Vatersuche - US-Staatsbürgerschaft - Zum Leitfaden für US-Besatzungskinder

Margaretha Rebecca Hopfner

Beiträge zum Thema Adoption

im Diskussionsforum von adoption.de

2004

 

Seine persönliche Herkunft gehört zum Menschen und sie gehört dem Menschen!
Jeder Mensch hat das Recht auf seine Herkunft!
Die Anonymisierung von Menschen und Inkognito-Adoption
sind menschenverachtend! Sie machen aus Menschen (die ihre Herkunft tief innen immer in sich tragen!!!) zwangsläufig (moderne Nobel-)Sklaven und schaffen weltweit ein ungeheures Missbrauchspotential!!!!!!!
Herkunft darf also dem Menschen nicht vorenthalten, enteignet, geraubt werden!
Herkunft darf niemals vernichtet werden!!!
Adoption ist kein Instrument zur Familienplanung!
Adoption kann ein Weg sein, einem verwaisten Kind eine Familie zu geben.
Es müssen rechtliche Regelungen geschaffen werden, welche die Herkunft dem adoptierten Menschen auf allen Ebenen rechtlich bewahrt und gleichzeitig durch adoptional wirksame Bestimmungen sinnvoll ergänzt.
Adoption muss national und international rechtlich derart geregelt werden, dass die Menschenwürde aller Betroffenen gewahrt bleibt!
Kein einziger Mensch ist ein Bastard!!!!!
"DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR."
Ingeborg Bachmann

Einige Jahre beteiligte ich mich an den Diskussionen im Forum von adoption.de. Es existieren dort bereits über Tausend registrierte Beiträge von mir, und die inhaltlich mir wichtigsten präsentiere ich ebenfalls seit Jahren auch hier. Die Beiträge habe ich im originalen Wortlaut sowie der von mir im Forum verwendeten Orthographie übernommen, Verschreibungen wurden absichtlich nicht wegkorrigiert. Es handelt sich bei meinen Beiträgen um jene Bruch-Stücke der "Dinge meines Lebens", die im fortgesetzten Prozess ihres vorläufigen und schließlichen "Erkennens" buchstäblich aus mir herausgebrochen sind! Mein Mitschreiben im Forum hatte wesentlichen Anteil am unumgänglichen Verarbeitungsprozeß zur Geschichte meiner Adoption. Ein Dankeschön an das Ehepaar Fasen, welches die so wichtige Webseite zum Thema Adoption geschaffen hat und betreut und an all jene Diskussionsteilnehmer, die im Lauf der Jahre einen Austausch zum Thema Adoption mit mir gepflegt haben. Nur in der direkten Kommunikation mit anderen Betroffenen war mir mein eigener Ausdruck in dieser Form erst möglich!!!


31.12.2004 - 18:24:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
liebe ...,
liebe beate,
bitte erlaubt, dass ich auf eure beitraege mit einem beitrag antworte ... danke ...
ja, ... beitraege moegen polarisieren, mitunter ueberzeichnen, aber sie sind m.e. durchdacht und zeigen eine moegliche argumenationslinie auf, die durchaus in der lage ist, einen ausschnitt aus der realitaet adaequat einzufangen und darzustellen ... ... beitraege befoerdern die diskussion auch dadurch, dass sie eben widerspruch ausloesen ... auch wenn ich selber nicht alles genauso sehe, wie es ... sieht (ich bin eben ich mit meiner eigenen lebenserfahrung und meiner sicht der dinge und ich schreibe hier als betroffene mit und habe nicht den anspruch, "wissenschaftlich gesichertes" zum besten zu geben ...), gerade auch, was die rolle der maenner, aber auch der frauen anlangt, so hat mich ihre darstellung tief beruehrt und zu einem starken nachdenken angeregt!!!!!!!!
denn auch ich begehe zur zeit buchstaeblich "neuland" in meiner sicht der dinge in sachen adoption, denn ich entdecke fuer mich jene seiten, die ich bislang nie so sehen wollte, wie ich schon einmal angedeutet habe, ihre "haesslichen" seiten ... und auch dafuer brauche ich meine zeit und meinen ausdruck, um mir darueber klarer zu werden ... und da muss ich einfach gestehen, dass ich allein die adoptionsvermittlungspraxis noch nie SO gesehen habe, wie ... sie beschreibt, und wenn nur ein teil davon stimmt, ist es einfach haarstraeubend und drueckt auch moegliche wahrheit ueber die realitaet aus!!!!
derzeit entdecke ich jenen menschen in mir, der so lange "weggesteckt" und "versteckt" wurde, der mensch der ich war und im grunde immer geblieben bin mit meiner ursprungsidentitaet. ich habe herausgefunden - und ich gestehe es mir jetzt endlich ein - dass es all die jahrzehnte DIESER mensch war und immer noch ist, der GEHOERT und wahrgenommen werden wollte und will (dies ist keine "neue idee" von mir, sondern kann ich in ca. 30!!! tagebuechern nachlesen) ... und den ich erst allmaehlich ernst zu nehmen lerne ... auch durch den ganzen adoptions-nebel hindurch ... und ich realisiere, dass nur dann ich HEUTE ein leben habe, wenn ich endlich DIESEN MENSCHEN LEBEN LASSE ... der mir aber auch aufzeigt, WO er in all den jahren gewesen ist, was er durchgemacht hat, auch von mir selbst stets auf das neue missachtet ... heute weiss ich, dass er unter einer art "TODESGLOCKE" ausgeharrt hat, und dass sogar die von mir so geliebte mir von meiner a-mama geschenkten margaretha-identitaet ein sargdeckel war im prinzip ... das ist doch eine ungeheuer schizoide situation, nicht?!!!! daran koennte man doch regelrecht "verrueckt" werden, oder?!!!!! so sehe ich heute zum ersten mal, dass eine "rebecca" unter der "margaretha" regelrecht "lebendig begraben" gelegen hat, ueberspitzt gesagt, selbstverstaendlich ... deshalb kann es fuer mich (und im grunde hatte ich diesen wunsch immer schon) zwischen diesen identitaeten nur ein "sowohl-als-auch" und nie mehr wieder ein "entweder-oder" geben, deshalb mein ruf, niemals die herkunftsidentiaet auszuloeschen, auch im falle einer adoption nicht ... denn die namensausloeschung, die ausloeschung von der geschichte eines menschen (und zum zentralsten aspekt unserer geschichte als menschen gehoert jener unseres eintrittes in diese welt!!!!!!!!!!!!!!!) ist ein VERNICHTUNGSAKT, der zu einem TODESBEWUSSTSEIN (in irgendeiner form) fuehrt ... bei mir jedenfalls hat es das (ich spreche nicht fuer andere, ich wiederhole!!!!) ... und so gesehen, denke ich auch inzwischen anonyme geburt und babyklappen-praxis als EINE FORM DER ABTREIBUNG eines menschen, denn es wird seine geschichte vernichtet und ihm nicht einmal ein name gegeben von seiner leiblichen herkunft her ...
ingeborg bachmann hat dem sinn nach einmal gesagt in einem interview: "ja haben sie denn einen zweifel, dass in dieser angeblich zivilen welt menschen einander umbringen, ganz langsam ..." es gibt viele arten zu sterben, eine davon ist die vernichtung von der geschichte eines menschen!!!!!und immer wieder will ich betonen, dass ich davon ueberzeugt bin, dass adoption auch ihre guten seiten hat, und dass ich persoenlich NICHT MISSEN MOECHTE, von meinen (A-)Eltern adoptiert worden zu sein!!! und ich moechte klar betonen, dass mir das, was mir meine eltern an kulturellem gut gegeben haben, vererbt haben etc., mich nachmalig sogar noch gerettet hat, lange nach ihrem tod noch, als ich nach den katastrophal verlaufenen reunions darauf zurueckgreifen konnte und es wohl auch IHRE (der a-eltern) strukturen waren, die mir ermoeglichten, meine eigene leibliche tochter selbstaendig aufzuziehen!!!!!!!also: rebecca kann und will nicht auf margaretha verzichten!!!!!!! NUR DARF REBECCA NIEMALS WIEDER AUSGEBLENDET WERDEN!!!!!
nun hab ich wieder mich ausge... danke fuer's zuhoeren!!!einen schoenen silvesterabend euch beiden ...ich bin froh, dass ihr beide mitschreibt hier ...
gutes 2005
margaretha rebecca

29.12.2004 - 15:59:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
hallo ...,
ich habe nun viel, viel ueber deinen letzten beitrag nachgedacht ... kann nun beileibe nicht alle meine ueberlegungen kundtun und will einfach einige wenige davon auswaehlen. dann betone ich immer wieder, dass es sich bei allem, was ich hier zu diesem thema (adoption und drumherum) schreibe, lediglich MEINE SICHT DER DINGE handelt (ich masse mir nicht an, fuer irgend jemand anderen zu sprechen!!!), DIE SICH IM LAUF DER ZEIT AUCH WANDELN KANN ...
nur wenige anregungen zum weiter-ueberlegen ...
- mit dem adoptions"mythos" wird ein gewwisses "maerchenklischee" bedient: da kommt jemand gut situierter (die gute fee, der gute ritter etc.) und rettet aus not und alles wird gut ... vielen menschen sind solche denk- und gefuehlsmuster aus ihrer kindheit sehr vertraut ... adoption als die "gute" und "schöne" geschichte, die "heil" bringt ...
- mit erfreulichen bildern ueber die reaalitaet laesst es sich - scheinbar und offensichtlich - besser einrichten in einer welt mit unerfreulichen tatsachen ... dieses - sehr verstaendliche - menschliche beduerfnis ist im adoptionszusammenhang m.e. eine der wichtigsten quellen fuer euphemistische umdeutungen an sich unerfreulicher grundtatsachen ...
- in den jugendaemtern sind die beamten ja auch mit zahllosen geschichten konfrontiert, deren inhalt familiaere zerruettung, gewalttat, kindlicher verwahrlosung etc.etc. ist, sodass die transferierung eines kindes aus "schwierigen verhaeltnissen" in eine scheinbar "heile welt" von diesen mitunter geradezu als rettungsakt erlebt werden muss ... (ueber ev. korruption etc. will ich mich nicht aeussern ...)
- zu mir selber: natuerlich habe ich micch auch lieber gesehen als prinzesslein meiner mama (das ich in der tat war, denn ich wurde geradezu auf einem silbertablett herumgereicht), denn als unehelich gezeugter balg, als bastard (ist nicht meine und nicht deine bezeichnung, aber ein vielfach verwendeter begriff!!!!), der von niemandem gewollt war (meine stiefmutter einst zu mir: "du wirst schon von so einem gesindel kommen ... du bist und bleibst der letzte dreck" ... womit sie wahrscheinlich nicht allein dastand mit ihrer meinung ...) ...weil ich meine a-eltern liebte und liebe, wollte ich nie etwas anderes sein als ihr kind, und ich war fuer viele jahre geradezu wuetend, es nicht zu sein ... weil es beinah ein ding der unmoeglichkeit schien, mich mit meiner l-herkunftsidentitaet auch selber zu identifizieren, denn es fuehrte mich an meine potentielle vernichtung heran, an die von mir als kolossal empfundene demuetigung des schwerst vernachlaessigt- und weggegebenworden-seins, an die schiefgelaufenen reunions (die am teilweisen luegengewebe meiner leibl. eltern zu dieser geschichte vollkommen scheiterten), deshalb habe ich mich gerne zurueckgezogen auf das, was meine a-eltern mir an identifikationschancen angeboten haben ... ich habe z.b. nach den verunglueckten reunions es buchstaeblich nicht mehr ertragen, bei meinem geburtsnamen rebecca genannt zu werden, und sogar heute duerfen dies nur ausgewaehlte menschen tun, zu sehr ist mit diesem namen nichts als nackter schmerz verbunden ... und erst als ich im rahmen einer psychotherapie erkannt habe (mein deklarierter wunsch an meine therapeutin zu beginn der therapie, die ich begann, weil symptome mich nicht und nicht und nicht in ruhe liessen, so sehr ich mich auch anstrengte: "helfen sie mir, meine leiblichen eltern zu vergessen und mich an meine a-mama zu erinnern"), dass es UNMOEGLICH IST, DIE LEIBLICHEN ELTERN ZU VERGESSEN, DA MAN SICH ANSONSTEN SELBST AUSLOESCHT, habe ich mich angefangen, damit noch einmal zu befassen ... eines der ergebnisse dieses "noch einmal" ist das mitschreiben hier herinnen geworden, das kennenlernen anderer schicksale aus allen bereichen des a-drei-bzw. vierecks und die gerichtliche feststellung der vaterschaft meines l. vaters ... und DASS ICH NUN EINFACH ALL DIE DINGE, DIE MIR IN DIESEM ZUSAMMENHANG NOCH EINMAL WICHTIG WERDEN, OEFFENTLICH KOMMUNIZIERE ... denn darin allein liegt fuer mich rettung ... verarbeitung ... wenn ueberhaupt moeglich ... ich muss die dinge AUSSPRECHEN, auch wenn sie sich mitunter in ihrer ganzen haesslichkeit zunaechst einmal zeigen ...
- das, was du (und e(...)) ueber die so leichtfertige praxis mit der "ausloeschung" der identitaet der l. herkunft schreibst, drueckt AUCH schon die unglaubliche verachtung gegenueber dem menschen, dem sie zugemutet wird, aus, man darf einfach ALLES mit ihm TUN ... und deshalb sollten wir auch nicht - bei aller maerchenromantik - vergessen, dass adoptierte in gewisser hinsicht auch AUSGELIEFERTE (auf den verschiedensten ebenen: emotional v.a., rechtlich ebenfalls, das sieht man an haralds beispiel zum beispiel sehr deutlich) sind und zumeist auch ein leben lang bleiben ... und - ... - auch diese auslieferung ist ja im grunde nicht etwas, ueber das man innerlich jubelt, wenn man sie entdeckt, das man lieber noch einmal - auch vor sich selber - versteckt (ja, ja verdraengen ist der fachausdruck ...) und vor anderen versteckt ... erst so nach und nach traut man sich, die ungeheurlichkeit von diversen zusammenhaengen auch wirklich einzugestehen, oftmals erst viel, viel spaeter (so zum beispiel bei mir auch die extreme anpassungsleistung, die mir abverlangt wurde, die ich mir selber abverlangt habe, das musterschuelersein, denn nur so konnte ich mir die fuer mich so lebensnotwendige liebe einiger weniger menschen sichern, bzw. glaubte ich, dass es nur so moeglich sei ... schon lange empfinde ich einen widerwillen schon beim gedanken an sog. "spitzenleistungen" ... und hab lang gebraucht zu erkennen, warum eigentlich)und vergessen wir hier nicht: so viele leute warten ja geradezu drauf, dass einfach alles schief laeuft und goennen es allen beteiligten "von ganzem herzen" ... (ich erinnere mich noch an die prognosen, die meinem vater ueber mich gemacht wurden: "wenn die einmal erwachsen ist, kannst du die fenster zunageln ....")heute stehe ich eben dort, wo ich sage: ICH BIN DER MENSCH, DER ICH BIN, NICHT MEHR UND NICHT WENIGER, UND DAZU GEHOERT MEINE LEIBLICHE HERKUNFT SAMT IDENTITAET UND DIE GESCHICHTE MEINES HEREINTRETENS IN DIESE WELT ... UND DIE GESCHICHTE MEINES GANZEN LEBENS, DIE VON DER URSPRUNGSGESCHICHTE NICHT ZU TRENNEN IST ... MIT ALLEN GUTEN, ABER AUCH MIT ALLEN - UND ICH MEINE ALLEN - NEGATIVEN SEITEN ...
der menschliche bewusstseinsraum (geist und gefuehle) ist ein fortwaehrendes kontinuum und man kann und vor allem darf dieses nicht willkuerlich zu unterbrechen (natuerlich, auch med. totalamnesien gibt es, aber das ist ein ganz, ganz anderes kapitel) versuchen, denn die ganze geschichte (so meine ansicht heute) ist und bleibt in einem da, ist abgespeichert irgendwo und will angenommen sein in liebe ...ein ander mal weiter
margaretha rebecca
p.s.: es moege sich wirklich NIEMAND persoenlich angegriffen fuehlen, denn darum geht es mir wirklich nicht (allerdings kann ich auch mit scharfen ablehnungsreaktionen auf mein geschriebenes gut leben ... muss man auch erst lernen, gerade als adoptierte/r :-))))

