ...
ich wuensch' dir/euch ein schoenes und glueckliches geburtstagsfest und einen angenehmen und erholsamen sonntag es gruesst dich sehr lieb aus wien
margaretha

23.09.2003 - 14:06:Re: An Sylvia
hallo sylvia,
mir erging es genauso wie dir, als ich die ersten kontakte zu anderen adoptierten und von adoption unmittelbar betroffenen zu knüpfen und zu pflegen begann: lichter gingen an im saal und ich sah, dass ich mit meinen adoptionsbedingten problemen nicht allein war vereinfacht gesagt. aber immer noch habe ich phasen, in denen ich mich mehr und auch weniger mit diesem thema befasse, und ganz ehrlich gesagt wuerde ich gerne einmal einen stand erreichen, wo ich mir sagen kann, das thema adoption dominiert nicht mehr meine tage! ich habe mich sehr lange dagegen gestraeubt, eine psychotherapie zu machen, aus genau den gedanken heraus, die du eingebracht hast. es ist auch immer wieder gut möglich, dass störungen (wenn sie als solche empfunden werden) durch kommunikation mit menschen des wohlwollens (freunde, familie, lebensbegleiter im weitesten sinn) gemildert und sogar aus der welt geschaffen werden können. bei mir war es nicht so, und deshalb habe ich mich schliesslich fuer den psychotherapeutischen weg entschlossen, der fuer mich keinerlei \"merkwuerdigen\" beigeschmack mehr hat. gerade die \"distanz\" des therapeuten/der therapeutin verknüpft mit seiner/ihrer tiefen menschlichen solidaritaet mit meiner person ermoeglichte mir, in die bereiche meines innern vorzudringen, die ich bis dahin - weil ich sie allein oder mit anderen nicht aushalten konnte - gezielt weggedrängt, ausgeblendet etc. hatte. psychotherapie muss nicht für jede/n heilmittel sein, aber in vielen fällen kann sie helfen, mir jedenfalls hat sie geholfen. und fuer mich zaehlt sie mittlerweile zu den genauso selbstverständlich anzwendenden therapeutischen methoden wie wir sie ja in anderen bereichen (medizinischen) ebenfalls ohne zu zögern akzeptieren (wenn ein bein gebrochen wurde, kommt ein gips i.d.r., wer ein krankes herz hat, laesst es behandeln etc.etc.etc.). es liegt einzig und allein bei dir, dich fuer oder gegen eine psychotherapie zu entscheiden. was dein zugehen auf deine erste lebenszeit und deine leibliche herkunft anlangt, auch hier kann ich dir nur die empfehlung geben: horche genau in dich hinein und gehe genau so weit, wie diese innere stimme es dir sagt, ueberfordere dich nicht gewaltsam, denn ... alles braucht seine zeit ...
alles liebe margaretha

23.09.2003 - 12:25:Re: Verlustängste liebe sylvia, was du zum thema verlustangst im zusammenhang mit adoption sagt, kann ich als adoptierte sehr gut nachvollziehen. auch in meinem leben hat sich diese verlustangst massivst bemerkbar gemacht. ich persönlich gehe den weg einer psychotherapie, um u.a. damit besser zurechtzukommen. ich kann nun nicht behaupten, dass verlustaengste keine rolle mehr in meinem leben spielten, aber ich kann sie einfach klarer einordnen und mein verhalten in diversesten situationen besser darauf abstimmen.
ich wuensche dir alles gute
margaretha

22.09.2003 - 22:16:Re: Adoption Brasilien
liebe melanie,
ich bin adoptierte und habe mich durch deinen eintrag in keiner weise gekraenkt gefuehlt. leider kenne ich mich in den fuer auslandsadoptionen erforderlichen wegen nicht aus. hier und - so nehme ich an - auch im ausland ist das alles ueber die zustaendigen behoerden (anlaufstelle jugendamt) zu erledigen, die euch genau sagen werden, welche unterlagen ihr braucht. jedenfalls gehe ich davon aus, dass ihr euren weg in korrekter weise gehen werdet! es ist immer eine traurige angelegenheit, wenn eine frau, eine familie aus materieller not heraus ein kind nicht selber aufziehen kann! und ich denke, gerade im falle von auslandsadoption ist eine besonders gründliche vorbereitung auf die adoption von besonderer wichtigkeit, u.a. damit dem a-kind im zuge der adoption nicht jegliche moeglichkeit, spaeter einmal die eigene herkunft in erfahrung bringen zu koennen, genommen wird, aber auch dahingehend, was es bedeutet, einen so dramatischen wechsel der kulturen herbeizufuehren. ich wuensche euch beste ratgeber und begleiter, kraft und mut fuer die bewaeltigung einer grossen herausforderung. der mutter des kindes wuensche ich jemanden, der ihre traenen trocknet ...
margaretha

17.09.2003 - 21:50: Re: hallo Sabeth
liebe sabeth,
es hoert sich sehr beruhigend an, wie du ueber deine beziehung zu deinen leiblichen eltern schreibst. ich freue mich, dass du innerlich an einem ort bist, wo du dich so sehr aufgehoben fuehlst, dass du einigermassen ruhig und ueberlegt die kontakte zu deinen leiblichen eltern und verwandten gestalten kannst. ja, vielleicht kann auch dir der austausch mit anderen adoptierten (wie uns) den umgang mit gerade in diesem zusammenhang auftauchenden gefuehlen und gedanken etwas leichter machen. sabeth, bei mir haben sich diese dinge einfach in einer dichte und dramatik abgespielt, dass ich von den ereignissen regelrecht wie von einem tsunami durch seebeben ausgeloeste riesige flutwelle) erfasst worden bin, und das gleich mehrere male. ich habe eine mehrheitlich schwierige adoptionsgeschichte gehabt und bin nach dem tod meiner (a-)eltern zweimal im abstand von 10 jahren gefunden worden (zuvor war ich schon krank geworden)... ist zweimal nicht gut ausgegangen ... und heute erst (bin heuer 47 geworden) fange ich an zu begreifen, warum das alles. deine schilderung bestärkt mich in meinem wunsch, ich haette selber nach meinen leiblichen eltern gesucht, denn dann haette ich suche und aufeinander zugehen sowie den kontakt dann viel, viel besser auch auf meine befindlichkeit und meine möglichkeiten abstimmen koennen. ich waere vermutlich genauso vorsichtig an die dinge herangegangen wie du!!! aber ich bin einfach zweimal - so fuehle ich es jedenfalls - regelrecht \"ueberfallen\" worden, noch einmal waren es primaer die interessen der anderen seite, die zaehlten (wiewohl natuerlich das interesse um mich vorgeschoben wurde und z.t. sicher auch in den ueberlegungen der anderen eine rolle spielte, aber wichtiger waren immer sie, wie schon am anfang meines lebens!), und zweimal bin ich im endeffekt in einem scherbenhaufen zurueckgelassen worden, den ich gerade dabei bin, wegzuraeumen, damit auch ich endlich einmal freier von diesen dingen wieder atmen kann. uebrigens: erst seit gut zwei jahren ist es mir moeglich, mit einer meiner geschwister (schwester) eine kontinuierliche beziehung aufzubauen, das aber fange ich allmaehlich an wirklich zu geniessen, und ich freue mich darueber, DIESE leibliche schwester, die mir wirklcih eine schwester geworden ist, zu haben!!! ich wuensche dir weiterhin so viel besonnenheit, geduld, einfuehlsamkeit und ... glueck ... einfach glueck im kontakt mit deinen leiblichen verwandten ... und sonst auch natuerlich :-)))
alles alles liebe margaretha
p.s.: schoen, von dir zu lesen!!!

17.09.2003 - 20:35: Re: An Jule
liebe jule,
schoen, dass du uns allen geantwortet und uns ein wenig ueber dich erzaehlt hast. ich denke, deine gefuehle der zerrissenheit, angst und traurigkeit kennen wir adoptierte so ziemlich gut. mir sind sie jedenfalls ganz und gar nicht fremd. auch besonders deine angst vor zurueckweisung ist hier wohl typisch fuer \"uns\". schoen finde ich, dass du einen lieben freund und eine liebe familie hast (hoffe, ich habe es richtig verstanden), und schoen auch, dass du dich anfaengst, dich mit deinem grossen thema adoption zu befassen. sollte es dir aber emotional zu dicht werden, wuerde ich an deiner stelle eventuell auch an eine psychotherapeutische begleitung denken. ich mache so eine psychotherapie und bin wohl um lichtjahre nach \"vorn\" gekommen, hat mir wirklich sehr, sehr gerade beim ado-thema geholfen. psychotherapie zu machen ist kein makel, kein stigma, keine schande, denn es ist doch ganz selbstverstaendlich, dass schwere - auch seelische -verletzungen fuer ihre heilung eine fachkundige betreuung benoetigen. aber ich will dir, weiss gott, nichts einreden, aufschwaetzen u.s.w. ... ich wuensche dir einfach alles gute und mut und kraft ... wird schon werden ...
liebe gruesse margaretha

16.09.2003 - 21:01: An Sabeth
Nun, liebe Sabeth, dann weisst Du ja, wovon ich spreche, wenn ich Therapie erwaehne. Ich bin grad mitten drinnen in diesem Prozess, und auch mir erging es so, dass mir erst dabei klar wurde, wie wichtig doch die Auseinandersetzung mit meiner leiblichen Herkunft ist. Erst jetzt war es mir moeglich, zu einer von neun Geschwistern eine kontinuierliche Beziehung aufzubauen. Sabeth, hast Du vielleicht auch leibliche Geschister, Halbgeschwister ... Ich habe im Handling dieser Dinge vielleicht ein anderes Naturell als Du, denn ich sage mir, wer sich nicht fuer mich interessiert, soll bleiben, wo er/sie ist, nachlaufen tu' ich aus prinzip schon gar niemandem. aber wir alle haben unterschiedliche charaktere, persönlichkeiten, geschichten etc. (gott sei dank!), sodass wir doch sehr unterschiedlich auf aehnliche situationen reagieren. es waere auch interessant zu erfahren, wie du gesucht und gefunden hast, wie sich die kontaktnahmen gestaltet haben zwischen dir und deiner leiblichen mutter. ich - und das bitte gilt nun nicht fuer dich!!! - bin gerade dabei, ein grosses adieu zu meinen leiblichen eltern zu sagen, obwohl ich sie sehr wohl noch das eine und andere mal mit mir befassen werde, aber das ist dann ihr problem und nicht mehr meines. ich habe mich im grossen und ganzen von meinem wunsch verabschiedet, von meinen leiblichen eltern akzeptiert und gemocht zu werden (wiewohl wahrscheinlich irgendwo im innern auch dieser wunsch fortleben wird), auch das hat mich viele, viele traenen gekostet, auch wut ist hochgekocht ... aber ich habe mir gesagt, es muessen andere kinder mit noch viel fuerchterlicheren tatsachen, die ihnen durch die leiblichen eltern angetan worden sind, fertigwerden, mein schicksal ist nicht das allerschlimmste!!! dir wuensche ich allerdings noch kraft und geduld, und ... vielleicht noch die eine und andere gute therapiestunde :-)))
alles liebe margaretha

16.09.2003 - 20:12: Re: An Martina
Hallo, liebe ...!
Wieder einmal mein herzliches Dankeschoen, dass Du mir so viel Deiner wertvollen Zeit schenkst, dass Du Dich so tief mit meinem Geschriebenen befasst. Du bist mir hier wirklich eine ganz besonders wertvolle Hilfe in jenem Prozess, bei dem ich - ganz bewusst so gewollt von mir - lerne, die Kommunikation meiner Biografie in der Öffentlichkeit \"auszuhalten\". Im Grunde ist das ein ungeheurer Schritt fuer mich, denn bis vor nicht allzu langer Zeit waere mir das geradezu unvorstellbar erschienen. Aber ich spuehre, wie mir in diesem ganzen Vorgang Kraft zuwaechst. Dies fuer's erste. Spaeter dann noch mehr.
Alles Liebe, einen schoenen Abend noch und einen sonnigen Mittwoch.
Margaretha

16.09.2003 - 11:22: Re: Kontakt
liebe ...! auch ich habe seinerzeit die erfahrung gemacht, dass meine leibliche mutter sich mit ihren antworten - für mein gefuehl - übermaessig viel zeit liess. dann kenne ich eine adoptierte, der es ganz aehnlich ergeht wie dir. vielleicht ist ein solches verhalten leiblicher muetter, die von ihren zur adoption freigegebenen kindern kontaktiert werden, darin begruendet (wie ... es einmal auf einen beitrag von mir formuliert hat), dass diese frauen dadurch an nicht verarbeitete mitunter auch sehr negative erfahrungen aus ihrer persönlichen vergangenheit erinnert werden. diese kontaktnahmen sind immer eine art \"gratwanderung\", die für alle beteiligten anstrengend sind. vielleicht könnte es dir helfen, wenn du deine nun auftauchenden gefuehle und gedanken auch in therapeutischer begleitung aufarbeitest. mir hilft diese form der begleitung sehr, besser mit meinem ado-thema zurechtzukommen. auch will ich eines tages ein stadium erreichen, wo ich mir sagen kann, nun ist dieses thema nicht mehr nr. 1 in meiner tagesordnung.
ich wuensche dir alles liebe und viel kraft und vor allem noch antworten von anderen betroffenen hier herinnen ...
margaretha

14.09.2003 - 14:02:
An Martina
hallo, liebe ...!
vorweg an alle anderen: wen's nicht interessiert, wem's zu dumm ist, wer seine zeit besser nutzen will, bitte sich einfach aus diesem beitrag gleich wieder wegklicken!!!!! danke!!!! nun, ..., wieder zu dir! weisst du, dass ich mich mein leben lang nie, wirklich niemals als \"halbe amerikanerin\" empfunden habe. ich habe mich absolut als die tochter meiner (a-)eltern gefuehlt, ihren familien, ihrer kultur zugehoerig, eigentlich wollte ich nie etwas anderes sein, als ihre tochter. dies wahrscheinlich auch deshalb, weil irgendwo in mir das wissen um die radikalnegation meiner person am anfang meines lebens noch praesent war und ist, und weil ich von meinen (a-)eltern, die in alle ewigkeit meine ELTERN bleiben werden, eine liebe erfahren habe (und von einigen wenigen anderen menschen auch), die bis zum heutigen tag das negative in meinem leben UEBERWOGEN hat. und weil ich mich so sehr als tochter meiner eltern fuehlte, habe ich eigentlich nie den hass und die radikale gleichgültigkeit verstanden, die mich von verschiedenen seiten nach deren tod (meiner eltern) verfolgt haben. irgendwelche leute haben schon frueher mir gegenueber andeutungen gemacht, dass ich am lebensanfang sehr, sehr schlecht behandelt worden sei (meine eltern haben darueber keine silbe jemals verloren, fuer sie war ich ihre tochter), aber ich habe dem keine weitere beachtung geschenkt. ich dachte: ich hatte/habe gute eltern, ich hatte/habe ausreichend kulturzugehörigkeit, das muss doch einigermassen genuegen fuer ein menschenleben. nachdem auch die wiederbegegnungen mit meinen leiblichen eltern nicht zufriedenstellend verlaufen sind (wahrscheinlich auch deshalb, weil sie meine enge bindung an meine a-eltern festgestellt haben vielleicht, aber mit sicherheit auch deshalb, weil sie miteinander noch nicht \"fertig\" waren und ihr altes \"spiel\" noch einmal auf meinem rücken ausgetragen haben), habe ich mir gesagt: ich baue auf das, was meine (a-)eltern mir mitgegeben haben, und ... damit habe ich mich schliesslich auch tatsaechlich aus meinem gesamten lebenswirrwarr wieder herausarbeiten können. noch lange nach ihrem tod also haben mir meine (a-)eltern mein leben erfolgreich organisieren und bewahren helfen. aber dennoch bin ich von meiner adoptionsgeschichte nicht losgekommen, bin ich innerlich nicht aus meinen bedrückenden verfassungen herausgekommen, bis ich mich schliesslich im rahmen einer psychotherapie dieser ganzen angelegenheit noch einmal zugewandt habe. erst jetzt war es mir das erste mal möglich, mich den ersten lebensmonaten noch einmal zuzuwenden, ich kontaktierte die behörde und wollte akteneinsicht, ich bekam sie, und was ich zu sehen bekam, war nicht allzuviel, aber es warf ein vollkommen neues licht auf alles, was ich bisher gewusst zu haben schien, ja es war, als wenn plötzlich lichter angingen und diverseste \"dinge meines lebens\" plötzlich \"sinn\" erhielten. und erst jetzt wurde mir klar, dass es sehr wohl eine unglaublich negative bedeutung hatte damals (und auch weiterhin), diese \"halbe amerikanerin\" zu sein. ich habe zudem herausgefunden, dass ich ZWEIMAL getauft worden bin: meine leibliche mutter hatte mich - bevor sie davongelaufen ist - taufen lassen (kann so und so interpretiert werden, das weiss ich, es werden traditionelle motive eine grosse rolle gespielt haben) und meine (a-)eltern haben mich einige wochen, nachdem sie mich als PFLEGEkind aufgenommen hatten, in unkenntnis der ersten taufe, noch einmal taufen lassen (ich habe also nun zwei taufscheine ... entbehrt ja auch nicht einer gewissen komik, nicht?:-))) das wichtige an der zweiten taufe aber ist das faktum, dass mir meine (a-)eltern zusaetzlich zu meinen geburtsvornamen noch weitere gegeben haben, die dann auch in weiterer folge als die eigentlichen vornamen verwendet wurden. dies haetten sie zu diesem zeitpunkt (ich war ja noch nicht einmal pflegekind mit dauerpflegevertrag, adoption erfolgte ja erst zwei jahre spaeter) bestimmt nicht getan, wenn sie nicht ein ABSOLUTES ERFORDERNIS darin gesehen haetten. in ihren augen war es demnach notwendig, meine geburtsidentität zu verbergen/verstecken (eine meiner a-verwandten einmal zu diesem thema mit nicht zu ueberhoerender verachtung im unterton: ja, was glaubst denn, wer haette zu dir schon rebecca gesagt) ... rebecca war damals und dort also absolut kein gesellschaftsfaehiger name, und das kind eines ami-soldaten zu sein offenbar auch nicht ... was nun meine leibliche mutter anlangt: ich gebe dir recht, ..., eine ihrer ueberlegungen mag gewesen sein, auf meinen leiblichen vater zu warten, und der name \"rebecca\" sollte mich wohl in den usa \"sympatisch\" machen; andererseits hatte sie einen zweiten plan, naemlich jenen, nach daenemark auszuwandern, (davon habe ich erst aus jenen dokumenten erfahren, davon hat mir meine leibl. mutter nichts erzaehlt), und in diesem zweiten plan hatte ich bestimmt keinen platz!!! und je laenger mein leiblicher vater sich nicht einfand, umso mehr duerfte meine l. mutter auf plan 2 orientiert haben und möglicherweise damit spekuliert haben, dass ich die katastrophale pflege nicht ueberlebe. dann noch diese unterschrift zum dauerpflegeantrag zu einem zeitpunkt als ich schon in miesester verfassung war, nachdem sie mich zuvor zwar getauft, aber nicht krankenversichert und ohne das vereinbarte pflegegeld zu bezahlen zurueckgelassen hatte. gelegentlich denke ich auch jene variante an, dass da geradezu ein \"familiärer wille\" an plan 2 mitgewirkt hat, es gibt indizien, die dafuer sprechen. wie du richtig sagst, meine leibliche mutter war damals noch nicht volljährig mit ihren 20 jahren, ihr onkel war nach wie vor ihr erziehungsberechtigter, und er hat ihr nicht geholfen, das hat sie selber auch mir gesagt. ALLE diese leute wußten, WO ich war ... vielleicht haben sie auch - GEGEN MICH - alle zusammengewirkt, vielleicht! denn aufgewacht sind sie plötzlich, als ich im spital (wo man mich - lt. mdl. aussage - auch systematisch unterernährt hat!!!) und nach der grossen katastrophe bei meinen (a-)eltern war, da haetten sie mich plötzlich in die familie aufgenommen. warum erst jetzt? sollte diese nunmehr demonstrativ bekundete bereitschaft von etwas ablenken? wer weiss, denkbar ist vieles! auch dies lehnte die behoerde mittlerweile ab, auch dies wohl mit gutem grund! und natuerlich mache ich mir so meine gedanken ueber die rolle der behörde davor! warum wurde monatelang zugesehen und nichts getan, oder ist man nie nachschauen gegangen? mußte erst eine beinahe-katastrophe passieren, bis man etwas tat? so kann ich nicht anders, als meinen lebensanfang auf allen moehlichen ebenen als gegen mich und mein leben gerichtet sehen. ich werde wohl noch einige gedankenvarianten ausprobieren und bestimmt werde ich all die möglichen varianten thematisieren, denn nur ueber diesen weg des aussprechens werde ich ruhiger werden. eines kristallisiert sich allerdings in diesem prozess auch heraus: seit ich weiss, dass ich dort, wo ich hineingeboren wurde, fuer das, was ich war, unerwünscht war, von ein paar menschen gerettet und bebleitet zwar, distanziere ich mich zunehmend auch von der umgebung, in der ich aufgewachsen bin, ich bekenne mich zunehmend zu jenem anteil in mir, dessetwegen ich in eine derartige gefahr geraten bin, fuer den ich so viel hass, ablehnung und gleichgueltigkeit (von allen seiten und jahrzehnte lang) einstecken mußte. ich fange an, mich zu der \"halben amerikanerin\" in mir zu bekennen, und es ist mir recht herzlich wurscht, ob sich meine amerikanischen leiblichen verwandten nun zu mir bekennen oder nicht (eine meiner schwestern steht zu mir; mein leiblicher vater will die vaterschaft offiziell nicht anerkennen und meine leibliche mutter ist nicht faehig und bereit, zu bestaetigen, wer der leibliche vater ist, obwohl sie ihn nach meiner geburt der behoerde genannt hat). auch wenn alle diese leutchen, die da meine leiblichen verwandten sind, sich einmauern mir gegenueber, auch dann fange ich mich an, mich zu den tatsachen meiner abstammung zu bekennen, gerade deshalb, weil ich einmal dafuer beinahe gestorben bin!!! und wo war waehrend dieser zeit damals mein leiblicher vater? das ist ganz einfach zu beantworten: er bereitete sich bereits auf die heirat vor: mir wurde gesagt, dass er bereits die ersten weihnachten 55 (also unmittelbar nach seiner rueckkehr aus europa) mit seiner zukuenftigen frau (der er schon lange versprochen war)verbrachte, und soviel ich weiss, hat er diese im dez. 56 (ich bin im juli 56 zur welt gekommen) geheiratet. er konnte keine frau mit einem kind gebrauchen, denn er wollte noch auf das college gehen, da hatte ich keinen platz, und meine l. mutter auch nicht!!!! er wollte offenbar einfach noch ein paar schoene monate verbringen, bevor fuer ihn der \"ernst des lebens\" so richtig begann. fuer ihn duerfte wohl von vornherein klar gewesen sein, dass er meine leibliche mutter niemals in die usa holen wuerde. (dies geht u.a. auch aus einer bemerkung eines ehemaligen kameraden meines l. vaters hervor, der meine l. mutter offenbar warnen wollte, indem er ihr klar sagte, dass mein l. vater nicht die absicht habe, sie zu heiraten). er hat ihr das blaue vom himmel herunterversprochen, sie hat sich betören lassen, weil sie sich geliebt fuehlte, und weil sie weit weg in ein besseres leben wollte (wie du gesagt hast, ...!) ... und was wollte sie mehr, nachdem, was sie selbst schon durchgemacht hatte, als geliebt sein und ein besseres, gluecklicheres leben ... wer von uns will das nicht!!! man koennte sagen, beide meiner leiblichen eltern waren einfach jung und unglaublich dumm, und im schmelzofen des lebens kamen dann - mir gegenueber jedenfalls - auch ihre hoechst negativen eigenschaften zum vorschein und zum tragen. ja, ..., ich weiss, es wird allem anschein nach keine \"versoehnung\" mehr zwischen mir und meinen leiblichen eltern geben. beiden wollen sie mit dieser von ihnen verursachten geschichte nichts mehr zu tun haben. so gehe ich meinen weg, so werde ich eben oeffentlich aussprechen, was mir widerfahren ist in meinem leben, und das eine und andere noch ueber den gerichtlichen weg klaeren lassen, wie die vaterschaftsfeststellung eben beispielsweise ... ich weiss heute eines mit absoluter gewissheit: ich werde niemals wieder weghoeren, wenn jenes 8 monate alte maedchen in mir mit mir ueber seine geschichte sprechen will, denn auch alles, was ich spaeter getan habe in den wichtigen bereichen meines lebens, habe ich aus jener erfahrung heraus getan, alles negative, was man mir spaeter noch angetan hat, hat man im prinzip jenem maedchen angetan. jenes mädchen soll nun auch leben und sich ausdruecken duerfen, vielleicht wird dann endlich alles leichter fuer mich werden und ich ruhiger werden ... hoffen wir's ... nun ist's aber wieder lang geworden, ... ... ich danke dir, wie immer fuer's lesen und fuer dein intersse und dein beistehen ...
alles liebe und einen guten start in die neue woche
margaretha

