Vatersuche - US-Staatsbürgerschaft - Zum Leitfaden für US-Besatzungskinder

Margaretha Rebecca Hopfner

Beiträge zum Thema Adoption

im Diskussionsforum von adoption.de

2005

 

Seine persönliche Herkunft gehört zum Menschen und sie gehört dem Menschen!
Jeder Mensch hat das Recht auf seine Herkunft!
Die Anonymisierung von Menschen und Inkognito-Adoption
sind menschenverachtend! Sie machen aus Menschen (die ihre Herkunft tief innen immer in sich tragen!!!) zwangsläufig (moderne Nobel-)Sklaven und schaffen weltweit ein ungeheures Missbrauchspotential!!!!!!!
Herkunft darf also dem Menschen nicht vorenthalten, enteignet, geraubt werden!
Herkunft darf niemals vernichtet werden!!!
Adoption ist kein Instrument zur Familienplanung!
Adoption kann ein Weg sein, einem verwaisten Kind eine Familie zu geben.
Es müssen rechtliche Regelungen geschaffen werden, welche die Herkunft dem adoptierten Menschen auf allen Ebenen rechtlich bewahrt und gleichzeitig durch adoptional wirksame Bestimmungen sinnvoll ergänzt.
Adoption muss national und international rechtlich derart geregelt werden, dass die Menschenwürde aller Betroffenen gewahrt bleibt!
Kein einziger Mensch ist ein Bastard!!!!!
"DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR."
Ingeborg Bachmann

Einige Jahre beteiligte ich mich an den Diskussionen im Forum von adoption.de. Es existieren dort bereits über Tausend registrierte Beiträge von mir, und die inhaltlich mir wichtigsten präsentiere ich ebenfalls seit Jahren auch hier. Die Beiträge habe ich im originalen Wortlaut sowie der von mir im Forum verwendeten Orthographie übernommen, Verschreibungen wurden absichtlich nicht wegkorrigiert. Es handelt sich bei meinen Beiträgen um jene Bruch-Stücke der "Dinge meines Lebens", die im fortgesetzten Prozess ihres vorläufigen und schließlichen "Erkennens" buchstäblich aus mir herausgebrochen sind! Mein Mitschreiben im Forum hatte wesentlichen Anteil am unumgänglichen Verarbeitungsprozeß zur Geschichte meiner Adoption. Ein Dankeschön an das Ehepaar Fasen, welches die so wichtige Webseite zum Thema Adoption geschaffen hat und betreut und an all jene Diskussionsteilnehmer, die im Lauf der Jahre einen Austausch zum Thema Adoption mit mir gepflegt haben. Nur in der direkten Kommunikation mit anderen Betroffenen war mir mein eigener Ausdruck in dieser Form erst möglich!!!


24.12.2005 - 08:23: RE: AK als Berater für AE
liebe nicola,
wie ich kuerzlich schon zu einer anderen forumsteilnehmerin in aehnlichem zusammenhang aehnlich sagte, ich masse mir nicht an, persönlichkeit, lebensumstaende, aktualitaeten und zukunftsperspektiven eines menschen in diesem forum zu beurteilen und dazu einen kommentar abzugeben. weder habe ich hellseherische faehigkeiten noch ist dies meine aufgabe hier. ich schreibe UEBER MICH SELBST!!!!
als adoptierte, die wundervolle a-eltern hatte, und die diese nach wie vor sehr, sehr liebt, obwohl sie schon jahrzehnte lang tot sind (kannst du vielen meiner kommentare entnehmen), weiss sehr wohl, was es heißt, ein GUTES zuhause erhalten zu haben. ich weiss - heute, nach jahrelanger systematischer befassung mit dem thema adoption, meiner adoption - aber genauso, dass die bewusste ausblendung/ausloeschung der herkunftsidentitaet und der herkunftseltern auf mich massivst gesundheitsschaedigende auswirkungen hatte. jede symbolische vernichtung und herabwuerdigende behandlung meiner herkunftseltern, durch wen auch immer, hatte symbolische vernichtung und herabwuerdigung meiner person zur folge. dass in der bewussten auseinandersetzung mit den eigenen h-eltern auch der punkt kommen kann, an dem man/frau distanz zu ihnen sucht, schliesse ich gerade auf grundlage meiner eigenen erfahrungen nicht aus, aber es MUSS fuer eine/n adoptierte/n die moeglichkeit einer konstruktiven form der befassung mit den h-eltern geben, eine einigermassen gesund verlaufende psychische und intellektuelle entwicklung braucht das. und viele geschichten von reunions erweisen sich als erloesend, befreiend und ausserordentlich bereichernd sowohl fuer die adoptierten als auch die herkunftseltern (aber auch fuer so manche h-verwandten, auch hier weiss ich wovon ich spreche, denn ich habe zu einigen wenigen h-verwandten einen sehr schoenen kontakt in zwischen!!!), und ich denke, die mehrzahl der reunions wird eher positiv verlaufen, wenn dem auch eine chance gegeben wird!!!! (auch ich habe seinerzeit meinen h-eltern sehr wohl positive chancen gegeben, mehrfach ...)
auch die hier herinnen gelegentlich eingebrachte alternative entweder abtreibung bzw. psycho-intellktuelle- oder gar (in aermeren laendern) in jeder hinsicht totale vernaechlaessung in einem heim bzw. auf der strasse ODER aber adoption zu den dzt. HERRSCHENDEN regeln und regelungen kann ich in dieser form nicht wirklich als gute grundlage fuer einen fruchtbaren austausch akzeptieren, weil dies ganz einfach - insbesondere - emotional unglaublich ERPRESSERISCH auf mich als adoptierte wirkt, nach dem motto: vogel friss oder (buchstaeblich!!!) stirb! auch die hier gelegentlich geaeusserte "praxis", den adoptierten wieder mit rueckgabe ins heim etc. zu drohen (mit worten und auch taten), halte ich fuer einen grausamen barbarischen disziplinierungsakt einem bereits genau in diesem seelenbereich traumatisierten kind/menschen gegenueber. beim denken an derartiges befaellt mich sogar jetzt, wo ich darueber schreibe, ein gewisser ekel!!!
ich WEISS, was es bedeutet, MEHRFACH ALLES zu verlieren, MEHRFACH ENTWURZELT zu werden, VON ALLEN SEITEN EBENFALLS MEHRFACH FALLENGELASSEN ZU WERDEN etc.etc.etc. WAS VERLASSENWERDEN ANLANGT, BIN ICH ALSO TATSAECHLICH EINE MEHRFACH TRAUMATISIERTE ...
meinen a-eltern mache ich keinen vorwurf, dass sie hier nach heutigem kenntnisstand "nicht optimal" gehandelt haben, denn sie waren eben in ihre eigene zeit und sozietaet eingebunden, haben aber im rahmen ihrer moeglichkeiten und nach ihrem gewissen DAS ALLERBESTE fuer mich getan. unter geaenderten rahmenbedingen (andere regelungen fuer adoption) haetten sie - da bin ich ganz sicher - EBENFALLS das allerbeste fuer mich getan, denn es ging ihnen in erster linie um MICH und NICHT UM SICH SELBER!!!!
liebe nicola, ich hoffe von herzen fuer dich, dass du ebenfalls EIN SCHOENES ZUHAUSE HAST, MENSCHEN dich familiär umgeben, , DIE DICH LIEBEN, ACHTEN UND EHREN, und dass DIR DIES IMMER ERHALTEN BLEIBT!!!!!!!!!!
FROHE WEIHNACHTEN
margaretha rebecca