29.12.2004 - 11:00:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
@e(...):
die loeschung der identitaet der leiblichen herkunft - die auch du wie die allermeisten adoptierten hinnehmen musstest - empfinde ich wie eine ausloeschung auf geistiger ebene, zumindest als den versuch einer ausloeschung ... und weil wir menschliche wesen von allem anfang unserer existenz sind, wie es auch unsere leiblichen eltern sind, wir alle gedanken, gefuehle und geschichte haben, ist das ein UNMENSCHLICHER akt!!!!!es kann konstellationen - wie eben auch bei mir - geben, wo das verstecken der eigenen identitaet ein gebot der stunde fuer das ueberleben ist, aber in den allermeisten faellen leiblicher herkunftssituationen ist dies wohl nicht der fall!!! und haetten adoptionen auch vermieden werden koennen, wenn den leiblichen muettern/eltern verstaerkt geholfen worden waere. (und kinder gehoeren nun einmal ZUERST zu den leiblichen eltern und diese zu ihnen!!!!) ... ist hier ein gutes beispiel und die l. mutter von e(...) ebenfalls!!! (dass es auch jene gegeben hat und gibt, die hilfsangebote nicht fuer sich und ihr kind nutzen konnten, wissen wir, aber auch ueber diese menschen sollen wir nicht zu gericht sitzen, sondern ihnen verstehend begegnen!!!!)ich habe mir schon vor vielen jahren ueberlegt, wie ich wohl als adoptivmutter handeln wuerde (denn ich stehe nach wie vor dazu, dass adoption u.u. eine positive loesung sein kann), und schon lange, bevor ich hier mitgeschrieben habe, sagte ich zu mir als eine meiner wichtigsten ueberlegungen in diesem zusammenhang: ich wuerde dem kind die namen (vor und nachname) seiner leiblichen herkunft BELASSEN und meine hinzugeben. so wichtig war mir das scheinbar schon lange!!!! und je laenger ich ueber adoption nachdenke, nachspuere, umso deutlicher treten auch ihre schattenseiten vor mich hin, jene seiten, die ich selber lange zeit nicht sehen wollte ...
margaretha rebecca

27.12.2004 - 21:52:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
liebe ...,
VIELEN, VIELEN DANK fuer die schilderung deiner geschichte ... es hat wohl viel kraft dazugehoert ... ich kann sehr gut nachvollziehen, dass einem die "entscheidenden" gedanken erst so nach und nach "in den sinn" kommen, denn lange wuerde man/frau es ja auch gar nicht wagen, diese gedanken so und eben nicht anders zu denken ... ich bewundere deinen mut, dich deiner geschichte so zu stellen ... (meine leibliche mutter hatte/hat diesen mut nicht, aber sie hat seinerzeit mir gegenueber auch eine sehr grosse schuld auf sich geladen, vielleicht ist es deshalb ...)
ich wuensche dir kraft fuer die weitere be- und verarbeitung deiner ado-geschichte ... und ich freue mich von ganzem herzen, dass dein sohn dich gesucht und gefunden hat ... ich hoffe, ihr koennt eine fruchtbare kommunikation zueinander aufbauen ...
liebe gruesse
margaretha rebecca

28.12.2004 - 13:00:
RE: Ich bin eine H-Mutter und freue mich riesig, dass mein Sohn mich gefunden hat!
"Analog dazu gäbe es dann in der Jugendhilfepraxis drei Klassen von Kindern, wobei hier eine andere Rangfolge zu vermerken wäre: (1) Adoptivkinder, deren „Wohl“ mit einem hohen sozialpädagogischen Aufwand sichergestellt wird, ..."
gerade ist mir eine laengere antwort auf diesen beitrag ins datennirvana abgedriftet ... schade ...hier nur so viel:
1. so "privilegiert" sind wir a-"kinder" in der tat nicht, denn der "besonderheits"-kult us kommt uns letztlich nicht wirklich zugute ...
2. macht die sog. "gesellschaft" da ja nicht mit, denn fuer sie bleiben wir abkoemmlinge minderprivilegierter aus "schwierigen verhaeltnissen" ...
3. wird der "preis", den wir "bezahlen" nicht genannt: i.d.r. erzwungener identitätswandel (das ausblenden der herkunftsidentitaet ist nach meinem empfinden im grunde ein fortgesetzter vernichtungsakt ...), zielscheibe fuer projektionen ALLER art (mistkuebelfunktion!!!), ungeheurer anpassungsdruck an die a-umgebung ("tut es recht oder tut es nicht recht") ... und wie mir gerade durch schicksale adoptierter hier herinnen klar geworden ist: misshandlungen uebelster art ... schliesslich eine never-ending-opferrolle ...
4. bei allem reden um das "kindeswohl": WIR geben unser LEBEN um LEBEN zu DUERFEN ... ich bin keine adoptionsgegnerin, im gegenteil, aber heute sage ich: die herkunftsidentitaet MUSS erhalten bleiben (u.u. bei adoption durch fuehrung von doppelnamen ...); und wer nicht in der lage ist, die h-eltern zu achten und bereit, ihnen zumindest menschenwuerdiges verstaendnis entgegenzubringen und respektvolle kommunikative gepflogenheiten, der sollte vom vorhaben adoption abstand halten, denn wir sind und bleiben die kinder unserer leiblichen eltern (auch wenn - wie in meinem fall - man diese tatsache lieber fuer immer vergessen moechte!!!!!!!) ... und koennen bestenfalls ALS DIESE die kinder unserer a-eltern werden!!!!!!!ist nur MEINE PERSOENLICHE MEINUNG ... so viel noch einmal dazu,ein ander mal mehr ...
margaretha rebecca
WAS ICH AUCH NOCH SAGEN WILL: ICH VERFOLGE UNAUSGESETZT DIE FURCHTBAREN BERICHTE AUS DEM SUEDASIATISCHEN KATASTROPHENGEBIET ... WAS SOLL MAN SAGEN ... ES FEHLEN EINFACH DIE WORTE ... ALLEN DIREKT ODER INDIREKT ZU OPFERN GEWORDENEN SPRECHE ICH MEIN TIEFSTES MITGEFUEHL AUS ... FUER DIE TOTEN KANN MAN NUR NOCH BETEN ...

20.12.2004 - 19:02:
RE: Adoptionstourismus
liebe regina-m,
vielen dank fuer deine ausfuehrungen ... selbstverstaendlich soll es doch so sein, dass sich alle seiten des a-dreiecks hier ausfuehrlich zu wort melden koennen, JEDE der perspektiven ist wichtigst ...aber es ist schon faktum, dass die seite der h-eltern einigermassen unterrepraesentiert ist, und wenn sie sich einmal - vielleicht auch aneckend - zu wort meldet, wird das viel zu rasch als pauschalangriff auf a-eltern aufgefasst und interpretiert. ja, es muss schon moeglich sein, auch die seite der a-eltern mitunter einer "kritik" zu unterziehen. mit kritik muessen wir alle leben lernen. und die, die wohl am allermeisten schon kritik einstecken mussten in ihrem leben, das sind die h-eltern, h-muetter i.d.r. und auch mit kritik an den adoptierten wurde - auch hier herinnen - nicht gerade gespart, wenn sie den pfad des dankbaren, braven a-KINDES verlassen haben ...
das alles kennen wir ja ...
du hast ganz recht mit deiner aussage, dass jeder tag eines kleinen kindes in katastrophalen lebensbedingungen einer zuviel ist, und dass da handlungsbedarf gegeben ist. allerdings kommt mir ein wenig zu unnachsichtig die - wie ich es empfinde reginga-m - verurteilung der suchtkranken h-muetter, die es eben trotz aller weiss gott was fuer welchen hilfsangebote nicht schaffen ... es ist mir zu hart, denn mit keinem nebensatz gehst du darauf ein, WESHALB sie es nicht schaffen, weshalb menschen in derart desolate lebensverhaeltnisse schlittern, auch das hat GESCHICHTE, und zumeist ist es - wie wir auch aus berichten hier herinnen schon erkennen konnten - eine sehr, sehr traurige geschichte, die menschen so weit absacken laesst, auch in der schlimmsten abhaengigkeit von suchtmitteln kann noch ein erstickter schrei nach LIEBE stecken ... liebe regina-m, ich sage das ganz bewusst, denn AUCH DIESE GESCHICHTE (auch wenn sie nicht weitererzaehlt wird, wie du richtig sagst, mit gutem grund, denn eine solche geschichte sollte schon vom betroffenen selbst aufgefunden und aufgedeckt werden duerfen ... ) STECKT IN EINEM MENSCHEN, DER AUS IHR HERAUS ENTSTANDEN IST ...
wie und warum das so ist, kann ich nicht sagen, aber dass es so ist, weiss ich von mir selber ... und wenn unsere l. eltern noch so armselige geschoepfe waren/sind, so sind wir dennoch ihre kinder und waeren wir ohne sie nicht da, gehoeren diese menschen zu uns, denn sie sind ein teil von uns ... und wenn ihr a-eltern (euer bemuehen um derartige kinder in allen ehren!!!!) SO EIN KIND WIRKLICH LIEBEN WOLLT, dann kommt ihr nicht darum herum, auch die leiblichen eltern dieses kindes zu achten und zumindest den versuch zu machen, auch sie zu verstehen.dann moechte ich noch etwas sagen: niemand von euch a-eltern wurde mit vorgehaltener pistole gezwungen, ein solches kind aufzunehmen. ihr konntet euch immer fuer oder aber auch DAGEGEN entscheiden, ihr hattet die FREIHEIT der ENTSCHEIDUNG. diese freiheit hatte weder das betroffene kind, das nehmen musste, was da ankam. (und ich muss schon sagen, dass ich froh bin, in die haende MEINER a-eltern geraten zu sein und nicht in so manch andere, die ich mittlerweile auch kennengelernt habe!!!!
dass wir adoptierte so etwas "besonderes" sein sollen, kann ich auch nicht mehr wirklich hoeren, denn auch die auserwaehlungsmetapher ist ein euphemismus - bin ich vielleicht schon wieder zu intellektuell? :-))) - mit dem die im grunde existierende existentielle beliebigkeit (aus perspektive des kindes) uebertuencht werden soll!!!! - und bitte schoen, was hat denn ein den faengen der sucht und verheerender persoenlicher erfahrungen ausgelieferter mensch fuer vergleichbare freiheiten, das sind doch i.d.r. von ihrem leben dahergetriebene, vertriebene, in die dunklen ecken der gesellschaft getriebene, die auch dort noch nach liebe schreien mit ihrem dumpfen gebruell ... (natuerlich darf man auch hier nicht alle verantwortungsuebernahme wegreden) ... das sind ARME MENSCHEN, SIE SIND EBEN IN NOT ...(uebrigens: wie gerne haette ich eine leibliche mutter als meine kennengelernt die - von mir aus suchtkrank einmal war - mir all das erklaert haette, mich um verzeihung gebeten haette und mir gesagt haette, dass sie mich all die jahre vermisst hat, dass sie leidet an diesen dingen ... und nicht eine kaltkalukierende person - wie es eben meine l. mutter war und ist - deren eloquenz sich in abgrenzungsformeln erschoepft ... )ihr a-eltern seid doch in der allerstaerksten position in beinah jeder hinsicht in diesem adoptionsablauf: ihr koennt frei entscheiden, ihr seid die angesehenen, ihr habt die kontrolle ueber so vieles ... natuerlich auch auf euch lastet mitunter ein furchtbarer druck: infertilitaet, angst vor dem verlust des a-kindes, angst, der erziehungsausgabe nicht gerecht werden zu koennen etc.etc. ... aber die wirklich AUSGELIEFERTEN sind i.d.r. die h-muetter und ihre kinder, die sie nicht behalten koennen ...
und ueber den gigantischen adoptions-markt will ich jetzt gar nicht mehr zu reden anfangen ... das koennen auch andere besser ... aber so viel ich gesehen habe, gibt es da schon eine ganze menge serioeser dinge zu lesen ... ERSCHRECKEND ...
liebe regina, sei mir nicht boese, ich will dich und alle anderen wohlmeinenden a-eltern nicht angreifen oder verletzen, aber ich moechte einfach sagen, was ich als "wahr" empfinde und denke ...
einen schoenen abend noch