13.09.2003 - 17:24: Re: Hallo Rod
lieber rod,
freilich hast du recht, auch ich bin von so manchen beitraegen schlicht angewidert, moechte sie am liebsten gar nicht gelesen haben ... ich verstehe gut, wenn du dich nur sparsam oder gar nicht mehr einbringen willst. auch ich habe das eine zeitlang praktiziert, und vielleicht kommt die zeit, wo ich es wieder tun werde! vorlaeufig aber habe ich mich entschieden, hier mitzuschreiben. ich tu' es fuer mich, weil ich noch weiter dazulernen kann in verschiedenster hinsicht, ich tu es fuer die leute hier herinnen, mit denen ich gerne kommuniziere eben hier herinnen, und ich freu mich nach wie vor, neue leute kennenzulernen. auch lerne ich, konflikte auf eine andere weise auszuhalten, als ich das frueher getan habe, und ich lerne \"oeffentlichkeit\" auszuhalten, auch das ist mir - fuer andere meiner vorhaben - wichtig. so, rod, muss jeder seine entscheidung finden und treffen. ich respektiere die deine, waere trotzdem schoen, hie und da von dir hier zu lesen ...
liebe gruesse von wien nach barcelona
margaretha
p.s.: mehr im mail

12.09.2003 - 00:32: Re: Ach nee, Kinderchen, so geht es wohl nicht!
Hi Rod, nein, nein, nicht wieder gleich verschwinden. DAS bitte tu uns nicht an, ok :-))))) Ist wichtig, Dich hier zu vernehmen!!!!! Hast ganz recht mit dem, was Du sagst. Es geht hier um Adoption, und wir alle sitzen im Grunde im gleichen Boot. Und alle wichtigen Aspekte im Zusammenhang mit diesem grossen Thema sollen an- und ausgesprochen werden duerfen. Auch jene Stimmen sollen gehoert werden, die Kritisches einbringen. Es kommt aber - wie bei allem - auf das WIE an, und da ist doch gerade hier, die wir Betroffenen alle so unsere \"Päcklein\" (die schwer sind, die uns Schmerzen verursachen etc.) mit uns durchs Leben schleppen, eine gewisse Rücksichtnahme im gegenseitigen Umgang miteinander angebracht und ein grundsätzliches Wohlwollen füreinander. Was ich hier erschreckend festgestellt habe bei manchen, ist das völlige Fehlen einer positiven Kommunikationskultur: da wird in einem Masse brutalst \"ausgeteilt\", dass einem gelegentlich die Spucke wegbleibt. Da werden Menschen fertiggemacht, die einfach Rat und Hilfe hier gesucht haben. (Und Du hast ganz recht, man möchte diese Leute einfach davonjagen!) Vor MOnaten habe ich mich, wie Du weisst, u.a. aus diesen Gründen vom Forum zurückgezogen, bin aber dann wieder eingestiegen, als ich gesehen habe, dass da gewisse einige wenige nur noch Angst und Schrecken verbreitet haben. Jeder soll sich hier in der für ihn wichtigen Art einbringen können, wir alle können so viel voneinander lernen. Ich zumindest habe schon sehr, sehr viel gelernt in diesem Forum. Von ... erhalte ich eine mir ungemein wichtige Stütze und Unterstützung bei der Artikulierung ganz spezieller eigener lebensgeschichtlicher Aspekte in eben dieser von mir bewusst gewählten Form von Öffentlichkeit, und das ist sehr, sehr wichtig für mich. Ohne das Forum hätte ich Dich nicht kennengelernt, ..., ..., ..., ..., ..., Irma, ... etc. etc. Und weil ich eben schon so viel von diesem Forum \"profitiert\" habe und weil ich dazu beitragen will, dass hier dem Thema Adoption und den davon Betroffenen wieder etwas mehr Achtung gezollt wird, deshalb mache ich wieder mit ... und gehe nicht mehr so rasch davon ... :-))) Ich hoffe, Du bleibst auch ...
Alles Liebe von Wien nach Barcellona
Margaretha

10.09.2003 - 22:43: An Martina
hallo, liebe ...,
heute noch ein wenig mehr zu deinem letzten posting an mich. indem du so gruendlich auf das von mir gesagte eingehst, tust du mir wirklich etwas gutes, denn du gibst mir einen spiegel, in dem ich das, was ich geschrieben habe, wieder besser erkennen kann, mir auffaellt, wo ich noch genauer nachdenken muss, praeziser formulieren muss, wo voellig neue aspekte zu beachten sind!!! vielen dank, dass du dir diese muehe mit mir gibst, mir deine zeit schenkst. es ist wichtig fuer mich, diesen kommunikationsprozess hier herinnen zu fuehren, denn dadurch lerne ich \"öffentlichkeit\" auszuhalten, das ist eine gute uebung, und gerade hier bist du mir eine wunderbare stuetze geworden.
alles liebe, ..., einen schoenen tag morgen
margaretha

10.09.2003 - 13:23: Re: An Martina
Liebe ...!
Wieder ein herzliches Danke fuer Dein differenziertes Eingehen auf meine Postings. Es hilft mir beim Verstehen und Artikulieren dessen, was mir an dieser meiner Geschichte so wichtig ist. Ich werde Dir bald ausfuehrlicher antworten. Nur so viel fuer den Beginn: Die Klagelieder unter dem Titel \"Meine arme leibliche Mutter\" habe ich schon vor Jahren gesungen, aber - aus meiner heutigen Perspektive - waren sie nur z.T. in dieser Form \"berechtigt\". Meine leibliche Mutter war eben nicht nur Opfer der Umstaende und eines grossen Verrates, sie war - in meine Richtung - auch kein Engel, ihr ganzes Leben nicht. Und nach österreichischen Recht waere sie nach dem Tod meiner A-Eltern sehr wohl zur Hilfestellung verpflichtet gewesen (mein l. Vater detto), aber sie hat - wie immer - den Weg des Davonlaufens, \"Sich-aus-dem-Staub-machens\" gewaehlt, und wie damals schon, hat sie stets gewusst ... Und noch eines: TOTALES OPFER damals war ICH, und erst heute kann ich mir diese Tatsache wirklich vor Augen führen und es auch aushalten. Meine leibliche Mutter konnte ihre sieben Sinne zusammennehmen und davonlaufen, ich war fuerchterlichen Menschen ausgeliefert und konnte gar nichts tun ausser zu bruellen und nicht aufzuhoeren zu leben. Meine Mutter verfuegt ueber eine unglaubliche Verdraengungskapazitaet, ich musste jahrzehntelang fuer ihr Versagen (und das meines Vaters) mit Kranksein bezahlen. Meine Mutter hat es geschafft in jenes Land zu kommen, wo sie durch meinen leiblichen Vater hinwollte. Ich mußte - weil ich eine halbe Amerikanerin war - damals hierzulande nach allen Regeln der Kunst versteckt werden, damit ich eine Chance auf ein einigermassen normales Leben bekomme (was ja auch einiges ueber die damalige geistige Verfasstheit der dortigen Sozietaet aussagt! Und wie ich heute weiss, habe ich immer und immer wieder im Laufe meines Lebens dafuer bezahlt, diese halbe Amerikanerin zu sein (z.B. durch den totalen Hass, den meine Stiefmutter sieben lange Jahre - ich war zwölf, als sie meinen A-Vater geheiratet hat - auf mich geschuettet hat, Morddrohung eines Bruders meiner A-Mama nach ihrem Tod, vollstaendiges Fallengelassen-Werden durch die A-Familien nach dem Tod meiner A-Eltern und und und) ... Ich habe die Probleme ausgebadet ueber JAHRZEHNTE, deren sich meine leiblichen Eltern in meiner Person entledigt haben. Und nun ist die Zeit gekommen, wo das beginne zu artikulieren und wo ich beginne, Gerechtigkeit einzufordern. Marina, bis zu dem Punkt, wo ich meine leiblichen Eltern als Opfer erkennen kann, in ihren guten Zügen, haben sie nach wie vor auch meine Sympathie, wo sie allerdings mir gegenueber zu Tätern geworden sind, dort endet mein Verstaendnis, denn von dem Punkt an muss ich mich nun selber um mein eigenes Wohlergehen kümmern. (Auch Mörder und Missbraucher haben kein grosses Interesse, ihre Taten mit Hinblick auf Verstaendnis in Richtung ihrer Opfer zu verarbeiten!!!) Ich weiss heute, dass ich - unter Mitschuld meiner leiblichen Mutter und deren Verwandten - am Beginn meines Lebens eben nicht leben sollte. Erst jetzt fange ich an, das zu begreifen!!! Aber spaeter schreibe ich noch mehr!
Liebe Gruesse Margaretha

07.09.2003 - 21:19: An Martina
liebe ...!
nun versuche ich, dir auf dein letztes laengeres posting an mich zu antworten. es war wieder sehr lieb von dir, wie genau du dich mit dem meinigen befaßt hast. es klingt schrecklich (und ich will wirklich keine der hier mitlesenden und mitschreibenden herkunftsmuetter kraenken, ihnen weh tun etc.), aber auch fuehle mich von meiner leiblichen mutter \"abgetrieben\", sie hat es geschafft, dies ein leben lang zu tun (und dies kann ich ihr wohl am wenigsten verzeihen!!!), auch und gerade hinter einer zum grossen teil zur schau gestellten freundlichkeit (wahrscheinlich ist sie gelegentlich in ihren gefuehlen mir gegenueber doch ein wenig ambivalent, denn ich gestehe ihr auch partiell positive gefuehle zu mir zu !!!). aber durch ihr verhalten hat sie - da hast du ganz recht - jegliches moralisch-ethische \"recht\" der elternschaft verwirkt. das bin ich dabei, als emotionale etc. tatsache zu akzeptieren, wenn dies auch meinerseits nicht heisst, dass ich sie sang- und klanglos ziehen lasse, denn in der einen und anderen sache wird sie sich schon noch mit mir befassen muessen. mit heutigem stand sage ich mir: ich hasse sie nicht, aber ich liebe sie auch nicht, als glaeubiger mensch ueberantworte ich sie \"dem hoechsten\". allerdings bemuehe ich mich nach wie vor um ein verstehen der gesamten situation damals, in der sie sich befunden hat, und hier kann man ja den leiblichen vater auch nicht so ohne weiteres ausser acht lassen, denn der hat sie nach strich und faden belogen und betrogen und hinters licht gefuehrt und sie auf das alleruebelste sitzengelassen. sie war ein blutjunges mädchen (zum zeitpunkt meiner zeugung gerade einmal 19 jahre alt), das eine schwierige kindheit und jugend hinter sich hatte, auch von den eltern buchstaeblich verstossen wurde (sie wuchs bei ihrem onkel, der ihr erziehungsberechtiger war, auf). mein leiblicher vater hat sie aus einer einigermassen guten und sicheren umgebung herausgelockt (offenbar wollte er einfach noch einige schoene monate vor seiner rueckkehr nach hause verleben ... stichwort beziehung mit ablaufdatum), mit einem heiratsversprechen zu sich nach heidelberg geholt, mit ihr dort zusammengelebt (habe ein foto des hauses gemacht!!!), sie vor seiner abreise zu ihr nach hause (österreich gebracht), ihr versprochen, sie so bald als möglich in die usa zu holen, und ... ward nicht mehr gesehen ... schrieb ihr auf die mitteilung, dass sie schwanger sei, die trostreichen worte, sie solle eine gute mutter sein ... und es duerfen zeit und unmittelbares umfeld nicht ausser acht gelassen werden: gut zehn jahre war es gerade einmal her, dass auch mit us-amerikanischer hilfe die nazis niedergekämpft wurden in europa, amis waren bei den meisten leuten hier ja verhasst, ami-soldaten noch mehr, und ... meine mutter war in ihrer familie wohl so etwas wie ein \"soldatenliebchen\", und noch dazu eines von einem ami, ihre innerfamiliäre beliebtheit duerfte wohl unter null gewesen sein ... umso dramatischer fuer sie die situation, als mein l. vater sie nicht zu sich holte, da war einfach familiär kein mensch mehr fuer sie da!!! und wer von ihren bekannten und freunden wollte sich denn mit einer ledigen mutter abgeben, die einen amerikanerbalgen (ich) mit sich durchs leben schleppte. genauso brutal stelle ich mir die situation meiner leiblichen mutter damals vor. extremsituationen machen aus den wenigsten menschen heilige, meine l. mutter ist ebenfalls moralisch-ethisch an ihr zerbrochen, und sie duerfte sehr, sehr weit gegangen sein in ihren ueberlegungen und plaenen, sich von mir zu distanzieren. de facto hat sie meinem zugrundegehen tatenlos zugesehen, de facto haette sie mich leuten auf dauer ueberlassen, die mich schon schwerst vernachlaessigt hatten ... sie muss sich wohl gedacht haben, niemand wird dieses kind wollen, also ueberlasse ich es seinem schicksal und bringe mich selber in sicherheit. meine l. mutter hatte also in einer extremsituation nicht die moralisch-ethische und emotionale kraft, zu mir zu stehen, vielleicht wollte sie sich meiner auch gezielt entledigen, um dorthin zurueckzukehren, von wo sie mein leiblicher vater geholgt hatte, nach daenemark, denn mir erzaehlte sie, dass sie dort einen nicht schlecht situierten verehrer gehabt hatte, vielleicht wollte sie zu ihm zurueck (und da waere ich ja tatsaechlich nur im weg gewesen!!!). ..., viele, viele jahre habe ich mich bemueht, die agenden meiner adoption zu verdraengen, habe ich mir gesagt, ich bin geliebt worden und habe die besten eltern der welt (gehabt) und einige wenige wunderbare menschen als begleiter gehabt, was will ich also noch mehr. aber ebenso bin ich aus bestimmten inneren verfassungen nicht herausgekommen, haben mich traeume und gefuehle verfolgt, die ich nicht deuten konnte. deshalb habe ich beschlossen, diese ganze adoptionsangelegenheit noch einmal - systematisch therapeutisch - aufzuarbeiten, und dies mit einigem erfolg, denn dass ich hier herinnen mitschreibe, auch das ist eines der ergebnisse meiner psychotherapie!!! erst mit therapeutischer begleitung war und ist es mir moeglich, mich diesen erfahrungen noch einmal zu stellen, gehe ich sie immer und immer wieder durch, wende sie von allen seiten, bis ich eines tages sagen können werde, so nun kann ich mit dem was ich weiss, denke und fuehle einigermassen beruhigt und freier als bislang weiterleben. ich erwarte mir nicht totale befreiung, denn gewisse dinge werden ein leben lang weh tun, das liegt einfach an der dichte der faktizitäten ... dann muss ich noch eine richtigstellung vornehmen: nicht meine leibliche mutter hat illegale methoden bei der suche nach mir angewandt (sie hat nicht gesucht, ihr onkel, der immer wußte, wo ich war, hat mich nach dem tod meines vaters kontaktiert), sondern mein leiblicher vater und eine der suchagenturen, die in seinem auftrag gearbeitet haben. und hier bin ich schon der meinung, dass dies der öffentlichkeit mitgeteilt werden sollte, WIE hier u.U. (nicht von allen wohlgemerkt!) gearbeitet wird. auch wuerde ich nicht den involvierten behoerden die schuld in die schuhe schieben, denn die haben ja - aus meiner sicht - keine der ges. auflagen verletzt, sie bekamen ja originalunterschriebene briefe, konnten sich im glauben wiegen, eine tochter suche informationen zu ihrer mutter. (mittlerweile sind diese dinge im original alle in meinem besitz!!!, denn die behoerden haben ihre antwort auf den eingabeschreiben deponiert und diese zurueckgesandt!). mein leiblicher vater hat illegale methoden angewendet und anwenden lassen!!! aber ueber ihn und seine rolle ein ander mal ... hab nun deine geduld wieder strapaziert, aber danke fuers lesen und eingehen ...
alles liebe, ..., und einen schoenen einstieg in die kommende woche
margaretha

05.09.2003 - 21:08: Hallo Lucie
Liebe Lucie!
Ich als Adoptierte will Dir sagen, dass ich Deine Entscheidung zur Adoptionsfreigabe Deines Kindes in höchstem Maß achte, denn Du hast aus Liebe und Verantwortungsbewußtsein für Dein Kind gehandelt. Dir hier geheuchelten Altruismus usw. vorzuhalten tut mir persönlich weh und ich erachte das sowohl als übelste verbale Entgleisung und auch als einen Akt beispielloser Rohheit, überall, aber auch gerade hier herinnen in diesem Forum. Ich kann Dir nur empfehlen, gewisse Äusserungen nicht an Deine Gefühle heranzulassen, denn diese Gefühle sind zu kostbar. So halte ich es jedenfalls und fahre ganz gut damit! Ich hoffe auch von Herzen, dass ich Dich (und auch alle anderen Herkunftsmütter) mit den Darstellungen meiner eigenen Geschichte (leibliche Eltern) nicht verletzt und gekraenkt habe. Das taete mir naemlich sehr, sehr leid. Für mich ist es einfach so, dass ich meine eigene Wahrheit auch aussprechen können muß!
Ich gruesse dich lieb und wünsche Dir ein schönes Wochenende. Margaretha
P.S.: Waere wirklich schoen, oefters von Dir zu lesen!!!

03.09.2003 - 17:30: An Suse
hallo, liebe suse! hab mich ueber deine antwort gefreut!! und gut zu hoeren, dass dein juengster sich wieder einigermassen eingekriegt hat!!! ich hab dich das mit dem psychologie-studium deshalb gefragt, weil ich selber sehr wohl mein studium als eine art \"vergangenheitsbewaeltigung\" (auch privat) betrieben habe (hat sich aber in dieser deutlichkeit erst im nachhinein herausgestellt!) ist ja keine schande, nicht :-))) ausserdem ist mir noch etwas zu einer deiner frueheren wortmeldungen an mich eingefallen: deine einschaetzung hinsichtlich des reaktionsspektrums meiner leiblichen mutter mir gegenueber scheint mir ins schwarze zu treffen, genau das vermute ich auch bzw. nehme ich an!!! sie hat sich auf ihre weise \"eingebunkert\" und laesst keine anderen versionen der geschichte - als die ihre - mehr an sich heran, und sie sitzt es ganz einfach jenseits des ozeans aus ... gut ... weisst, ich bin schon mit so vielem fertig geworden, mit so vielen (wie du auch), dass ich auch in dieser richtung eigentlich sehr zuversichtlich bin, was meine \"verarbeitungs\"-kapazitaet anlangt. zudem bin ich gut begleitet ... wer ist den der kleine stubenhocker in der windel ... :-)))
liebe gruesse margaretha

03.09.2003 - 15:39: Re: angst
liebe biene, ich bin zwar \"nur\" adoptierte, moechte dir und deinem mann aber mitteilen, dass ich eure \"angst\" durchaus nachvollziehen kann. es werden das einfach viele, viele fragen sein, die auf euch einstuermen, die ihr euch stellt, wenn ihr den weg auf eine mögliche adoption zu geht. so viel mir aus dem mitlesen in diesem forum bekannt geworden ist, gibt es da ja auch eine reihe von begleitenden beratungsangeboten für werdende adoptiveltern. so nehme ich an, dass da auch diesbezüglich über das jugendamt auskünfte zu bekommen sein müßten. aber viel lieber wuerde ich die antwort auf euer posting hier jenen überlassen, die einen solchen prozess schon selber durchlaufen haben. meine empfehlung: holt euch so viel als möglich qualifizierten unterstützenden rat, da werden dann wohl eine ganze menge eurer fragen beantwortet werden können.
liebe gruesse margaretha

02.09.2003 - 22:32:An Suse
liebe suse,
wie immer, schoen von dir zu lesen ... auch dein gutes wissen in diversesten bereichen erstaunt mich ... du kannst dir ja denken, wo ich ein wenig von deinen ansichten abweiche :-))) aber genauso vertraue ich darauf, dass du dich in dem, was du denkst und tust, an die \"guten spielregeln\" haeltst, deshalb will ich da gar nicht mehr allzu viel federlesens daraus machen ... auch, wenn's um das verzeihen geht, driften unsere ansichten wahrscheinlich auseinander. das ist fuer mich aber nicht tragisch oder dramatisch, denn gerade unterschiedliche auffassungen koennen zu guten diskussionen fuehren, und wir alle koennen davon lernen ... ja, du musst auch am eigenen leib schreckliches mitgemacht haben und fuerchterliche erinnerungen in dir herumtragen. ist dein psychologie-studium eine der formen, mit denen du auch deine eigene vergangenheit besser in den griff bekommst?!!! nur eines noch: ich denke, die \"problematiken\" von adoptierten und misshandelten sind doch unterschiedlichen typs. es mag bereiche geben, die aehnlich sind, aber es gibt sicher eine menge unterschiede. das nicht-wissen ueber die leibliche herkunft schafft eine eigene fragen-, ideen- und gefuehlswelt im adoptierten, und umgekehrt sehe ich nicht jeden adoptierten automatisch als psychisch oder körperlich misshandelten (dass dies vorkommen kann, wissen wir). aber dazu koennen wohl gerade ... und ... mehr sagen, die - im unterschied zu mir - in diesen sozialen bereichen tätig sind ... so, nun bin ich mued' und geh' zu bett ...
ich gruess' dich lieb
margaretha

02.09.2003 - 22:16: An Monika
liebe ...,
ich freue mich wirklich sehr, dass du hier wieder mitschreibst, denn auch deine beiträge sind für mich immer bereichernd und wichtig, und wahrscheinlich nicht nur fuer mich!!! ja, unsere lebensbejahung erhalten wir von jenen, die uns mit ihrer liebe bejahen, ob das nun leiblichen verwandte, adoptivverwandte sind oder gute freunde, wichtig ist die tiefe bindung, die wir zu diesen menschen entwickeln koennen. allerdings muss ich einfach auch sagen, wie positiv ich es erlebe, dass ich via therapeutischen prozess ja zu meiner leiblichen herkunft sagen kann, trotz allem negativen, ich fange an, ja dazu zu sagen! und mit meiner schwester erlebe ich einen wunderschoenen prozess des beziehungsaufbaues (wie ich es nie mehr fuer moeglich gehalten haette zuvor), und ich freue mich einfach, dass sie auch meine leibliche schwester ist! und: meine liebe ..., du wirst noch ein dickes buch schreiben mit vielen kapiteln!!!! ich wuerde es jedenfalls sofort kaufen und mit grossem interesse lesen!!!!!! aber auch deinen vorschlag in richtung gemeinschaftswerk finde ich wert, angedacht zu werden!!!!!!!
ich gruesse dich lieb aus wien
margaretha