21.12.2005 - 23:11: RE: Ado-Forum – Sinn oder Unsinn
jedem einzelnen dieser kinder wuensche ich ein GUTES zuhause. als adoptierte, die ebenfalls aus einer katastrophensituation heraus zu pflege- bzw. spaeteren mich sehr liebenden a-eltern geholt wurde von diesen, bin ich u.u. auch FUER ADOPTIONEN. ABER: das adoptierte kind soll seine herkunftsidentität behalten, es soll sichergestellt sein, dass die leiblichen eltern weder rechtlich noch sozial aus dem leben des kindes ausgeloescht werden, die herkunftseltern sind mit achtung und wuerde zu behandeln, auch ihre rechte, im leben des kindes auf sinnvolle weise praesent zu bleiben, sollen sichergestellt werden.
irma hat es hier einmal sehr treffend gesagt, ich zitiere sie dem sinn nach: "wenn kinder so unsagbar vieles verlieren (und die leiblichen eltern und familien zu verlieren, aus welchen gruenden immer, gehoert zum schlimmsten im leben eines menschen, sage ich dazu - mr), wieso muss ihnen im zuge einer adoptIon auch noch ihre identitaet geraubt werden." wieso wird nicht AUTOMATISCH ALLES AN INFORMATIONEN SICHERGESTELLT UND SONSTIGEN REGELUNGEN IMPLEMENTIERT, die - zumindest spaetestens ab der volljaehrigkeit des a-kindes - kontaktnahmen als selbstverstaendlich vorsehen, wenn gewollt. ich denke, dass unter solch geaenderten voraussetzungen auch kuenftige a-eltern mit voellig anderen einstellungen, erwartungen etc. in eine adoption hineingehen. ES MUSS EIN ENDE FINDEN, DASS EIN VERLASSENES KIND EIN ANDERER MENSCH WERDEN MUSS, UM BESSERE LEBENSBEDINGUNGEN (emotional, sozial, materiell) ZU ERHALTEN. das ist absolut unmenschlich. sollte es notwendig sein, so kann diese ursprungsidentität auch gewissermassen ummantelt werden, aber sie darf NIEMALS AUSGELÖSCHT WERDEN!!!!
(...) margaretha rebecca

18.12.2005 - 19:34: RE: Hilfe
liebe sabine,
du bestaetigst mir, dass du/ihr euch jetzt einmal um euch selber kuemmern muesst. da sind schmerz, trauer, enttaeuschung in euch, und so lange das in euch ist, ist bestimmt kein platz fuer ein kind fremder, das mit seiner eigenen geschichte zu euch kommt und mit dieser ernst genommen werden will!!!!
es ist schoen, dass ihr auch bereit waert, einem fremden kind ein zuhause zu geben, aber adoption sollte kein worst-case-szenario sein und das adoptierte kind kein worst-case-troubleshooter ... das adoptierte kind sollte auf keinen fall lediglich die lösung fuer den "schlimmsten fall" sein ...
adoption fordert hoechstes niveau in jeder hinsicht, denn probleme - adoptionsspezifische versteht sich (und sonstige natuerlich auch) - bleiben im gemeinsamen leben mit einem adoptierten kind bestimmt nicht aus ... und wenn ihr adoptiert, dann soll es euch mit diesem kind fremder, das nur als dieses euer kind werden kann, es soll einfach ALLEN beteiligten gut gehen, auch den herkunftseltern, die mit wuerde zu behandeln sind und nicht aus dem leben des kindes getilgt werden duerfen ...
UND DAFUER BRAUCHT MAN/FRAU SEHR VIEL MUT UND KRAFT ...
auch ein leben ohne kind kann ein sinnerfuelltes leben sein!!!!!
liebe gruesse und alles gute
margaretha rebecca

17.12.2005 - 23:12: RE: Hilfe
liebe sabine,
ich denke, JETZT ist nicht die zeit fuer euch, um ueber eine adoption nachzudenken. du/ihr braucht jetzt qualifizierte unterstuetzung dahingehend, eure trauer über den unerfuellten wunsch nach einem eigenen leiblichen kind zu durchleben, emotional und intellektuell zu verarbeiten, dass dieser wunsch wahrscheinlich niemals in erfuellung gehen wird. und erst dann, wenn ihr euch ausreichend euch selber zugewandt habt, euch seelisch etc. stabilisiert habt, koennt ihr vielleicht beginnen, ueber die moeglichkeit einer adoption nachzudenken. denn ihr nehmt im rahmen einer adoption ein fremdes kind fremder eltern bei euch auf, welches eine eigene identitaet hat, leibliche eltern hat und welches - das sage ich als adoptierte - ein recht hat auf diese seine eigene aus seiner leiblichen herkunft resultierende identitaet, das ein recht hat auf kommunikation seiner von euch unabhaengigen geschichte hat, da sie in das kind eingeschrieben wurde, BEVOR ihr in sein leben tretet ...
auf eine ADOPTION muss man sich ausserordentlich gruendlich vorbereiten ...
und wenn ihr wieder kraft habt, frei seid von euren eigenen problemen, koennt ihr euch an das wagnis, ueber adoption ernsthaft nachzudenken, machen ...
ich wuensche dir/euch alles gute
margaretha rebecca