20.12.2004 - 00:09:
RE: Adoptionstourismus
ich bin keine adoptionsgegnerin, im gegenteil, ich BEFUERWORTE adoptionen, wenn - ich argumentiere nun aus meiner sicht als adoptierte, ist eben MEINE perspektive - allseits menschenwuerdige standards gelebt werden. auf meinem heutigen entwicklungsstand muss ich sagen, dass es m.e. nur dann sinn macht, ein kind zu adoptieren, wenn man es mit seiner vollen herkunftsidentitaet annehmen und in die neue familienkonstellation verankern kann, psychisch, intellektuell, sozial, rechtlich. und es ist eben so, dass eine NOTSITUATION in der leiblichen herkunftskonstellation dies erst moeglich werden laesst. es ist eben so, dass - aus welchen gruenden immer - i.d.r. leibliche muetter ihre kinder verlassen, verlassen muessen, gezwungen werden, sie zu verlassen (oftmals ist da ja ein unglaublicher zwang und drang am werk, institutionell, familiaer, der leibliche muetter keinen anderen ausweg mehr zeigt, als eben die - das ist und bleibt sie, wie man es auch immer drehen und wenden mag - ABGABE zur adoption ihres kindes. FREIGABE zur adoption halte ich persoenlich immer mehr fuer eine euphemistische rationalisierung, mit der es sich allseits besser leben laesst!) und sie keinerlei perspektive mehr erkennen koennen, verantwortung für ihr kind und seine pflege und erziehung zu übernehmen. und es ist eben so, dass deshalb viele adoptiveltern erst zu "ihren" kindern kommen, weil da defizite etc. "am werk" sind. ab welchem punkt da moralisch-ethische vorhaltungen gerechtfertigt sind, kann und will ich nicht genau beurteilen (ich persoenlich mache meinen leiblichen eltern sehr wohl vorhaltungen, da sie mich bewusst - zumindest die leibliche mutter - in lebensgefahr gebracht hat, aber ich vergesse auch nicht die gesellschaftliche pression, der meine l. mutter damals ausgesetzt war, die ihr zu einem leben MIT MIR einfach keine chance gegeben hat!!!!!!!!!). ich wuerde mich allerdings davor hueten, pauschal von unterlassener übernahme von verantwortung zu reden ... unter zwang (innerer zwang, aeusserer zwang) handeln menschen eben anders als in sog. normalsituationen. unsere leiblichen eltern gehoeren zu uns, ob das nun gefaellt oder nicht, ins konzept passt oder nicht, ohne sie waeren wir nicht hier und koennten keine kinder anderer leute werden. sie gehoeren auch dann zu uns, wenn das den leiblichen eltern und deren verwandtschaft nicht ins konzept passt. ja, wahrscheinlich ist es so, gerade das ist es, was nirgendwo - um es ueberspitzt zu formulieren - ins konzept passt, und deshalb wird die stimmung derart gereizt, wenn darauf bestanden wird, dass dem eben so sei.
leiblicherseits passten wir nicht ins konzept, mussten wir gehen, hat man/frau sich von uns getrennt, "der gesellschaft" passen wir mit dieser unserer leiblichen herkunftsGESCHICHTE nicht ins konzept, ist es ihr lieber, wenn diese "geschichten" "entsorgt" werden koennen, und adoptionsseits passt eben diese geschichten auch vielfach nicht ins konzept, denn "mit diesen leuten und ihren problemen" will man ja zumeist nicht wirklich "etwas zu tun" haben, denn die sozialen schichten (und zumeist wird ja in der sozialen skala "von unten" "nach oben" adoptiert) wollen - seien wir doch ehrlich - nichts weniger den deutlich geschieden bleiben ... das alles sind faktoren, die es ALLEN am adoptionsgeschehen beteiligten, auch gerade jenen, die sich um eine MENSCHENWUERDIGE loesung im lebensvollzug bemuehen ,schwer machen, viele leibliche muetter (vielleicht auch leibliche vaeter gelegentlich!!!) sind ein leben lang zu psychischem leiden verurteilt, adoptiveltern mitunter muessen an der von ihnen gewaehlten eltern-aufgabe scheitern (aber vergessen wir nicht, auch sie tragen mitunter an dem von der gesellschaft vergebenen stigma der unfruchtbarkeit), und adoptierte (und sie sind nun einmal von anfang an verlassene menschen und damit opfer) stehen überall zwischendrinnen. mit einem kalt-klaren, analytischen blick betrachtet, ist adoption also eine schwer defizitaere konstellation, die unter einem ungeheuren gesellschaftlichen druck realisiert wird, und die ALLEN BETEILIGTEN eine lebenslange beinahe unmenschliche anstrengung abverlangt!!!! auch da tut "die gesellschaft" schon das ihrige dazu!!!!
dennoch: adoption kann gelingen, sie kann eine sicherheit geben, die - m.e. - durch pflegesituationen, dauerpflegeverhaeltnisse etc. nicht erreicht wird, sie kann trotz allem eine konstruktive und lebensbejahende normalitaet bis zu einem gewissen grad herstellen!!!!!! ich moechte nicht missen, ADOPTIERT worden zu sein. ich denke, adoption kann eine CHANCE sein!!!! aber nur dann, wenn man mit der wahrheit leben kann, wenn das a-kind sich nicht seiner leiblichen herkunft zu schaemen braucht (auch nicht subtil!) und wenn garantiert ist, dass es einst EIN RECHT auf zugang zu SAEMTLICHEN SEIN LEBEN BETREFFENDEN INFORMATIONEN hat, und dies von NIEMANDEM verhindert werden kann, auch nicht von den Adoptiveltern, wenn das A-Kind die Volljährigkeit erreicht hat.
ich koennte noch endlos so fortschreiben,vielleicht habe ich da und dort nun ueberzeichnet, aber es wollte einmal auf diese weise aus mir heraus!!!!ich will NIEMANDEM weh tun (wir ALLE sind zu verwundet!!!!), sollte ich es dennoch getan haben, dann moege mir der-bzw. diejenige verzeihen!!!!ich hoffe immer aufs neue auf einen menschenwuerdigen umgang miteinander ... auch dann immer wieder, wenn diese hoffnung oftmals ad absurdum gefuehrt worden ist und immer aufs neue wird!!!
margaretha rebecca

19.12.2004 - 16:36:
RE: Adoptionstourismus
liebe ...,
eine bitte: konkretisiere doch, WEN du denn als so "omnipraesent" in diesem forum einstufst ... das koennte ev. missverstaendnisse von vornherein ausschalten ...ein wenig fuehle ich mich in der tat angesprochen, da in diesem forum mehr als 500 registrierte beitraege von mir aufgelistet und aus dem archiv abrufbar sind ... aber wenn ich denn rueckblicke, wie oft ich mich in den letzten monaten eingeschaltet habe, faellt meine statistik doch etwas spaerlich aus ... ja, es ist durchaus wichtig fuer mich, immer staerker MEINE PRAESENZ IN DIESER WELT zu zeigen, MEINE NAMEN ZU NENNEN ... zu lange jahrzehnte habe ich in irgendwelchen inneren und aeusseren verstecken dahinvegetiert ... ich erwarte fuer meine auftritte keine aklamationen (denn mir ist sonnenklar, dass das, was ich zu sagen habe, in alle richtungen nicht gerne gehoert wird, denn fuer jeden, der fuendig werden will, ist wohl etwas dabei, das so lieber nicht gesehen werden moechte!!!!!), denn es genuegt mir das gefuehl, dass ich endlich auf MEINEN EIGENEN BEINEN stehe ... und HEUTE BIN ICH ES, DIE SAGT UND ZEIGT, MIT WEM SIE KONTAKT WILL UND UNTER WELCHEN BEDINGUNGEN UND MIT WEM EBEN NICHT (nachdem da jahrzehntelang ohne jede hemmung MIR von allen moeglichen seiten, bedingungen diktiert wurden) ... und diese ENDLICH GEWONNENE INNERE UND AEUSSERE SOUVERAENITAET in alle richtungen tut mir ausserordentlich gut, denn DAS PSYCHO-SOZIALE BETTELDASEIN hat endlich ein ende gefunden ... gott und meiner therapeutin und mir selber, denn ich musste mich ganz gehoerig anstrengen in meinen lebensjahrzehnten, seis gedankt ....
margaretha rebecca

19.12.2004 - 01:11:
RE: Adoptionstourismus
hallo ...,
dein eingangsstatement hat es tatsaechlich in sich, und ich finde es wichtig, diese dinge einmal aus dieser perspektive auf den punkt zu bringen! was nicht heissen will, dass es die einzige perspektive ist, aus der man dies tun kann!!!
besonders getroffen hat mich dein satz in dem du davon schreibst, dass adoptierte vielfach "der luege leben muessen ..." ... genau damit muss ich mich derzeit radikal auseinandersetzen, denn mir ist ein fuer alle mal klar geworden, dass JEDES (ob durch adoption oder aussetzung als findelkind, nicht erfolgte namensgabe durch die leiblichen eltern etc. ) ausblenden der herkunftsidentiaet ein fortgesetzter, mitunter lebenslang andauernder VERNICHTUNGSAKT AUF SYMBOLISCHER EBENE ist!!!!!!!! und dies sage ICH, dich ich eine wunderschoene zeit gluecklich war, in der identitaet meiner a-existenz zu leben (ohne zu wissen, dass da noch etwas davorgelagert ist in meinem leben!!!!), die nichts lieber wollte, als das kind der a-eltern sein (ist auch kein wunder, da ich ja von meinen l-eltern wie ein stueck dreck im dreck liegen gelassen wurde ... buchstaeblich) ... ich habe erkannt, dass ich um die annahme meiner leiblichen identitaet, meiner leiblichen eltern als existentiellen bestandteil dieser meiner leiblichen identitaet nicht herumkomme (es war ein schwerer weg fuer mich, denn wie sollte ich das bewerkstelligen bei einem derart massiven negativen impact ... aber mit kompetenter therapeutischer unterstuetzung gelang es schliesslich) ... und ich habe erkannt, dass im grunde all die jahrzehnte hindurch jener - von anderen und auch von mir gezielt ausgeblendete mensch, der ich durch meine leiblichkeit, mein hereintreten in diese welt durch meine leiblichen eltern und vorfahren eben BIN - aus mir geschrieen hat, DIESER MENSCH WOLLTE ENDLICH ANGENOMMEN SEIN, ALS DER ER WAR UND IST, GEACHTET WERDEN DAFUER ... DIESER MENSCH WOLLTE SICH NICHT MEHR LAENGER VERSTELLEN, VERSTECKEN, VERLEUGNEN, VERBIEGEN, UEBERANPASSEN ETC.etc.etc. ... DIESEN MENSCHEN HAT ES NACH SEINER LEBENSWAHRHEIT VERLANGT ... und heute bekenne ich mich endlich zu diesem menschen, allerdings auch zu seiner geschichte, die ihm durch seine leiblichen eltern angetan wurde, auch das spreche ich nun offen aus und ... ES IST EINE BEFREIUNG ... DIE ZAHLLOSEN ALBTRAEUME HOEREN ENDLICH AUF ...
und gerade auch als dieser mensch kann ich meine a-eltern lieben (und ..., ICH LIEBE MEINE ADOPTIVELTERN, DIE MEINE RICHTIGEN ELTERN SIND), denn seit ich die GANZE wahrheit kenne und mit ihr zu leben gelernt habe, weiss ich umso mehr, WAS meine (a-)eltern fuer mich getan haben, und dass ich buchstaeblich gar nicht am leben waere, wenn ... es hat fuer sie ein unglaubchlicher mut dazugehoert, in der damaligen zeit und dortigen umgebung zu handeln, wie sie es getan haben ... ich bin von ihnen sehr geliebt worden, und weil es eine wahrhaftige und reine liebe war, habe ich diese liebe mit meiner liebe an sie erwidert bis zum heutigen tag (und in alle ewigkeit) ... ich habe KEINERLEI PROBLEME MIT MEINER DANKBARKEIT IHNEN GEGENUEBER, denn sie haben sie NIEMALS dafuer eingefordert (haben mir auch nie zu verstehen gegeben, sie haetten mich aus einem stall geholt und mich von seinem geruch befreit ...) ... und ich bin mir vollkommen sicher, dass ihre liebe zu mir so gross war/ist, dass sie meinen weg jetzt mittragen (wuerden, als glaeubiger mensch sage ich, sie tun es) ...
aber es ist ungeheuer wichtig, auch einmal diese ganzen luegenmuster aufzudecken, auch wenn es luegen sind, die einem zunaechst das leben angenehm zu machen scheinen, zu zeigen, woraus sie zusammengesetzt sind und wie sie in den lebensvollzug eingebunden sind ... deshalb finde ich deine beitraege besonders wertvoll ... sie regen mitunter auf, regen an zum nachdenken, regen zum widerspruch an ...
ich jedenfalls spiele diese versteckspiele als adoptierte nicht mehr mit, auch um den preis, "allein übrig zu bleiben", auch damit kann ich inzwischen gut leben, auch um den preis, den "bitte hab mich um alles in der welt doch bloss lieb reflex" (den wohl alle menschen irgendwie in sich habe, der aber bei verstossenen, verlassenen etc. besondere zuege annimmt) mittlerweile unter radikaler kontrolle zu halten, mit dem luxus des distanzhaltens, dem bewussten verzicht auf das erheischen emotionaler und sonstiger bonifikationen, egal von welcher seite (h,a und sonstige) ... in diesem sinne, ..., rege ruhig weiter an und auf, und ruehre um in festgefahrenen bequemen denkmustern ...
margaretha rebecca

18.12.2004 - 17:20:
RE: Ich bin eine H-Mutter und freue mich riesig, dass mein Sohn mich gefunden hat!
liebe ...,
ich danke dir fuer deine beitraege, die auch mich zu einem starken nachdenken angeregt haben, und moechte dich bitten, deine ueberlegungen auch weiterhin hier - wenn fuer dich noetig, durchaus in sehr pointierter formulierung - kundzutun. du hast ja gesagt, du willst niemanden zu nahe treten! ich selber habe - wie viele adoptierte - in jeder hinsicht wunderbare adoptiveltern gehabt, und dies schreibe ich nicht, um einem adoptiertendankbarkeitskultus zu huldigen (ja, dankbar bin ich meinen a-eltern, aber ganz aus freien stuecken und aus meiner liebe zu ihnen ... ). bestimmt haben sie - nach heutigen standards bemessen - auch nicht "alles richtig gemacht", aber sie haben nach ihrem besten wissen und gewissen in der damaligen zeit und als antwort auf MEINE damaligen erfordernisse das einzig richtige fuer mich getan!!!! dennoch habe ich mich auch in einigen der von dir angesprochenen problemsituationen wiedergefunden (ich formuliere nun: lueckenbuessersyndrom ... weniger fuer meine a-eltern, als durch massive "gesellschaftliche" zuschreibungen ...) u.a.m.
ich wuensche dir von herzen alles gute
margaretha