02.09.2003 - 16:27: Re: an Georg
lieber georg!
mit einiger bestuerzung habe ich dein posting nicht nur einmal, sondern gleich mehrere male gelesen und mir eure dramatik in alle richtungen vorgestellt! vergewaltigung ist eine entsetzliche sache, vergewaltigung eines kindes (eines heranwachsenden mädchens), eurer tochter ... grauenhaft!!!! als mutter einer mittlerweile erwachsenen tochter habe mich einige male gefragt, was ich wohl tun würde, wenn ... hier ist noch dazu ein neuer mensch entstanden, der leben und geliebt sein will!!! wie schoen ist es fuer mich (als adoptierte), dass ihr als grosseltern so ohne wenn und aber ja zu diesem kind sagt. allerdings wuerde ich an eurer stelle sehr wohl auf den rat des psychologen hoeren, der einfach ueber erfahrungswerte in derartigen dingen verfuegt. und wenn er meint, es sei eurer tochter nicht zumutbar, mit dem kind gemeinsam zu leben, dann wird er mit sicherheit wissen, wovon er spricht! adoption kann in eurem fall eine durchaus gute option sein, noch dazu bei so viel wohlwollen und kommunikationsbereitschaft (auch fuer die zukunft) von euerer seite zu diesem kind). auch dieses kleine soll zunaechst einmal - meinem gefuehl nach - unbelastet von den umstaenden seiner zeugung heranwachsen koennen, und dann einmal den eigenen weg zur eigenen geschichte finden. und gerade in diesem fall sollte es wirklich dem kind eines tages ueberlassen bleiben, OB UND WIE NAHE ES AN DIESE SEINE AUSGANGSSITUATION HERANGEHEN WILL. auch dahin werden die gedanken des psychologen gegangen sein vielleicht. Denn könnte das kleine bei einer derartigen (mir absolut verständlichen) aversion seiner leiblichen mutter einigermassen unbelastet heranwachsen? ich für meinen teil will es vorsichtig bezweifeln! und eure tochter braucht offenbar auch einen grossen abstand, um ihren weg in ein eigenverantwortetes leben dereinst finden zu koennen, auch sie ist ja noch mitten drinnen im aufwachsen!! und auf dieses erlebnis hinauf braucht sie gerade euch. ich denke, das kleine bekommt auf jeden fall eure liebe mit auf seinen lebensweg, und das spührt es schon jetzt, und ihr kennt ja die menschen, in deren hände ihr es legt, und ihr seid fuer es da, wenn ihr gebraucht werdet. das ist schon einmal so unendlich viel. und nach jahren, wer weiss, kann auch eure tochter zu einer freundlicheren einstellung zu diesem kind finden, vielleicht ...
ich wuensche euch allen von herzen alles gute
margaretha

02.09.2003 - 00:55: Familie ... für Laura und ...
liebe laura,
bestimmte aussagen zu \"familie\", die hier getroffen wurden, kann ich so nicht einfach unwidersprochen lassen bzw. will ich sie ein wenig ergaenzen um meine sicht dieser fuer mich so wichtigen sache: ich denke mir, familie ist viel, viel mehr, als lediglich durch genetische gemeinsamkeit entstehen kann. familie erleben wir dort, wo wir uns geliebt, vertraut, angenommen fuehlen, wo wir unterstützung finden für unser wachsen, wo wir aufgefangen werden in schwierigen phasen. familie ist nicht einfach ein fuer alle mal da, sondern wird gelebt mit anderen menschen und wird beständig neu geschaffen durch das miteinander und füreinander. familien schaffen sich menschen in allen moeglichen situationen, um ihr überleben und leben auf allen möglichen lebensebenen zu gewährleisten. familien entstehen nicht bloss durch abstammung, das KANN (und ist es in der regel auch) ein sehr wichtiges identifikationsmerksmal sein, ist aber nicht zwangläufig für jede familienkonstellation. es ist auch nicht richtig, dass durch abstammungsverwandschaft sich automatisch familiengefuehle einstellen. ich bin adoptierte, bei mir war und ist das nicht der fall. von neun (!!!) halbgeschwistern entwickelt sich bei mir \"so etwas wie\" ein familiengefühl erst allmählich mit einer einzigen (!!!) leiblichen halbschwester, erst allmählich fange ich an, sie als \"schwester\" zu empfinden. was ich allerdings sehr wohl beim kennenlernen der leiblichen verwandten zunaechst einmal spührte war die (auch in der fachliteratur als solche bekannte) \"genetic attraction\", ein verbundenheits- und sympathiegefühl, das ausgelöst wird dadurch, dass fundamentale gemeinsamkeiten (in der äußeren erscheinung, bei diversen charakterzügen etc.) zum ersten mal in dieser form als biologisch fundiert, als einfach vorgegeben, als DA, erlebt werden. (ist jedenfalls meine interpretation von genetic attraction) mein sein hatte plötzlich einen handfesten grund, nämlich zwei menschen, die meine eltern sind, und ich darf mich über ebensolche fundamentale ähnlichkeiten mit weiteren leiblichen verwandten erfreuen ... bei mir klang dann die genetic attraction spaetestens auch in jenem prozess wieder ab, als vor allen dingen die kulturellen unterschiede im verhalten zueinander (werthaltungen, lebensorientierungen, lebensqualitäten etc.) zum tragen kamen. also ich hab bei gott nicht erlebt, nun endlich (in meinem fall wieder) \"familie\" zu haben (so gerne ich welche gehabt hätte, denn meine a-eltern waren ja schon tot!!!), als ich meine leiblichen verwandten kennenlernte, im gegenteil, ich habe erkennen muessen, dass dies gerade NICHT MEINE FAMILIEN waren und sind. dennoch hat mein reines dasein durch das kennenlernen der leiblichen verwandten eine selbstverständlichkeit (die offenbar durch die tatsache des biologischen daseinsgrundes, der biol. daseinsgemeinsamkeit gegeben ist) erhalten, die es vorher in dieser form nicht hatte, und das empfinde ich nach wie vor wie eine \"erlösung\" aus einer existentiellen beliebigkeit. so habe ich es erlebt, laura, aber du wirst dir deinen eigenen weg bahnen zu deiner leiblichen herkunft, wirst deine eigenen lernprozesse durchleben und deine eigenen unteilbaren erlebnisse haben, und du wirst fuer dich herausfinden, zu wem du auf welche weise gehoerst und wen die auf welche weise in DEIN familienverständnis integrierst!
ich wuensche dir einfach alles gute auf deinem weg
margaretha

01.09.2003 - 21:36: Re: An Martina
liebe ...!
meinen herzlichen dank, dass du so ausfuehrlich auf mein posting eingegangen bist. ja, es stimmt, das verhalten meiner leiblichen eltern mir gegenueber hat mir sehr, sehr weh getan, insbesondere jenes nach den sogenannten reunions, denn so genau wußte ich ja bis vor etwa zwei jahren nicht, was damals waehrend meiner ersten lebensmonate mit mir passiert ist. ich hatte ja dann sehr früh meine adoptiveltern verloren (mit 8 1/2 meine mama und mit 18 1/2 meinen vater) und war - auch auf grund der oesterreichischen rechtssituation - fortan ohne jeglichen familiaeren rueckhalt. und wie ich schon sagte, ich haette mich erst dann - vielleicht - auf die suche nach meinen leiblichen eltern gemacht, nachdem ich mein leben gefestigt gehabt haette. meine (a-)eltern und meine lebensbegleiter haben mich zu einem sehr lebensbejahenden menschen werden lassen, und ich haette das bestimmt alles geschafft, wie ich es ja (unter aufbietung so ziemlich meiner allerletzten kraefte) es unter noch viel schwierigeren bedingungen dann auch geschafft habe, denn trotz uebelster widrigkeiten habe ich doch noch einiges erreichen koennen, habe ich den guten kurs immer wieder gefunden, allein!!! und weil ich durch diese reunions noch einmal massiv geschaedigt worden bin, zweimal, deshalb vertrete ich so nachdrücklich, dass ich nicht gefunden hätte werden sollen, dass ich beschützt davor haette sein sollen, dass ich selber, und nur ich selber, mich auf die suche haette machen sollen. wie gesagt, ich haette mein leben schon geschafft! aber es kam wie's eben kam, und heute befinde ich mich in einer phase der rueckschau (die nicht ewig andauern soll, denn dazu habe auch ich keine lust!!!), ich fuehre mir meinen gesamten lebensverlauf noch einmal vor augen und \"verarbeite\" \"systematisch\". und dazu gehoert eben auch, dass ich alles in erfahrung bringen will, was mir noch an wichtigen informationen zu meinem leben fehlt. und nun bin ich es, die position bezieht und die distanzen bestimmt ... ich habe immer schon viel geschrieben (war eine ueberlebenstechnik!), so habe ich also hunderte geschriebener seiten zur verfuegung, die nur noch auf eine letzte durchstrukturierung warten, um publiziert werden zu können. aber damit will ich warten, bis laufende verfahren zu einem (welchem auch immer) ergebnis gekommen sind, damit ich auch diese dinge dann einarbeiten kann. jetzt brauch ich auch keine eile mehr zu haben, niemand macht mir druck! die recherchearbeiten habe ich z. grossen teil schon erledigt. ich war in jenem haus, in dem sich meine tragödie abgespielt hat. (dass dann die tragoedie auch noch im spital ihre fortsetzung fand, steht auf einem andern blatt, und da laesst sich gar nichts mehr \"beweisen\", dafuer habe ich nur eine muendliche aussage) ich habe mit dem arzt gesprochen, der mich seinerzeit mehrfach ins spital eingewiesen hat (der konnte - oder wollte - sich aber an mich nicht mehr erinnern. er sagte mir allerdings definitiv, dass jenes haus in jeder hinsicht eine sehr schlechte umgebung war!! karteikarten aus jener zeit hat er angeblich auch nicht mehr!). meine krankenhausakte existiert nicht mehr, da schon zu lange zurueck, wurde mir gesagt. ich habe auskünfte bei sozialarbeiterinnen (auch aus damaliger zeit) eingeholt, um in erfahrung zu bringen, wie in den 50er jahren behoerdlicherseits mit ledigen kindern, pflegekindern etc. umgegangen wurde ... und natuerlich versuche ich immer und immer wieder nachzuvollziehen, in welch dramatischer situation sich meine leibliche mutter damals befunden haben muss (das verhalten meines leiblichen vaters damals ist ja eine eigene geschichte!!!), von ihrer familie restlos im stich gelassen, mit dem kind eines \"amis\" im leib ... und ich versuche nachzuvollziehen, wann und wie ihre beziehung zu mir zerbrochen ist, wann sie sozusagen aufgrund des situativen druckes \"kippte\", davonlief und mich - ich kann es nicht anders sagen - wie ein stueck dreck im dreck liegen liess. sie sah offenbar keine andere lösung mehr fuer sich, als davonzulaufen, augen und ohren zu verschliessen und nicht mehr an mich zu denken. dass sie das unmittelbar nach meiner geburt getan hat koennte ich ihr vielleicht verzeihen, denn ... aber dass sie ein halbes jahr spaeter noch ihre unterschrift unter einen antrag auf dauepflege setzte, zu einem zeitpunkt, als ich in so schlechter gesundheitlicher verfassung war, dass ich mich knapp vor der wiedereinweisung ins spital befand, und ich mich fragen muss, ja, hat denn diese junge frau mich nicht angesehen, hat sie oder wollte sie nicht bemerken, dass ich am zugrunde gehen war, oder wollte sie das vielleicht insgeheim, ja auch diesen gedanken bin ich erst durch diese ihre unterschrift unter jenem antrag gekommen, und sie zeigt mir auch ein negatives kalkül mir gegenüber und läßt mich das eine und andere in ihrem verhalten unmittelbar nach der geburt in einem anderen licht erscheinen (z.b. der hinweis im behördlichen fragebogen anlaesslich meiner geburt, sie wolle nach dänemark auswandern!!!! da kann ich mir nicht vorstellen, dass sie mich mitnehmen wollte!!!). sie ist einfach abgehauen, hat das vereinbarte pflegegeld nicht bezahlt und mich nicht krankenversichern lassen, und sie taucht nach monaten wieder auf, um einen antrag auf dauerpflege bei leuten zu unterschreiben, denen sie (nach ihrer eigenen aussage) entfliehen wollte!!!! das alles geht mir durch den kopf, seit ich die bedeutung jener unterschrift studiere und nach und nach entschlüssele, seit ich die behördlichen unterlagen aus jener zeit vergleiche mit dem, was sie mir mitgeteilt hat, und was mir ihr onkel dazu mitgeteilt hat. und erst jetzt glaube ich, verstehen zu koennen, warum sich meine leibliche mutter in den vergangenen jahrzehnten so und nicht anders zu mir verhalten hat, als sie es eben getan hat!!! meine leibliche mutter ist kein ungeheuer, sie hat mir nur gezeigt, dass sie unter dem druck einer fuer sie wohl als extrem empfundenen situation, bereit war, mein leben auf's spiel zu setzen und dass sie nur sich selber \"in sicherheit\" bringen wollte. und natuerlich frage ich mich, warum hat sie nicht wenigstens dazu geschaut, dass ich zu anderen leuten komme, das muesste doch damals auch moeglich gewesen sein. den weg zur behoerde, um den fragebogen auszufuellen, hat sie doch gemacht, sie haette doch dort gleich mitteilen koennen, dass sie einen pflegeplatz sucht. sie hat gezeigt, dass sie in der lage war, sich selber aus einer miesslichen lage zu befreien, sie war also handlungsfaehig, konnte situationen offenbar richtig auf ihre qualitaet hin einschaetzen. warum bloss hat sie mich so konsequent im stich gelassen, und ich werde ein gefuehl immer weniger los, naemlich jenes, dass sie insgeheim gar nicht wollte, dass ich ueberlebe ... sie hat mich in sich abgetoetet, damals schon. ich habe zudem auch jenes dokument gesehen, in welchem sie um die us-staatsbuergerschaft ansuchte und mich nicht in der liste der \"living children\" nannte. sie hat mich gezielt verschwiegen, war also wieder in der lage zu luegen, und indirekt habe ich es noch einmal wie eine todeserklaerung in meine richtung empfunden, als ich das so schwarz auf weiss sah. ihre - von ihrem onkel betriebenen - schritte im zuge der sog. reunion waren wohl weniger solche in meine richtung, denn vielmehr eine art kosmetik an ihrem eigenen selbstbild, denn in meine richtung ist sie gezielt \"blind\" und \"taub\" geblieben. heute sage ich mir aus meiner perspektive: meine leiblichen eltern mussten zusammenkommen, um mich zu zeugen, und es ist - unabhaengig von ihrem verhalten mir gegenueber - gut, dass ich in der welt bin. sie haben mir auch gute eigenschaften mitgegeben, aber von ihren negativen botschaften will ich mich fuer immer befreien!!! ich erhalte meinen wert als mensch nicht von meinen leiblichen eltern, sondern von jenen menschen, die mich geliebt haben und die mich lieben, wenn dies meine leiblichen eltern nicht koennen, ist das nicht meine schuld, es ist ihr problem, und ich muss mich im grunde nicht mehr damit befassen. wenn ich in richtung meiner leiblichen eltern schaue, habe ich mir oft schon gewuenscht, nicht am leben zu sein, zu negativ empfinde ihre \"botschaften\" in meine richtung. dass ich dennoch ein lebensbejahender und ueberaus positiver mensch bin, der das schoene in der welt sucht und auch findet, das danke ich \"meinen\" menschen, meinen (a-)eltern, meinen lebensbegleitern und allen, die mir positives in mein leben geben!!! und in meinen gefuehlen und gedanken hat immer das ja zum leben ueberwogen, und so wird es auch immer sein. da gibt es also genug zu schreiben :-))))) liebe ..., ich danke dir fuer's zuhoeren und eingehen, du kannst das wirklich wunderbar ... alles liebe margaretha

01.09.2003 - 16:02: Re: komisches Gefühl
liebe laura, fuer mich ist es das normalste auf der welt, dass du deine leibliche mutter gefuehlsmaessig vermisst (habe selber aber viele jahre gebraucht, um dieses gefuehl in mir wieder ausfindig zu machen). sie ist deine leibliche mutter, du hast u.a. ihr leibl. erbgut in dir, du warst neun monate in ihrem bauch, hast ihre herztoene gehoert, ihre stimme gehoert, ihre stimmungen gespuehrt. wer weiss, vielleicht hat sie viel mit dir gesprochen waehrend der schwangerschaft und vielleicht auch noch nach der geburt, vielleicht hat sie auch bis zum heutigen tag sehnsucht nach dir!!! genauso gut kann ich verstehen, wenn du sagst, dass du deine a-eltern liebst (bei mir kein bisschen anders!!!!). h-eltern und a-eltern haben einfach UNTERSCHIEDLICHE plaetze in unserem leben, sie sind KEINE KONKURRENTEN. (so jedenfalls sehe ich es!) im gluecklichen fall lieben wir beide!!!!
liebe gruesse
margaretha

31.08.2003 - 20:22: Re an Sabeth
liebe sabeth!
ich verstehe dich vollkommen in deinem beduerfnis nach schutz!!! du brauchst dich hier auch nicht ueber jenes mass hinaus zu \"offenbaren\", wo es dir unangenehm würde, dir unannehmlichkeiten verursacht werden koennten. es freut mich aber zu hoeren, dass du deine leiblichen eltern gefunden hast. ich nehme an, du hast sie selber gesucht. noch mehr freut mich, dass da offenbar auch zum teil sehr positive kommunikation moeglich ist. auch fuer deine leiblichen eltern ist das ja keine einfach situation!!! ich fuer meinen teil habe viele jahrzehnte gebraucht, um in der weise offen ueber meine geschichte zu sprechen, wie ich es nun tue. und nun stehe ich dazu, mit allem drum und drann, und mir bringt das mehr sicherheit, gewissheit meiner selbst ... aber es muss einfach ein jeder SEINEN weg finden, um mit diesen dingen zurechtkommen zu koennen!
liebe sabeth, ich wuensche auch dir einen guten einstieg in die neue woche!
margaretha

31.08.2003 - 20:06: Re: An Martina
Liebe ...!
Wie in anderen Fällen auch, sehe ich wieder einmal, wie tief und genau Du Dich in die Situation eines anderen Menschen hineinzuversetzen versuchst! Allein das tut schon gut, zu bemerken!!! Weißt Du, wenn ich Dir auf all Deine Fragen nun ausführlich antworten wollte, müßte ich Dir mein Leben erzaehlen, und damit könnte ich nicht nur ein Buch füllen, sondern mehrere! Komprimiert gesagt: 1. Ich wünsche, dass mir meine leibliche Mutter über jene ersten Monate die Wahrheit sagt. Ich würde es gerne aus ihrem Munde vernehmen. Das hat sie nämlich bislang NICHT getan (die von ihr getroffenen Aussagen und die nachträglich von mir eingesehenen Dokumente belegen den WIDERSPRUCH), sie weigert sich allerdings tiefer und genauer auf jene Zeit einzugehen und meinte (vor ca. eineinhalb Jahren) telefonisch (auf meine konkrete Frage hinauf), sie hätte mir schon alles gesagt, und sie wünsche nicht mehr mit mir zu sprechen!!! Sie hat also - auch aus ihrer Sicht - etwas zu verheimlichen. Da aber in jenen Monaten offenbar mehr geschehen ist, als ich bis vor kurzem angenommen hatte, will ich einfach ALLES darüber wissen, und ich wuerde meine leibliche Mutter gerne auf irgeneinem Weg \"verpflichten\", mir Auskunft zu geben. Diese Frau weiss genau, dass sie Schuld auf sich geladen hat, und sie will einfach ihre Ruhe haben. Eine Ruhe, die mir auf Grund ihres (und meines leiblichen Vaters Verhaltens) trotz meines Wollens ein Leben lang nicht vergönnt war! Denn während sie (und mein leiblicher Vater)IM WISSEN um meinen aeusserst schwierigen Lebensverlauf (den ich mir nicht selber ausgesucht und verursacht hatte) sich einfach immer und immer wieder \"aus dem Staub machte\", sie beide ihre normalen Familienleben (auf Mom und Dad machten) lebten, soviel ich weiss keine groeberen Störungen ihres gesundheitlichen Befindens hinnehmen mußten (im Unterschied zu mir), konnte ich die Probleme ausbaden, die mir meine leibliche Mutter und mein leiblicher Vater zum wiederholten Mal verursachten und hinterließen. 2. Es gibt eine Form von Gerechtigkeit, die ich so hergestellt sehe, dass die Wahrheit gefunden und ausgesprochen wird. Ich kann das auch selber tun, und ich habe mich bereits ans Werk gemacht. Das kann ich mir sogar in der Form vorstellen, dass ich eines Tages alles Wesentliche veröffentliche, was ich an Dokumenten zu meinem Fall besitze. Und hier denke ich auch an Deinen seinerseits mir gemachten Vorschlag, ev. den Petitionsausschuss des Dt. Bundestages einzuschalten, um die gewaltigen rechtlichen Ungereimtheiten im Zuge der Suche nach mir durchforsten zu lassen. (Es wurden ja an dt. Städte Briefe unter meinem Geburtsnamen und mit gefälschter Unterschrift - meiner - abgeschickt. Eine Behörde hat daraufhin auch sensible Daten herausgegeben.)Natuerlich muessen diverse Rechtsfragen bedacht werden! 2. Habe ich ein Vaterschaftsanerkennungsverfah ren bei Gericht angestrengt. Und unabhängig von seinem Ausgang besteht für mich die \"Therapie\" hier einfach darin, dass ICH DIESEN SCHRITT GESETZT HABE. Ich bin damit nicht mehr bloss das herumgestoßene wimmernde Nichts, das um das Leben und Angenommensein bettelt, sondern nun sage ich einmal in die dafuer richtige Richtung - auch rechtlich - ICH WILL! 3. Und wenn ich mich einmal ausreichend zu meiner Geschichte zu Wort gemeldet haben werde, möchte ich jenen Punkt erreichen, wo ich mir sagen kann: Gut ich weiß, gewisse Dinge werden ein Leben lang weh tun, ich finde mich darin ein, aber ich werde wieder - wie schon in den Jahrzehnten zuvor - mit aller Kraft sagen: dieses Thema dominiert nicht mehr meinen Alltag. Meine grosse Hoffnung ist, dass ich diesen Zustand wirklich erreichen werde!!!! Dazu gehoert auch - wie Ina schon sagte - das Verzeihen, und auch für mich ist es ein Ziel, das zu können. Ich weiß heute schon, dass meine leiblichen Eltern irgendwann mit sich selber \"ins Reine\" kommen müssen, und dass sie sich - wann immer - jener \"höheren Instanz\" (nennen wir's Gott, die Liebe etc.) stellen müssen, und da bleibt ihnen auch ihre eigene Erinnerung nichts schuldig! Da müssen dann auch sie durch, wenn sie Vergebung erlangen wollen!!! Ich habe mir schon vor Jahren gesagt: Verzeihen kann auch bedeuten, auf Rache zu verzichten, auch dabei bleibe ich!!! 4. Einzig eine leibliche Verwandte, eine Halbschwester väterlicherseits, ist in der Lage, mit mir ueber die Dinge meines Lebens zu kommunizieren. Dass auf der mütterlichen Seite sämtliche Kontakte entgegen meinem Wollen wieder abgebrochen sind, duerfte auch das Werk dieser leiblichen Mutter sein, die eines meisterhaft beherrscht: in allen Lebenssituationen ihre eigenen Interessen in den Vordergrund zu stellen, und dies in meine Richtung IMMER auf meine Kosten!!! So normal und freundlich sie einerseits zu mir und und und auch gewesen und in ihrem Lebenskreis immer noch sein mag. Schon deshalb ist mir jeder Radikalegoismus in welcher Form auch immer zutiefst zuwider! Aber ich will auch meine Schwester nicht dauerbelasten mit dieser Thematik, ich will ja mit ihr in erster Hinsicht Positives kommunizieren und aufbauen. Wichtig ist mir hier lediglich, dass ich hie und da etwas \"rüberbringen\" kann, dass ich bei meiner Wahrheit bleiben kann und diese nicht verstecken muß. So, das wär's einmal fuers erste ... Wir werden ja sehen, wie die Dinge sich entwickeln!
Nun grüße ich Dich einfach lieb und wünsch Dir heute schon einen guten Start in die neue Woche.
Margaretha

29.08.2003 - 21:45: Re: An Roswitha
Meine liebe Roswitha! Deine Zeilen haben mich sehr tief berührt!!! Danke! Sei getrost, ich hasse meine leibliche Mutter nicht! Und ich weiss, dass Menschen, die mich geliebt haben und lieben, an meiner Seite sind! Wie sehr wuensche ich allen Menschen, die in einer Notlage sind, dass ein Mensch kommt und die Hand reicht! (Bei wie vielen ist das nicht der Fall!!!!) Was ich sehr wohl wuensche Roswitha, ist, dass meine leiblichen Eltern sich auch einmal MEINER Lebensrealität stellen und erkennen müssen, welche Qualität sie darin verursacht haben. Heilung seelischer Verwundung geht m.E. nur ueber die Erkenntnis der gesamten Wahrheit (und das tut noch einmal weh, wie du weißt), über den Ausdruck dieser Wahrheit und - wenn massives Unrecht geschehen ist - über das Einfordern der Verantwortung dafür (für mich zumindest ist das so!!!) mit Hilfe jener Instanzen, die die Gesellschaft für diese Fälle eingerichtet hat. Vielleicht kann man dann einmal verzeihen, ich würde es auch mir wünschen, dass ich eines Tages meinen leiblichen Eltern wirklich verzeihen kann für den Schaden, den sie meinem Leben verursacht haben, nachdem sie es in diese Welt geworfen haben! Heute weiss ich nur: Ich will meine leiblichen Eltern nicht hassen, aber ich will sie in jene Verantwortung genommen wissen, vor der sie ein Leben lang davongelaufen sind! Und damit meine ich nicht, dass ich die Freigabe zur Adoption schlecht für mich gewesen wäre, im Gegenteil, das war ein guter Schritt! Ich meine ganz andere Dinge, vor denen ich nicht mehr - wie ich viele, viele Jahre, Jahrzehnte versucht habe - die Augen verschließen kann! Du, Roswitha, hast insofern mehr Frieden in dieser Hinsicht in mein Leben gebracht (DANKE!), als ich in Deinem Fall erkennen konnte, wie sehr Du Dich nach Deinem zur Adoption freigegebenen Kind (die Art, wie das passiert ist, hat mich auch zutiefst erschüttert!!!!!) sehnst! Wie gerne wäre ich einer leiblichen Mutter wie DIR begegnet!!!!
Alles Liebe, Roswitha, und ein schönes Wochenende
Margaretha
P.S.: Dein Mail ist angekommen, ich hoffe, meine Antwort drauf auch bei Dir!