17.12.2005 - 02:59: RE: AK als Berater für AE
ich bekenne: ich war gezwungen, "der luege zu leben" ...
ich hatte die vielen luegen, die mir meine rolle im adoptionsspiel, welches in der tat ein gross angelegtes gesellschaftsspiel ist (übersehen wir hier sowohl auf personeller wie auch gesellschaftlicher ebene nicht die "mistkübelfunktion" der institution adoption und die gerade daraus resultierenden speziellen folgen fuer a, ak und h, denn es werden hier ja auch gezielt "unliebsame geschichten" "entsorgt"; um diesem negativimage gezielt zu entkommen, wird ja auch der "besonderheits"-kultus, der "erwaehlungs"-kultus etc. als emotionale und intellektuelle gegenmassnahme installiert und praktiziert, wird ein spezieller "qualifikationsmarathon" durchgefuehrt, um dem ganzen wieder gesellschaftsakzeptable werte zu verpassen ... dass ich behördliche kontrollmassnahmen, aufklaerungs- und vorbereitungsschritte, korrekte durchführung etc. im rahmen eines fuer ALLE seiten GUTEN - kann ich andermal ausfuehren, was ich damit meine, z.b. wahrung der wuerde auf allen seiten etc. etc. - adoptionsvorganges befürworte, versteht sich von selbst, schliesslich bin ich keine adoptionsgegnerin, ich bin lediglich eine gegenerin von entehrenden, entwuerdigenden, ausbeuterischen und illegalen adoptionspraktiken), , leider eines mit geradezu "toedlichem" hintergrund und ernst, abverlangt hat, vielleicht weil es fuer mich eben ein "ueberlebensspiel" war und ist, so tief internalisiert, dass ich sie allzulange fuer "meine wahrheit" gehalten habe ... unter dem diktat der ausblendung von herkunftsidentität und -geschichte (in den verschiedenen "spielarten"), welches mich geistig, sozial, emotional quasi auf das niveau einer "neu zu formatierenden und formatierbaren festplatte" reduzieren half (allerdings unterschaetzen hier alle beteiligten die dbzgl. widerstandskraft des menschen selbst!!!!!!!!!), hat das absolut pervertierende folgen für mich als adoptierte gehabt, war meine adoption auf zentralen ebenen meiner person einer ungeheuerlichen DAUERVERGEWALTIGUNG gleichzusetzen, welche in eine ebenso UNUNTERBROCHENE SELBSTVERGEWALTIGUNG - hat das gar mit dem sog. "stockholm-syndrom" (habe ich da den richtigen zusammenhang hergestellt? jene, die es fundierter wissen, moegen dazu etwas sagen!) zu tun - mündete, (und das kann man/frau sich ja auch nicht gleich eingestehen, das verlangt einem dann schon unglaubliche kraefte ab, und auch ... mut ... zu sich selber ... denn ich kann es nicht als die beglueckendste erfahrung und erkenntnis meines lebens bezeichnen, zu erkennen, WELCHE ARTEN VON ROLLE/N ich in diesem - wenn nicht einmal mit der echten wahrheit dazwischengefahren wird - neverending game gespielt habe und spiele (da sind ganz schoene demuetigungen verpackt, auf den verschiedensten ebenen, tut weh weh und immer wieder weh, sich das vor augen zu fuehren ...) ...
und immer besser verstehe ich inzwischen die rolle/n, welche den herkunftseltern in diesem "spiel" zugedacht ist/sind ... und ich verstehe die ohnmaechtige wut und den stummen aufschrei auf der herkunftsseite immer besser und besser ... denn auch hier ist ein symbolischer vernichtungsvorgang am werk ... und herkunftseltern ersuche ich gleichzeitig um verstaendnis fuer die nicht selten vorgetragenen vorwuerfe durch ihre adoptierten kinder an sie (wie mir dies kuerzlich mitgeteilt wurden), denn auch das leben in einem goldenen prachtkaefig bringt u.u. enormes leiden mit sich!!!!
ich fuer mich bin endlich aus diesem entsetzlichen "adoptionsspiel" ausgetreten, ICH HABE DAS DAZUGEHOERIGE GESELLSCHAFTLICHE TABU GEBROCHEN UND MICH BEWUSST IN GEGENSATZ ZU DEN DIESBEZUEGLICH HERRSCHENDEN GESELLSCHAFTLICHEN INTERESSEN GESTELLT (das bekomme ich schon zu spueren, das darf man/frau mir glauben!!!!) UND MIR SELBST UND F R E I W E I L L I G EIN LEBEN IM GESELLSCHAFTLICHEN RANDBEREICH G E W A E H L T, UND ES IST ENDLICH M E I N E WAHL, ZUM ERSTEN MAL BIN ICH DER S O U V E R Ä N MEINES LEBENS. ich bin nicht mehr teil einer inszenierung und keine choreographen geben mir mehr exakt vorgezeichnete bewegungsablaeufe vor ... ICH VERZICHTE AUF VERLOCKENDE KÖDER, MIT DENEN ICH GEFANGEN GENOMMEN WERDEN KANN UND SOLL UND MIT DENEN ICH SCHLIESSLICH GNADENHALBER A B G E S P E I S T WERDEN SOLL ... NACH DEM MOTTO: SEI FROH DASS DU LEBST UND DASS ES DIR SO GUT GEHT ...
ich geh jetzt meinen eigenen weg in mein eigenes leben hinein, ein leben, das nicht ohne seine ausgangsbedingungen, seine anfangsgeschichte zu erfuehlen, zu denken und zu interpretieren ist!!!! UND NIEMALS WIEDER WILL MIR DIESES M E I N E I G E N E S LEBEN VON IRGENDJEMANDEM WEGNEHMEN LASSEN!!!!
... und ... bei alle dem bleibt die liebe zu meinen a-eltern und es darf endlich meine liebe wachsen zu meiner leiblichen herkunft ... UND ENDLICH DARF ICH ICH SEIN ...
margaretha rebecca