21.11.2004 - 21:51:
RE: Einfluss der leiblichen Eltern??
lieber matthias,
ich danke dir, dass du dir die muehe gemacht hast, deinen standpunkt abermals zu verdeutlichen. deine andeutung vom "aufkaufen" hellhaeutiger kinder in diesen heimen (wenn ich es richtig verstanden habe) deutet ja auf diesen gigantischen missstand hin, dass menschen, kleine, hilflose, restlos ausgelieferte MENSCHEN, nach gewissen kriterien ZU KAUFEN sind, EIN MARKT mit ihnen also bedient wird. DER MENSCH ALS PRODUZIERTE UND SCHLIESSLICH AUCH PRODUZIERBARE WARE (und was ist mit jenen menschen, die der markt zu WERTLOSEN macht? ... in letzter denk-konsequenz nicht "lebensunwertes leben"? man denke dran, was in der heutigen gesellschaft mit gentechnik hier schon machbar ist und machbar wird ... welche "sachzwaenge" da wirksam werden etc. ... wohin der zeitgeist in diesen bereichen driftet ... ist doch in den diversesten zusammenhaengen ein hochaktuelles thema!!! und: es hat in der geschichte gewissermassen "vorreiter" gegeben ... ist jedenfalls meine eigene ansicht) ... dass ihr gerade nicht zu jener sorte gehoeren wollt, die sich ein designer-kind "zulegen" wollen, hast du ganz klar gesagt. und natuerlich ist es dein und deiner familie legitimes anliegen, euch differenziertest mit der ganzen angelegenheit auseinanderzusetzen.
ich aus meiner ganz persoenlichen sicht kann nur noch einmal wiederholen: wenn ihr den menschen, dieses roma-kind, MIT SEINER GESCHICHTE annehmen koennt, wenn ihr keine ressentiments gegen diese volksgruppe und ihre kultur habt, und wenn ihr einst akzeptieren koennt, dass dieses kind sich sehr wohl mit seinen wurzeln wird befassen wollen und ... wenn ihr bereit seit, dahingehend eine gruendliche und serioese vorbereitung zu absolvieren, dann wagt es, und nehmt diesen menschen auf, nehmt ihn an und hinein in eure familie ...
aus meiner geschichte kann ich nur sagen: wahrscheinlich bin ich nur deswegen am leben geblieben (auch mich wollte zunaechst absolut NIEMAND haben ...), weil meine (spaeteren a-)eltern mich einfach zu sich genommen haben ohne wenn und aber, mich beschuetzt und geliebt haben und mir vertraut haben (gegen alles boese reden der leute).ich wuensche euch noch zahlreichen hilfreichen austausch und schliesslich eine fuer eure familie gute entscheidung ... dem roma-kind wuensche ich, dass es eltern findet, wie es die meinen waren ...
margaretha

21.11.2004 - 17:34:
RE: Liebe kann man lernen...
liebe nina,
das von dir in deinem eingangsstatement angesprochene "problem" kenne ich in gewisser weise auch, denn als meine (von mir immer schon vergoetterte :-))) leibliche tochter zur welt kam, hatte ich schuldgefuehle meiner a-mutter gegenueber (die ich ebenfalls unendlich liebte und immer noch liebe), dass ich ein leibliches kind haben "darf", und ihr war das ja vorenthalten gewesen ... ich sehe darin einen aus einem ueberwaeltigenden loyalitaetsempfinden gespeisten starken identifikationsdruck mit meiner a-mutter wirken. dann habe ich das gefuehl gehabt, ich darf ja selber keine "gute mutter" sein, weil meine leibliche mutter ja auch zu mir "keine gute mutter" war (sie war es im unterschied zu vielen leiblichen muettern, die ihre kinder unter grossem druck zur adoption freigeben, ja wirklich nicht, aber: auch sie hat unter einem unglaublichen gesellschaftlichen und psychischen druck gestanden in der "kritischen" zeit!!!!) also, auch hier - wie ich meine - ein sehr eigenartig wirkender identifikationsdruck in richtung meiner leiblichen mutter, die ja auch zu mir gehoert, die sogar "in mir steckt", mit der ich eine kurze, aber sehr intensive gemeinsame geschichte habe ...
es hat lange jahre gedauert, bis ich diese "dinge" auseinanderdividieren konnte. heute sage ich zu meiner - schon vor 39 jahren verstorbenen (a-)mama: wie wunderbar, dass du meine mama warst. du weisst, hast immer gewusst, ich bin das kind anderer leiblicher eltern (ihr habt sie sogar beim namen gekannt!). ich bekenne mich inzwischen zu meiner leiblichen herkunft - mit allem "drum und dran", auch dem, wovon ich lieber verschont geblieben waere (das bleibt nicht nur adoptierten, sondern allen anderen menschen ja auch nicht ersprart!!!!) - und ich bin gluecklich, eine leibliche tochter vom leben geschenkt bekommen zu haben und sie selber aufgezogen zu haben. ich habe ihr immer wieder von dir erzaehlt, und sie weiss, WELCHEN PLATZ DU IN MEINEM LEBEN EINNIMMST!!! auch sie empfindet achtung und liebe (soweit das moeglich ist, wenn man einander nie persoenlich im leben kennenlernen konnte!) fuer dich! und seit ich mich zu meiner leiblichen herkunft bekenne, seit ich sie annehmen kann, ist meine liebe zu dir noch groesser geworden, denn ich weiss nun ... und ich verstehe endlich ...
und zu mir sage ich: wie froh und gluecklich bin ich, dass ich meiner leiblichen tochter eine gute mutter sein darf und kann (ich meine naemlich, eine solche gewesen zu sein und zu sein :-)))) und wie gut, dass ich mich zu den guten seiten meiner leiblichen mutter innen und aussen bekennen darf ...nina, es hat lange gedauert, aber jetzt habe ich keine solchen schuldgefuehle mehr ...
vielleicht kannst du mit meinem statement etwas anfangen ...
margaretha

21.11.2004 - 00:17:
RE: Einfluss der leiblichen Eltern??
das ist nun wieder einmal ein hochinteressanter thread ... komprimiert laessen sich die wesentlichen vorurteilshaltungen gegenueber - ev. spaeter - adoptierten MENSCHEN ablesen ... es gibt die einstellungen (die angebliche "wucht" der erblichen vorbelastung, die so schwer zu korrigieren sei, dass ... na was denn, haben wir es dann eventuell gar vielleicht mit sogenanntem "lebensunwertem leben" zu tun?), bei denen mir ehrlich gesagt uebel wird, denn zu sehr habe ich selber als adoptierte unter gerade diesen zu leiden gehabt ... aber ich sehe auch jene stimmen, die - so meine ich es eben zu verstehen - JEDEM MENSCHEN eine gute chance auf ein geglücktes und glückliches leben einräumen wollen ... die sagen, mit schwierigkeiten haben im prinzip ALLE MENSCHEN zu kaempfen, machen wir einfach das beste draus und geben wir DEM MENSCHEN EINE CHANCE ...
auf mein leben haben beide dieser haltungen massiv eingewirkt, was meine "abstammung" anlangt, so ist da - wie heute weiss - eine ganz schoene bandbreite im sozialen spektrum vertreten ... ist wahrscheinlich bei den allermeisten menschen so, je weiter die diversen abstammungslinien zurueckverfolgt werden koennen ... auf welche gene darf ich mich denn da ganz besonders stuetzen, frage ich ... unwissenschaftlich formuliert: wir erhalten sehr wohl "einiges" mit von der leiblichen herkunft (aber was genau ist es denn, wenn wir tiefer hineingehen in den psychischen, sozialen und intellektuellen bereich?) ... genauso viel gibt die soziale umgebung ab, in der der mensch aufwaechst, ich habe einmal etwas von einer relation von fuenfzig zu fuenfzig gelesen ... wer weiss es schon wirklich ... und gott sei dank habe ich persoenlich aufnahme bei menschen gefunden, die - vielleicht hatten sie auch ihr gedankenallerlei zu tragen - mir als menschen einen VERTRAUENSVORSCHUSS eingeraeumt haben, und nur so konnte ich mich in eine gute richtung entwickeln (meine ich eben, dass ich im grossen und ganzen eine gute entwicklung genommen habe) ... und an diesem vertrauen in mich HATTE ICH NIEMALS EINEN ANLASS ZU ZWEIFELN, nicht meinem a-vater, nicht bei meiner a-mutter, nicht bei meinen lebensbegleitern ...
was mich immer wieder zutiefst erschuettert, ist, mit welch voyeuristischem "vergnuegen" da auf menschliche "defizite" jedweder art hingestarrt, der/die defizitaere in das zweifelhafte licht scheinbar berechtigt besorgter "diskussionen" gezerrt wird. und im konkreten fall haben wir es mit einem - von allen verlassenen - roma-kind zu tun, EINEM MENSCHEN UM HIMMELS WILLEN! welche hypothek dieses kind von der leiblichen herkunft zu tragen hat, vermag ich nicht zu sagen, aber eines weiss ich ganz genau ... DIESES KIND BRAUCHT QUALIFIZIERTE UNTERSTUETZUNG UND LIEBE JETZT UND FUER DIE ZEIT SEINES AUFWACHSENS, gerade weil es verlassen ist und eines tages womoeglich einer nicht gerade einfachen leiblichen herkunftsgeschichte begegnen wird!!!!!
an jene die adoptieren wollen: nehmt ein kind nur dann, wenn ihr es mit SEINER GANZEN GESCHICHTE ANNEHMEN UND ACHTEN KOENNT, denn nur dann hat dieses kind eine chance auf ein menschenwuerdiges und - es ist zu hoffen - glückliches und gegluecktes leben ... wenn ihr bereit seid und die kraftreserven habt, euch - spaetestens in der pubertaet dieses kindes - eventuell auf eine hochschwierige herkunftssituation einzulassen, ohne dass EURE ACHTUNG fuer dieses kind darunter leidet (und diese achtung schliesst die achtung der leiblichen herkunft, für die MENSCHEN mit ihren geschichten, ob sie nun gefallen oder nicht - wie immer sie aussehen moegen - mit ein!!!!), dann nehmt ein solche kind zu euch und liebt es um seinetwillen ...(ich WEISS, dass es diese menschen, a-eltern gibt, sie finden sich auch in diesem forum hier mitunter) ... wenn ihr aber auch nur den leisesten zweifel an diesem kind, diesem MENSCHEN wegen der wirkungen eines moeglichen "schlechten genetischen erbes", habt, wenn ihr also dem MISSTRAUEN den vorrang lasst, dann lasst von eurem vorhaben ab ...
als einen der furchtbarsten missbraeuche an einem adoptierten empfinde ich, ihn zur zielscheibe JEDWEDER PROJEKTION zu machen ... ich koennte noch lange so dahin schreiben, zu sehr beruehrt gerade die in diesem thread aufgeworfene fragestellung ...
aber es ist schon spaet und fuer heute ist's genug!!!!
margaretha

10.11.2004 - 23:39:
RE: suche nach forum für adoptierte
an alle, insbesondere an irma,
dies ist wieder einmal ein sehr interessanter thread, und ich nehme ihn zum anlass, mich vielleicht wieder gelegentlich hier bemerkbar zu machen. es geht um unsere ganz subjektiven zugaenge zu unseren je ureigensten geschichtenund zeigt auf, dass jede/r seine/ihre eigene strategie der be- bzw. verarbeitung entwickelt und entwickeln muss.
ich von mir kann nur sagen, dass ich im laufe der jahrzehnte (bin auch nicht mehr die juengste :-))) die verschiedensten phasen durchlaufen habe. ich wollte eigentlich hauptsaechlich eins: mein leben positiv gestalten, eine karriere aufbauen, eine familie gruenden ... aber ... meine geschichte IST MIR NACHGELAUFEN - auf den verschiedensten ebenen - und es ist so vieles in meinem leben so ganz und gar anders gekommen, als ich es mir urspruenglich ertraeumt, ausgemalt und angestrebt hatte ... wie oft wollte ich meine ruhe haben von meinem durch adoption (bin adoptierte) gepraegten leben, MICH NICHT MEHR DAMIT BEFASSEN MUESSEN, einfach normal leben, wie alle anderen auch ... DENNOCH: letztlich bin ich an der konsequenten auseinandersetzung mit diesem allem nicht mehr vorbeigekommen, in meinen vierzigern habe ich mich dem erst gestellt. und heute bin ich dort, wo ich wahrscheinlich zum ersten mal in meinem leben in der lage bin, zu meinem leben ALS GANZES zu stehen, mit allem, was eben DAZUGEHOERT von anfang an ... und ich bin an dem punkt, wo ich - ganz und gar im unterschied zu frueheren jahrzehnten - meine geschichte, die teil meiner person ist, die mich geformt hat, auch oeffentlich zu kommunizieren, auch mit allem drum und dran. ich verstecke mich einfach nicht mehr!!! und zum ersten mal in meinem leben habe ich durch dieses bekenntnis zu meinem GANZEN leben das gefuehl, dass ich eins mit mir selber geworden bin. nicht dass es aufhoeren wuerde anstrengend zu sein, dieses leben auszuhalten (mit all seinen erinnerungen, die nun auch eins zu eins da sein duerfen!!!!), aber es ist eben wie es ist ... und es ist das einzige, das mir wirklich gehoert!!!!da ich - nicht immer durch mein eigenes zutun!!! - im unterschied zu vielen, vielen adoptierten (die vor einer art informations-nichts stehen) im lauf der jahre eine fuelle von dokumenten zu meiner geschichte erhalten habe, selber gesammelt habe, verfuege ich mittlerweile ueber eine umfangreiche dokumentation. mein problem war vor fast 20 jahren (als ich von meinem leibl. vater gefunden wurde ... die reunion verlief ungluecklich), dass ich die mir ausgehaendigten dokumenten fast eineinhalb jahrzehnte nicht ansehen konnte, nichts mehr damit zu tun haben wollte, weil einfach der damit verbundene schmerz nicht auszuhalten war ... erst mit therapeutischer unterstuetzung - und die habe ich gebraucht, weil bestimmte symptome nicht in ruhe gelassen haben - konnte ich an diese sache noch einmal herangehen ... also auch das gibt es ... heute halte ich das ganze aus, ohne permament in verzweiflungen abzustuerzen ... und ich kann die wahrheit meines lebens endlich ertragen ...ich weiss, dass ich immer mit dieser geschichte kommunizieren werde, mein leben lang, auch das nehme ich nun einfach als gegeben hin ...
liebe irma, wie sehr achte ich immer wieder in deinen beitraegen, mit welchem ernst und welch grosser bereitschaft zur differenzierung du auf die aktuellen fragen und themen einzugehen bereit bist. frage: bist du in der ent-deckung deiner eigenen geschichte, die deines lebensanfangs schon ein stueck weitergekommen?
mit lieben gruessen
margaretha