29.08.2003 - 08:48: Ich hätte mir gewünscht ...
Ich als Adoptierte hätte mir gewünscht, dass meine leibliche Mutter mich nach meiner Geburt in den Arm genommen und gestreichelt hätte, dass sie mir in die Augen geschaut hätte und mir \"erklärt\" hätte, warum sie mich nicht bei sich behalten kann. Ich hätte mir auch gewünscht, dass sie auch später noch gelegentlich ein wenig Sehnsucht nach mir verspührt. Bestimmt hätte ich mir nicht gewünscht, dass sie deswegen ein Leben in Kummer und Gram zubringt! Ich weiss es nicht, vielleicht ist das \"zuviel\" verlangt von meiner leiblichen Mutter, von einer leiblichen Mutter, die ihr Kind fortgibt, aber dennoch hätte ich mir diese kleinen Liebeserweise von ihr zu mir gewünscht ...
Margaretha

27.08.2003 - 10:15: Re: Keine Racheengel
liebe suse,
wie du weisst, habe ich deine beitraege immer geschaetzt. deine gradlinigkeit, dein humor, dein grosses wissen, dein einsatz fuer deine kinder und ... dass du selber so viel ueberstanden und in den griff bekommen hast. allerdings teile ich deine ansichten zu \"rache\" nicht, ich teile sie auch nicht in hinsicht \"guter ton\". und ... vorzuwerfen, sie lade ihre aggressionen via fürsorglichkeit ab (vorausgesetzt ich habe dich hier wirklich richtig verstanden), also das geht mir zu weit. denn ich habe ... hier kennengelernt als einen menschen, der sich wirklich - wie kaum ein anderer - bemueht, differenziertest auf die probleme einzelner einzugehen. ich habe in ihr auch eine adoptivmutter kennengelernt, die sich in einer breite und tiefe der diversesten anliegen adoptierter annimmt, wie ich es noch kaum einmal in dieser form und bei einer a-mutter angetroffen habe. ich habe ... auch als - in sehr konstruktivem sinn - \"streitbare\" frau kennengelernt, mit der man durchaus einen konflikt fruchtbringend austragen kann (hab ich auch schon mit ihr). all diese eigenschaften von ... haben in mir ueber das vergangene jahr hinweg bewirkt, dass ich sie sehr schätzen gelernt habe und dies ungebrochen tue! was meinen persönlichen umgang mit meinen eigenen negativerfahrungen anlangt (und da war auch gewalt im spiel auf verschiedenen ebenen), habe ich in meinem beitrag an ina/beate geschrieben. suse, verzeihen ist fuer mich immer auch noch eine kategorie ... man soll es nicht vorweg verlangen, wenn's psychodynamisch einfach nicht moeglich ist, aber als eine schließliche möglichkeit, frieden zu finden, sollte das verzeihen nicht ganz aus den augen verloren werden. klingt fuer dich, suse, vielleicht nicht so toll, kann ich mir schon vorstellen, nichtsdestotrotz sehe ich's in dieser weise ...
ich gruesse dich lieb
margaretha

27.08.2003 - 09:24: An Ina
Liebe Ina/Beate!
Mir geht es aehnlich wie Dir. Ich denke, verzeihen ist auch ein sehr wichtiger Schritt, um mit sich Frieden zu finden. Auch meinen leiblichen Eltern gegenueber habe ich keine Rachegefuehle, auch nicht meiner Stiefmutter gegenueber, obwohl ich RachePHANTASIEEN sehr wohl kenne, zur Tat bin ich allerdings ganz bewusst NIE geschritten. Was ich mir persoenlich allerdings gelegentlich sehr wohl wuensche, ist GERECHTIGKEIT! Es sollen diejenigen, die einem Unrecht angetan haben, zur Verantwortung gezogen werden, aber von einer von der Gesellschaft dafuer beauftragten Instanz!
Margaretha

24.08.2003 - 22:00: Re: An Martina
Liebe ...!
Es ist doch noch der Abend geworden! Ich habe meinen Margaretha-Tag (der Herr ruhte ja bekanntlich am siebenten Tag, warum soll ich's nicht auch tun :-))) schön entspannt verbracht und hab nun Dein liebes Posting vorgefunden! Herzlichen Dank! Genau in dieser Funktion sehe ich dieses Forum auch, genau wie Du es beschreibst: wir sollten einander akzeptieren trösten, stützen, aufbauen, beraten ... Es gibt natuerlich immer wieder Leute, die gezielt schlechtes Klima erzeugen muessen, mit ihrer eigenen Frustration auf so verletzende Weise auf andere einschlagen muessen ... instinktiv bzw. wohl wissend, WO genau es dem/n anderen jeweils besonders weh tut!!! Gegen diese Grausligkeiten werde ich mich hinkuenftig einfach so schuetzen, dass ich sie rueckstandslos an mir abrinnen lasse und nicht mehr direkt darauf reagiere. Dazu bin ich mir ehrlich gesagt zu schade!!! (Eine Haltung, die mir meine Mama schon sehr frueh beigebracht hat!!!) Es gibt so unendlich liebenswuerdige Personen hier herinnen, die genau das tun, was du dir von Teilnehmern dieses Forums wuenschst, und auf die werde ich mich einfach konzentrieren. Und ich werde weiterhin - so ich es fuer sinnvoll erachte - meine Beitraege in genau der Laenge abfassen, die mir gut und richtig erscheint!! Wen sie anoeden, der braucht sie ja wirklich nicht zu lesen, so einfach ist das, wie wir alle wissen!!! Deine grosse, scheinbar grenzenlose Geduld, habe ich nicht. Bei mir ist es so, dass mein Bemuehen, aufzuklaeren, zu helfen genau dort endet, wo ich \"angespuckt\" werde dafuer und ueberhaupt. Da sage ich mir eben, GENAU das habe ich ebenfalls nicht mehr noetig, haben auch schon Leute ausreichend getan in meinem Leben, jetzt eben nicht mehr, mit meinem Einverstaendnis schon gar nicht!!! Es gibt inzwischen Fronten, an denen ich nicht mehr kämpfe, auch das ist eine Lehre, der ich seit einigen Jahren treu bin! Ich freue mich auf jeden Fall ueber einen weiteren Austausch mit Dir und jenen, denen gutes Gespraechsklima hier einen Wert darstellt.
Eine schoene Woche wuensche ich Dir und gruesse ganz lieb aus Wien
Margaretha

21.08.2003 - 20:22: An Martina
Meine liebe ...!
Ich danke Dir fuer Deine klare Haltung hinsichtlich der \"Wienerin\" :-))) Deine Unterstuetzung und Standfestigkeit habe ich schon in frueheren Diskussionen zu schaetzen gelernt!!! (Nur ein Detail am Rande: Ich verfuege ueber eine vollstaendige Dokumentation all meiner Mails, sowohl der erhaltenen, als auch der von mir versendeten. Deren sittliche Qualitaet kann ich jederzeit dokumentieren!) Es hat mir auch gut getan, was Du ueber Adoptierte gesagt hast, und das, worin sich der sittliche Wert eines Menschen zeigt (ist HAARGENAU MEIN STANDPUNKT!!!) Ich lasse mich nicht mehr durch \"gewisse\" Aeusserungen so sehr beeindrucken, auch wenn sie verletzen zunaechst (aber bitte, davon habe ich - und nicht nur ich - schon zur Genuege einstecken muessen im Leben, sooo neu ist das dann auch wieder nicht!!!). Es geht um die Sache, und es geht um die Menschen, die guten Willens sind, es geht mir hier auch um Menschen, die ich eben nur hier kennengelernt habe, und die mir teuer geworden sind: Du, .......... Euch will ich auch nicht mehr so rasch aufgeben!!!! Es stimmt schon, ich gebe \"Einblicke\", ich zeige auch - bewusst - Gefuehle, auch wenn es die traurigen sind. Das Traurige, die Trauer gehoeren zum Leben ebenso dazu wie das Glueck, die Freude, die Neugier etc., auch sie darf nicht ausgeblendet werden. (Dies zu erkennen, hat mich allerdings auch Jahre gekostet!!!) Dieses zur Trauer, zu den traurigen Ereignissen stehen (genauso selbstverstaendlich wie zu den freudvollen), eben nicht systematisch wegsehen, weder bei sich noch bei anderen, hat nichts mit Selbstmitleid und demuetigendem Bemitleiden zu tun, das gehoert zu unserer emotionalen \"Landschaft\" und zu unseren - eigentlich ganz normalen - altruistischen Fähigkeiten, gehoert zuu unserem Menschsein. \"Die mit Traenen saen, werden mit Jubel ernten.\" (AT) Du weisst, es hat Jahrzehnte bei mir gedauert, bis ich mich dem Adoptionsthema stellen konnte, und es ist immer noch ein zur Sprache finden, aber es wird doch leichter mit der Zeit. Begonnen habe ich damit im Kontakt mit einem Adoptiveltern-Ehepaar (die offen mit dem Thema umgehen), mit einer lieben Freundin, einer Adoptierten aus Hamburg, die mir ueber Monate hinweg geduldig meine Mails gelesen hat und immer wieder geantwortet hat (sie hat wahrlich \"Entwicklungshilfe\" geleistet, durch meine Praesenz dann hier in diesem Forum ganz besonders!! Auch ihr alle hier habt mir so wertvolle und bereichernde Einsichten in Eure Leben gegeben. Danke ...! Und ein Danke an alle!!!
Ich gruesse Dich von Herz zu Herz
Margaretha

21.08.2003 - 13:33: Re: An Ina
Liebe Ina!
Ich danke Dir ganz herzlich fuer Deine Antwort. Selbstverstaendlich verstehe ich Deine Bedenken und ich respektiere sie!!! Ich denke, jedes sich Artikulieren zu einem schmerzhaft erlebten Thema ist auch einfach ein Gehen-Lernen, sich Einüben (ist bei mir genauso!!!), ein Feststellen, unter welchen Bedingungen kann ich, will ich ueberhaupt etc. Du tust es zuerst fuer Dich, und wir duerfen dann einfach bei dem, das Du bereit bist, mitzuteilen, dabei sein!!! Über einen privaten Austausch mit dir wuerde ich mich sehr freuen! Meine mail: m-r.hopfner@gmx.at.
Alles Liebe Dir
Margaretha

21.08.2003 - 10:40: Gene
Gene sind - auch lt. wiss. Erkenntnissen - nicht deterministisches Mass aller Dinge. Zweifellos sind sie von grosser Bedeutung, denn ohne sie koennten wir unser Leben nicht realisieren. Wichtigste Eigenschaften sind in ihnen grundgelegt, z.B. gerade auch unsere äussere Erscheinung betreffend, gesundheitliche Dispositionen, aber auch unsere Fähigkeiten, Kultur zu produzieren und uns anzueignen. Aber die Gene fuer sich allein sind lebensunfaehig, vielmehr brauchen sie entsprechendes Umfeld, um sich entfalten zu koennen, und WIE sie sich entfaelten, welche Wirkungen sie erzeugen, haengt gerade im kulturellen Bereich besonders stark vom jeweiligen konkreten Umfeld, ihrer Umwelt ab. Unlaengst habe ich einmal gelesen, dass diverse Gene keine starre Entwicklungsdisposition haben, sondern sich auch so oder so, je nach Umweltbedingungen, entwickeln bzw. verkümmern koennen, dies wurde jüngst zumindest fuer das Tierreich schon in Fallstudien experimentell nachgewiesen. Vereinfacht gesagt: die \"besten\" (wonach wird gemessen, ob \"gut\" oder \"schlecht\", auch das ist ja zu hinterfragen)Gene in eine verheerende Umwelt gesetzt, muessen verkommen, und die \"schlechtesten\" in ein guenstiges Umfeld gesetzt, haben noch beachtliche Entwicklungschancen. Schliesslich ist hinsichtlich des Menschen zu sagen, dass er wohl mehr darstellt als die Summe seiner Gene, mehr als alle anderen Lebewesen wird er im fortwährenden Austauschprozess mit seiner Umwelt geformt, formt er sich selber, nimmt er selbst bewußt gestaltend Einfluß auf seine Umwelt. Der Mensch als kulturpartizipierendes und kulturschaffendes Wesen, sich seiner selbst, seiner Vergänglichkeit bewusstwerdendes Wesen bedarf zwar seiner Gene, um dies zu bewerkstelligen (nehme ich an, wie weit da die Genforschung tatsaechlich schon bzw. noch nicht ist, weiss ich nicht, so viel ich weiss, hat man mit dem entschluesselten menschlichen Genom erst einmal die uninterpretierte Gen-Landschaft, die Gen-Landkarte, man kann mit den meisten einzelnen Genen aber noch nicht definitiv Eigenschaften verknüpfen), aber die einzelnen kulturellen Leistungen werden wahrscheinlich schwerlich einzelnen Genen zugeordnet werden koennen. So sind wir ja auch in der Lage, an Kulturen zu partizipieren, deren ueberwiegenden Trägern wir genetisch nicht entstammen, sodass mir hier genetische Tatsachen einfach einige Grunddispositionen fuer die Kulturfähigkeit des Menschen (Spracherwerb z.B.) zu enthalten scheinen, deren Konkretisierung eines konkreten Umfeldes bedarf. So betrachte ich mich als Adoptierte durchaus als zugehoerig zur Kultur meiner Adoptiveltern, wiewohl fuer mich auch interessant war zu sehen, welche Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten zwischen mir und meinen leiblichen Verwandten existieren, deren Interpretation fuer mich allerdings noch weit offen ist. Gene sind tatsaechlich sehr, sehr wichtig, sie liefern Lebensgrundlagen, allerdings haben sie keine absolut deterministischen Auswirkungen in die kulturellen Bereiche unseres Menschseins. Gene gut und schoen, wichtig, dass wir sie haben, aber JEDER MENSCH, JEDES KIND verdient ein Umfeld, in dem es geliebt wird, in dem es sich koerperlich, emotional und kulturell gut entwickeln und vor allem sein kreatives Potential entfalten kann. Es gibt nicht wertvollere und weniger wertvolle Menschen auf Grund genetischer Basis ... Aber dahin geht ein wesentlicher Mainstream in heutiger Zeit, und da gehe ich ganz bewusst nicht mit!!!
Margaretha

20.08.2003 - 20:18: Re: Hi Suse
Gleich vorweg: ich freu mich, dass ihr in Genf eine schoene Zeit hattet!!!! Braucht frau, wenn sie tapfer durch den Alltag muss!!! Auch Deinem Kommentar kann ich mich inhaltlich anschliessen. Auch ich kann dem Konzept der \"Frau als Brutkasten\" und einem Gen-Wahn nicht allzuviel abgewinnen. Womit ich nun nicht die fuer den Menschen notwendige Kenntnis seiner eigenen Abstammung relativieren will! Das ist sehr wohl von groesster Bedeutung auf den verschiedensten Ebenen! Wenn ich einem Menschen begegne, nehme ich ihn zuerst in seinen geistigen, emotionalen und seelischen Dimensionen wahr, als kulturfähiges Wesen (auch das hat genetische Basis, aber konkrete kulturelle Inhalte werden nicht ueber die Gene weitergegeben), und diese Kulturfähigkeit, die Fähigkeit zu Moral und Ethik spreche ich nun einmal grundsätzlich JEDEM Menschen zu. Das lasse ich mir auch von Gen-Süchtigen und -Apologeten nicht nehmen!!! Suse, lass mich Dir einmal ein Kompliment aussprechen: die Art wie Du Dich hier einbringst und was ich daraus auch über Dich als Mutter wahrnehme, gefällt mir einfach gut. Du bist ein gradliniger Mensch, mit Intelligenz und Witz und ... dem Herz auf dem rechten Fleck ... Ich denke, ALLE Deine Kinder haben eine phantastische Mutter!!! Mach weiter so ... Und dann will ich Dir ebenso einmal sagen, dass mir Deine schwere Kindheit auch nahegeht. Aber Du hast das alles in einer so grossartigen Weise in den Griff gekriegt, dass sich der eine und andere so einiges von Dir abschauen kann. Gratulation!!! Das mein' ich ernst und ehrlich!
Nun sei lieb gegruesst aus Wien
Margaretha

20.08.2003 - 19:32: Re: In höchstem Maße unseriös und illegal
liebe ...,
ich bin in dieser frage nun ganz und gar deiner meinung. ich will mit katjas \"angebot\" hier herinnen nicht konfrontiert werden, ich habe kein verstaendnis, wenn ein beabsichtigter gesetzesbruch relativiert wird. was sehr wohl interessant ist, und da ist ja ein wenig diskussion in gang gekommen, aus welchen verschiedenen perspektiven die reproduktionsmedizin gesehen werden kann und muss, obwohl ich damit auch nicht nicht den hohepriestern des mir unertraeglichen gen- und med-kultes huldigen will. interessant ist es allemal, auch fuer mich als adoptierte ... hoffe nur, dass es nicht zu einem \"wettstreit\" zwischen \"fremd-genen\" und \"eigen-genen\" kommen wird ... oder ist der vielleicht schon laengst entbrannt ... habe ich mich jetzt undeutlich genug ausgedrueckt :-))) ... und immer mehr elternlose kinder auf der strecke bleiben ... wenn ich es recht verstanden habe, allerdings weiss ich darueber wissenschaftlich gesehen nicht wirklich viel, schoepfen wir genetisch doch alle so ziemlich aus dem gleichen grossen tool ... mir geht gelegentlich dieses theater um die \"eigenen gene\" ein wenig \"auf die nerven\" ...
margaretha

19.08.2003 - 20:12: Re: Meine Fragen an Dich
liebe ina/beate,
wie alt ist denn deine tochter jetzt und wie ist der kontakt zwischen euch ueberhaupt zustandegekommen? es mag fuer dich schwer sein, aber ich denke einmal, lass deiner tochter ihre eigene zeit, ihr eigenes tempo. ich denke mir, du hast schon unendlich viel fuer sie getan, indem du ihr dein wohlwollen ihr gegenueber und deine bereitschaft fuer einen kontakt signalisiert hast. ich wuerde mich zudem auch fuer deine persoenliche geschichte interessieren, wenn du ueberhaupt davon etwas preisgeben willst hier. anscheinend hast du auch eine nicht gerade einfache jugend und kindheit gehabt! wo bist du aufgewachsen, in deiner leiblichen familie, bei pflegeeltern, bist du eventuell auch adoptiert worden? hast du kontakt zu deiner leiblichen mutter? warum hat sie dich damals verlassen? was hat dich seinerzeit bewogen, deine tochter zur adoption freizugeben? ich will dich keinesfalls bedraengen mit meinen fragen, aber ich wuerde mich sehr freuen, wenn du uns auch von dir mehr erzaehlen wurdest.
ganz liebe gruesse margaretha

19.08.2003 - 00:41: Re: Ergaenzung
Liebe Ina/Beate!
Ich will noch eine nicht unwichtige Ergaenzung hinsichtlich meiner \"Beziehung\" zu meiner leiblichen Mutter anbringen. Erst seit ca. einem Jahr weiss ich DEFINITIV, dass ich in den ersten Lebensmonaten beinah verhungert bin, und dass meine leibliche Mutter noch 4 (!!!) Tage vor meiner erneuten Spitalseinweisung (ich war mittlerweile sechs (!!!) Monate alt - ohne Druck der Behoerde - ihre Unterschrift unter einen Antrag auf Dauerpflege bei jenen Leuten, jenem Gesindel, setzte, die/das mich ZUM WIEDERHOLTEN MAL in krankenhausreifen Zustand brachte/n. Innerhalb einer Woche wurde dieser Antrag seitens der Behoerde abgelehnt mit der Begruendung, dass die \"Erziehungsverhaeltnisse\" in jenem Haus \"unguenstig\" seien, und das will fuer die 50er Jahre sehr viel heissen, da war man nicht gerade zimperlich, was die Unterbringung von unerwuenschten ledigen \"Bälgern\" anlangte, die noch dazu von verhassten Besatzungssoldaten zurueckgelassen wurden!(Diese Dokumente besitze ich.) Es handelte sich um ein Haus und eine Umgebung, aus der meine leibliche Mutter nach eigener Aussage herauswollte, weil sie es als nicht die \"richtige Umgebung\" (ihre Wortwahl!) für sich ansah. Meine leibliche Mutter gab bei der Behoerde - fuenf Wochen nach meiner Geburt an, sie wolle \"nach Daenemark\" \"auswandern\". Nachdem dies jenes Land war, in dem sie bis zu ihrem Umzug nach Heidelberg (dorthin hatte sie mein leiblicher Vater geholt, dort hat sie mehrere Monate mit ihm zusammengelebt, ich habe sogar das Haus gesehen, in dem ich gezeugt wurde) in einer Familie Hausmaedchen war, nehme ich stark an, dass sie nicht mit mir gemeinsam auswandern wollte. Heute gehe ich mitunter soweit, dass ich sage, meine leibliche Mutter und vielleicht auch ihr naeheres und weiteres Umfeld wollten gar nicht, dass ich die Katastrophenbedingungen bei jenen Alkoholikern, die meine \"Pflege\"-\"Eltern\" waren, ueberleben sollte. Menschen wie ich - Besatzungskind, exotischer Name, nicht krankenversichert, von NIEMANDEM gewollt - wurden damals wohl von dem einen und anderen als unnützer Esser eingestuft, sogar im Spital noch, wie ich auch erst seit kurzem weiss. Mit wenigen Worten: Ich sollte mit größter Wahrscheinlichkeit GAR NICHT LEBEN. Meine (A-)Mama hat also ein ABGEMAGERTES todkrankes Kind bei sich aufgenommen, sie HAT mir demnach zweifelsfrei das NACKTE PHYSISCHE LEBEN GERETTET!!! Und seit ich das so genau weiss, verstehe ich rueckblickend das Verhalten meiner leiblichen Mutter mir gegenueber sehr, sehr klar. Da gibt es die Momente im Leben, wo es einem vor tödlichem Schreck wie Schuppen von den Augen fällt, man möchte sie wieder schliessen, fuer immer geschlossen halten, aber es geht nicht mehr, man ist zum Schauen und Erkennen VERURTEILT! Heute weiss ich, dass ich meine leibliche Eltern an eine de facto grosse Schuld erinnere, die sie mir gegenueber auf sich geladen haben, das, und nur das erklärt ihr Verhalten über die weiteren Jahrzehnte, erklaert bis zu einem gewissen Grad sogar, weshalb gesucht wurde, und erklaert das gesamte weitere Verhalten bis zum heutigen Tag!!!! Und Ina/Beate, wenn ich meine leiblichen Eltern dafuer hasse, was sie mit mir gemacht haben, hasse ich im Grunde genommen mich selber. Ich will sie also nicht hassen!!! (Was nicht heisst, dass ich mir nicht Gerechtigkeit wuenschen wuerde, Gerechtigkeit, die es vielleicht niemals geben wird!) Meine leiblichen Eltern stecken in mir drinn', ich bin durch sie und ausgestattet mit ihrem Genmaterial in diese Welt gekommen. Ich MUSS einen Weg finden, sie AUCH gern zu haben, (obwohl ich nichts vergessen kann und will!!! gar nichts!!!), denn sonst habe ich keine Luft zum Atmen. Ihr leiblichen Eltern habt so eine ungeheure Bedeutung im Grunde genommen fuer uns Adoptierte, für uns Kinder, dass mir fuer meinen Fall sogar gelegentlich Angst und Bang darob wird. Deshalb ist m.E. JEDE BOTSCHAFT DER LIEBE - in welcher Form auch immer - an Eure zur Adoption freigegebenen Kinder eine Botschaft des Lebens selbst. Und noch etwas: mit welchem intellektuellen und emotionalen Aufwand ich versucht habe, meine leibliche Mutter, meinen leiblichen Vater zu verstehen, hat manchmal an Selbstzerstörung gegrenzt! Wie ein Sog ziehen mich ihre potentiellen Beweggründe jedweder Art für ihr Verhalten mir gegenueber an, mache ich mir immer wieder Milliarden von Gedanken über sie als von mir unabhaengige Personen mit eigener Geschichte, mit eigenem Umfeld etc. ... so viele, dass ich gelegentlich auch gar nichts mehr davon wissen will, weil auch ich mich nach Ruhe und Frieden sehne ... Ich hoffe, ich habe Deine Geduld nicht ueber Gebuehr strapaziert, und ich moechte klarstellen, dass ich nur ueber meinen eigenen Fall spreche, dass ich gerade in diesem Forum gelernt habe, Herkunftseltern wahrzunehmen, bei denen so viel Liebe zu ihren fernen Kindern sichtbar wird. Wenn ich diese Liebe bei Dir nicht spueren wurde, haette ich Dir mit keiner einzigen Zeile jemals geantwortet! Danke noch einmal, dass Du die Fragen gestellt hast, denn es tut mir auch gut, meines auszusprechen ... wie ich hoffe, ohne Dir weh zu tun!!!
Liebe Gruesse
Margaretha