16.12.2005 - 19:21: RE: AK als Berater für AE
... schrieb:
Das Tabu ----
liebe ...,
vielen dank fuer diese deine information, die mich zu einem starken nachdenken veranlasst, mir neue perspektiven zum thema adoption aufzeigt ...
ich werde mich wohl noch sehr, sehr intensiv mit dem thema auseinandersetzen muessen, um mehr und mehr zu verstehen ...
uebrigens: ich habe gar nicht gewusst, dass swientek von "adoptionsspiel" schreibt ... ich habe diesen begriff bei meinem ganz eigenen nachdenken ueber mich und mein leben fuer mich gefunden ...
ein schoenes wochenende
margaretha rebecca

12.12.2005 - 20:49: RE: AK als Berater für AE
stillende adoptivmuetter und -vaeter ...
beim gedanken, dass meine - von mir nach wie vor so sehr geliebte mama (a-mutter) mich versucht haette zu stillen, merke ich, dass mir im kopf ein bisschen uebel wird ... (zugegebenermassen auch mit dem hintergedanken an mein stillen meiner leiblichen tochter) ... mein gefuehl sagt mir, da wird ein grenze ueberschritten, vor der man besser ein wenig respekt haben sollte ...
ich war ein kind, das wochen- und monate um sein leben bruellte. lt. aussagen von menschen in meinem babyumfeld muss ich dermassen gebruellt haben die ganze zeit, dass meine - kraenkelnde - mama angst hatte, sie koennte es nicht schaffen mit mir. der hinweis einer verwandten "gebt dem kind ein ordentliches flascherl, die hat bloss hunger" (schliesslich kam ich einigermassen unterernaehrt bei meinen a-eltern an) duerfte mir mir das leben gerettet haben. man fabrizierte mir fläschchen, so viele ich wollte und mir gut taten, jahrelang. noch im alter von sechs (!!!!) jahren habe ich sogar bei nachbarn glueckselig versteckt in einem kasten oder unter einer couch-decke mein fläschchen getrunken ... ich erhielt körpernaehe in innigstem und ausreichendsten mass ... und DIESBEZÜGLICH hat es mir absolut an nichts gemangelt (auch ich selber war als mutter einer leiblichen tochter stets faehig ihr körpernaehe zu geben!!!) ... dbzgl. sind meine erinnerungen tatsaechlich himmlisch und noch jetzt beim dran denken durchdringt mich ein gluecksgefuehl ...
aber gestillt werden von meiner mama, also das kaeme mir ein wenig "pervers" vor ...
koennte es sein, dass man/frau mit solchen aktionen AUCH dokumentieren will, WIE UEBERFLUESSIG HERKUNFTSELTERN EIGENTLICH SIND? einmal durch den adoptionsvorgang AUSGESCHALTET aus dem leben des kindes, sollen sie RESTLOS VERSCHWINDEN, denn die a-eltern sind - auch das wird wohl vielfach versucht unter beweis zu stellen - auf ALLEN ebenen (nicht nur sozial, materiell etc., sondern auch biologisch) faehig und genauso gut wie die leiblichen eltern, wenn eben nicht eh besser ...
quod erad demonstrandum ...
margaretha rebecca

12.12.2005 - 19:44: RE: AK als Berater für AE
liebe katinka2005,
du kannst dich hier in JEDE diskussion einmischen, denn dies ist ein ÖFFENTLICHES forum!!!!
ich wuerde sagen, ich habe ueber viele jahrzehnte das von mir so bezeichnete "adoptionsspiel" geradezu ueberperfekt mitgespielt: ich mimte DAS KIND (wie ein leibliches) meiner a-eltern zu sein, ich internalisierte diese rolle bis in die innerste faser meines wesens; ich interessierte mich demonstrativ nicht fuer meine leibliche herkunft, denn sie war mir schlichtweg egal; ich bestätigte "der ganzen gesellschaft", wie gut es mir bei meinen a-eltern ging, und dass ich ja "die leiblichen" zu gar nichts mehr brauchte; ich erfuellte den a-elterlichen und gesellschaftlichen wunsch, aus mir "etwas vernuenftiges" zu machen (zumal es ja auch konkrete "gegenvisionen" gab, z.b. von meiner stiefmutter, leuten aus der nachbarschaft, die meinen eltern "profezeihten", was fuer ein verkommenes subjekt aus mir werden wuerde, zumal der apfel nicht weit vom stamm fallen werde ...) und wollte beweisen, dass sie "gute eltern" seien; ich wollte zeigen, dass sie recht hatten, mich aufzunehmen, indem ich "recht tat"; ... ich könnte diese aufzaehlung endlos fortsetzen ... WARUM tat ich es in der HAUPTSACHE? ... WEIL ICH NICHT MEHR VERSTOSSEN WERDEN UND IN LEBENSGEFAHR GERATEN WOLLTE (am anfang meines lebens war ich das naemlich einige monate lang) ... WEIL ICH GELIEBT WERDEN WOLLTE ... WEIL ICH EIN NORMALER MENSCH SEIN WOLLTE ... WEIL ICH DAZUGEHOEREN WOLLTE ... etc.etc.etc. missglueckte REUNIONS mit meinen leiblichen eltern (ich wurde zweimal gefunden, und das hoert sich romantisch und wundervoll an, war es leider ganz und gar nicht) schien all das nur zu bestaetigen ...
ICH WOLLTE NUR NOCH DAS KIND MEINER A-ELTERN SEIN UND ALLES IM ZUSAMMENHANG MIT MEINER LEIBLICHEN HERKUNFT VERGESSEN VERGESSEN VERGESSEN ... WOLLTE MICH AUF MEINE EIGENEN LEBENSZIELE KONZENTRIEREN ...
allerdings liessen mich gesundheitliche probleme seit - 1973 - nicht mehr los und ich begann 2001 eine psychotherapie (zuvor waren derartige versuche fuer das adoptionsthema in meinem leben nicht fruchtbar geworden!!!!), und das brachte DIE WENDE im UMGANG MEINER SELBST MIT MIR SELBST ... nun lernte ich erstmals, MICH UND MEIN SPIEGELBILD WAHRZUNEHMEN UND AUSZUHALTEN ... ERST JETZT (und zuvor im kontinuierlichen briefverkehr mit einer anderen adoptierten) FING ICH AN, MICH SYSTEMATISCH UND KONTINUIERLICH MIT DER GESCHICHTE MEINER ADOPTION UND IHREN IMPACTS IN MEIN LEBEN zu befassen und ich konnte und kann mein leben von anderen geistigen standorten aus betrachten und interpretieren ... WAR ALLES IN ALLEM EIN AEUSSERST SCHMERZHAFTER BEFREIUNGSPROZESS ... MUSSTE MICH VON VIELEN ILLUSIONEN VERABSCHIEDEN ...
so viel dazu ...
das gesamte werk von ingeborg bachmann hat eine grosse geistige bedeutung für mich, selten haben mich gedanken so tief beruehrt und inspiriert wie die ihrigen ...
weil ich als adoptierte so lange "der luege leben musste" (eine hier mitschreibende) ist aus mir eine geradezu fanatische (bis zur selbstschaedigung!) wahrheitssuchende geworden, deshalb gefaellt mir der satz "DIE WAHRHEIT IST DEM MENSCHEN ZUMUTBAR" so besonders gut ...
danke fuer dein nachfragen ...
margaretha rebecca