06.04.2004 - 21:20:
Vaterschaftsanerkennungsverfahren
An alle, die mich kennen!
Mit heutigem Tag ist das Urteil im Vaterschaftsfeststellungsverfa hren (die Vaterschaft meines leiblichen Vaters wurde gerichtlich festgestellt!) in Rechtskraft erwachsen!!! Damit ist fuer mich ein sehr wichtiger persoenlicher Prozess in der Aufarbeitung meiner Adoptionsgeschichte zu einem Ende gekommen, und ich fuehle eine grosse Erleichterung darueber. Insgesamt bin ich dadurch ein freierer Mensch geworden!!!Moeglicherweise nehme ich nun einmal eine Weile "Urlaub" vom Thema Adoption und somit auch von diesem Forum, was allerdings nicht bedeutet, dass ich mich endgültig verabschiede!Ich bedanke mich bei allen, die mich in den letzten beinah zwei Jahren hier begleitet haben, mir ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben, mir das Gefühl vermittelt haben, dass ich mit meiner Adoptions-Geschichte nicht allein in der Welt stehe!!!
Alles Liebe für Euch!!!
Margaretha

09.03.2004 - 09:09:
Re: Jeder geht seinen Weg
liebe ...,
du hast recht, jeder muss seinen weg finden und gehen, du deinen, ich meinen, jeder seinen ... fuer mich persoenlich war die nun abgelaufene diskussion ein durchaus heilsamer prozess. und ich finde in einem forum wie diesem kann es niemals nur um sachfragen gehen, denn es kommunizieren ja ueberwiegend betroffene miteinander, da kommen immer die ganzen personen ins spiel. und weil das so war und ist und bleiben wird, werden die diskussionen sich immer auch auf persoenlicher ebene bewegen. herzlichen dank auch fuer dein ohr, das du mir geschenkt hast.
ich wuensche dir einen guten weg
margaretha

26.02.2004 - 10:06:
Re:Vaterschaftsverfahren
hallo irma,
noch eine ergaenzung zu deinen fragen (gestern war ich einfach zu aufgeregt ...): ich habe vor nicht ganz zwei jahren meinen l. vater schriftlich ersucht, seine vaterschaft offiziell anzuerkennen. darauf hat er mehr als ein jahr nicht reagiert, deshalb bin ich zu gericht gegangen. ein rechtskraeftiges oesterreichisches urteil hat auch in den usa eine nicht unbedeutende rechtliche wirkung, WELCHE genau muss ich erst in erfahrung bringen lassen ... einem dna-test wuerde ich aeusserst gelassen gegenueberstehen :-)))) hoffe immer wieder mit dir mit, dass es auch fuer dich zu den fuer dich noetigen klaerungen deine herkunft/abstammung betreffend kommen wird!!!!
alles liebe wie immer
margaretha

25.02.2004 - 21:18:
Re: Harald, Suse, Irma
vielen dank an euch drei fuer das mitfreuen!!!! jetzt muss eben gewartet werden, ob dieses urteil rechtskraeftig werden kann ... danach kann ich weiter sehen ... irma, das gericht hat seine entscheidung aufgrund der von mir vorgelegten schriftstuecke und meiner aussage getroffen. jedenfalls habe ich nun ein offizielles papier in der hand, das meinen l. vater schwarz auf weiss als diesen benennt ... und ich kann euch gar nicht beschreiben, WELCHE erleichterung mir allein daraus erwaechst!!!!! es ist fuer mich einfach ein stueck BEFREIUNG von dieser ganzen geschichte, in der ich bislang immer nur herumgestossen wurde ... also noch einmal einen lieben dank an euch drei fuer's anteilnehmen
margaretha

12.02.2004 - 20:51:
suchen und finden
ich will ja niemandem seine handlungsfreiheit streitig machen, aber ich staune immer wieder, mit welcher selbstverständlichkeit hier drauflos gesucht wird. als zweimal gefundene adoptierte kann ich persönlich hier nur zu großer behutsamkeit raten in der gesamten vorgangsweise. ich (will aber wirklich nur fuer mich selber sprechen!)hätte lieber selber nach meinen leiblichen eltern und ev. weiteren verwandten gesucht, denn das gefunden-werden hat sich zweimal zu meinem nachteil entwickelt! ich wuensche mir heute sogar, dass ich vor dem gefunden-werden beschützt hätte sein sollen!!!
margaretha

13.02.2004 - 18:48:
Re: Irma
irma, natuerlich hat das gefunden werden auch positive seiten gehabt! ich habe meine leibliche herkunft KENNENGELERNT, wusste, wer mich in diese welt befoerdert hat etc.etc. habe antworten erhalten auf so viele fragen, die mich frueher innerlich gequaelt hatten. ABER: die probleme, die mir infolge der reunions entstanden sind, waren enorm viel groesser als ihr gewinn, der schaden fast lebensbedrohlich. in meinem leben ist zweimal das totale chaos innen und aussen ausgebrochen. und: sowohl l. mutter und l. vater haben mich in einer situation, in der ich ohnehin schon/wieder allein war, noch einmal konsequent im stich gelassen. welchen \"widerholungswert\" das hatte, brauche ich dir, glaube ich, nicht auseinanderzudividieren. ich bin seelisch fast krepiert, und das eben 2x ... weil ich irgendwie weitermachen musste (allein, mit kind, in ausbildung, arbeit etc.), MUSSTE ich alles abschneiden, musste mich in einer weise selbst vergewaltigen, um zu ueberleben von tag zu tag, wie ich es so niemals fuer moeglich gehalten haette, habe mich auf jahre hinaus gezwungen, NICHT AN ALL DAS ZU DENKEN, um mein kind gross zu kriegen, die ausbildung abzuschliessen, mich beruflich zu festigen. und erst vor vier jahren habe ich mich entschlossen, noch einmal auf dieses thema einzugehen. eine liebe hamburger freundin/adoptierte und ein adoptivelternpaar waren meine ersten dauer-gespraechspartner, dann folgte eine psychotherapie (die therapeutin hat mir klargemacht, dass man die leibliche herkunft nicht einfach cerebral loeschen kann!!!) und schliesslich auch das mitschreiben hier herinnen ... und so betreibe ich diese auf- und verarbeitung seit einigen jahren (zwischenergebnisse sind das kennenlernen meiner ersten lebensmonate, das vaterschaftsanerkennungsverfah ren, die beziehung zu meiner l. schwester in den usa, die ich erst jetzt aufbauen konnte) ... aber mein ziel ist, irgendwann das thema adoption wieder in den hintergrund treten zu lassen, denn ich will nicht ein leben lang adoption im zentrum meines alltags haben ...
auch ich bewundere dich fuer deinen konsequenten, unermuedlichen gang auf einem unglaublich muehsamen weg alles
liebe margaretha

13.02.2004 - 14:29:
Re: monika
liebe ...,
wie ich weiter unten schon sagte: ICH SPRECHE NUR FUER MICH SELBER UND MASSE MIR NICHT AN, FUER ANDERE ZU SPRECHEN, geschweige denn moechte ich meine gedanken und worte anderen in den mund legen. ich spreche AUSSCHLIESSLICH aus meiner SINGULAEREN betroffenheit heraus, und ich sehe mich und meine geschichte nicht als massstab fuer die schicksale anderer!!!! so sehe ich auch die gedanken und schicksale anderer schlicht in ihrer relativitaet und spezifizitaet!!!! ABER FUER MICH SELBER SPRECHE ICH. U.A. HABE ICH ES AUCH HIER HERINNEN REGELRECHT GELERNT! (mein dank an familie fasen!!!) ich war beim gefunden-werden in beiden fällen aelter als 18, allerdings durch mein vorangegangenes leben (tod der a-eltern, ausgrenzungserfahrungen, in ausbildung etc.) in einer sehr schwierigen lebenssituation. ich hatte mir vorgenommen, dass ich VIELLEICHT suche, wenn ich die dinge meines leben geordnet haben wuerde, ich wollte erst einmal meine ausbildung abschliessen, einen beruf ausueben, mit beiden beinen fest in der welt stehen, bevor ich mich auf die suche nach meinen leiblichen eltern gemacht haette. das gefunden-werden hat meine ohnehin schwierigen lebensbedingungen nur noch einmal gravierend destabilisiert, ich hatte nicht den mut und die kraft zu sagen, dass ich noch keinen kontakt will.
allerdings hat das kennenlernen beide male eine art psychischen tsunami ausgeloest, der ALLES durcheinandergebracht hat, was ich mir bis dahin erarbeitet hatte. es wuerde zu weit fuehren, dies nun in allen relevanten aspekten auseinanderzusetzen hier. noch einmal habe ich mich in der position der RE-AGIERENDEN wiedergefunden und nicht in der position der AGIERENDEN, noch einmal war ich letztlich die AUSGELIEFERTE, wie einst schon und wie mein ganzes leben lang eigentlich. fuer mich hat es etwas mit WUERDE zu tun, UND IM KONTAKT MIT MEINEN LEIBLICHEN ELTERN GANZ SPEZIELL, dass ICH SELBST BESTIMME, OB, WANN und WIE OFT ich kontakt habe, ich will fuer mich selbst definieren, auf welche weise ich einen kontakt gestalten will (hier kann dann die andere seite wieder fuer sich entscheiden, ob sie darauf einsteigen will oder nicht). ICH WILL SCHLICHT UND ERGREIFEND NICHT MEHR FREMDBESTIMMT SEIN, SCHON GAR NICHT MEHR VON MEINEN LEIBLICHEN ELTERN ... natuerlich wuensche auch ich mir immer noch, dass sie freundlich an mich denken, dass sie mich doch gern haben moegen etc. das ist das normalste auf der welt, denn von der allerersten natuerlichen bestimmung her waeren sie es gewesen, von denen ich elternschaft instinktiv erwartet habe und bekommen haette sollen. UNGEFRAGT (eine forumsteilnehmerin hat dies so formuliert) bin ich weggegeben worden! jetzt will ich es sein, die saemtliche eventualitaeten einen kontakt zu meinen leiblichen eltern betreffend kontrolliert. wie ich geschuetzt haette sein wollen? letztlich gibt es keinen totalen schutz, wie auch mein fall zeigt: denn mit meinem geburtsnamen wurden im zuge der suche nach mir deutsche staedte angeschrieben, um an sensible daten zu kommen (diese briefe habe ich in der hand) die dann von der dt. behoerde IM GUTEN GLAUBEN auch ausgefolgt wurden. also ein weiteres mal bin ICH einfach im interesse der anderen seite GEBRAUCHT (MISSBRAUCHT) worden. so empfinde ich dieses eindringen in mein leben auch regelrecht als einbruch in meine integritaet auf rechtlicher ebene!!!! manchmal wuensche ich mir, dass ein verbot existiert haette, mich aufzusuchen!!! es war und ist so schwer fuer mich als adoptierte herauszufinden, WER ICH BIN, WAS MIR WICHTIG IST, UND: ICH WILL ES ENDLICH SELBST HERAUSFINDEN KÖNNEN, FÜR MICH (ohne interessenseinfluss von adoptiveltern, leibliche eltern und sonst wem)!!!
so viel, ..., einfach zu \"meinem\"
liebe gruesse
margaretha

13.02.2004 - 09:31:
Re: suchen und finden
ja, daysleeper und andere,
gefunden-werden hoert sich sooooooooooo unglaublich toll an. ich persoenlich war zunaechst auch \"ueberwaeltigt\" in jeder hinsicht. allerdings haben sich dann die dinge anders entwickelt, als es fuer mich gut war. die intentionen der h-seite waren noch einmal h-zentriert, nicht ich stand wirklich im mittelpunkt des interesses, in beiden faellen nicht! es ging geradezu darum - so jedenfalls sehe ich es heute - durch diese sucherei/finderei eine ungeheuerlichkeit rund um meine geburt/erste monate etc. zu uebertuenchen. zudem trete ich dafuer ein, dass es dem/der adoptierten vorbehalten bleiben sollte, zu suchen. die herkunfts-seite sollte sich m.e. in groesster zurueckhaltung ueben. fuer adoptierte pladiere ich zudem sogar fuer eine gesetzliche verankerung des rechtes auf kennenlernen der eigenen leiblichen herkunft. h-eltern sollten damit rechnen muessen, einst gefunden zu werden. fuer den die adoptierten sollten die wege geebnet sein! das gefunden-werden hat bei mir zweimal ein unglaubliches lebenschaos ausgeloest, ich habe viele jahre gebraucht, um mich auch noch von diesen folgen herauszuarbeiten und zu erholen. noch einmal, heute sehe ich es so, dass ich BESCHUETZT davor haette sein sollen, gefunden zu werden.
margaretha

12.02.2004 - 20:51:
suchen und finden
ich will ja niemandem seine handlungsfreiheit streitig machen, aber ich staune immer wieder, mit welcher selbstverständlichkeit hier drauflos gesucht wird. als zweimal gefundene adoptierte kann ich persönlich hier nur zu großer behutsamkeit raten in der gesamten vorgangsweise. ich (will aber wirklich nur fuer mich selber sprechen!)hätte lieber selber nach meinen leiblichen eltern und ev. weiteren verwandten gesucht, denn das gefunden-werden hat sich zweimal zu meinem nachteil entwickelt! ich wuensche mir heute sogar, dass ich vor dem gefunden-werden beschützt hätte sein sollen!!! margaretha


06.02.2004 - 10:52:
Re: Welt nicht mehr versteh
hallo daysleeper,
nur ganz kurz vorerst ... hab viel zu tun und kann nicht ausfuehrlicher antworten derzeit ... als ich meine leiblichen verwandten kennenlernte (bin zweimal gefunden worden) hat mich das auch UNUNTERBROCHEN beschaeftigt, ueber jahre hin. ich denke, das ist eine ganz, ganz normale reaktion des geistes und der psyche, denn es muss ja praktisch (fast) das ganze leben neu interpretiert und geordnet werden ... staendig tauchen neue fragen auf, die antworten suchen ... das kennenlernen der leiblichen herkunft ist fuer adoptierte wohl eine ganz, ganz existentielle sache, und deshalb braucht es so lang, bis man/frau damit einigermassen klarkommt ... daysleeper, vielleicht ist es dir ein kleiner trost, wenn du weisst, dass es anderen adoptierten in dieser hinsicht nicht viel anders geht als dir!!!!
viel kraft immer aufs neue und alles liebe
margaretha