18.08.2003 - 21:10: Re: Fragen an Adoptierte
Liebe Ina/Beate!
Ich freue mich, dass Du Deine Frage an uns gerichtet hast. Soeben habe ich versucht, darauf zu antworten, stelle aber fest, dass ich nicht in der Lage bin, dies in konsistenter Form zu tun. Ich wollte Dir etwas ueber mich und meine leibliche Mutter erzaehlen, hatte schon viel geschrieben, daber es kam nur ein Durcheinander dabei heraus, der Verwirrung stiften wuerde. Meine leiblichen Eltern sind nach wie vor der wundeste, schmerzhafteste Punkt in meiner Seele!!! Nun ganz kurz: Was haette ich mir von meiner leiblichen Mutter erwartet? 1. Die WAHRHEIT ueber unsere Geschichte und auch nicht eine einzige Luege! 2. Keine Dollars! (Obwohl sie nach österr. Rechtsordnung verpflichtet gewesen waere, mir zu helfen!) 3. Wenn sie schon halbwegs freundlich ist, zu Weihnachten und zum Geburtstag ein kleines Geschenk. (Kann mich nicht erinnern, das von ihr erhalten zu haben!) 4. Da sie wusste, dass ich total allein bin, ein etwas weitergehendes Interesse an mir, als das sie gezeigt hat. Dass sie mir das eine Mal, wo ich sie um ihre HIlfe gebeten habe (war kein Geld!), auch zur Seite steht! 5. Ich wollte nicht ihr Baby sein, waere aber gerne ihre Freundin geworden. 6. Haette gerne GESPUEHRT, dass sie mich lieb hat! Wollte ihr das auch von mir zu ihr zeigen! 7. Ich haette sie finden sollen. Niemand haette von dieser Seite in mein Leben treten duerfen!!!!Denn ich hatte mir vorgenommen, dass ich mich VIELLEICHT dann auf die Suche nach meinen leiblichen Eltern mache, wenn ich mich im Leben gesettelt haette (Ausbildung abgeschlossen, abgesicherte soziale Position etc.). Ich wollte ZUERST BEI MIR DIE DINGE GEREGELT BEKOMMEN!!! 8. Dass meine leiblichen Verwandten von sich aus in mein Leben getreten sind, hat eine heillose Verwirrung in mein Leben hereingetragen, die - wie auch deren Folgeprobleme - tatsaechlich vermeidbar gewesen waeren, haette ich eines Tages selber gesucht!!! So habe ich eigentlich zweimal Jahre gebraucht, um mein Leben wieder \"in den Griff\" zu bekommen!!! Ohne meine leiblichen Eltern und unsagbar enttaeuscht von ihnen!!!! Ich bin mir an der Nase herumgefuehrt vorgekommen!!! Ich hoffe, ich habe Dich mit keinem Satz verletzt, denn ich spreche wie gesagt ausschliesslich aus meiner eigenen Sicht, auf Basis meiner eigenen Erfahrungen!!!
Sei ganz herzlich und lieb gegruesst
Margaretha

18.08.2003 - 09:35: Re: An Martina
Liebe ...!
Lieben Dank fuer Deine netten Worte. \"Respektsperson\" will ich allerdings nicht unbedingt sein! Ich finde einfach, dass das Thema Adoption Achtung und Respekt abverlangt, da es einfach zu ernst ist, in alle Richtungen hin ... Nein, das mit dem Geburtstag von Rod ist mir tatsaechlich auch entgangen. Schade! Waere ja schoen, wenn er sich auch wieder hier einschalten wuerde, denn seine beherzten Kommentare waren ja sehr, sehr wertvoll!!! Dein Sohn, der ja sehr auf innerfamiliaer (und ueberhaupt) vorsichtigen Umgang mit \"seinem\" Adoptionsthema bedacht ist, wird bestimmt SEINEN EIGENEN weg finden und zeitpunkt und modalitaeten seiner suche selbst herausfinden wollen. Wichtig ist, dass wenn er diesen Weg gehen will, er kein Doppelleben anfangen muss, weil er ja weiss, dass Du (und Dein Mann) Dich nicht gegen diesen seinen Weg stemmst und stellst. Aber meine Meinung ist, dass er lernt, diesen Weg in Eigenverantwortung zu gehen!!! Natuerlich kann er auf Herkunftseltern stossen, die in \"schwierigen\" Konstellationen leben, aber gerade dann ist es wichtig, ihm aufrichtig zu vermitteln, dass man auf diese Menschen nicht herabsieht (was ich Dir, ..., nicht unterstellen wuerde!!!). Ich beispielsweise habe mir - bevor ich meine leiblichen Eltern gekannt habe - immer wieder gesagt: auch wenn ich von Kriminellen, Prostituierten, Drogenabhaengigen etc. abstammen wuerde, auch dann muesste ich irgendwie ja dazu sagen. Aber ich denke mir, die Regel ist das doch nicht bei Adoptierten, dass sie aus solchen Milieus stammen. Vielmehr kann man - wie Ina es fuer sich beschreibt - berechtigt darauf hoffen, Menschen vorzufinden, die ihr Leben im Griff haben, die moralisch-ethisch intakt sind!!!
..., auch Dir noch eine schoene Woche ...
Margaretha

17.08.2003 - 13:48: Re: Korrektur-Ergaenzung
selbstverstaendlich sollte es heissen: die soziale tat sollte nicht ununterbrochen \"an die grosse glocke gehaengt werden\"! es ist zu hoffen, dass sie nicht \"an den grossen nagel gehaengt\" wird!!! war wohl ein \"freudscher\" versprecher :-)))
margaretha

17.08.2003 - 12:46: Re: Eine Frage an die Adoptierten
Liebe Carla!
Ich kann Deine Argumentation gut nachvollziehen, will Dir aber nur noch sagen, (wahrscheinlich hast Du es ohnehin schon), dass ich (Adoptierte) in der Tat zu den von den Adoptiveltern \"Geretteten\" gehoere, wenn ich nicht gerettet worden waere, waere ich vermutlich nicht am Leben. Ich halte also - neben anderen, die unabdingbar erforderlich sind, jene, die Du genannt hast - auch das soziale Motiv fuer berechtigt, wuerde u.U. auch aus so einem Motiv heraus selber adoptieren (nicht nur natuerlich). Allerdings gehoert es wohl zu den sensiblesten Bereichen menschlicher Kommunikation, \"die soziale Tat\" nicht ununterbrochen an den grossen Nagel zu haengen, denn das verletzt die Wuerde jenes Menschen, der in ihre Gunst gekommen ist. Meine - von mir ueber alles geliebten - Eltern haben dies mit keiner einzigen Silbe mir gegenueber getan. Sie haben mich gerettet (und das habe ich erst Jahrzehnte nach ihrem Tod erfahren), wollten mir aber nicht mehr und nicht weniger sein, als einfach liebende Eltern. Gerade weil sie mir das Leben noch einmal gegeben haben, ist die gegenseitige Liebe (meine Liebe zu ihnen konnte ich mir mitunter, was ihre Intensitaet anlangt, nicht mehr erklaeren), vielleicht so innig ausgefallen. Und: Ich wusste zunaechst nicht, dass ich nicht das leibliche Kind bin (auch das sehe ich heute als eine ihrer Ruecksichtsmassnahmen mir gegenueber an!!!!), ich wusste bis zu meinem beinah 18. Lebensjahr nicht, dass ich noch andere Namen habe, als die ihrigen, denn auch die Vornamen wurden mir neu gegeben (auch das eine Schutzmassnahme in der damaligen Zeit, denn mein Geburtsname war nicht gerade \"gesellschaftsfaehig\" damals). Sie haben mich, meine Geburtsidentitaet, - zu meinem Schutz - vor mir und vor derr Gesellschaft versteckt und mir ihre Identitaet wie einen Schutzmantel umgelegt. Meine Eltern haben mir damit auf eine Weise geholfen und mich auf eine Weise an ihrem eigenen Leben teilhaben lassen, die mir ein neues Leben erst ermoeglich hat. Sie haben mir IHR Leben gegeben, und vielleicht liebe ich sie deswegen so sehr. Nachdem ich erfahren hatte, dass ich adoptiert sei, war dies ein entsetzlicher Schock fuer mich, denn zunaechst wollte ich doch ueberhaupt nichts anderes sein, als ihre leibliche Tochter, ihr Kind. Diese innige Beziehung zwischen meinen (A-)Eltern und mir hat deren Tod ueberdauert, sie existiert immer noch, auch das Kennenlernen der leiblichen Eltern hat daran keinen Abbruch getan (nicht nur wegen deren unmoeglichen Verhaltens mir gegenueber ... ich hab sie ja nicht in mein Leben hereingerufen!!!!). Das Ja meiner Eltern zu mir, und das, was sie fuer mich getan haben, naemlich mich gerettet und mir ein Leben in Wuerde (!!!!!!!!) ermoeglicht, werde ich immer mit meiner Liebe zu ihnen (die einfach DA ist IHNEN gegenueber) beantworten, da gibt es fuer mich keine Relativierung, kein Wenn und Aber ... Denn, wenn \"nur\" an das schoene Familienleben gedacht wird, das halt ueber den Weg der Adoption moeglich gemacht wird (das bitte will ich Dir, Carla, nun nicht unterstellen!!!!), vergisst man leicht und mitunter \"gern\" die Tatsache, dass die Freigabe zur Adoption ein trauriges Drama auf Seiten der Herkunftsmutter und ihres Kindes zum Hintergrund hat. Diese potentielle Traurigkeit kann nicht den Alltag in der Adoptivfamilie dominieren, aber sie sollte auch nicht gezielt und restlos ausgeblendet werden. Auch hier will ich Dir nicht unterstellen, dass Du dies tust!!!
Liebe Gruesse
Margaretha

15.08.2003 - 20:28: Re: an Irma
liebe irma,
auch dir ein dankeschoen fuer deinen willkommensgruss. ich denke, ich habe in meinem ersten posting einigermassen klargemacht, welche gruende mich bewogen haben, zurueckzukehren. ist aber immer schoen, wenn man zudem auch noch willkommen ist :-))) auch finde ich es sehr dankenswert, dass du deine kraefte zusammengenommen hast und einen so ausfuehrlichen beitrag gepostet hast. denn du zeigst auch auf, wieviele facetten beim thema adoption etc. hereinspielen koennen, welche traurigkeit und dramatik mitunter hinter den adoptierten stehen, die - so meine vermutung - immer auch in das leben des/r adoptierten hereinwirkt, sogar dann, wenn er/sie gar nichts davon weiss!!! jedenfalls fange ich selber erst allmaehlich an zu begreifen, auf welche weise mich die dramatische situation am anfang meines lebens ein leben lang massivst beeinflusst hat in allen moeglichen bereichen, obwohl ich ihr keine beachtung schenken wollte, mich dagegen - auch unbewusst - sperrte, mehr darueber zu erfahren ... ich habe verdraengt und bin auf diese weise auf jahrzehnte hinaus noch einmal zum \"opfer\" dieser meiner lebens-ausgangs-situation geworden ... erst das kennenlernen (mithilfe therapeutischer begleitung, die offenbar dafuer erforderlich war, um das aushalten zu koennen!!) ermoeglicht mir nun eine verortung, verarbeitung des damals erlebten (einer lebensbedrohlichen katastrophe!!!), so gut es eben noch geht ... ich will meine leiblichen eltern nicht verteufeln, sie waren jung und auch ganz gehoerig dumm und egoistisch, wer kann sich davon freisprechen (ich war auch einmal jung und dumm und egoistisch), irgendetwas in mir will diese menschen immer noch lieb haben und von ihnen lieb gehabt werden (das bleibt wohl ein leben lang in uns adoptierten zurueck), sie haben auch sehr sympathische zuege gehabt und haben sie immer noch, sie sind keine ungeheuer. nichtsdestoweniger haben sie mich in eine lebensbedrohliche lage gebracht am anfang meines lebens, und: sie haben mich - nachdem sie mich wieder in ihr leben hereingeholt haben und im wissen, dass ich alles verloren hatte, krank war, niemanden mehr hatte etc. - noch einmal, und das mit einer unglaublichen konsequenz, im stich gelassen, und das kann ich ihnen vielleicht noch weniger verzeihen als ihr totalversagen an meinem lebensanfang, denn ... ja, ich will einen weg finden, zu meinen leiblichen eltern ja zu sagen, denn durch sie bin ich in diese welt, in dieses leben hereingekommen, aber ich will auch nicht vergessen, was sie mir immer wieder angetan haben in ihrem extrem radikalen egoismus, den sie mir gegenueber zu ihrem lebensprinzip gemacht haben. und ich will, wenn es sich machen laesst, irgendeine form der gerechtigkeit, rechtlich, moralisch, ethisch, walten sehen. ich kann und will nicht mehr so tun, \"als ob nix g'wesen wär'\". (deshalb kann ich - in anderer richtung - auch harald so gut verstehen, der die adoptionsaufloesung realisiert haben will!!!) diesen drahtseilakt, irma, versuche ich, zu vollfuehren ... auch dir weiter viel kraft fuer das vorwaertskommen auf deinem weg
liebe gruesse und alles gute
margaretha

19.08.2003 - 20:12: Re: Meine Fragen an Dich
liebe ina/beate,
wie alt ist denn deine tochter jetzt und wie ist der kontakt zwischen euch ueberhaupt zustandegekommen? es mag fuer dich schwer sein, aber ich denke einmal, lass deiner tochter ihre eigene zeit, ihr eigenes tempo. ich denke mir, du hast schon unendlich viel fuer sie getan, indem du ihr dein wohlwollen ihr gegenueber und deine bereitschaft fuer einen kontakt signalisiert hast. ich wuerde mich zudem auch fuer deine persoenliche geschichte interessieren, wenn du ueberhaupt davon etwas preisgeben willst hier. anscheinend hast du auch eine nicht gerade einfache jugend und kindheit gehabt! wo bist du aufgewachsen, in deiner leiblichen familie, bei pflegeeltern, bist du eventuell auch adoptiert worden? hast du kontakt zu deiner leiblichen mutter? warum hat sie dich damals verlassen? was hat dich seinerzeit bewogen, deine tochter zur adoption freizugeben? ich will dich keinesfalls bedraengen mit meinen fragen, aber ich wuerde mich sehr freuen, wenn du uns auch von dir mehr erzaehlen wurdest.
ganz liebe gruesse margaretha

15.08.2003 - 20:09:
Re: an Theres
liebe theres, vielen dank fuer deinen ausfuehrlichen bericht. es tut mir gut, zu sehen, dass du mit deiner adoptivtochter so offen kommunizierst ueber das baby in deinem bauch. ich habe dich naemlich aus einem bestimmten grund danach gefragt: denn ich selber wollte gerne wissen, wie ich seinerzeit reagiert haette, wenn da noch ein leibliches kind meiner eltern zur welt gekommen waere. gut damals waren ganz andere zeiten, da war von dieser offenheit im umgang mit diesem thema noch keine spur zu sehen. aber ich dachte mir oftmals, ob ich es vielleicht als entwertung meiner position meinen eltern gegenueber erlebt haette, und wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich diese frage fuer mich bejahen, denn ich fuehlte mich ja ausgezeichnet in meiner rolle als einziges und sonnenkind :-))) ... ich wuensche dir/euch von ganzem herzen, dass ihr weiter in liebe zueinanderwachst, das kleine kerlchen ist auf jeden fall willkommen, schwesterchen wird dann wohl gelegentlich eifersuechtig reagieren (wie dies unter geschwistern ueblich ist), und ich bin sicher, dass du/ihr weiterhin so sensibel mit dem adoptionsthema umgehen werdet wie schon bisher ... es macht schon einen unterschied: adoptiert oder leiblich ... aber du wirst das schaffen ...
alles gute
margaretha

15.08.2003 - 20:28: Re: an Irma
liebe irma, auch dir ein dankeschoen fuer deinen willkommensgruss. ich denke, ich habe in meinem ersten posting einigermassen klargemacht, welche gruende mich bewogen haben, zurueckzukehren. ist aber immer schoen, wenn man zudem auch noch willkommen ist :-))) auch finde ich es sehr dankenswert, dass du deine kraefte zusammengenommen hast und einen so ausfuehrlichen beitrag gepostet hast. denn du zeigst auch auf, wieviele facetten beim thema adoption etc. hereinspielen koennen, welche traurigkeit und dramatik mitunter hinter den adoptierten stehen, die - so meine vermutung - immer auch in das leben des/r adoptierten hereinwirkt, sogar dann, wenn er/sie gar nichts davon weiss!!! jedenfalls fange ich selber erst allmaehlich an zu begreifen, auf welche weise mich die dramatische situation am anfang meines lebens ein leben lang massivst beeinflusst hat in allen moeglichen bereichen, obwohl ich ihr keine beachtung schenken wollte, mich dagegen - auch unbewusst - sperrte, mehr darueber zu erfahren ... ich habe verdraengt und bin auf diese weise auf jahrzehnte hinaus noch einmal zum \"opfer\" dieser meiner lebens-ausgangs-situation geworden ... erst das kennenlernen (mithilfe therapeutischer begleitung, die offenbar dafuer erforderlich war, um das aushalten zu koennen!!) ermoeglicht mir nun eine verortung, verarbeitung des damals erlebten (einer lebensbedrohlichen katastrophe!!!), so gut es eben noch geht ... ich will meine leiblichen eltern nicht verteufeln, sie waren jung und auch ganz gehoerig dumm und egoistisch, wer kann sich davon freisprechen (ich war auch einmal jung und dumm und egoistisch), irgendetwas in mir will diese menschen immer noch lieb haben und von ihnen lieb gehabt werden (das bleibt wohl ein leben lang in uns adoptierten zurueck), sie haben auch sehr sympathische zuege gehabt und haben sie immer noch, sie sind keine ungeheuer. nichtsdestoweniger haben sie mich in eine lebensbedrohliche lage gebracht am anfang meines lebens, und: sie haben mich - nachdem sie mich wieder in ihr leben hereingeholt haben und im wissen, dass ich alles verloren hatte, krank war, niemanden mehr hatte etc. - noch einmal, und das mit einer unglaublichen konsequenz, im stich gelassen, und das kann ich ihnen vielleicht noch weniger verzeihen als ihr totalversagen an meinem lebensanfang, denn ... ja, ich will einen weg finden, zu meinen leiblichen eltern ja zu sagen, denn durch sie bin ich in diese welt, in dieses leben hereingekommen, aber ich will auch nicht vergessen, was sie mir immer wieder angetan haben in ihrem extrem radikalen egoismus, den sie mir gegenueber zu ihrem lebensprinzip gemacht haben. und ich will, wenn es sich machen laesst, irgendeine form der gerechtigkeit, rechtlich, moralisch, ethisch, walten sehen. ich kann und will nicht mehr so tun, \"als ob nix g'wesen wär'\". (deshalb kann ich - in anderer richtung - auch harald so gut verstehen, der die adoptionsaufloesung realisiert haben will!!!) diesen drahtseilakt, irma, versuche ich, zu vollfuehren ...
auch dir weiter viel kraft fuer das vorwaertskommen auf deinem weg liebe gruesse und alles gute
margaretha

15.08.2003 - 12:10: Re: Liebe Theres
Ich danke Dir von Herzen fuer Deinen Bericht zu Deiner/Eurer Adoptionsgeschichte. Ich kann ich - wie Du Dir denken kannst - gut nachvollziehen, weil die Beziehung zwischen mir und meiner (A-)Mama ähnlich wie diejenige zwischen Dir und Deiner (A-)Tochter war/ist. Es ist schon merkwuerdig, dass Du schreibst, Du hattest Sehnsucht nach einem Adoptivkind ... Das bringt mich zum Nachdenken ... Und was Du aufzeigst, ist auch, dass auch auf Seiten der H-Mutter ein Wunsch nach Anonymitaet vorhanden sein kann! (Anonymitaet ist aber ein eigenes Kapitel, wie das der gesellschaftlich sanktionierten \"Anonymen Geburt\", \"Babyklappe\" etc., die meines Erachtens in erster Linie jenen Kräften in der Gesellschaft entgegenkommt und in die Hände arbeitet, die hier eine Geschichte ganz bewusst verdrängen wollen!!!!!! Aber dazu ein ander Mal, auch zur österreichischen Situation ein ander Mal!!!) Liebe Theres, Du hast schon einige Male geschrieben, dass Du derzeit schwanger bist. Ich hoffe sehr, es verläuft alles gut!!! Eines wuerde mich allerdings interessieren: Wie kommunizierst Du das mit Deiner Adoptivtochter. Wie geht die Kleine damit um?
Ich gruesse Dich lieb von Wien nach Wien
Margaretha