12.12.2005 - 16:39: RE: AK als Berater für AE
liebe ute,
da du mich direkt angesprochen hast, tue ich dies in umgekehrter richtung auch ...
zu deinen fragen ganz kurz:
1. der weg zu meinem ursprung ist nicht ausschliesslich einer der biologie (stichwort "genetische wurzeln"), mein ursprung hat handelnde soziale wesen - meine leibliche eltern und familien - zur voraussetzung und somit geschichte. menschen, die gewissermassen "in mir stecken" (als geschichte, als gene), aber die mir fremd bleiben mussten, so lange ich keine form der kommunikation mit ihnen pflegte bzw. pflegen konnte. mit "ablehnung/entfremdug vom adoptionselternhaus" kann ich meine annaeherung an meine ursprungsgeschichte nicht in verbindung bringen. das ganze bringt mir mehr - auch sehr schmerzhaftes - wissen und somit zahlreiche neue perspektiven, woraus sich auch neue interpretationen ergeben ... erkenntnisse, von denen ich heute weiss, dass ich ihnen lange gezielt aus dem wege gegangen bin ... an meiner liebe zu meinen a-eltern hat sich aber dadurch nichts geaendert, denn ich erkenne auch sie als unter enormem druck stehende, in ihrer historizität eingebundene etc. etc. etc. ... und immer weiss ich, dass ich von ihnen geliebt wurde ... (dies können ja nicht alle adoptierten von ihren a-eltern behaupten)
2. "ueberangepasst", "überloyal" ... ute, ich masse mir keine "fundierte" einschaetzung deiner person, deiner befindlichkeit, deines verhaltens an, das steht mir gar nicht zu und es ist auch nicht meine aufgabe ... allerdings lese ich sehr interessiert deine beitraege hier und aus dem einen und anderen meine ich, "gewisse" rueckschluesse auf meine eigene person ziehen zu koennen ... und ausschliesslich ueber mich selbst schreibe ich ... ich habe nichts dagegen, wenn dies in anderen hier mitlesenden assoziationen ausloest, die einen nachdenkprozess anregen ...
du bist adoptierte, und wenn dir deine sachlich-analytische art, die dinge deines lebens intellektuell zu verorten, hilfreich ist, dein leben positiv zu gestalten, so freut mich das ... die vernunft kann eine grosse hilfe sein ... aus meinem leben wiederum weiss ich, dass ich zwar mich mithilfe meines intellekts, der vernunft etc. mit aller kraft und macht "ueber wasser" gehalten habe, dass ich mich aber mit meiner seinerzeit absolut ueber steigerten "anbetung" der rationalitaet, die ihre "reduktionistische" "überhoehung" in einer erscheinungsform der "dementia rationalis" erfuhr regelrecht in einen sinnlosigkeits-abgrund manoevriert habe ... dass ich heute zu den "dingen des verstandes und der vernunft" - bei aller wertschaetzung - ein einigermassen gelaeutertes verhaeltnis habe, versteht sich von selbst ...
margaretha rebecca

12.12.2005 - 13:27: RE: AK als Berater für AE
adoptionsverarbeitung ...
aus eigener erfahrung ist mir bestens bekannt, dass die intellektuelle, emotionale etc. verarbeitung der eigenen adoption den gesetzen der gezeiten des lebens gehorcht ... in meinen 20ern habe ich andere strategieen gehabt als 10 jahre spaeter, wieder andere noch einmal 10 jahre spaeter ... und ich schliesse auch bei mir selber nicht aus, dass sich sogar noch in meinem weiteren leben daran etwas aendern kann ...
gelächelt habe ich über "das leben", "die dinge meines lebens" schon sehr, sehr viel in meinem leben (kam mir intellektuell sagenhaft überlegen vor, mathematik war schliesslich eines meiner lieblingsfaecher), beim erkenntnis-tauchgang, der mich zu den ur-gruenden meines da-so-und-ueberhaupt-seins führte, ist mir dann doch ueber weiteste strecken das lachen ganz und gar vergangen ... heute laechle und lache ich ueber anderes ... am liebsten lache ich ganz herzhaft ueber wirklich lustiges ... denn immer noch lache ich gerne!!!!!
jedenfalls war ich jahrzehnte lang ein "ueberangepasstes", "dauerdankbares", "ausschliesslich a-eltern loyales", "übervernünftiges", gelegentlich geradezu lächerlich "überhebliches", und dennoch so "braves" a-"kind", mit dem wohl so die meisten a-eltern ihre reinste freude gehabt haetten ... bin ich bestimmt nicht die einzige gewesen :-))))
lange hat es gedauert, bis ich "den mut zu mir selbst" gefunden habe ... moege er mich nie mehr verlassen ...
margaretha rebecca