04.02.2004 - 10:12:
Re: Mit wem sind Adoptierte verwandt?
liebe nadya,
auf deine frage moechte ich gerne ganz ausfuehrlich antworten, aber momentan fehlt mir dazu die zeit. vorlaeufig in kuerze von mir so viel: - die von harald getroffene unterscheidung kann ich gut akzeptieren! - in oesterreich bleiben adoptierte (im unterschied zu dtl.) mit ihren herkunftsfamilien auch rechtlich verwandt. dies weiss ich erst seit ca. drei jahren, denn zuvor habe ich mich mit der rechtssituation hierzulande nicht befasst, ich nahm an, dass es keinerlei rechtsverbindung mit der leiblichen familie mehr gibt nach der adoption (obwohl ich in der frage der staatsbuergerschaft schon zuvor eines besseren belehrt wurde!!!) - mangels akzeptanz (mir gegenueber) hat sich in meinem fall auch die \"soziale verwandschaft\" zur a-familie nach dem tod meiner a-eltern \"erledigt\" - durch die kontinuierliche beziehung zu meiner leibl. schwester habe ich ein gefuehl der verwandtschaft mit meiner leiblichen h-familie vaeterlicherseits entwickeln koennen ... jetzt ist der punkt da, wo ich dieses verwandtschaftliche erbe auch akzeptieren und antreten kann ... - meine a-eltern werden auf immer und ewig \"meine eltern\" bleiben
ich gruesse dich lieb und wuensche dir einen schoenen tag
margaretha

26.01.2004 - 18:55:
Re: an Irma
liebe irma, vielen dank fuer deine infos ... ja, der weg den wir adoptierte beschreiten auf dem weg der suche nach unserer leiblichen herkunft, der fuer mich zumindest auch ein weg ist, der mich meiner persoenlichen wuerde wieder naeherbringt, ist oftmals mehr als nur ein dorniger ... immer wieder treffen wir auf normative bestimmungen und verhaltensweisen von menschen, die ich nur noch als zutiefst menschenverachtend empfinden kann ... aber ich lasse mich nicht mehr beirren, ich gehe diesen weg weiter, sei's auch um den preis, dass ich all seine \"tücken\" kennenlerne und ueber diese - mit euch - spreche, sie der oeffentlichkeit bekannt mache ...
liebe gruesse
margaretha

25.01.2004 - 18:37:
Re: an Irma
liebe irma,
lieben dank fuer deine antwort ... vor zwei jahren habe ich mir erstmals die behoerdlichen unterlagen zu meiner adoption ausheben lassen und - obwohl es nur ganz wenige sind - EINE GANZE MENGE erfahren, was damals passiert ist. eines der wichtigsten dokumente dabei ist der fragebogen, den meine leibliche mutter vor der behoerde ausfuellte, in welchem sie den namen, das land seines aufenthaltes und religion meines leiblichen vaters NANNTE und unterschriftlich bestaetigte. dieses dokument gibt auch an, dass mein leiblicher vater seine vaterschaft schriftlich anerkannt habe, WEM gegenueber, wird nicht genannt. im zuge des kennenlernens meines leiblichen vaters und dessen familie hat mir dieser vor meiner damaligen abreise aus der usa seinen mich betreffenden finding-record ausgehaendigt, sodass ich mittlerweile - seit 1986 sind auch eine ganze menge post mit anderen leiblichen verwandten dazugekommen - ueber eine ganze menge schriftlicher unterlagen bzw. beweise verfuege, u.a. darin auch die kopie eines schreibens meines leiblichen vaters an das us departement of justice(von ihm handschriftlich unterschrieben), in welchem er sein rechtliches interesse (judicial need), mich (mit meinem geburtsnamen, geburtsmonat und -jahr angegeben, namen meiner leiblichen mutter etc.), seine tochter (my daughter) zu finden. die behoerde hat ihm seinerzeit daraufhin auskuenfte erteilt, habe auch diese unterlagen in der hand. haette ich seinerzeit die version der geschichte meines leiblichen vaters widerspruchslos akzeptiert, haette aus seiner sicht wohl die reunion funktionieren können. nachdem ich aber dies nicht tat, denn seine geschiedene frau und meine leibliche mutter erzaehlten mir zu ihm widerspruechliche geschichten, und ich konfrontierte ihn damals mit diesen versionen der geschichte, denn ich fand, dass ich nach allem, was ich bis dahin schon erlebt habe und in anbetracht der tatsache, dass ich ihm - vor seinem besuch bei mir und meinem besuch in den usa - die wahrheit ueber mein leben erzaehlt hatte - dass ich eben eines verdiente, DIE WAHRHEIT ... die wahrheit haette ich vermutlich ohne zoegern verziehen, (auch meiner leiblichen mutter, die ebenfalls, was IHR verhalten anlangt gelogen hat, wie ich erst seit kuerzerer zeit weiss), aber verzeihen kann man eben nur die wahrheit und keine luegen. wenn es eine schlimme wahrheit ist, die mitzuteilen ist, haette ich mir in meinem fall gewuenscht, dass mir gesagt wird: sieh, wir/ich war/en jung und dumm, hab/en unueberlegt gehandelt (tun ja die meisten menschen), es ist eng geworden und wir/ich hab/en uns/mich dir gegenueber schlecht verhalten. wir/ich ueberlasse es dir, ob du mir verzeihen kannst, ich/wir kann/koennen auch verstehen, wenn du es nicht kannst, ich/wir wuerde/n mich/uns freuen, wenn du es kannst. JA DANN KANN MAN VERZEIHEN, DANN KANN MAN WIRKLICH NEU ANFANGEN!!! aber so lange gelogen wird, werden ja auch u.u. eigeninteressen vertreten, die GEGEN MICH gerichtet sind, und das war/ist bei meinen leiblichen eltern nach wie vor der fall, war damals der fall!!!! bin selber gespannt, wie es weitergeht, aber der groesste brocken ist von mir weg, das spuere ich, alles, was jetzt kommt, ist leicht und eine zugabe ... das wichtigste fuer mich war/ist, DIESE SCHRITTE ZU SETZEN, es geschafft zu haben, DEM GERICHT VON MIR ZU ERZAEHLEN.
irma, auch fuer dich alles gute
liebe gruesse margaretha
p.s.: vielen dank fuer den link, habe sofort alles gelesen ... auch hier sind mir wieder die \"augen aufgegangen\" ...

25.01.2004 - 10:41:
an Irma
hallo irma,
danke fuer dein mitdenken, dein mitfuehlen ... ausfuehrlich berichten werde ueber das verfahren, wenn ich ein gerichtliches urteil in der hand habe, welches rechtskraft erlangt hat. dann auch kann ich konkrete weitere schritte in dieser sache ueberlegen!!!! vorerst kann ich nur bei mir eine geradezu ungeheure erleichterung feststellen, denn die mich vernehmende richterin hat mir wirklich ausreichend gelegenheit gegeben, mich zu meiner situation zu aeussern, das hat mich zugegebenermassen ueberrascht!!! diese schritte ueberhaupt zu tun, diesen weg zu gehen, ist fuer mich - egal, was schliesslich dabei herauskommt - einer der wichtigsten prozesse beim \"erwachsenwerden\", beim verlassen der ewigen kindposition (wir hatten ja schon den hinweis, dass eben a-kinder auf \"ewig\" kinder bleiben vielfach ...). klar, schon lange handle ich als erwachsene, habe auch als erwachsene gefuehlt und gedacht, aber mit blickrichtung auf meine leiblichen eltern war ich zeitlebens auf mein baby-niveau (verlassensein, panik, todesangst etc.) festgezurrt, und zudem habe ich erst in den letzten jahren realisiert, dass ich ja rechtlich mit ihnen noch verbunden bin. und zum ersten mal handle ich hier als ERWACHSENE person, psychisch und im rahmen meiner rechtlichen moeglichkeiten, und ich sage, ICH WILL, dass diese frage geklaert wird, wenn nicht durch meinen leiblichen vater bzw. meine leiblichen mutter, dann eben durch eine uebergeordnete instanz. ich verlasse jene baby-position, in der ich WARTE, dass meine leiblichen eltern das tun, wozu sie die biologie vorgesehen hat und wozu sie moralisch, ethisch und rechtlich verpflichtet waeren. und ich nehme auf diesem weg meinen leiblichen eltern MACHT ueber mich!!! deshalb war dieser tag gestern für mich von noch kaum abschaetzbarer bedeutung auf allen ebenen meines daseins!!! mein motto hier ist: DER WEG IST DAS ZIEL!!! (ich habe mich bewusst nicht fixiert auf ein ERGEBNIS, denn ich will NIE MEHR in jene schwarzen loecher fallen, wenn nicht eintritt, was ich mir erwartet habe!!!) irma, auch du gehst einen furchtbar schweren weg. ich bewundere dich, mit welcher konsequenz, mit welcher beharrlichkeit und welchem mut du ihn gehst. deine situation ist derart verworren, es werden dir immer wieder mauern vor die nase gesetzt auf allen moeglichen ebenen ... dass du nicht schon laengst gesagt hast, ich hab genug, ich kann nicht mehr etc., das kann ich manchmal kaum verstehen ...
auch dir wuensche dir alles, alles gute und und und und ...
ganz liebe gruesse dir
margaretha

24.01.2004 - 18:33:
An Roswitha
hallo roswitha,
danke fuer deine lieben gruesse. klar, mir geht es praechtig!!! zumal ich gestern einen der wichtigsten tage in meinem leben gut ueberstanden habe, naemlich meine gerichtliche vernehmung als partei in dem von mir angestrebten vaterschaftsfeststellungsverfa hren. hat mir unglaublich wohl getan, endlich einmal \"meine wahrheit\" einer ganz offiziellen und uebergeordneten gesellschaftlichen instanz zu praesentieren!!! tonnen von steinen sind meinen ruecken hinuntergepurzelt!!!! roswitha, du hast mir doch zugesagt, mir einen bestimmten link zu schicken, erinnerst du dich? ich hoff', bei dir ist auch alles im gruenen bereich ...
alles liebe und gute herzliche gruesse aus wien
margaretha

21.01.2004 - 22:19:
Re: Gewalt von Erwachsenen gegen Kinder
liebe nadya,
ich will mich deinen aeusserungen beipflichtend anschliessen. es kann auch fuer mich keinerlei rechtfertigung fuer gewalt am kind und überhaupt (welche auch immer, hat ja viele gestalten) geben. eine andere sache ist, den versuch zu unternehmen, zu verstehen, wie gewalt entsteht, wie sie ausgeuebt wird etc. ... meine bewunderung haben alle, die in der taeterforschung aktiv sind, denn ich fuer mich weiss, dass ich dazu wahrscheinlich nicht den noetigen drive haette. dass mein mitgefuehl uneingeschraenkt den opfern gehoert, brauche ich nicht gross herauszustreichen, oder?!!! es hat mich gefreut, dass du maria peers namen erwaehnt hast. ich muss sagen, dass ihre arbeit, die ich nun zug um zug lese, gar nicht hoch genug bewertet werden kann. ihr ist gelungen, all das, was in mir an diffusen privaten ado-bezogenen erlebnissen herumschwirrt und gelegentlich \"herauskommt\" und u.a. auch in dieses forum als bericht einfliesst, auf rechtlich objektivierter ebene (und das mass an objektivierung, die maria peer zustande gebracht hat, hat meine uneingeschraenkte, ja, bewunderung!!!) zu beleuchten und zu beschreiben!!! \"wahrnehmungsstoerungs\"-vorw uerfe kann ich nur als restlos deplaziert betrachten, und verbale hasstiraden (anders kann ich gewisse gegen sie hier herinnen getaetigte aeusserungen nicht bezeichnen) habe ich selten so wenig \"verstanden\" ... nun, nadya, bin ich wieder ein wenig abgeschweift ... ich hoffe, du siehst es mir nach ...
liebe gruesse
margaretha
p.s.: ich denke gerne mit dir mit ...

13.01.2004 - 21:10:
Re: @ Nadya
hallo nadya,
schoen hast du das gesagt, ist auch meine meinung: JEDER MENSCH IST ETWAS GANZ BESONDERES UND KOSTBARES UM SEINER SELBST WILLEN! ich hatte schon angefangen gehabt, dir einen \"roman\" zum thema aufzuschreiben, hab es dann aber wieder verworfen ... nun noch einmal ein wenig davon ... \"besonders-sein\" und \"leistung\" haben eine ungeheure rolle in meinem leben gespielt ... in jede richtung hin: zum einen war ich als tochter meiner mama jemand besonderes, denn sie war eine hochgeachtete person in ihrer sozietaet. so lange ich glaubte, ihr leibliches kind zu sein, habe ich meinen status \"genossen\", hab mich praechtig gefuehlt. danach war ich traurig und wuetend, weil ich nicht die leibliche tochter meiner mama war, der frust hat lange angehalten. als ich drei jahre (so lange traute ich mich nicht fragen, in der angst, es koennte wahr sein, was man mir erzaehlte, naemlich, dass ich \"nur angenommen\" sei) nach der szene im nachbarhaus meinen vater fragte, \"ob es wahr sei\", soll ich auf seine mitteilung, dass es stimmt, in einem fort nur noch gesagt haben: \"bitte sag, dass es nicht wahr ist, bitte sag, dass es nicht wahr ist ...\") besonders nach ihrem tod und seit dem wissen um meinen adoptionsstatus hatte ich das gefuehl, ich muesse mit schulischer leistung mein geburts\"manko\" beheben und mir den status meiner mama quasi \"verdienen\". dieses leisten-muessen hatte also zum einen die funktion, mich dem \"muell\" zu entreissen und zum anderen, meine anwesenheit in der sozialen position meiner mama zu legitimieren, und war er einzige quelle fuer meinen selbstwert als etwas, das originaer aus mir selber kam, also mir niemand wegnehmen konnte ... \"etwas besonderes\" war ich ja, aber heute weiss ich, dass es auch immer - auch in meiner gluecklichsten zeit - ein \"so-tun-als-ob\" war, denn im grunde war und blieb ich jenes wesen, das aus seiner ursprungssituation heraus fuehlte und handelte, das buchstaeblich ALLES erdenkliche tat, bloss um zu ueberleben, bloss um nicht mehr in die lebensbedrohung zurueckgestossen zu werden, das eben auch in diese - von ihm geliebte - rolle hineinschluepfte und ganz und gar tochter der a-mutter wurde ... ich will allerdings betonen, dass meine mama fuer die damalige zeit und ihr damaliges umfeld in dem, was sie mit mir und fuer mich tat, wohl das einzig richtige tat (trotz aller moeglichen probleme, die mir dann doch - aus der unkenntnis meiner leiblichen herkunft - resultierten): sie hat mich mit ihrem namen und ihrer identitaet geschuetzt (in und wegen der ursprungsidentitaet war ich dort ja in akute lebensgefahr geraten, so kann man buchstaeblich von einem verstecken sprechen), hat mir eine innige emotionale bindung (nach sieben monaten schlimmster verwahrlosung und lebensbedrohung im fruehesten babyalter war dies vielleicht meine allerletzte chance, normale bindungen zu menschen zu entwickeln) ermoeglicht, mich moeglichst weit weg von der bedrohlichen ursprungssituation gebracht, mich an der schoenheit ihres lebens teilhaben lassen und die schoenheit der welt sehen gelehrt. wahrscheinlich danke ich es ihr, dass ich trotz all der spaeteren wirrnisse, nie den blick \"ins licht\" verloren habe, mich an schoenem (musik, kunst ...) erfreuen konnte und immer noch kann ... sie war meine sonne und sie ist es geblieben bis zum heutigen tag ... sie und mein vater sind das JA zu meinem leben ... ich bin auf diese weise so ganz und gar ihre tochter geworden und die meines vaters, dass ich einfach zu \"anders\" war, als ich meine leiblichen familien kennenlernte, und die haben das auch festgestellt!!!! vielleicht hat das auch zum scheitern der reunions beigetragen!!! noch etwas faellt mir ein: nach dem tod meiner mama wurde von mir von \"der gesellschaft\" zwar erwartet, \"so-zu-tun\", als waere ich ihre tochter, jedoch war die gleiche gesellschaft (furchtbar allgemein!!!) nicht bereit, mir jene achtung entgegenzubringen, die sie einer tatsaechlich leiblichen tochter meiner mama zweifelsfrei entgegengebracht haette ... und heute weiss ich auch warum, je mehr in maria peers arbeiten lese, dich wirklich höchstinteressant sind und eine enorme fuelle von detailwissen enthalten!!, umso mehr begreife ich die gesellschaftlichen mechanismen, denen ich insbesonderen nach dem tod von mama und meinem vater ausgesetzt war!!! in diesem speziellen \"besonders\"-sein, sein muessen, sein wollen, nicht sein wollen, nichts sein koennen etc. etc. von adoptierten sehe ich eine vielfach schizoide situation, die eigentlich krankmachend ist ... deshalb mein satz in meinem vorigen posting an dich: ICH BIN, WAS ICH BIN ... und niemals will ich etwas anderes sein, als das ... ist ein bisschen lang geworden, vielleicht auch ein bisschen verworren, aber vielleicht ist doch etwas zu dir \"ruebergekommen\", mit dem du was anfangen kannst ...
auch dir einen schoenen abend
noch liebe gruesse
margaretha