14.08.2003 - 22:28: An Theres - Macht Adoption Sinn?
liebe theres, lass es mich AUS MEINER PERSPEKTIVE als adoptierte knapp sagen: ADOPTION MACHT SINN ... wesentliche voraussetzungen scheinen mir die folgenden zu sein: - dass die leibliche mutter bei ihrer entscheidung ausreichend unterstuetzung erhaelt und ihre entscheidung zur freigabe nach moeglichkeit wirklich frei vom einwirken massiver aeusserer zwangseinwirkung treffen kann und dass sie VORHER ausreichend ueber die alternativen moeglichkeiten, die ihr zur verfuegung stünden, unterrichtet wurde ... UND eine nachbetreuung erhaelt ... - dass - so der fall - die künftigen adoptiveltern ebenfalls VORHER ihre eigene leibliche kinderlosigkeit so gut es geht verarbeitet haben, damit der/die adoptierte nicht lediglich zum psychischen und sozialen \"platzhalter\" (hier tut mir auch die juristische diktion weh: \"an kindes statt\")degradiert wird ... - dass die adoptiveltern VORHER AUSREICHEND vorbereitet werden auf die \"spezialitaeten\" der ganzen situation ... - dass den adoptierten jede - auch rechtliche - möglichkeit an die hand gegeben wird - so sie dies einmal wuenschen - , informationen (so viele als moeglichh) ueber ihre abstammung zu erhalten ... und dass die adoptierten die möglichkeit erhalten, so sie katastrophales unrecht durch ihre adoptiveltern erfahren mussten, das adoptionsverhaeltnis auch wieder aufzulösen, wenn sie dies wuenschen ... - dass es den adoptierten selbst ueberlassen bleibt, ob sie sich auf die suche nach dieser ihrer abstammung machen, den leiblichen eltern begegnen wollen ... - dass den adoptierten ein wuerdiger platz in der rechtsordnung geschaffen wird, der sie als vollwertige familienmitglieder (im grossen familiaeren zusammenhang) der adoptivfamilie integriert, damit sie auch in dieser rechtsordnung nicht lediglich der \"nur\"-mensch sind ... - dass die adoptiveltern bereit sind, die abstammungseltern zu achten und dem wunsch nach wissen seitens des a-kindes offen und unterstuetzend im laufe seiner entwicklung begegnen ... - dass die adoption selbst im naeheren familiaeren umfeld nicht gesellschaftlichen tabus unterliegt ... ADOPTION MACHT AUCH SINN, - weil damit das a-kind in einem familiären umfeld aufwachsen kann ... - weil es eine starke familiäre zugehörigkeit aufbauen kann ... - weil durch den rechtlichen schutz und status sicherheit geschaffen wird ... ADOPTION MACHT NUR SINN, WENN DAS KIND UM SEINER SELBST WILLEN MIT ALLEM, WAS ES MITBRINGT AN EIGENSCHAFTEN UND GESCHICHTE, GELIEBT WIRD!!! und auch noch dann, wenn all dieses rundherum sozusagen optimal gelöst werden konnte, auch dann nicht einmal gibt es eine erfolgsgarantie ... denn die gibt das leben eben nicht, nirgendwo und niemandem ... leben ist immer auch ein wagnis, ein risiko, bewegt sich in jedem augenblick in der ganzen spannbreite zwischen gelingen und scheitern (und wonach messen wir gelingen und scheitern? hier herinnen finden sich adoptierte, die zurueckblicken auf sehr positive adoptionserfahrungen, es gibt aber auch jene, die entsetzliches leid durch ihre adoptiveltern erfahren mussten ... also auch auf seiten des künftigen a-kindes: auch es hat keine garantie, optimale eltern zu bekommen ... aber das haben viele leibliche kinder, die bei ihren eltern verbleiben - wie wir wissen - auch nicht ... ich hoffe, dass immer mehr leibliche mütter in schwierigen lebensumstaenden die kraft finden, die betreuung ihrer kinder selber in die hand zu nehmen und dass sie immer mehr unterstuetzung dabei durch die gesellschaft erhalten. ich hoffe aber ebenso, dass es immer wieder mutige menschen gibt, die bereit sind, ein kind fremder menschen bei sich aufzunehmen und ihm die liebe und fuersorge angedeihen zu lassen, die nötig ist, damit es wachsen und es selbst werden kann ... ich lasse mich in dieser aussage nicht beirren, denn ich bin wahrscheinlich unter anderem nur deshalb am leben, weil mir meine (a-)mama dieses leben gerettet und ein zweites mal gegeben hat, nachdem meine leibliche mutter und ihr damaliges näheres und weiteres umfeld dieses mein leben aufs spiel gesetzt haben ... gleich hier aber moechte ich einen link zu einer mich sehr beruehrenden webseite einer herkunftsmutter legen, die ihre - liebende - perspektive zur situation der adoptionsfreigabe ihres kindes beschreibt: http://www.abonsai.de ... eine unglaublich beruehrende seite, die es nicht noetig hat, permanent durch werbeaktionen auf sich aufmerksam zu machen ... liebe gruesse von wien nach wien
margaretha

20.03.2003 - 15:29: Abschied
Liebe Forumsteilnehmer!
Die wiederholt hier zum Ausbruch gelangten Streitereien, der wiederholt vorgetragene unerträgliche Umgangston untereinander, immer wieder das Fehlen der Bereitschaft zu einem schonenden, verständnisvollen, von gegenseitiger Achtung und Repekt getragenen Umgang miteinander - vor allem unter den von Adoption direkt Betroffenen -, ständig die Keulen schwingende notorische Besserwissereien (dem habe ich ganz bewusst stets meine ICH-Perspektive entgegengehalten, wohlwissend das meine Standpunkte auch nicht der Weisheit letzter Schluss sind!!!! ) veranlassen mich nun, Adieu zu sagen! Ich danke allen, die mir im letzten 3/4 Jahr so wertvolle Anregungen gegeben haben, die mir geduldig und immer aufs Neue zugehört haben, die mir in gewissen Situationen den Rücken gestärkt haben (wie ..., ... und ... z.B.), sie alle haben mir geholfen, dass ich lernen konnte, mit meiner Lebensgeschichte in einer - wenn auch kleinen, so aber doch - Öffentlichkeit zu überleben, zu leben ... Ein herzliches Dankeschön auch noch einmal an die Familie Fasen, die dieses Portal geschaffen hat und am Leben erhält!!! Dass Prozesse zu einem Ende finden, ist eine der Voraussetzungen dafuer, dass Neubeginn möglich ist. Das tut zwar weh, macht aber auch zugleich Hoffnung. Meine besten Wünsche fuer alle und liebe Grüße Margaretha P.S.: Ich gehöre nun nicht zu denen, die ständig gehen, um wiederzukommen :-))) Das überlasse ich gerne anderen.

19.03.2003 - 22:02: Re: Schade eigentlich...
Nein, lieber Rod, das ICH ist und bleibt zentral ... Auch Du hast es ja hier herinnen - völlig richtig - \"leben\" lassen ... Zumindest fuer mich, und ich gestehe es jedem anderen auch zu!
Liebe Gruesse
Margaretha

19.03.2003 - 22:06: Re: Schade eigentlich...
Nein, lieber Rod, das ICH ist und bleibt zentral, und das ist auch gut so ... Dieses ICH soll endlich mitteilen dürfen, was es so lange verschwiegen hat .. Auch Du selber bist ja hier herinnen - völlig richtig - diesen Weg schon gegangen ... Aber selbstverständlich ist dieses Forum nicht die einzige Plattform fuer das ICH, das ist schon klar :-))))
Liebe Grüße
Margaretha


19.03.2003 - 21:56: Re: An Margaretha
Liebe ...!
Nein, Dich habe ich nicht gemeint. Ich habe auch gesehen, dass Du mehrfach angegriffen worden bist, und Du hast Dich verteidigt, das ist Dein gutes Recht. Ich brauche dieses Forum ebenfalls nicht für meine Selbstdarstellung ... Die kann ich mir weiss Gott anderswie organisieren, und hab das auch schon getan :-))) Aber ich bin - rückblickend - froh, meine Schritte in dieses Forum getan zu haben, denn es bot mir in der Tat zum ersten Mal in meinem Leben eine Gelegenheit, die \"Dinge meines Lebens\" \"öffentlich\" zu machen und zu lernen, mit dieser \"Öffentlichkeit\" zurechtzukommen. Ich habe - wie ich schon mehrfach hier sagte - Jaahrzehnte gebraucht, um zu meinem Leben zur Sprache zu finden, dieses Forum hat mir im letzten 3/4 Jahr dabei geholfen. Hier ein herzlicher Dank an Rod, der mich seinerzeit hereingeholt hat und an die Familie Fasen (Ja, ich bedanke mich wirklich gerne, wenn ich es freiwillig tun kann und es angebracht finde!) Vielleicht werde ich mich ebenfalls zurueckziehen, warum auch nicht, nichts währt ewig. Meine Beiträge hier herinnen habe ich mir vorsorglich schon archiviert :-)))) Nun bin ich dabei, diesen Bereich weiterzuentwickeln. Ich hab keine grosse Lust, ständig in der Nähe unqualifizierter und beleidigender Streitereien zu verweilen, dazu ist mir das Thema als ganzes und meine eigene Lebenserfahrung/Biografie (deren Schrecklichkeiten ich erst einmal zur Kenntnis nehmen LERNEN musste), zu wichtig, zu ernst! Mit den Menschen, die mir wichtig sind, unter anderem auch Du, kann ich ja ueber andere Kommunikationskanäle in Verbindung bleiben!!!!
Mit lieben Gruessen an Dich und alle, die sich angesprochen fuehlen ...
Margaretha

19.03.2003 - 21:40: Re: Selbstmitleid
LIeber Rod, hier kann ich Dir nun nicht zustimmen, denn ich finde es berechtigt - auch in meinem ureigensten Interesse --, dass Aussagen wiederholt werden, Betroffene ihre Geschichte und ihre Sichtweisen einbringen. Das hat nichts mit Selbstmitleid zu tun, sondern vielmehr mit einem fortgesetzten Zur-Sprache-Finden ...
Ganz liebe Gruesse nach Barcelona
Margaretha

16.03.2003 - 20:52: dankbarkeit ...
zugegebenermassen habe ich den einen und anderen der juengsten beitraege mit zwiespaeltigen gefuehlen, wenn nicht sogar mit schrecken gelesen, und ich finde manch harte toene nicht unbedingt angebracht ... obwohl ich sagen muss, dass das thema dankbarkeit an und fuer sich sehr wohl in der ganzen zwiespaeltigkeit aufgezeigt gehoert!!! ich als adoptierte, die ihre (adoptiv-)eltern nach wie vor ueber alles liebt, umso mehr, als ich - lange nach dem tod der (a-)eltern die sogenannten herkunftseltern, besser ausgedrueckt die leiblichen abstammungseltern kennengelernt habe (2x von ihnen wiederum nicht um meiner selbst willen gefunden)-... ich fuehle liebe zu meinen (a-)eltern und ich empfinde dankbarkeit, dass sie mir das leben gerettet haben und mir ein menschenwuerdiges leben ermoeglicht haben ... ich empfinde jene dankbarkeit aus der liebe heraus, die keine \"verpflichtung\" kennt!!! allerdings kenne ich genauso jene (hunde-)dankbarkeit, die ebenso - aber nicht aus liebe - von so allen moeglichen und unmoeglichen leuten von mir adoptierten eingefordert wurde, und vor dieser art der dankbarkeit, des dankbarsein-muessens ekelt es mich inzwischen regelrecht, diese pervertierte dankbarkeit versuche ich loszuwerden, so gut es geht. man kann den wunsch ein kind zu bekommen (leiblich oder adoptiert oder ...) als egoistisch bezeichnen oder anders, zum beispiel einfach als den wunsch, grundlegendste lebensprozesse (generationenabfolge, elternschaft etc.) zu vollziehen, an ihnen teilzuhaben ... eogistische motive spielen wahrscheinlich IMMER herein, aber was genau ist denn egoistisch ?!!! abstammungseltern sollten nie vergessen, dass ihnen von den adoptiveltern eine grosse verantwortung abgenommen wurde, und adoptiveltern sollten sich doch auch bewusst bleiben, dass mitunter eine grosse notsituation seitens der leiblichen mutter (zumeist) motiv fuer die adoptionsfreigabe des kindes war (und die aus liebe getroffene entscheidung einer herkunftsmutter fuer die adoptionsfreigabe kann ich nur mit allergrößter achtung beantworten), aber ich denke, im alltag waere die ununterbrochen zu erbringende dankschuld - vice versa gesehen - lebensbehindernd sogar ... und zu meinem fall noch: ich denke, meine (a-)mutter hatte keinen grund, meiner leiblichen mutter dankbar zu sein, denn sie hat ein kind (mich) aufgenommen, vom dem die leibliche mutter aller wahrscheinlichkeit gar nicht wollte, dass es die ersten monate in katastrophalen verhaeltnissen ueberlebte (ja, so weit gehe ich inzwischen mit meinen interpretationen), meine (a-)mama hat um mein leben, das meine leibliche mutter tatsaechlich aufs spiel gesetzt hatte, gekämpft und es mir zurueckgegeben ... und das noch lange bevor meine leibliche mutter (die schlicht und ergreifend abgehauen ist und mich im dreck zurueckgelassen hat, nach sieben monaten noch - kurz vor meiner wiederholten spitalseinweisung - einen antrag auf dauerpflege bei jenem - in der tat - gesindel vor der behoerde mitunterschrieben hat ... ... es hat wochen gedauert, bis ich realisiert habe, WAS diese unterschrift wirklich bedeutete, und als ich es begriff, ist mir das gesamte verhalten meiner leiblichen mutter und deren verwandtschaft mir gegenueber die jahrzehnte hindurch klargeworden ... da ist MIR dann uebel geworden und wird es immer noch, wenn ich zu intensiv daran denke ) ... meinen (adoptiv-)eltern danke ich mein leben in der hauptsache und dafuer haben sie meine dankbarkeit aus liebe und auch dafuer, dass sie diese dankbarkeit DAFUER von mir niemals eingefordert haben (nicht sie haben mir von diesen katastrophalen ereignissen erzaehlt, zu sehr haben sie mich geliebt!!!) ... nicht alle abstammungseltern leiden ein leben lang an der adoptionsfreigabe (auch dieses argument von der notwendigkeit des verdrängenmuessens relativiere ich da zugegebenermassen!!!), meine jedenfalls haben das nicht getan. waehrend ich an allem nachmalig erkrankt bin (nach dem tod meiner a-eltern) haben sie - in kenntnis meines schweren lebens - in ruhe und frieden und mit hauptaugenmerk auf ihre ureigensten interessen ihre leben, familienleben, finanzleben etc. weitergelebt, ohne mit der wimper zu zucken und ohne auch nur im traum daran zu denken, mir WIRKLICH zu helfen, sie konnten also NOCH EINMAL und das jahr fuer jahr (tag fuer tag) damit \"fertig\"werden, dass ich an den folgen dessen, was SIE mir als psycho-soziales \"erbe\" vermachten, fast zugrunde gegangen bin ... soll ich meinen leiblichen eltern vielleicht dafuer dankbar sein? soll ich ihnen dafuer dankbar sein, dass ich mich unerwuenscht, ueberfluessig und lebensunwert empfinden und erleben musste, und das immer aufs neue und jahrzehnte lang ...?!!! dankbar bin ich immer mehr meinen (adoptiv-)eltern, die mir so viel emotionales sonnenkapital und kulturelles erbut mitgegeben haben, dass ich auch noch diese katastrophen ueberstehen konnte ... vielen dank also an all die muetter, die ihren kindern durch die adoptionsfreigabe einen guten start ins leben ermoeglichen wollen, und vielen dank auch den adoptiveltern, die diesen kindern diesen start ermoeglichen ... ein dank aus liebe, jedoch kein hundedank ...
margaretha, eine adoptierte

10.03.2003 - 00:16:
Re: Erfahrung in Familien mit leiblichen Kindern
Liebe !
Ich habe Deinen Eintrag mit grossem Interesse gelesen, und dabei ist mir so einiges durch den Kopf gegangen! Denn obwohl ich wunderbare (Adoptiv-)Eltern hatte, bekam ich die Ressentiments gegenueber Adoptierten auch in voller Wucht zu spueren, von Verwandten, Bekannten etc. Adoptiertsein ist also nicht bloss eine absolut und in jeder Hinsicht wunderbare Sache, sogar dann nicht, wenn mit den Eltern zunaechst einmal alles wunderbar \"läuft\" ... Manche Menschen koennen es zum Beispiel einfach nicht verkraften, dass da ein kleiner Mensch \"aus dem Nichts\" mehr Glück im Leben haben/gehabt haben soll als man selber, vor allem was die Ueberwindung sozialer Schranken anbelangt (und da wird vielfach einfach nackter Neid, bösartigste Eifersucht wirksam)... Also bin ich auf der einen Seite auch ich für meine Eltern das \"Wunder\", das \"Glück\" gewesen, fuer andere aber der \"Bastard\", \"der letzte Dreck\", der Abkömmling von \"Gesindel\" etc. und es wurde nicht damit gezögert, mir diese Dinge auch deutlichst klarzumachen ... Mir wurde sogar mitgeteilt, dass ein Familienangehoeriger (Adoptivfamilie) anlaesslich meiner Taufe getobt und geschrieen haette, er soll sogar auf mich gespuckt haben (später hat dieser besagte Mensch mich - als ich gerade einmal 9 Jahre alt war - sogar mit MOrd bedroht, und warum, nun, weil ich ein klitzekleinwenig von meiner Mama geerbt hatte!!!) ... Also die Reaktionen der \"Gesellschaft\" auf uns Adoptierte sind einigermassen \"vielfältig\" .... Ich begreife eigentlich - je älter ich werde - umso weniger, warum es denn manchen Menschen so schwer fällt, JEDEM Menschen einen guten Start ins Leben zu wünschen, warum sie so tatkräftig an gerade dessen Verunmöglichung wirken müssen ... vor lauter Hass und Neid ... Aber: nicht nur wir Adoptierte haben unter solchen Niederträchtigkeiten zu leiden, denn in wie vielen sogenannt \"normalen\" Familien werden Kinder buchstäblich zu Grunde gerichtet, vielfach von den eigenen leiblichen Eltern ... Nur wir Adoptierte verarbeiten Informationen dieser Art eben auch noch auf unsere je eigene Weise ... ..., es ist gut, wenn Du immer wieder solche Fragestellungen aufwirfst ... Und zum Schluss möchte ich noch sagen, fuer diese Unverschämtheiten, die mir widerfahren sind, bin ich nicht dankbar, die beschönige ich auch gar nicht, denn sie sind als nackte Wahrheit in mein Hirn eingemeisselt ... Glücklich bin ich, dass mir immer wieder GUTE Menschen begegnet sind, die mir die Hand gereicht haben. Immer mehr sehe ich auch das aber als ein unglaubliches Privileg, manchmal sogar als \"Wunder\" an, denn: wie vielen Menschen wird das nicht zuteil ...
Alles Liebe und im Vertrauen darauf, dass Du hier bleibst ...
Margaretha

04.03.2003 - 10:04: Re: Adoption
liebe fini,
das wesentliche ist ja bereits in den verschiedenen antworten auf deine fragen gesagt worden. ich selber bin adoptierte und habe mir oftmals ueberlegt, ob ich ein kind adoptierten wollte und WIE ich dann mit der adoptionssituation umgehen wuerde. zum einen stimme ich jenen zu, die meinen, gruendliches hinterfragen und ueberlegen sei angesagt, andererseits hatte ich immer den wunsch, das, was ich an wirklich guter erfahrung mit meinen (adoptiv-)eltern erleben durfte, an ein kind in aehnlicher situation, wie ich als baby war, weiterzugeben ... adoption ist eine sehr, sehr spezielle konstellation wie wir alle wissen, und man kann zum einen nicht so tun, \"als ob eh alles normal sei\", denn es gibt eben die gewichtigen unterschiede mit ihren tiefenwirkungen und langzeitfolgen, andererseits wuerde ich dennoch bemueht sein, das alltagsleben \"so normal als möglich\" zu gestalten. und: seien wir ehrlich, gibt es denn \"die ideale familie\", sind denn die sogenannten \"natuerlichen\" familien wirklich ohne probleme, hoeren wir nicht immer wieder, dass da hinter den fassaden so alles mögliche \"abgeht\" ... ich denke, fini, es ist ganz normal, als adoptierte/r seine abstammungs-ursprungsfamilien kennenlernen zu wollen (gut, manche adoptierte kommen ohne das auch gut zurecht in ihrem leben, und die sollten meines erachtens nicht \"zwangsbeglückt\" werden!!!). und dann denke ich immer wieder: biologische elternschaft ist keine garantie fuer die befaehigung zur sozialen elternschaft. abstammung ist das eine (und natürlich: vergessen wir nicht die dramen auf der seite leiblicher eltern/muetter im zuge der freigabe zur adoption, das u.u. lebenslange leiden dieser frauen!!!), aber elternschaft ist ein sozialer prozess mit allen risiken des gelingens und des scheiterns (bei \"normalen\" familien ebenso wie bei adoptivfamilien), es gibt KEINE ERFOLGSGARANTIE!!! und fuer die uebernahme von verantwortung als eltern (ob nun fuer ein leibliches oder ein adoptiertes kind) brauchen wir den mut zum risiko und die bereitschaft zur offenheit, mit krisensituationen kreativ und konstruktiv umzugehen (ich bin selber mutter eines leiblichen kindes, ich weiss auch ein bisschen, wovon ich rede!!!), die probleme koennen unterschiedlich gelagert sein, aber probleme gibt es ueberall, und im grunde sind krisen ja auch eine chance fuer unsere entwicklung auf dem weg durch unser menschsein hier und heute ... ich wuensche dir, liebe fini, eine gute und durchdachte und mutige entscheidung und ich wuensche dir/euch alles, alles gute
liebe gruesse
margaretha

22.02.2003 - 13:43: Re: Babyklappe/anonyme Geburt
Liebe Roswitha!
Wie schoen, dass Du Dich endlich wieder \"zum Thema\" zu Wort meldest. Ich habe Deine Stimme hier herinnen schon sehr vermisst!!! Du weisst, dass mir gerade Dein Schicksal sehr zu Herzen gegangen ist, und gerade an Deinem Schicksal konnte ich so Vieles ueber die Welt von Euch Herkunftsmüttern lernen und meine Sicht der Dinge (die auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen mit meinen leiblichen Eltern halt eher negativ eingefaerbt ist, wie sollte es auch anders sein, wenn man draufkommen muss, dass man im wahrsten Sinn des Wortes \"weggeschmissen\" worden ist ... ja, so war das eben bei mir, und nicht meine Adoptiveltern haben mich mit dieser mich demuetigenden Offenbarung bedacht, sondern erst lange lange Jahrzehnte nach ihrem Tod, auch Jahrzehnte nach dem Kennenlernen meiner leiblichen Eltern musste ich auf diese Fakten draufkommen, tut nicht gut, ist aber immer noch besser, die Wahrheit zu kennen, denn nun verstehe ich in der Tat 90% jener Dinge, die ich bislang nicht eindordnen konnte, besonders was das Verhalten meiner leiblichen Eltern mir gegenueber nach dem Kennenlernen anlangt, die Motive der Suche nach mir etc., viele meiner traeume, verhaltensweisen etc. ... genug davon fuer jetzt! ...), ich konnte also meine Sicht der Dinge neu gestalten. Was Du ueber die Kenntnis der Herkunft hinsichtlich der Adoptierten sagst, unterstütze ich zum größten Teil, allerdings mit der Einschränkung, dass Du es wirklich dem/der Adoptierten ueberlassen solltest, ob und wie weit er/sie da hineingehen will. Es gibt nicht wenige Adoptierte, die genau das nicht zu interessieren scheint, und die sollten meiner Meinung nach \"in Ruhe\" gelassen werden. Und nun zu Deinen Vorstellungen zur \"offenen Adoption\". Ganz kann ich da auch nicht mit, denn es kann Umstände geben, die eine solche ganz offene Adoption nicht möglich machen, vielfach sind ja auch Herkunftsmütter an ihrer eigenen Anonymitaet, Halbanonymitaet sehr interessiert, und auch das sollte respektiert werden. Es soll jenen offen stehen, die diesen Weg gemeinsam gehen wollen, ich persönlich kann nicht allzu viel dazu sagen, wuerde aber wahrscheinlich auch eher mit \"halboffen\" leben wollen, da ich mein eigenes Familienleben leben und nicht ein weiteres voll mitleben wollte!!!! Das waere mir wahrscheinlich auf Dauer zu anstrengend! Du hast recht, wir alle duerfen nicht uebersehen und uebergehen, dass hinter jeder Adoptionsfreigabe mit hoher Wahrscheinlichkeit an tragisches Lebensdrama auf Seiten der Herkunftsmutter steht, dass also hier Frauen sind, die i.d.R. viel durchgemacht haben und ein Leben lang an ihrer Entscheidung innerlich weiterleiden ... (Das habe ich hier herinnen wirklich sehen gelernt. Bei meiner leiblichen Mutter habe ich dieses Leiden an der Entscheidung, mich weggegeben zu haben, nie wirklich erkennen koennen, und das hat mir unglaublich weh getan!!! Denn obwohl sie zu mir im Grunde eine Kälte lebt, die mich erstarren läßt, habe ich doch noch irgendwo Sehnsuechte in ihre Richtung, und ich bin wohl nicht die einzige unter den Adoptierten, der es so geht ...). Das kann auch nicht so einfach über dem Adoptionsglück vom Tisch gefegt werden, das ist Teil der GANZEN Wahrheit!!! Und ich bin ueberzeugt, dass diese Dramatik irgendwo im Adoptierten stets schlummert, aber es soll ihm ueberlassen bleiben, ob er sich ihr stellen will oder nicht ... Und Herkunftsmütter muessen ja, und tun es auch, mit dieser ihrer eigenen Entscheidung (manchmal auch unter Druck getroffen) leben lernen wie der/die Adoptierte, die Adoptiveltern. Wir alle koennen allerdings nicht tagaustagein schmerzverzerrt durch unser Leben wanken, wir alle wollen gluecklich sein und die Schoenheiten des Lebens leben, wir wollen auch das Leben meistern. Und da sind auch mitunter Schutzwaelle noetig gegenueber frueheren Erlebnissen, die eben weh taten und ... immer noch weh tun, wenn wir sie hochkommen lassen, in der Regel (hier spreche ich wirklich aus eigener Erfahrung) gehoert eine dauerhafte qualifizierte Begleitung dazu, um sich dem eben auf Dauer stellen zu koennen. Nun, meine liebe Roswitha aus dem Ländle, wir kennen uns ja schon so gut, und Du weisst, wie ich meine Beiträge meine. Du weisst, dass ich Dir danke fuer so Vieles, und dass ich Dich niemals kraenken oder verletzen moechte!!! Ich wuensche Dir ein schoenes Wochenende ...
Alles Liebe Deine
Margaretha