11.12.2005 - 14:15: RE: AK als Berater für AE
... naehe und distanz ...
1. ich kam im alter von ca. 7 monaten in verheerender gesundheitlicher verfassung zunaechst als pflegekind zu meinen spaeteren a-eltern ... bis heute bin ich froh und gluecklich, dass sie mir innigste emotionale naehe gegeben haben, denn wesentlich dies erst machte mich - nach monatelanger schwerster vernachlaessigung - zu einem bindungsfaehigen und liebesfaehigen menschen ...
2. allerdings wuensche ich mir heute, dass sie mir diese naehe als dem menschen gewaehrt haben, DER ICH VON DER GEBURT HER BIN, ALS DEM KIND MEINER LEIBLICHEN ELTERN, VON DENEN ICH ELTERLICHE ZUWENDUNGEN ZUERST GEWUENSCHT UND GEBRAUCHT HAETTE ...
3. ZU KEINEM ZEITPUNKT WAR ICH AUSSCHLIESSLICH "IHR KIND", SOGAR DANN NICHT EINMAL, ALS ICH SCHON PERFEKT GELERNT HATTE, "SO ZU TUN ALS OB ICH ES SEI ...", DENN ZU JEDEM ZEITPUNKT HATTE ICH KONKRETE LEIBLICHE ELTERN UND FAMILIEN (fern und gelegentlich naeher), TEILTE ICH NUR MIT MEINEN LEIBLICHEN ELTERN UND FAMILIEN DIE GESCHICHTE MEINES HEREINTRETENS IN DIESE WELT UND DIE ERINNERUNG DARAN WAR - HINTER EINER UNDURCHLAESSIGEN WAND DER TOTALVERDRAENGUNG - ABGESPEICHERT IN MIR, HATTE ICH PSYCHISCHE, SOZIALE, BIOLOGISCHE etc. EIGENSCHAFTEN VON IHNEN IN MIR, AN MIR ... JEDER BLICK IN DEN SPIEGEL MUSSTE MICH DARAN ERINNERN (habe ich vielleicht deshalb waehrend meiner pubertaet aus so vielen meiner fotos mein gesicht herausgeloescht, weil ich nie gelernt hatte, in positiver weise dazu zu stehen, weil ich zu perfekt mitspielen musste, das kind anderer, fremder zu sein?) ...
4. haette ich selber ein a-kind, so wuerde ich es NIEMALS als AUSSCHLIESSLICH "mein kind" denken, empfinden und bezeichnen ... ich wuerde ihm mit allen mir zu gebote stehenden mitteln zu verstehen geben, dass es das kind seiner eigenen leiblichen eltern ist und immer bleiben wird (mit allem, was dazu gehoert, worauf es stolz sein darf und geachtet und respektiert wird!!!!), und dass es als dieses kind auch "mein" kind ist und von mir alle liebe erhaelt, zu der ich faehig bin ... ich wuerde mich AUCH in einer fuer das kind GESUNDEN DISTANZ halten, emotional, geistig etc. etc. ...
5. TOTALVERNACHLAESSIGUNG UND TOTALVEREINNAHMUNG AUF SAEMTLICHEN EBENEN haben in MEINEM leben dazu gefuehrt, dass ich mich bis zum heutigen tag in einem etwas "kuriosen" spannungsverhältnis von naehe und distanz in saemtlichen menschlichen beziehungen befinde ... vor allem tue ich mir besonders schwer, mich vor "vereinnahmungen" durch andere menschen zu schuetzen ...
6. dies alles will ich AUCH meinen so sehr geliebten a-eltern sagen ...
margaretha rebecca

09.12.2005 - 18:59: RE: AK als Berater für AE
"Ich denke es geht bei diesem Feiertag nicht vordergründig darum dich an Deine Herkunftsfamilie zu erinnern, ..."
AN DEN HERKUNFTSELTERN (und zwar an BEIDEN) UND SOMIT AN DEN HERKUNFTSFAMILIEN FÜHRT KEIN EINZIGER WEG VORBEI, WEDER FÜR NICHTADOPTIERTE NOCH FÜR ADOPTIERTE ... DURCH SIE SIND WIR IN DIESE WELT GEKOMMEN ...
an meinem geburtstag kann und will ich - adoptierte - an niemand anderen denken als an meine leiblichen eltern und deren familien (auch wenn ich persönlich nicht besonders gerne an sie denke!!!) ...
dass ich mich freue, durch meine a-eltern in eine neue, mir wohlwollende familie hineingenommen worden zu sein (nun blende ich einmal ganz bewusst all die negativen begleiterscheinungen meiner adoption aus), steht auf einem völlig anderen blatt meines lebens ...
in ihrer existentiellen bedeutung für mich und für meinen wunsch, mich auch als ihr kind positiv zu identifizieren, sind allerdings meine leiblichen eltern (mutter UND vater) DURCH ABSOLUT NIEMANDEN zu ersetzen!!!
margaretha rebecca

09.12.2005 - 13:24: RE: AK als Berater für AE
@katinka2005
ich - adoptierte - habe mich schon vor vielen jahren gefragt, ob ich selber adoptivmutter sein möchte und könnte, und ich konnte und kann die frage nur mit einem klaren JA beantworten. allerdings wollte ich immer schon - und würde das auch heute tun - das kind MIT SEINER HERKUNFTSIDENTITÄT UND SEINER GESAMTEN GESCHICHTE auf- und annehmen!!!! ich kann die frage nicht beantworten, ob ich dieser besonderen herausforderung wirklich im interesse des kindes positiv hätte entsprechen können. eines weiss ich aber genau, nämlich dass ich fehler bestimmt nicht hätte vermeiden können, und noch eines weiss ich - auch aus meiner bestehenden erfahrung als mutter einer leiblichen tochter - , dass ich mir eben größte mühe gegeben hätte, der besonderen situation einigermassen gerecht zu werden ... (tun ja im grunde die meisten!!!)
margaretha rebecca