12.01.2004 - 17:49:
Re: meine Eltern
liebe maria,
ich nehme mir - jenseits aller wissenschaft - ganz einfach das recht heraus, selbst zu sagen und sprachlich zu formulieren, welche meiner eltern ich wie empfinde und bezeichne, welche bedeutung ICH ich ihnen jeweils beimesse. und dies gestehe ich jedem anderen menschen auch zu!!! da lass ich mir von rein gar niemandem dreinreden!!! ich weiss natuerlich, du wolltest mir nicht vorschreiben, WIE ich da sprachlich zu benennen habe, und ich kann mir durchaus auch gut vorstellen, dass zahlreiche adoptierte und pflegekinder ihre leiblichen eltern als die \"richtigen\" empfinden und auch bezeichnen, und gar nicht an \"richtig\" und \"falsch\" denken, sondern mir damit einfach zu erkennen geben, welche enorme bedeutung sie ihren leiblichen eltern fuer ihr identitaetsbewusstsein einraeumen, und ich vermute, weil unsere EXISTENZ in dieser welt mit den leiblichen eltern untrennbar verknuepft ist ... vielleicht raeume ich meinen a-eltern auch deswegen intuitiv einen so enorm hohen stellenwert (auch sprachlich) fuer mich ein, weil sie mir das nackte leben gerettet und meine existenz in dieser welt gerettet haben ... wer weiss es schon ... (je tiefer man in die dinge eindringt, umso komplizierter werden sie ja ...) ... zur mutter- bzw. bezugspersonendebatte mach' ich mir auch so meine gedanken (gehen in meine eigenen richtungen, wie immer :-))), aber das wuerde mir jetzt zu weit fuehren ...
alles liebe
margaretha

11.01.2004 - 15:46:
Re: er kennt meine richtige Mutter
liebe maria,
hier muss ich dir ein klein wenig aus meiner persoenlichen perspektive widersprechen, denn ich gehoere zu jenen adoptierten, die ihre (a-)eltern stets als \"richtige\" eltern empfunden hat und empfindet und sie auch so bezeichnet. meine leiblichen eltern bezeichne ich als meine leiblichen eltern, aber nicht als meine \"richtigen\" eltern. als meine leiblichen eltern stehen sie im zentrum meiner reinen existenz im hier und heute, mit ihnen verbinde ich die geschichte meines hereinkommens in diese welt(wittgenstein: nicht WIE die welt ist, ist das mystische, sondern DASS sie ist ... kann gern das genaue zitat heraussuchen) ... meine leiblichen stehen also im zentrum der mystik meines lebens!!! meine leiblichen eltern, insbesondere meine leibliche mutter, die ihrerseits gewiss auch als opfer der sie umgebenden unmittelbaren lebensumstaende rund um meine geburt zu sehen ist, hat mein leben nach meiner geburt aufs spiel gesetzt, meine (a-)mutter hat es gerettet (ist leider kein mythos, sondern fakt). meine leiblichen eltern gehoeren allerwahrscheinlichkeit nach nicht zu jenen leiblichen eltern, die ihr leben lang mir nachtrauern, denn schon in einem seinerzeitigen brief an meinen leiblichen grossonkel (ende 50er jahre) hat mein leiblicher vater von mir als dem \"mistake we made in heidelberg\" gesprochen (habe ich seinerzeit mit eigenen augen gelesen und dieser satz geht nie mehr aus meinem hirn heraus) und spaeter dann (reunion) hatte er - nachdem ich ihn mit aussagen meiner leiblichen mutter und seiner ehemaligen frau konfrontierte, die den seinigen widersprachen - mir gegenueber gemeint: \"it would have been better never to come to europe and to meet m.\" ... also aus welchen beweggruenden auch immer, er hatte die motivation und die energie, MIR das mitzuteilen ... ebenso hatte meine leibliche mutter die energie mir zu sagen, dass es wohl besser gewesen waere, schon damals auf einen mann getroffen zu sein wie ihren gegenwaertigen, was IN BEIDEN implizit fuer mich bedeutete: es waere besser, ich waere nicht hier und am leben ... meine leiblichen eltern wollten - unter dem druck, familien- und selbstimage zu wahren bzw. zu beschoenigen vor sich und anderen - eine grosse schuld, die sie seinerzeit durch ihr verhalten mir gegenueber auf sich geladen hatten, zumindest uebertuenchen ... mein bestehen auf der wahrheit hat sie allerdings wieder auf ihre schutzinsel jenseits des grossen teichs sich zurueckziehen und mich ein weiteres mal fallenlassen ... jede einzelne geschichte hat ihre besonderheiten, so auch die meine. und ich denke, jede/r adoptierte, jedes pflegekind sollte selbst wissen und ausdruecken duerfen, auf welche weise es seine leiblichen eltern und seine adoptiv- bzw. pflegeeltern bezeichnet!!! (natuerlich kann man hier auch kleine sprachstudien anstellen, was den gebrauch der sprache anlangt!!!)
ich gruesse dich ganz lieb
margaretha

10.01.2004 - 18:35:
Re: was mich auch wundert
wohlgemerkt: ich sehe mich, was meine leibliche herkunft anlangt, nicht als unterprivilegiert, problematisch, mit irgendeiner krankheit oder sonstigen anomalie behaftet ... und eine \"beurteilung\" meiner herkunftssituation gestehe ich persoenlich ganz einfach nur mir selber zu ... niemandem sonst!!! u.a. sind es gerade derartige \"problematisierende\" zuschreibungen durch andere, die einem das gefuehl vermitteln (sollen?!!!!), dass man zunaechst einmal nichts anderes sei, als ... ist es denn tatsaechlich notwendig, immer wieder darauf hinzuweisen, WIE problematisch \"die verhaeltnisse\" sind, aus der a-eltern ihre a-kinder \"retten\", mit welchen unkorrigierbaren und enervierenden schaedigungen man sich da - ja vielfach umsonst - herumschlagen muss ... sind das wirklich jene \"kroenungen\", deren der edelmut bedarf? eine bekannte dichterin sagte einmal: \"das gute geht, leise gesagt, uebers land ...\" und auch jesus hat uns gesagt, dass wir das gute im stillen tun sollen und nicht damit prahlen ... (denn das prahlen damit verletzt m.e. und bestimm nicht nur m.e. IMMER die wuerde jenes menschen, der in die gunst der \"guten tat\" kommt!!!) meine eigenen(a-)eltern haben meine grosse bewunderung und besondere wertschaetzung (die immer groesser wird, je laenger ich hier herinnen mitlese!!!) auch dafuer, dass sie mir NIEMALS ein derartiges gefuehl vermittelten!!!! (das haben andere besorgt!) dass sie mir immer das gefuehl vermittelten, ich sei ein zu ihnen EBENBUERTIGER MENSCH, die so viel vorschussvertrauen in mich und die von ihnen in mir vermuteten guten anlagen setzten und diese ihre ueberzeugung auch lebten, dass aus mir - so hoffe ich wenigstens - ein mensch werden konnte, der sich zumindestens ebenfalls um \"das gute\" bemueht ... (das gleiche gilt im uebrigen auch fuer meine von mir immer wieder erwaehnten \"lebensbegleiter\") es ist allerdings sehr, sehr gut fuer mich, anhand von auftritten bestimmter a-eltern hier herinnen mein geradezu idealisiertes bild von adoptiveltern, welches ich aufgrund meiner erfahrung mit meinen (a-)eltern herangebildet habe, dahingehend zu korrigieren, dass es sich mehr und mehr der wahrscheinlich tatsaechlich gegebenen gesellschaftlichen realitaet anzunaehern beginnt ...
margaretha

10.01.2004 - 14:42:
Re: @Beate
liebe beate,
herzlichen dank fuer deine einfuehlsame und verstaendnisvolle antwort. wie sehr ich mich natuerlich auch mit dir mitfreue, dass du trotz gegen dich gerichtete widrigkeiten ziele erreicht hast, die dir wichtig waren und sind und die dir offenbar auch niemand zugetraut hat !!!!!!!! ich denke, dass ich in den nun eineinhalb jahren, in denen ich hier herinnen mitschreibe, gezeigt habe, dass ich nicht bei jeder sich bietenden gelegenheit akademische besserwisserei und arroganz zur schau trage, ins treffen fuehre (das bedeutet mir im grunde gar nichts und ist keine quelle, aus der ich selbstvertrauen und selbstwert schoepfe!!!), dass ich vielmehr wert darauf lege, aus meiner persoenlichen lebenserfahrung als von adoption unmittelbar betroffene zu berichten und andere ebenfalls in dieser perspektive wahrzunehmen!!! aber wie es auch schon suse einmal formuliert hat, wenn \"wissenschaft\" argumentativ ins spiel gebracht wird, werde auch ich aufmerksam sein und zu erkennen geben, dass mir wissenschaft an sich sehr viel bedeutet (zu intensiv war seit meiner kenntnis bzgl. meines adoptionsstatus mein verlangen, immer und ueber all \"die wahrheit\" zu erfahren ... mein weg in meine wissenschaftliche arbeit war einfach auch eine logische fortsetzung dieses meines - noch nicht erloschenen - bestrebens!!!) ... das darf ich doch, oder ... deswegen schlage ich noch keinem einzigen anderen einen stein aus der krone ... an allererster stelle zaehlt fuer mich aber immer die qualitaet der persoenlichen begegnungen ... diejenige mit dir hier herinnen zaehlt fuer mich ebenfalls zweifellos zu den positiven erfahrungen ... rede ruhig weiter, beate, lass dich von bemerkungen anderer, durch die du dich \"in die ecke\" verwiesen fuehlst, nicht so sehr beeindrucken ... hast du nicht noetig!!!
alles liebe
margaretha

10.01.2004 - 13:31:
was mich auch wundert
ja, was mich hier auch erstaunt, ist, wie da von mancher seite auf akademiker \"losgegangen\" wird, noch dazu auf adoptierte, die dies erreicht haben, u.a. deswegen auch auf mich ... vorausschicken will ich, dass ich auf bemerkungen anderer, die \"unwissenschaftlichkeit\" geltend machten, zunaechst lediglich erwaehnte, dass ich, da ich selber schon wissenschaftlich gearbeitet habe (und das im rahmen meiner dissertation so ausgedehnt, dass ich ein ganzes wissenschaftsleben damit bestreiten koennte) eine ahnung davon habe, wie wissenschaftlich gearbeitet wird. auf das hinauf wurde ich ja einigermassen ironisierend als \"promovierte historikerin\" tituliert und manche meiner bemerkungen verstand ich zunaechst lediglich als humorvolle repliken darauf. wenngleich auch ich dbzgl. arroganz absolut nichts abgewinnen kann, bekenne ich freimuetig, dass ich eingermassen zufrieden mit mir bin, dass ich erreicht habe, was ich erreicht habe, gerade als adoptierte mit meiner ganz konkreten geschichte. in meinem fall war ab einem bestimmten punkt in meinem leben (nach dem tod meiner mama, nach dem ich im nachbarhaus erfuhr, dass ich \"nur\" adoptiert sei, nachdem ich mit mord bedroht wurde als kind, weil ich ein bisschen etwas von meiner mama geerbt habe, nachdem ich immer wieder als \"dreck\", \"zigeunerbalg\" und von \"gesindel\" kommend tituliert wurde in der zeit meines heranwachsens) schulische leistung die einzige quelle, aus der ich noch positiven selbstwert fuer mich schoepfen konnte, das einzige, das originaer aus mir selber kam, das mir gehoerte, nachdem mir meine gesamte bis dahin gueltige identitaet zerbrochen war. mein (a-)vater hat mich in keiner weise gedraengt, eine schulische und akademische karriere zu machen, er waere bestimmt zufrieden mit mir gewesen, wenn ich einen anderen beruf erlernt haette etc. ich habe ihn gefragt, ob ich in die schule gehen darf und spaeter, ob ich studieren darf, und er hat mich darin unterstuetzt. er hat mich gegen die \"ratschlaege\", die ihm sein unmittelbares umfeld hier erteilt hatte, unterstuetzt!!!! diesen weg zu gehen, bedeutete fuer mich in erster linie, jene gesellschaftlichen zuschreibungen zu ueberwinden, nach denen ich dem gesellschaftlichen \"muell\" (entspricht genau meiner dbzgl. empfindung) zugeordnet worden war ... deshalb habe ich dieses ziel trotz groesster widrigkeiten niemals aus den augen verloren und schliesslich auch erreicht ... und darueber freue ich mich, dass mir dies trotz allem gelungen ist!!!! ich bin gluecklich, wenn andere adoptierte - wie maria - dies auch durch ungeheure schwierigkeiten hindurch geschafft haben. ich bin fuer jede/n adoptierte/n gluecklich, der es fertig bringt, wie auch immer, ein zufriedenes und glueckliches leben zu fuehren, positive ziele zu erreichen (ein studium zu absolvieren ist davon lediglich eine der moeglichkeiten). und es haben jene adoptierten (wie alle anderen kinder auch) mein tiefstes mitgefuehl, die an den gegen sie direkt oder indirekt gerichteten negativen zuschreibungen, psychischen und koerperlichen misshandlungen seelisch zugrunde gehen und ...
das - so hoffe ich - zum besseren verstaendnnis ...
margaretha