21.02.2003 - 13:22: Re: Entschuldigung an Margaretha und Rainer
Lieber Harald!
Ich weiss, WELCHE Ueberwindung dies das Schreiben dieses Mails gekostet haben muss. Ich habe Dir schon gestern ausfuehrlich auf Dein Mail an mich geantwortet und beim Einflechten eines längeren Zitates ist mir das ganze in den Datenozean entglitten - auf Nimmerwiedersehen - da war ich dann doch frustiert und schrieb nur noch eine Kurzantwort an Dich, in der ich aber schon die ausführlichere (mittlerweile an Dich ergangene) ankündigte ... Danke, Harald ... Zu Hauke: Bitte, sei nicht so hart gegen sie, denn möglicherweise KANN sie momentan einfach nicht anders, als sich so hart ausdrücken. extremerfahrungen, wie sie sie wahrscheinlich gemacht hat, koennen das eigenen blickfeld voruebergehend massiv einschraenken, und das scheint mir bei ihr auch der fall zu sein! ich glaube nach wie vor, ihren beitrag als HILFESCHREI zu erkennen ... und, harald, gerade DU musst wissen auf dem Hintergrund Deines Erlebten, wie es sich anfuehlt, wenn man - ohnmächtig - um Hilfe schreit ... Deshalb erwarte ich mir auch von Dir DIESBEZUEGLICHES Verstaendnis in Richtung Hauke. Selbstverständlich koennen wir das Thema selber (Anonyme Geburten, Babyklappe) wieder - sachlich distanziert - in der gebotenen Differenzierung weiter diskutieren. Dann moechte ich Dir zu meinen von Dir in Frage gestellten Auschwitz-Vergleichen jenen Ausschnitt aus meinem Mail an Dich auch hier - fuer die anderen einsehbar - hereinstellen: \"Es IST NICHT ENTSTELLEND, auschwitz im zusammenhang der anonymen geburt in die diskussion mit einzubinden, und ich denke ich habe dafuer im forum ausreichend gruende angefuehrt. es handelt sich hier also absolut nicht um einen \"schraegen vergleich\"!!! und dem administrator habe ich ja angeboten, so - was ich nicht meine - strafrechtliche Tatbestaende in der dt. Rechtsordnung berührt waeren - entsprechende meiner beitraege sofort wieder zu loeschen. hier nur noch die einleitung aus meiner dissertation (1993), die ja auch die \"hohe wissenschaft\" abgesegnet hat mit der approbation der dissertation ...: \"Anstelle einer Einleitung Eine zentrale Schwierigkeit im Umgang mit dem Thema Auschwitz drückt Ingeborg Bachmann in folgendem Interview aus, das sie anläßlich einer Vortragsreise in Polen Alicja Walecka-Kowalska im Mai 1973 gab: \"Auf dieser Reise sind wir durch das Industriegebiet gefahren und haben die Straße überlegt (...) und ich sehe einen Namen dort, und ich habe gesagt, man könnte vielleicht im Süden herumfahren, und ich habe diesen Namen so noch nicht gelesen gehabt und hätte ihn auch gar nicht richtig aussprechen können ... es war Auschwitz. Ich war im Augenblick nicht darauf gefaßt, daß ich so nahe dort bin, und habe dann gebeten, ob wir dort die andere Straße fahren können ... Und ich war in Auschwitz und in Birkenau. Nun hilft einem alles nichts, wenn man das weiß, denn in dem Augenblick, wo man dort steht, ist alles ganz anders. Ich kann nicht darüber sprechen, weil ... es gibt auch nichts zu sagen. Es wäre mir vorher möglich gewesen, darüber zu sprechen, aber seit ich es gesehen habe, glaube ich, kann ich das nicht mehr ...\" Nun aber ergibt sich für uns, die wir in einer kulturellen Tradition stehen, zu der nun Auschwitz unwiderruflich gehört, die dringende, aber auch bedrängende Notwendigkeit, über Auschwitz zu sprechen. Auschwitz verlangt nach seinem Ausdruck, will zur Sprache gebracht werden, will den ihm gebührenden Platz in unserer Erinnerung. Und wir - vor diese Aufgabe gestellt - müssen zur Sprache zurückfinden, wenn wir ihr gerecht werden wollen. Wer sich dem \"Phänomen Auschwitz\" zuwendet, dem wird mit einem Mal ALLES interessant, das kleinste Detail, sowie der umfassendste, wenn auch nur zu erahnende große Zusammenhang. Auschwitz fängt an zu \"leben\" in ihm, und er sieht die Welt - kleine alltägliche Beobachtungen, aber auch große, komplexe gesellschaftliche Prozesse auf der heutigen Erde - hingeordnet auf Auschwitz. Auschwitz hat etwas Allumfassendes an sich, denn Nichts ist dort nicht geschehen. Auschwitz \"besticht\" in seiner Überdimensionalität und Perfektion, aber auch durch seine Widersprüchlichkeiten: technisch-bürokratisch-perfekt ionierte Vernichtung von Menschen rieb sich an der vehementen Sehnsucht dieser Menschen zu leben. Und an diesen Reibungsflächen wird Auschwitz wieder lebendig.\" ich kenne die argumente der auschwitz-leugner und -bagatellisierer recht gut, denn ich habe mich auch damit schon systematisch damit befasst ... konnte mich eines gewissen ekels nicht erwehren und habe mich \"der sache selbst zugewandt\", mit vielen ueberlebenden interviews gemacht, die arbeit (wissenschaftlich) kinder in auschwitz geschrieben etc. und harald: das thema auschwitz wird in allen möglichen bereichen in diskussionen gesellschaftpolitischer, religiöser, philosophischer Natur eingeflochten, da bin ich nicht auf eine \"neue\" idee gekommen. buchtitel wie \"zivilisationsbruch auschwitz\", \"theologie nach auschwitz\", \"philosophieren nach auschwitz und hieroschima\" u.v.m. sprechen da eine eigene sprache ... \" soweit der ausschnitt aus meinem mail ... noch einmal harald, vielen dank fuer deinen jetzigen eintrag und ...
alles liebe und auch dir immer wieder viel kraft
margaretha aus wien

21.02.2003 - 13:07: Wir Betroffene sind irgendwo wohl alle auch Verwundete Hier zum Nachdenken fuer den gegenseitigen Umgang ein Zitat von Franz Kafka: \"Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind, und was weiß ich von Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr, als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich (...) stehen, wie vor dem Eingang zur Hölle.\"
In diesem Sinne
Margaretha

21.02.2003 - 11:04: Re: eu-urteil zeigt wirkung
Liebe Irma,
ja, genauso habe ich es mir u.a. vorgestellt!!! Dieses Urteil hat SIGNALWIRKUNG!!! Und deshalb möchte ich mich kundig machen, welche rechtlichen Schritte dem Normalsterblichen verbleiben, um dieses Urteil ev. anzufechten. Das kann doch auch auf juristischer Ebene nicht so einfach hingenommen werden. Dir und Deinem Schicksal, liebe Irma, moechte ich wieder einmal - auch hier ganz oeffentlich - mit meinem tiefen Mitgefuehl versichern. Was da mit Dir aufgefuehrt wurde und wird, ist eben genau jenes Vorgehen, das mir - ich sage es ganz offen - Ekelgefuehle bereitet!!! Da will offenbar eine ganze Familie \"ein Geheimnis\" bewahren ... Und wenn ich auch grosses Mitgefuehl mit Deiner wahrscheinlich jugendlichen Mutter-Schwester habe (wer weiss, unter welchen Umstaenden sie dich empfangen hat), sehe ich doch wesentlich, WIE MASSIV da Familieninteressen offenbar \"geschuetzt\" werden muessen, zum Preis, den Du mit Deiner Gesundheit und Deinem psychischen und geistigen Wohlbefinden zahlst. Was hältst Du von ...s Vorschlag, einmal ganz in die Öffentlichkeit zu gehen? Sicher, er verlangt unglaublichen Mut, aber ich kann Dir sagen, dass es MIR unendlich gut getan hat, mit meiner Geschichte in Form meiner Homepage in die Oeffentlichkeit zu gehen, dass ich damit sogar eine Art Soziophobie ueberwunden habe!!! (Mit Unterstützung meiner von mir hochgeschätzten Therapeutin!)
Alles Liebe und Kraft und und und ...
Margaretha aus Wien

20.02.2003 - 22:37: Re: Adoption 1986
Liebe Steffi,
ich - Adoptierte - verstehe Deinen Wunsch, Dein Kind kennenzulernen mittlerweile gerade durch mein Hiersein in diesem Forum recht gut. Herkunftseltern - allen voran Roswitha - haben mir wirklich neue Einblicke gewährt. Allerdings - und ich moechte Dich nun nicht total entmutigen - bin ich als zweimal gefundene Adoptierte nach wie vor der Meinung, dass die Initiative zur Suche von dem/der Adoptierten selber ausgehen sollte. Andere Adoptierte vertreten hier andere Ansichten, ich aber bleibe bei meiner und werde sie auch in Hinkunft kundtun. Es soll endlich der/die Adoptierte selbst für sich und - undabhaengig sowohl von Adoptiveltern und Herkunftseltern - herausfinden, was er/sie will und endlich selber einmal die entscheidenden Schritte setzen koennen, ohne dass ihm jemand - wie schon so oft - zuvorkommt, dies, nachdem ja in so lebensentscheidenden Fragen immer fuer ihn/sie ENTSCHIEDEN worden ist. Du hast die Möglichkeit, beim Jugendamt, welches die Adoption abgewickelt hat, einen Brief mit Informationene fuer Dein Kind zu hinterlegen, der ausgehaendigt wird, so Dein Kind sich suchend auf Dich zubewegt. Wieviele Adoptierte wären schon überglücklich gewesen, so etwas auf dem schwierigen Suchweg vorzufinden. Ich wuensche Dir alles Gute und vor allem Geduld mit Deinem Kind.
Alles Liebe
Margaretha

19.02.2003 - 21:09: Re: Prägung oder Vererbung?
lieber bernd! meine ganz persönliche und spontane antwort als adoptierte: wenn ihr ein kind annehmt/adoptiert, dann zuallererst um seiner selbst willen, MIT ALLEM WAS ES EBEN AN ANLAGEN UND GESCHICHTE MITBRINGT. entschludigung (ich moechte dich nicht kraenken, verletzen, ich moechte gewiss nicht dumm meckern!!!), aber wenn ihr so ein kind lieben wollt, so MUESST ihr auch faehing sein, seine leiblichen eltern zu achten, denn diese sind als geschichte und als genetische botschaft in diesem kind drinnen, gehoeren zu diesem kind. missachtung der leiblichen eltern fuehrt ZWANGSLAEUFIG zur missachtung des kindes selbst!!! jedenfalls ich sehe das so!! ich also adoptierte habe mich oft gefragt, wie ich selber als adoptivmutter agieren wuerde, und muss sagen: ich wuerde versuchen, dieses kind zu lieben MIT ALLEM, WAS ES EBEN MITBRINGT!!! und ein liebevolles umfeld, in dem sich das kind als GANZE PERSON geliebt und geachtet fuehlt kann eine ganze menge an sozialisationsbotschaften diesem kind vermitteln!!! (meine lieben ado-eltern hier herinnen: ich weiss aber nicht, ob ich zu jenem mass an kraft und toleranz und offenheit und uneingeschraenktem wohlwollen auf dauer faehig waere, die ihr aufbringt!!!) ich wuerde diesem kind wohl vermitteln: du bist wertvoll als das, was du bist, und mit allem, was du bist und mitbringst, bist du nun MEIN kind ... an eurer stelle, bernd, wuerde ich gute beratung (der ihr wohl ohnedies nicht auskommt :-))) in anspruch nehmen in der frage, die ihr hier gestellt habt.
alles gute
margaretha

18.02.2003 - 11:01: Re: Anonyme Geburt - Urteil des Europäischen Gerichtshofes
lieber harald,
wieso denn rueckzieher??? doch, harald, ich nehme der frau dr. pittermann sehr wohl ab, dass sie menschen in not helfen will!!! und vielen anderen, die sich da fuer die babyklappen und anonyme geburten einsetzen, nehme ich das auch ab, ganz einfach!!! ich will das wohlmeinen von menschen NICHT BELEIDIGEN, denn wir brauchen wohlmeinende menschen, die bereit sind zu helfen (zu viele tun es nicht und haben sich kalte distanz und wegsehen zum lebensprinzip in solchen fragen gemacht!!!) ich habe in meinem leben festgestellt, dass menschen, die unter ganz \"normalen\" umständen (in ihren biologischen familien als ihre sozialen familien, mit wissen um die eigene abstammung von anfang an etc.) aufgewachsen sind, vielfach einfach KEINE PROBLEMSICHT IN DIESE RICHTUNG entwickelt haben. sie koennen sich nicht vorstellen, dass das nicht-wissen um die eigene abstammung zu einer fortgesetzten qual werden kann beim betroffenen, einfach, weil sie selber mit einer selbstverständlichkeit in diesen dingen aufgewachsen sind und sie nie genötigt waren, bei sich selber in dieser hinsicht auch nur irgendetwas zu hinterfragen. ich habe diese \"blindheit\" bei mir sehr nahestehenden menschen, denen ich hoechste moralisch- qualitäten zubillige, festgestellt. und dann gibt es ja auch noch jene zahlreichen adoptierten, die scheinbar gut ohne dieses wissen \"ueber die runden kommen\", gar nichts wissen WOLLEN. und die, so meine felsenfeste ueberzeugung, sollten auch restlos in ruhe gelassen werden, und zwar in jeder hinsicht!!! aber: auch bei adoptierten, die jahrzehnte uninteressiert sind/scheinen an fragen ihrer abstammung, kann ein punkt kommen in ihrem leben, ein ereignis eintreten etc., wo sie sich sehr wohl fuer diese fragen zu interessieren beginnen, und GENAU DAFUER SOLLTE VORSORGE GETROFFEN SEIN UND DAS WISSEN UM DIE ABSTAMMUNG ETC. ZUR VERFUEGUNG STEHEN!!! (harald, ich weiss natuerlich, dass ich jetzt mit diesen saetzen wohl auch bei dir offene tueren einrenne, aber was wir hier schreiben, schreiben wir auch fuer eine groessere oeffentlichkeit, deshalb ...:-))) lieber harald, ich kann mir so gut vorstellen, dass du auf grund deines eigenen furchtbaren leidensweges zu dieser harten ansicht gelangt bist. bedenke, deine sicht der dinge mag zwar der psycho-intellektuellen und moralisch-ethischen verfassung deines peinigers gerecht werden, aber du solltest (pardon, ich will nicht moralapostelin spielen:-))) sie nicht eins zu eins umlegen auf andere menschen. ich mag verallgemeinerungen generell nicht (nur wenn es um pointierte feststellungen geht, dann sind sie mitunter \"stil\"mittel :-))), auch jene gegenüber den beamten nicht (viele beamte bemuehen sich nach besten kräften, auch hier zu helfen, und gerade jenen beamten, die ebenfalls MENSCHEN sind, tun wir mit negativen verallgemeinerungen nicht nur unrecht sondern auch weh, koennen wir gerade diese menschen mitunter sogar demotivieren!!!) und harald, wenn wir in diesen fragen ein klein wenig erreichen wollen, dann nur, wenn wir zuerst einmal versuchen, MIT den verantwortlichen zu reden und nicht aus voller kraft GEGEN sie vorzugehen. wir wollen doch zumindest versuchen, ein umdenken herbeizuführen, und wenn wir eben menschen, die es durchaus gut meinen, die beste absichten haben (weit weit entfernt sind von jenem von mir hier schon mehrfach angesprochenen ungeist), nur vor den kopf stossen, agieren wir kontraproduktiv.
liebe gruesse aus wien
margaretha

18.02.2003 - 00:42: Re: An Rainer
liebe ...,
natuerlich hast du recht, wenn du sagst, dass mit dem leiden der ueberlebenden opfer von auschwitz auf keinen fall argumentativ \"gespielt\" werden darf. vor diesen erfahrungswelten muessen wir wohl respektvoll zuruecktreten und eingestehen, dass wir da nicht wirklich hineinehen koennen. ja, ich weiss, wovon ich spreche, ..., denn ich habe hunterte interviews mit ueberlebenden gemacht und tausende stunden in gespraechen mit ihnen zugebracht, mit einigen bin ich heute noch - sogar in einigen fällen freundschaftlich - verbunden. nein, nein, diesen vergleich auf der ebene der leidensdimensionen wollte ich in der tat nie herstellen!!! aber sehr wohl ist es legitim, ueber auschwitz (die quintessenz negativer nationalsozialistischer bevölkerungspolitik auf basis der wissenschaftlichen, technischen, ökonomischen,politischen etc. entwicklung einer fortgeschrittenen europäischen industriekultur im 20.jh)als \"gesellschaftliches phänomen\" (ganz allgemein gesprochen) muss immer wieder gesprochen werden, sowohl über seine geschichte, als auch über seine bedeutung fuer die heutige zeit!!!! da muessen vergleich sehr wohl gestattet sein, auch wenn ein ergebnis sein kann, dass auschwitz in bestimmten bereichen einmaligkeit und einzigartigkeit zugestanden werden muss! mich hat an auschwitz immer seine \"aktualität\" interessiert und fasziniert, und ich bin restlos davon ueberzeugt, dass es immer aktueller wird, je länger sich momentan der globus um die eigenen achse dreht und um die sonne kreist ... liebe ..., natuerlich hast du recht, wenn du sagst, dass mit dem leiden der ueberlebenden opfer von auschwitz auf keinen fall argumentativ \"gespielt\" werden darf. vor diesen erfahrungswelten muessen wir wohl respektvoll zuruecktreten und eingestehen, dass wir da nicht wirklich hineinehen koennen. ja, ich weiss, wovon ich spreche, ..., denn ich habe hunterte interviews mit ueberlebenden gemacht und tausende stunden in gespraechen mit ihnen zugebracht, mit einigen bin ich heute noch - sogar in einigen fällen freundschaftlich - verbunden. nein, nein, diesen vergleich auf der ebene der leidensdimensionen wollte ich in der tat nie herstellen!!! aber sehr wohl ist es legitim, ueber auschwitz (die quintessenz negativer nationalsozialistischer bevölkerungspolitik auf basis der wissenschaftlichen, technischen, ökonomischen,politischen etc. entwicklung einer fortgeschrittenen europäischen industriekultur im 20.jh)als \"gesellschaftliches phänomen\" (ganz allgemein gesprochen) muss immer wieder gesprochen werden, sowohl über seine geschichte, als auch über seine bedeutung fuer die heutige zeit!!!! da muessen vergleich sehr wohl gestattet sein, auch wenn ein ergebnis sein kann, dass auschwitz in bestimmten bereichen einmaligkeit und einzigartigkeit zugestanden werden muss! mich hat an auschwitz immer seine \"aktualität\" interessiert und fasziniert, und ich bin restlos davon ueberzeugt, dass es immer aktueller wird, je länger sich momentan der globus um die eigenen achse dreht und um die sonne kreist ...
alles liebe und danke fuer dein bemuehen um verstehen
deine margaretha

18.02.2003 - 00:22: Re: Re an Magaretha: Anonyme Geburten/ Babyklappe
lieber rainer,
ich danke dir herzlich fuer deine ausfuehrliche antwort ... und dass du meinen artikel gelesen hast. und eine kleine anmerkung sei mir noch zu deinen ausfuehrungen gestattet: 1. ich habe keine PARALLELEN zwischen nationalsozialismus und babyklappen hergestellt. das waere in der tat vollkommen fehl am platz. ich habe lediglich mögliche entwicklungsrichtungen in unserer gesellschaft, von teilen unserer gesellschaft versucht aufzuzeigen (bin ja bei gott nicht die erste, der das einfaellt! ich verweise da auf sehr differenzierte diskussionen zum thema allgemein in angesehenen deutschen tageszeiten wie faz, frankfurter rundschau, sueddeutsche zeitung etc.). ich behaupte lediglich - und das seit ich mich mit dem thema auschwitz vor mehr als 20 jahren (thema meiner dissertation: kinder in auschwitz) zu befassen begonnen habe, intensivst hineingegangen bin in die materie, ja, ich behaupte, dass dieser nazi-(un-)geist - auch ganz global betrachtet - noch lange nicht ausgestanden ist, und zwar in neuem gewande, mit modifizierten aber nicht weniger unmenschlichen zielsetzungen. und als eine ganz grosse gefahr darin sehe ich ganz klar die restlose verfuegbarmachung des menschen (genetisch, psychisch, sozial, intellektuell), und in der gezielten anonymisierung von menschen sehe ich einen der schritte in diese richtung!!!! diese dinge laufen im hintergrund ab, und babyklappen und anonyme geburten sind fuer MICH nichts anderes als schritte in diese verhängnisvolle richtung, denen es zu wehren gilt!!! den es geht um menschenwuerde an der wurzel des menschseins!!!!!!!!!!! damit will ich nicht jene menschen mit dreck bewerfen, die sich aufrichtig um helfen in notsituationen bemuehen, nein, ganz gewiss nicht!!!! aber auch diese menschen sollten sich vielleicht einmal fragen, ob ihr wohlgemeintes agieren nicht ganz anderen gesellschaftlichen kräften in die hände spielt, kräfte deren gefahr teilweise noch im verborgenen liegt, die aber sehr wohl agieren und über ihre gesellschaftlichen konzepte fuer morgen und uebermorgen verfuegen. darauf will ich aufmerksam machen. es wuerde mich sehr freuen, wenn mein alarm sich als blinder alarm herausstellen sollte, nichts mehr als das wuerde ich mir wuenschen!!! 2. rainer, es ist durchaus erlaubt, feststellungen in pointierter form zu treffen, etwas überzeichnet darzustellen, damit die botschaft auch wirklich brennt und zum nachdenken anregt, reaktionen - wie die deine jetzt - herausfordert, denn dann findet ein prozess der aneingung und auseinandersetzung statt, der sonst gar nicht erst in gang kommt ...
alles gute
margaretha