03.06.2005 - 10:28: RE: Jugendamtfrust
hallo margareta,
anjas beitrag zeigt mir einmal mehr und macht ganz, ganz deutlich, in welch STARKER position IN RELATION ZUM GGF. ZU VERMITTELNDEN KIND adoptionswerber sind, und deine aussage macht mir erschreckend deutlich, in welch AUSGELIEFERTER position das "in frage kommende" kind ist ... "niemand wollte mich ..." ... auch mich wollte ja seinerzeit niemand (wahrscheinlich aus anderen gruenden als bei dir), und auch ich hatte schliesslich nur eine einzige chance (u.a. auf das nackte ueberleben), naemlich, dass meine (spaeteren) a-eltern mich (die ich in katastrophaler gesundheitlicher verfassung war) mit zu sich nahmen, und es "wagten", wie du bezeichnend in bezug auf dich sagst ... auch meine a-eltern haben mit sicherheit fehler gemacht (in ihren konkreten auswirkungen auf mich allerdings weniger schwerwiegende als meine leibl. eltern!!!), das haengt allerdings mit dem "schwierigen" gesellschaftlichen status von adoption und pflege zusammen. und meine a-eltern waren (moeglicherweise im unterschied zu manchen anderen a-eltern ihren a-kindern gegenueber) in der emotionalen lage, mir aufrichtige liebe zu schenken, denn dass ich von ihnen tief (und auf existentieller ebene durchaus um meiner selbst willen) geliebt wurde, daran musste ich niemals zweifeln. wie du also, erhielt ich erst eine chance "auf leben" und ein einigermassen menschenwuerdiges leben (als tochter meiner a-eltern), weil da zwei menschen "ohne wenn und aber" ja zu mir gesagt, mich muehevoll gesund gepflegt und - zumindest mich - liebevoll aufgezogen haben. bei mir hat meine lebens-ausgangslage bewirkt, dass ich buchstaeblich ALLES tat, um bloss nicht wieder verstossen/weggeschmissen zu werden: ich bin das kind geworden, das man sich von mir erwartet hat, habe mich ueber- und ueberangepasst, habe erwartungen um erwartungen erfuellt, habe meine gesamte person disponibel gemacht fuer diese ueberlebensstrategie ... obwohl ich eine wunderschoene zeit als kind bei meinen a-eltern erlebte, war ich auch gleichzeitig eine an diese welt (die mir ja zunaechst fremd war und ... die meinem wesen, das ich von meinem ursprung her war, tief drinnen fremd BLIEB ... und das macht wohl den grossen unterschied zur familialen verbundenheit, die durch biologische verwandtschaft begruendet wird) AUSGELIEFERTE ... DENNOCH: ich bin nach wie vor GLUECKLICH, dass ich in der liebe meiner (a-)eltern aufwachsen konnte, dass sie mich adoptiert haben und mir auf diese weise zumindest so viel sicherheit (sozial, rechtlich etc.) gaben und geben, wie ihnen das eben moeglich war ... aber heute wuensche ich, ich haette all das von ihnen erhalten koennen als der mensch, der ich VON DER GEBURT (inkl. meiner ursprungsidentitaet) HER BIN. in meinem konkreten fall war es eine ueberlebensnotwendigkeit, diese meine geburtsidentitaet zunaechst ZU VERBERGEN (und ich schliesse nicht aus, dass dies bei anderen kindern ebenfalls der fall sein kann), aber "innen" haette sie - durchaus auch auf rechtlicher ebene!!! - im zuge des aufwachsens irgendwie (ja, natuerlich, die frage ist, WIE denn) erhalten bleiben und kommuniziert werden sollen, mit der je altersgemaessen vermittlung der wahrheit ueber meinen ursprung) ... heute wuensche ich mir, dass ich alles, was mir meine - so sehr und ueber alles von mir geliebten - (a-)eltern im laufe meines aufwachsens bei ihnen geschenkt haben, als der mensch erhalten haette sollen, DER ICH VON DER GEBURT HER BIN, dann haette ich bleiben koennen, die ich immer schon war, und waere nicht in jene identitaets-zerreissprobe hineingeraten, die mein leben ueber jahrzehnte buchstaeblich zerfetzt hat. auch als kind meiner leiblichen eltern bin ich - liebend gern - das kind meiner (a-)eltern!!!!! und rueckblickend muesste ich all das schoene, das ich erlebt habe, nicht AUCH noch als quelle unausgesetzter traumatisierungen erkennen (das tut mir naemlich besonders weh!!!!) ... aber auch hier: NICHTS kann mich von meinen (a-)eltern trennen, wie mich - auf anderer ebene - NICHTS von meinen leiblichen eltern trennen kann ...
liebe gruesse
margaretha rebecca

02.06.2005 - 22:57: RE: irgendwann verzeihen?
hallo margareta,
das mit dem verzeihen ist so eine sache ... mir ist es phasenweise auch immer wieder so ergangen, dass ich sehr heftige negative gefuehle v.a. in richtung leiblicher eltern hatte. krass gesagt, wollte ich sie sogar restlos vergessen. mit genau diesem ansinnen habe ich eine therapie begonnen ... gut, es ist dank bester therapeutischer begleitung dann anders gekommen ... heute bin ich allmaehlich dort, dass ich mit dem wissen, was mir meine leiblichen eltern angetan haben, leben kann, ohne permanent in heftigere gefuehle zu geraten. ich kann auch wieder ihre positiven anteile in ihren persoenlichkeiten und an meinem leben zur kenntnis nehmen ... ohne sie gaebe es mich schliesslich nicht in dieser welt ... ich habe meine erfahrungen mit ihnen - eben bestens therapeutisch begleitet - haarklein aufgearbeitet ...gelegentlich fasse ich es immer wieder nicht, dass diese leute nacht fuer nacht ruhig schlafen konnten und koennen bei allem, WAS sie mir da an negativ-"erbe" hinterlassen haben, sich befreit haben von problemen, die ICH nun verdauen MUSS ... aber ich bin an dem punkt angelangt, wo ich die starke emotionale bindung lockern will, ich will mich frei(er) machen von ihnen (und auch von all den anderen negativ-spendern in meinem leben) ... und ... klingt vielleicht kitschig ... aber ich bete gelegentlich fuer sie ... und weiss, dass auch sie einmal nach ihren taten gefragt werden und rechenschaft ablegen muessen ... aber ich will endlich frei sein ... MEIN EIGENES LEBEN ZU LEBEN ANFANGEN ...
margaretha, du wolltest wissen, wie es anderen adoptierten geht ... hier das meinige zu deiner frage ...
liebe gruesse
margaretha rebecca