10.01.2004 - 10:25:
Re: Worüber i c h mich wundere- jetzt noch mehr
hallo maria,
du sprichst hier u.a. den punkt an der auch fuer mich so wichtig geworden ist, naemlich die menschen, welche als einzige auf dauer liebe- und wuerdevolle unterstuetzung gegeben haben. in meinem fall zaehlen dazu eben auch die (a-)eltern, dann sind es die, die ich auf meiner hp erwaehnt habe. sie waren tatsaechlich die einzigen, die mich durch saemtliche lebenslagen begleitet haben. und weil sie in sehr dunklen zeiten die EINZIGEN waren, die fuer mich da und erreichbar waren, bekenne ich mich so deutlich zu ihnen, nicht aus ueberzogenem dankbarkeitsbesusstsein ... (wird mir ja immer wieder vorgeworfen von bestimmten seiten her) ... was DU geschafft hast, ist fuer mich fast nicht nachvollziehbar, weil ich WEISS, wie schwer es ist, derartige wege zu gehen ...
kompliment, maria ...
margaretha

08.01.2004 - 22:30:
Re: an irma
liebe irma,
erst heute erkenne ich, dass auch du diese doppelte entwurzelung erleben musstest. vielleicht ist das doch ein phänomen, von dem mehrere adoptierte betroffen sind!!! bei mir war nach dem tod meines vaters (da war ich 18 1/2) von seiten der adoptivfamilie einfach NIEMAND mehr da. das herausfallen aus der welt meiner mama hat aber bereits nach ihrem tod, bzw. besonders stark nach der wiederverheiratung meines a-vaters begonnen, da musste ich von zuhause weg ins internat, ich verlor so jeden \"anschluss\". nach dem tod meines vaters hat es zwar beim begraebnis euphemistisch geheissen, \"zu uns kannst du kommen\", aber eingeladen wurde ich nicht und nach mir gefragt hat man auch nicht. ein leiblicher grossonkel tauchte dann aus dem nichts auf und sagte, \"eigentlich gehoerst du zu unserer familie\", aber dort konnte ich dann keinen echten anschluss entwickeln, weil ich mich fremd fuehlte, zudem ging das erste kennenlernen zwischen meiner leiblichen mutter und mir vollkommen daneben ... zehn jahre spaeter geschah ein zweites mal fast das gleiche mit dem kennenlernen meiner leibl. familie vaeterlicherseits ... intention zur familienintegration wurde vom l. vater vorgegeben, als er dann aber erkannte, dass dies nicht so einfach sein wuerde, wie er sich das vorgestellt hatte, hat er mich eiskalt wieder systematisch fallengelassen ... wie auch meine leibliche mutter dies getan hat (ich frage mich schon gelegentlich, ob diese leute noch ruhig schlafen koennen, beim wissen, WAS sie da alles einfach seelenruhig unterlasse haben!!!) ... und: nach oesterreichischem recht waren das nun die einzigen rechtlich verwandten, die ich hatte, meine leibl. eltern waeren verpflichtet gewesen, mich zu unterstuetzen, mir zu helfen, (deshalb hat mir auch sonst wohl niemand mehr weitergeholfen!!!) das wusste ich damals aber noch nicht, sie duerften es wahrscheinlich gewusst haben und sich deshalb in schutzposition mir gegenueber begeben haben ... letztlich habe ich ueber jahrzehnte eine weitere desintegrationserfahrung hinnehmen muessen, schmerzhafter als alles, was davor war ... heute bin ich (genaugenommen seit ca. drei jahren) \"beim thema\" angelangt, und bei meinem leben ... dabei werde ich bleiben, denn dieses leben ist das einzige, was wirklich mir gehoert ... und ... es strebt der sonne zu!!! :-))) nun bin ich wieder in meins abgedriftet, aber ich spreche diese dinge hier ganz bewusst aus ... freu mich auch, wenn du und andere mich an ihren ganz persoenlichen lebenserfahrungen teilhaben lassen ...
danke dir, irma alles liebe
margaretha

07.01.2004 - 17:28:
Re: Was ich erreichen will, ist
liebe maria,
wie ich hier herinnen schon mehrfach betont habe, gehoere ich zu jenen adoptierten, die in der tat gute, wenn nicht beste adoptiveltern hatte. ich habe von ihnen eine liebe erfahren, die mir weit ueber ihren tod hinaus geholfen hat, mein leben und seine schwierigen situationen in den griff zu bekommen. (sie leben seit jahrzehnten nicht mehr und ich stehe also nicht unter dem druck des dankbarkeits- und akzeptanzerweises!!!) und ich bin ueberzeugt, dass auch andere a-eltern - auch in oesterreich - ihre kinder - trotz hochmerkwuerdiger rechtslage (seit ich mich damit ein wenig befasse, empfinde ich meine rechtliche identitaet als einigermassen verstuemmelt, meine diesbzgl. handlungsmoeglichkeiten als sehr beschraenkt) - wuerde- und liebevoll behandeln. wie du ja selbst geschrieben hast, es gibt ueberall solche und solche (vereinfacht gesagt). ich wehre mich immer gegen pauschalverurteilungen, aus welchen gruenden immer, denn damit tut man jenen menschen grosses unrecht, die sich wirklich bemuehen. was dein anliegen ist, formulierst du richtigerweise selber, da will ich dir gar nichts in den mund legen!!! deine beitraege hier herinnen haben in mir eine grosse neugier auf mehr informationen entfacht und ... in mancher hinsicht sind mir schuppen von den augen gefallen, insbesondere was mein eigenes leben betrifft. ich werde mich sehr freuen und sehr gespannt sein, diese weiteren informationen in baelde aus deinen eigenen haenden zu erhalten. ich habe es dir schon gesagt: wahrscheinlich hast du eine arbeit geleistet, von der ich bislang nur traeumen konnte und getraeumt habe, DASS sie jemand in unserem land leistet!!!!
alles liebe und weiter mut und kraft ...
margaretha

07.01.2004 - 22:06:
Re: ganz Allgemein
geschaetzte anke, lass dir sagen, dass ich genauso oft auf meinen akademikerstatus hinweise, wie es mir passt. ich habe niemanden damit beleidigt und herabgesetzt! andere haben unwissenschaftlichkeit reklamiert, und da darf man denn schon noch erwaehnen, dass man durchaus eine ahnung davon hat, wie wissenschaft ueberhaupt entsteht. wie du, wie irgendjemand mit solchen mitteilungen umgehs/t, ist deine/seine sache und nicht mehr mein problem. soviel dazu. wenn du meine beitraege wirklich gelesen haettest, dann waere dir vermutlich nicht entgangen, dass ich stets besonders wertschaetzend ueber meine eigenen (adoptiv-)eltern und ihren unschaetzbaren erzieherischen beitrag fuer mein leben geschrieben habe. dann haettest du auch festgestellt, wie sehr ich jene adoptiveltern (pflegeeltern etc.) achte und ehre, die sich redlich um das wohl der ihnen anvertrauten kinder bemuehen. ich bemuehe mich hier - als adoptierte - um einen ehrlichen austausch in sachen adoption (auf notorisch ueberhebliche, verletzende, zynische und laecherliche kommentare habe ich mir i.d.r. abgewoehnt zu reagieren), und da kommen eben auch die schattenseiten des ganzen zur sprache, gott sei dank kommen sie das ...
auch nichts fuer ungut
margaretha

06.01.2004 - 18:33:
Re: an Margaretha
liebe chris, ganz recht, JEDER fall von misshandlung, missbrauch etc. ist einer zuviel!!!! herzlichen dank fuer deine klaren worte!!! ich habe bereits klargestellt, dass es nicht darum geht, jene a-eltern in misskredit zu bringen, die sich um eine liebende und wuerdevolle betreuung ihrer a-kinder bemuehen, und ich bin sicher, auch maria peer will das nicht. dennoch duerften eben MEHRERE unterschiedliche studien hier auf einen grossen gesellschaftlichen missstand (groesser jedenfalls, als bisher angenommen) hinweisen. von mir selber kann ich sagen, dass mein bild von a-eltern durch meine eigenerfahrung mit meinen a-eltern wahrscheinlich generalisierend positiv eingestellt war. an ihnen und den menschen, die mich ein leben lang geliebt und begleitet haben, habe ich mich festgehalten, aufgerichtet immer wieder und die zahllosen negativ-erfahrungen ueberwinden koennen und meine lebensziele erreichen koennen. wenn auch schon laengst tot, fuehle ich meine (a-)eltern immer noch bei mir, und ich will sie NIEMALS missen!!! ich weiss also, dass es \"die guten\" (ist ein sehr simplifizierender begriff, ich weiss) gibt, allerdings duerften es nicht so viele sein, wie ich angenommen habe. gerade hier im forum sind mir schon - das gebe ich ehrlich zu - durch die berichte so mancher adoptierter \"die augen aufgegangen\", und ich habe sehen gelernt, dass manche adoptierte ein unglueck durch ihre a-eltern erlebt haben, wie ich es mir niemals vorstellen konnte. ich habe auch sehen gelernt, dass da hinter den kulissen die herkunftsmuetter oftmals nicht jene unterstuetzende betreuung und begleitung erhalten haben und erhalten, die sie gebraucht haetten und brauchen wuerden, und dass es auch faelle gibt, wo ihnen massives unrecht angetan wurde, das dann in der folge ebenfalls \"unter dem teppich\" gelandet ist ... und - wie ich schon sagte - auch ich habe von der konzentrierten verachtung, der a-kinder etc. scheinbar vielfach ausgesetzt und ausgeliefert sind, heftig und deftig in verschiedenster hinsicht abbekommen. an diesen erinnerungen fuehrt fuer mich auch kein weg mehr vorbei!!!
sei lieb gegruesst, chris
margaretha

05.01.2004 - 18:22:
Re: geschockt!!!
ich denke mir, maria peer weiss schon, wovon sie auf welche weise redet. genaugenommen muss man sich diese studie besorgen und auf deren qualitaet hin ansehen. ich sage mir, wenn auch nur \"die haelfte\" davon stimmt, ist die situation schon dramatisch genug!!!! fuehren wir uns vor augen, dass sexueller missbrauch in oesterreich ca. jedes 4. maedchen trifft (so habe ich es gelesen, fachleute moegen mich korrigieren!), wenn wir uns dann noch vor augen fuehren, dass im falle von adoption auch noch die sog. inzestschranke wegfaellt, ist ein relativer anstieg des missbrauchs fuer mich im bereich des denkbaren. taeter sind in diesem bereich ja nicht \"nur\" die eltern, i.d.r. die vaeter, sondern auch sonstig nah verwandte bzw. bekannte. zu lange und zu systematisch wurde hier das gesellschaftliche tabu (nicht hinsehen, nicht drueber reden) beachtet und unter seinem schutz hatten die taeter vollkommen \"freie hand\". ein gedanke, der sich mir in diesem zusammenhang aufdraengt: ist \"anonyme geburt\" nicht geradezu eine der methoden, dieses tabu wieder einzufuehren und den taetern wieder \"geschuetzte spielwiesen\" zu schaffen?!!! ich persoenlich bin froh, wenn hier die wahrheiten ans licht kommen!!!! wenn mutige menschen es wagen, den mund aufzumachen und zu berichten etc. ... das gefuehl, in diversester hinsicht (nicht nur in richtung missbrauch) \"vogelfrei\" zu sein, gewesen zu sein, entspricht einem zentralen lebensgefuehl auch von mir!!!!
margaretha

02.01.2004 - 21:53:
Re: Vaterschaftsfeststellungsverfahren
das vaterschaftsfeststellungsverfa hren dient meinem rechtsempfinden nach der sanierung meiner rechtlichen identitaet, denn seit dem tod meiner a-eltern habe ich bis auf die leiblichen verwandten (maria peer bitte korrigiere bzw. ergaenze mich!)keine rechtlich verwandten mehr. die spezialitaet an meiner rechtlichen situation ist u.a. auch die voellig unterschiedliche rechtssituation ho. (oesterreich) und jener in den usa ... dort erlischt, so viel ich dies fuer den bundesstaat wisconsin (wohnsitz meines l. vaters) ersehen konnte, die rechtliche verwandtschaft durch adoption, also kann mein l. vater jenseits des ozeans die sache einfach \"aussitzen\" (meint er jedenfalls), werden sehen, ob er sich nicht doch noch entschliesst, sich gerichtlich bemerkbar zu machen. der gute mann hat mich ja - mit unlauteren methoden - gesucht und gefunden, mich in seine familie eingefuehrt, aber wohlweislich nie die vaterschaft offiziell anerkannt. auch in diese richtung geht es mir darum, zu demonstrieren, das ganze \"offiziell\" zu machen. werden sehen, ob ich erfolg habe ... jedenfalls kann ich ueber das ganze schreiben ...

02.01.2004 - 21:13:
Re: Aufhebung Adoption
hallo maria, ich bin sehr froh, dass du besten rechtsbeistand hast!!!! ich persoenlich bin von den wirrnissen meiner adoptionsgeschichte derart durchgeschuettelt worden, dass ich erst vor wenigen jahren die kraft gefunden habe, mich - auch mit psycho-therapeutischer begleitung!!!!! - kontinuierlich damit zu befassen. dabei habe ich erstmals einige rechtliche bestimmungen des oesterreichischen adoptionsrechts mir vor augen gefuehrt ... und konnte eigentlich nur noch mit fassunglosigkeit reagieren ... aber ich habe zum ersten mal begreifen gelernt, warum mir - im einklang mit der rechtslage - von seiten der sogenannten adoptiv-familien (nicht von meinen schon laengst verstorbenen a-eltern, die ICH nach wie vor ueber alles liebe!) angetan wurde. seit ich diese rechtslage ein wenig kenne (von deinem spezialistentum bin ich weiss gott weit entfernt!!!, aber ich bewundere, dass du dich da so systematisch durchgearbeitet hast!!!), habe auch ich mich zu einem gerichtlichen verfahren entschlossen: ich habe die feststellung der vaterschaft (leiblicher vater) beantragt. ende diesen januars ist eine erste verhandlung anberaumt!
liebe gruesse
margaretha

Margaretha Rebecca Hopfner, Wien 2002-2006

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