17.02.2003 - 19:12: Re: Re an Magaretha: Anonyme Geburten/ Babyklappe
lieber rainer,
ich habe nicht gesagt, dass die einrichtung von babyklappen eine einrichtung im geiste des nationalsozialismus ist. vorsicht, rainer, sooooo habe ich nicht argumentiert!!! ich versuche lediglich, gesellschaftliche praktiken AUCH in einen mir wichtig erscheinenden umfassenderen gesellschaftlichen zusammenhang zu stellen. das habe ich im zusammenhang mit babyklappe und anonyme geburt bereits in dem mehrfach von mir hier erwähnten artikel in der zeitschrift \"adoptionsdreieck\" bereits getan:http://members.aol.com/w mlgage/3eck/3eck-036.htm. allerdings befuerchte ich bald zurecht, dass manche hier im forum einwenden werden: liebe margaretha lass uns nun endlich mit der \"werbung\" fuer deinen artikel zufrieden. also, einmal noch als info fuer dich. vielleicht konnte ich dort auch fuer dich nachvollziehbarer machen, was ich mit diesen bezuegen meine ...
liebe gruesse
margaretha

17.02.2003 - 00:17: Anonyme Geburt - Urteil des Europäischen Gerichtshofes
Da mir diese ganze Sache keine Ruhe mehr gelassen hat, habe ich folgendes Schreiben an Fr. Primaria Dr. Pittermann/Wien, abgesandt. Kopien dieses Mails sind auch anderen Personen zugemittelt worden.
Hier also mein Brief:
\"Sehr geehrte Frau Primaria Doktor Pittermann!
Wenn ich es richtig verstanden habe, gaben Sie Ihrer Zufriedenheit über das in jüngerer Zeit ergangene Urteil des Europäischen Gerichtshofes hinsichtlich der Anonymisierung von Geburten (Stichwort: Recht auf Anonymität) Ausdruck. Als Adoptierte und Privatperson kann ich mich dieser Ihrer Zufriedenheit leider nicht anschließen, denn mich hat dieses Urteil eher erschüttert. Selbstverständlich teile ich Ihre Sorge um Menschen, Frauen in absoluten Notsituationen, und es sollten wohl größte Anstrengungen seitens der Politik und Gesellschaft unternommen werden, um diesen Menschen wirklich adäquate Hilfe zu bieten. In diese Richtung sehe ich Ihre Bemühungen gehen! Aber die legal festgeschriebene Anonymisierung von Menschen, das vollständige Abschneiden eines Menschen von seiner Abstammung, leiblichen Herkunft, KANN NICHT ANTWORT AUF DIESE NOTSITUATIONEN SEIN!!!! Denn das geht sehr wohl an die FUNDAMENTE MENSCHLICHER IDENTITÄTSKONFIGURATIONEN, gehört das Wissen um die leibliche Abstammung sehr wohl zu den Rechten eines jeden Menschen, und wenn dies ihm vorenthalten wird, so ist das eine massive Verletzung der Menschenwürde!!!! Natürlich anerkenne ich Ihre Bemühungen, Menschen in schwierigsten Situationen helfen zu wollen, aber diese Hilfe sollte doch so weit voraussehen, dass da ein Mensch in die Welt gestellt wird, der eines Tages genau diese Abstammung eruieren wird wollen. Zudem erlaube ich mir, Sie in diesem Zusammenhang auf eine Besonderheit der österreichischen Rechtsordnung aufmerksam zu machen (ABGB §§ 182 ff., nach der Adoptierte lediglich bis zu den Adoptiveltern und deren Nachkommen rechtlich verwandt sind, jedoch nicht in den größeren Familienkreis der Adoptivfamilien hinein. Wenn, wie in meinem Fall, die Adoptiveltern früh versterben und zudem keine Geschwister in der unmittelbaren Adoptivfamilie vorhanden sind, hat der/die Adoptierte in diese Familien hinein keine rechtlichen Verwandten mehr, und es kann ihm/ihr passieren, dass es - wie dies auch bei mir in allen Konsequenzen der Fall war - von diesen Familien fallengelassen wird \"wie eine heisse Kartoffel\", und das alles im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen. Dann bleiben noch Beziehungen vermögensrechtlicher Natur zu den Verwandten leiblicher Herkunft aufrecht (diese Bestimmungen entbehren nach meinem persönlichen Rechtsgefühl ebenfalls nicht der \"Merkwürdigkeit\"), auch dabei wird sich der österreichische Gesetzgeber \"etwas gedacht\" haben, wenn er dabei sehr wohl dem Abstammungsprinzip Rechnung getragen hat. Es wird im Zusammenhang Anonyme Geburt und Babyklappe immer gerne mit dem Lebensschutz, dem Recht des Kindes auf Leben, also dem unmittelbaren Kindeswohl argumentiert, wird oft genug die Gegenüberstellung Tod des Kindes:Leben als anonym geborenes Kind bemüht. Neuere Untersuchungen in Deutschland weisen allerdings darauf hin, so ließ ich mich belehren, dass die Zahlen solch kritischer Situationen (Kindestötungen, Kindesweglegungen unter grauenhaften Bedingungen) nach der Einrichtung von Babyklappen prozentuell nicht zurückgegangen sind, das Problem damit also tatsächlich nicht an der Wurzel angepackt worden ist. Auch in Österreich ist es in letzter Zeit - trotz Babyklappen - immer wieder zu solchen - wie ich meine - absouluten Verzeiflungstaten betroffener Frauen gekommen. Zudem umschließt das Kindeswohl doch wohl auch die langfristige Perspektive des Heranwachsens, des Prozesses der Indentitäsbildung und -entwicklung eines Menschen, und hier sollte - so ein/e Adoptierte/r den Wunsch danach hat - das Wissen um die eigene Abstammung sehr wohl zu seiner/ihrer Verfügung gehalten werden. Wenn dies SICHERGESTELLT ist, kann ich mir die Anonymität der Mutter ihren weiteren gesellschaftlichen Umkreis betreffend, auch vorstellen, so dies wirklich und absolut dem Wunsch der betroffenen Frau entspricht. Jedoch bestehen - und dies auch hierzulande, aber in Deutschland auch in Form diesbezüglich geführter Diskussionen - seitens mancher Herkunftsmütter vehemente Bedenken dagegen, dass Herkunftsmütter mit Hilfe solcher Anonymisierungspraktikten in ebendiese auch für sie unwürdige Anonymität abgeschoben zu werden. Ich weiss, es gibt auch totale Extremsituationen, kriegerische Handlungen im grossen, aber auch die fürchterlichen Fälle von Missbrauch, Inzest und sonstiger Gewalttat. Vorweg: Wem nützt hier denn die Anonymität am meisten? Doch westenlich dem Täter!!!!! Da mag der jeweils betroffenen Frau der Sprung in die Anonymität zunächst womöglich hilfreich erscheinen, aber wer sagt es denn, dass nicht auch diese Frau dereinst gerade mit dieser Anonymität schwer zu kämpfen haben wird und ebenfalls gerade deshalb mit schwerwiegenden psychischen und sonstigen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben wird. Der Blick in Richtung jener Herkunftsmütter, die unter \"normalen\" Umständen ihr Kind zur Adoption freigegeben haben, und die nun endlich bereit sind, auch ihre Perspektive und Erfahrungswelt mitzuteilen, öffentlich zu machen, zeigt, dass das Leiden auch auf dieser Seite nicht mit dem Abgeben/Freigeben des Kindes beendet und erledigt ist, sondern vielfach ein Leben lang andauert. Anonymität empfinde ich persönlich - als Adoptierte, und ich spreche hier nur für mich - gerade in diesem Zusammenhang als unmenschliche Mauer, insbesondere für den anonymisierten Menschen, an ihr prallt jede seiner Bemühung um Erkenntnis der eigenen leiblichen Abstammung ab, und die Abstammung ist nicht mehr und nicht weniger als ein wichtiger Teil der persönlichen Geschichte eines Menschen. Nun habe ich Ihre rare Zeit, sehr geehrte Frau Doktor, wohl \"über Gebühr\" in Anspruch genommen, darf Sie aber zum Schluß kommend noch auf meinen Text zum Thema, den ich 2001 in der Zeitschrift \"Adoptionsdreieck\" veröffentlicht habe, aufmerksam machen: http://members.aol.com/wmlgage /3eck/3eck-036.htm
Mit Dank für Ihre Aufmerksamkeit verbleibe ich mit besten Gruessen
Dr. Margaretha Rebecca Hopfner


16.02.2003 - 01:55: Re: Anonyme Geburt / Babyklappe
Je länger ich mich diesem unglaublichen Urteil des Europäischen Gerichtshofes gegenüber weiss, umso fassungsloser stehe ich davor. Und ich bin immer mehr der Überzeugung, dass da ein \"Trend der Zeit\" juristisch weiterformuliert wird, der dahin geht, den ganzen Menschen zu einem verfügbaren Gut (von allem möglichen Instanzen ... Wissenschaft, Gesellschaft, Ökonomie etc.) zu machen, unbeschränkt manipulierbar und benützbar ... Es jagt mir den kalten Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, WOHIN DIESE WEGE NOCH FÜHREN WERDEN, und dass jene, von denen man angenommen hat, dass sie 1945 ein Ende gefunden haben (welch Irrtum!!!), offenbar noch lange nicht in allen Dimensionen ausgeschritten sind!!!!!! Die Anonymisierung des Menschen steht wohl auf dem Programm, um es besonders provokant zu formulieren, und wir Adoptierte, die man in Zukunft wohl am liebsten anonymisiert vermitteln möchte, sind eines der Vorfeldversuchsterrains ... Schauerlich!!! Vielleicht sehe ich das etwas zu dramatisch, kann sein, aber die Geschichte des Nationalsozialismus hat uns vor nicht allzu langer Zeit mit allen Konsequenzen vor Augen geführt, wohin die unbeschränkte Manipulation und Verfügbarmachung des menschlichen Lebens führt ... Auschwitz ... So traurig und für manche wohl übertrieben es klingt: Auschwitz ist noch lange nicht ausgestanden, auf der ganzen Welt nicht!!! Auch ich werde mich in meinem Heimatland auf höchster amtlicher Ebene kundig machen, ob und welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen, gegen dieses Urteil vorgehen zu können.
Eine sehr nachdenkliche und besorgte
Margaretha

13.02.2003 - 21:06: Re: Anonyme Geburt / Babyklappe
ja, es ist schon bedrückend, WIE leichtfertig da über fundamentale menschliche bedürfnisse einfach hinweggesehen und -gegangen wird. ich will ja gar nicht in abrede stellen, dass hier menschen auch einfach helfen wollen, aber hat denn die einrichtung der babyklappen wirklich zum erhofften rückgang schrecklicher kindesaussetzungen (und damit meine ich nicht jene, wo eine verzweiflte mutter ihr kind bewußt an einen ort legt, wo es möglichst rasch gefunden werden kann!!!) und - tötungen geführt. ich meine gelesen zu haben, dass dem nicht so sei!!!! und wird denn auch offen diskutiert, was mit der anonymisierung von der gesellschaft (fürchterlich allgemeiner begriff, denn es sind ja immer die einzelnen handelnden menschen, aus denen sich diese gesellschaft zusammensetzt!) einfach vom tisch gefegt werden kann, womit sie sich ganz einfach nicht mehr auseinanderzusetzen braucht ... ja, beim gedanken vor allem daran wird mir mehr als mulmig in der magengegend!! ich erlaube mir, im zusammenhang mit dem hier angeschnittenen thema babyklappe auch auf meinen zu diesem thema in der zeitschrift \"adoptionsdreieck\" erschienen aufsatz zu verweisen: http://members.aol.com/wmlgage /3eck/3eck-036.htm und doch freu ich mich für jedes kleines lebewesen, dass ein schönes, liebevolles zuhause findet, wie auch immer ...
Margaretha

28.01.2003 - 15:33: Re: ganz schlechtes Verhältnis zu meinen A-Eltern
Hallo Renchen,
bei all deinem Wohlgemeinten, aber Differenzierung ist schon angezeigt! (Ich meine jetzt auch vor allem deine Antwort auf Harald). Zwischen den üblichen Konflikten, die halt einfach dazugehören, wo Menschen miteiander zu tun haben, also auch die normalen Eltern-Kind-Konflikte und systematischer schwerer psychischer und/oder seelischer Misshandlung und dem Ausleben nackten Hasses (was auch ich erlebt habe) besteht ein grosser Unterschied. Und: Es bestehen ebenso markante Unterschiede in den Problemkonstellationen von Adoptierten und Nicht-Adoptierten. Vergleichen wir die Dinge auf der Ebene, wo sie auch wirklich vergleichbar sind, und differenzieren wir dort, wo nur Differenzierung ein genaueres Verständnis ermöglicht!!!
Liebe Grüße
Margaretha

28.01.2003 - 12:07: Re: ganz schlechtes Verhältnis zu meinen A-Eltern
Zu den Berichten von Renchen und Suse: Ich finde es sehr gut und wichtig, dass Ihr Eure Erfahrungen mit Euren leiblichen Eltern hier mitgeteilt habt. Zum einen ist daraus zu ersehen, dass Kinder, die bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen, ebenso schrecklich an ihnen leiden können, und das auch wegen ganz ähnlichen/gleichen Problemen. Da muss ich ganz offen sagen, dass ich mir schon oft dachte, wie es wohl sein muss, wenn einem leibliche Eltern diesen fortgesetzten Terror antun, wie schwer erst da eine Distanzierung von ihnen sein muß. Ich jedenfalls hatte innerlich immer auch die Möglichkeit, mich von den Menschen, die mir so grossen Schaden zugefügt haben (und davon kann ich nun einmal nicht absehen, das IST passiert!!!), zu distanzieren, konnte ich mir in die eine Richtung sagen, wie gut, dass ihr \"nur\" meine leiblichen Eltern seid, und in die andere Richtung, Gott sei Dank, ich bin ja nicht das leibliche Kind. Mir ist das alles tatsächlich nur möglich geworden, weil ich diese unverrückbare Liebe durch meine (Adoptiv-)Eltern und durch meine wundervollen Lebensbegleiter erfahren habe. Das waren einige wenige Menschen, aber trotz aller Negativerfahrung, war ihre gute Botschaft in mein Leben hinein die stärkere!!! Aber dennoch muss ich auch noch aufmerksam machen auf den Umstand, den Suse schon angedeutet hat: wir Adoptierte verarbeiten derart negative Erfahrungen einfach noch anders, die Katastrophe wird insoferne vergrößert, als da noch weniger im Hintergrund (an Wissen, die Verlassenheitserfahrung etc.) da ist. Ich habe mich beispielsweise lange JAHRE dafür SCHULDIG GEFÜHLT, ÜBERHAUPT AM LEBEN ZU SEIN, HABE MICH ALS ÜBERFLÜSSIGE MENSCHWERDUNG EMPFUNDEN, und dies trotz der letztlich so hilfreichen positiven Signale von \"meinen\" Menschen. Auch wenn viel Negatives - neben dem Positiven - zum Vorschein kommen mag, es tut gut, zur Wahrheit zu stehen!!!!
In diesem Sinne
Margaretha

27.01.2003 - 23:52: Re: an Magarethe
Liebe Jule!
Wie froh bin ich, dass Du therapeutische Unterstützung hast. Ich kann Dich auch hier aus meiner eigenen Perspektive nur bestärken. Ich habe vor genau zwei Jahren die goldrichtige Therapeutin für mich entdeckt, und es sind tatsächlich beinahe \"Wunder\" passiert. Meine Einstellung zur leiblichen Herkunft hat sich geradezu dramatisch verbessert, obwohl ich natürlich nach wie vor nicht bereit bin (das verlangt auch kein Mensch von mir!!!), meine Geschichte schönfärbend umzuschreiben. Mein Leben war genauso wie es eben war, daran kann auch ich nichts mehr ändern in meinen Erinnerungen. Und immer wieder wüten natürlich die verschiedenen Enttäuschungen (die Erinnerung daran) in mir herum, aber mit der Zeit entwickle ich ein wenig mehr Gelassenheit diesen Dingen gegenüber, lerne ICH die Dinge zu handeln und lass mich nicht mehr von ihnen terrorisieren!!! Eine ähnliche Entwicklung würde ich Dir auch wünschen, all das braucht Zeit und Geduld. Hab Geduld mit Dir!!!! Und mit dieser Unterstützung wirst Du DEINEN Weg ganz bestimmt finden!!! (Natürlich kennen wir Adoptierte diese Wahnsinnsangst vor der Verlassenheit, und u.a. auch deswegen fallen uns manche Trennungen so schwer!)
Viel Kraft und Mut und alles Gute
Margaretha

27.01.2003 - 17:49: Re: ganz schlechtes Verhältnis zu meinen A-Eltern
hallo jule,
vielleicht hast du neben anderen auch mich direkt angesprochen, als du von jenen sprachst, deren beiträge hier herinnen von guten beziehungen zu den adoptiveltern sprechen. ja, es ist wahr, zu meinen (adoptiv-)eltern hatte ich eine einzigartige und wundervolle beziehung (leider sind sie schon lange tot), aber glaube mir, auch ich weiss, wovon du sprichst. denn auch ich musste mir - von meiner stiefmutter - nicht nur einmal anhören, von was für einem gesindel ich wohl kommen würde, dass ich nichts wert sei, der letzte dreck und so weiter, und immer wieder, wiiiiiiiieee undankbar ich sei. bei jeder gelegenheit wurde ich niedergebrüllt, erhielt beim essen die kleinsten portionen etc. ein kind hat das recht auf achtung (janusz korczak), jedes kind hat das, und ... JEDES KIND BRAUCHT LIEBE und förderliche bedingungen für seine entwicklung, und dafür muss es nicht den rest des lebens hundedankbar sein. gegenüber eltern, die ihr kind - ob nun adoptiert oder leiblich - so schwer misshandeln (seelisch und/oder körperlich), muss dieses kind einen schutzwall errichten!!! auch ich bin nach dem tod meines vaters einfach aus der umgebung verschwunden, in der ich nur \"dreck\" war. auch du hast es nicht nötig, dir diese demütigungen gefallen zu lassen. ich wünsche dir, dass du nun endlich ZU DEINEM EIGENEN LEBEN findest und ja sagen kannst, du bist gar niemandem etwas schuldig!!! eltern, die kinder nur wegen des gesellschaftlichen prestiges adoptieren, sind eben auch auf dem holzweg gewesen und sollten dies früher oder später erkennen müssen!!!
ich wünsche dir jedenfalls alles gute für DEINEN WEG
margaretha

17.01.2003 - 09:52: Re: Kontakt zur Herkunftsfamilie suchen?
Liebe ...!
Herzlichen Dank für Deinen Beitrag, der mich sehr gefreut hat. Ich habe Jahrzehnte gebraucht, bis ich endlich so weit war, um mich öffentlich zu meinem Leben zu äußern. Und seit ich das schaffe, geht es mir auch entschieden besser in meinem Leben hier und jetzt. Ich beanspruche mit nichts, was ich von mir gebe, Allgemeingültigkeit, ich spreche aus meinen subjektiven Erfahrungen heraus, und tue dies - gerade weil ich auch in anderen Bereichen gelernt habe, wissenschaftlich zu argumentieren - ganz bewusst. Ich würde mir wünschen, dass wir uns gegenseitig in unserer Einmaligkeit (was unsere persönlichen Erfahrungen angeht), unseren Unterschieden in der Sicht und Interpretation einfach achten könnten. Gerade diese Vielfalt ist für mich die eigentliche Bereicherung ... auch hier im Forum. Wenn Forumsteilnehmer die Ebene der persönlichen Beleidigung wählen müssen, so ist das ein Stil, der nicht meiner ist und der mich im Grunde auch gar nicht sonderlich tangiert. Ich denke, dass ich mit meinen Beiträgen bisher gezeigt habe, dass ich nicht auf so einer niederen Ebene agiere. Liebe ..., nun habe ich nur von mir geschrieben. Noch einmal lieben Dank für Deinen Beitrag!
Liebe Grüße aus Wien
Margaretha

16.01.2003 - 16:02: Re: Kontakt zur Herkunftsfamilie suchen?
Liebe Miriam!
Als Adoptierte kann ich mich der Ansicht von Theres gut anschliessen. Ich würde mich an Eurer Stelle daran orientieren, was im Interesse Eures Kindes gelegen ist. Zudem vertrete ich - ich bin Adoptierte, die zweimal gefunden wurde - immer wieder die Ansicht, dass es der/die Adoptierte sein soll, welche schließlich den Kontakt herstellen können sollte, entlang jener Parameter, die ihm/ihr wichtig sind. Gerade dieser Bereich soll wirklich in die Eigenverantwortung des Adoptierten gelangen, und die wächst eben auch erst mit dem Erwachsenwerden ... Natürlich ist altersgemäß orientierte Aufklärung gut, hilft ein offenes Klima, aber ob nun Adoptiveltern, Herkunftseltern oder sonstige interessierte Verwandte sollten - meines Erachtens - dem/der Adoptierten nicht allzuviel vorgreifen. Mitunter kann weniger mehr sein ...
Alles Liebe und viel Glück für Euren gemeinsamen Weg!
Margaretha

05.01.2003 - 22:53: Re: Reaktionen?
Liebe Jasmin!
Es ist sehr schön, dass Du ein so gutes Verhältnis zu Deinen Adoptiveltern hast, aber ebenso natürlich ist Dein Interesse an Deiner leiblichen Herkunft!!! Auf welche Weise ist denn das Thema Adoption bisher in Eurer Familie zur Sprache gekommen, konntet Ihr denn bereits offen darüber sprechen? Auch ich habe meine (Adoptiv-)Eltern sehr geliebt (sie sind schon vor langer Zeit verstorben), liebe sie immer noch, und auch ich hätte ihnen niemals weh tun wollen, ihnen nie das Gefühl geben wollen, ich sei nicht ihr Kind. Aber geradeso wesentlich und wichtig kann einem das Wissen um die eigene leibliche Herkunft werden, und das ist im Grunde genommen doch das Selbstverständlichste auf der Welt, dass ich wissen will, wie bin ich in diese Welt gekommen, wer hat mich gezeugt, warum ... , wie sehen die Menschen aus, von denen ich abstamme ... etc.etc. Vielleicht gelingt es Dir, einen Weg zu finden, Deinen Adoptiveltern zu vermitteln, dass Du sie in keiner Weise weniger lieb hast, wenn Du Dich fuer Deine leibliche Herkunft interessierst, und dass Du dies ganz einfach für Deine gesunde Persönlichkeitsentwicklung brauchst, Dich damit zu befassen!!! Die leiblichen Herkunftseltern und die Adoptiveltern sind ja keine erbitterten Konkurrenten. Wir alle im Adoptionsdreieck gehören zusammen, ohne das eine könnte das andere nicht sein, ist es nicht so!!!
Also Jasmin, ich wünsche Dir alles, alles Gute und hoffe, dass Du hier noch viele hilfreiche Ratschläge von den anderen Forumsteilnehmern bekommen wirst.
Margaretha

05.01.2003 - 22:41: Re: Herkunftseltern/Zwangsadoption in der ehem.DDR
Liebe Kati!
Mit grosser Erschütterung habe ich Deine Mitteilung gelesen, denn sie zeigt mir/uns einmal mehr, welche entsetzliche Tragödie hinter einer Adoption sich verbergen kann. Ich bin selber Adoptierte und hoffe von ganzem Herzen, dass Du mit Hilfe der psychologischen/psychotherapeu tischen Begleitung einen für Dich erträglicheren Weg durch Dein Lebensdrama finden kannst. Hast Du schon den Schritt getan, einen Brief an Deinen Sohn beim Jugendamt zu hinterlegen, damit er im Fall seiner Suche nach Dir den Weg zu Dir leichter finden kann. Und ich hoffe ebenso, dass sich Dein Sohn auf die Suche nach Dir macht!!!
Alles Liebe und viel Kraft
Margaretha

Margaretha Rebecca Hopfner, Wien 2002-2006

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