02.06.2005 - 10:14: RE: Was bedeutet für euch adoptiert zu sein?
hallo jessica,
auch fuer mich hat adoptiert-sein viele jahre bedeutet, "etwas besonders" zu sein, und ... ich war dies zugegebenermassen sehr gerne ... allerdings war ich es NUR als tochter meiner a-mutter bzw. meiner a-eltern. so habe ich tief in meinem innern auch immer gefuehlt, dass ich "im grunde" "ein nichts" bin, ein gesellschaftliches nichts, und - im grunde - wollte immer - bis zum heutigen tag - gerade dieser mensch, der ich von der geburt her bin, geachtet und geliebt, etwas besonders sein ... was habe ich nicht alles angestellt, um dieser gesellschaftlichen vorgabe, "etwas besonders durch adoption" zu sein, zu entsprechen (superleistungen v.a. in in der schule etc.), und was habe ich nicht alles getan, ohne es zu wissen und bewußt zu beabsichtigen, um als der mensch etwas besonderes zu sein, der ich von anfang an bin ... und bin so oder so - v.a. fuer "die gesellschaft", fuer die meisten mitglieder dieser gesellschaft - geblieben, was ich von der geburt her war, aus ihrer sicht eine eben zu vernachlaessigende existenz mit "merkwürdigem hintergrund" ... so habe ich mich waehrend meines ganzen - diesbezueglich nicht reflektierten - lebens im "dauerprovisorium adoption" (v.a. aber nicht ausschliesslich auf identitaetsebene)in einer mehrfach schizoiden situation befunden, und dies nicht ohne konsequenzen ...
heute sage ich: JEDER MENSCH IST ALS DAS, WAS ER IST, VON DER GEBURT HER, IN SEINER INDIVITUALITAET, MIT SEINER GESAMTEN GESCHICHTE UND FUER DAS, WAS ER AUS SEINEM LEBEN GEMACHT HAT, ETWAS GANZ BESONDERES, VOR ALLEM GERADE FUER DAS, WAS ER ALS EINZIGARTIGES MENSCHLICHES GESCHOEPF (GOTTES SAGE ICH BEWUSST) VON SEINER GEBURT HER IST ... und als dieser mensch habe ich mein ganzes leben gelebt, auch als adoptierte, habe ich geschafft, was ich geschafft habe, als dieser mensch habe ich mein leben ertragen, gemeistert und geliebt, als dieser mensch habe ich - immer schon - meine a-eltern geliebt (es ist kein schuld- und dankbarkeitsdenken, das mich immer wieder offen meine liebe zu meinen a-eltern bezeugen laesst, denn auch davon habe ich mich inzwischen ziemlich radikal befreit!!!) ... UND ALS DIESER MENSCH BIN ICH ETWAS BESONDERES, WIE JEDER EINZELNE ANDERE MENSCH AUCH ... HEUTE MOECHTE ICH KEIN ANDERER MENSCH MEHR SEIN, ALS DER ICH VON DER GEBURT HER BIN, MIT ALLEM POSITIVEN UND ALLEM NEGATIVEN, WAS DAMIT VERBUNDEN IST, UND MIT DER GESCHICHTE MEINES GANZEN LEBENS ...
liebe gruesse
margaretha rebecca
p.s.: koennte es denn sein, dass adoptierte mit dem "besonderheits-kultus&quo t; intellektuell und emotional "gekoedert" werden sollen, soll er sie vielleicht - durchaus auch wohlmeinend - das trauma des verlassen-worden-seins, der vernichtung der ursprungsidentitaet vergessen machen und ihnen helfen, die grosse verachtung, der sie im lauf ihres lebens im adoptionsstatus begegnen, zu kompensieren?

02.06.2005 - 09:04: RE: ich bin adoptiert worden und brauche eure dringende hilfe *wichtig*
hallo sherry,
in kreta war ich wieder auf urlaub ... dort hab ich mir ein kleines "paradies auf erden", eine art "utopia" geschaffen im geiste ... jedenfalls ist kreta/griechenland ein ort, wo es eine kultur der liebe zum/r fremden (philoxenia) gibt, goettervater zeus selbst hat seine schuetzende hand ueber den/die fremde/n gelegt ... vielleicht ist das der tiefere grund, dass ich mich - die ich als adoptierte irgendwie wohl an den allermeisten plätzen der welt (grosse und kleine) fremd geblieben bin und bleiben werde - dort so besonders wohl fuehle :-)))
das mit dem hinterfragen des eigenen aussehens ist tatsaechlich immer wieder interessant. auch ich sehe naemlich meiner a-mutter sehr aehnlich und habe mich in der innigen beziehung mit ihr stark an sie angenaehert in meinem habitus. allerdings war ich dann geradezu verbluefft, wie wichtig mir die feststellung von aeusseren und inneren aehnlichkeiten/unaehnlichkeite n mit meinen leiblichen eltern und verwandten war und ich erst ueber das kennenlernen dieser menschen - wie ich es eben empfunden habe - existentielle bodenhaftung erhalten habe. mein da- und so-sein hatte eben KONKRETE gruende erhalten ...
sherry, ich bitte dich um folgendes: schliesse nicht von meinen erfahrungen eins zu eins auf deine geschichte. es besteht durchaus die sehr realistische moeglichkeit, dass du bei einer suche auf einen leiblichen vater, auf leibliche verwandte stoesst, die uebergluecklich sind, dich kennenzulernen. ich erzaehle meine geschichte nicht als abschreckendes beispiel fuer reunions, sondern lediglich als - sehr ernst gemeinten - hinweis, eben moeglichst umfassend das zu bedenken, was auf einen zukommen KOENNTE. auch ich habe durch die reunions positives erfahren, keine frage, aber aus heutiger sicht sage ich, ICH HAETTE ES SEIN SOLLEN, DIE SUCHT UND FINDET. denn ich waere um sehr vieles vorsichtiger an die ganze sache herangegangen, haette mir KEINE illusionen gemacht (die wurden naemlich mir eine weile gemacht, aber nicht um meinetwillen!!!!!). wie gesagt, mein beitrag soll dich nicht abschrecken, deine leibliche herkunft zu erkunden. und die usa empfinde ich nicht als negatives land, das will ich auch klar sagen, denn auch mir stuende dort die moeglichkeit offen, in meiner angelegenheit ein gericht um eine entscheidung anzurufen (frage ist, ob ich so weit gehen will). dass die us-gesetzeslage hinsichtlich "ihrer" besatzungskinder (illegitimate offspring) eher unfreundlich aussieht, spricht noch nicht gegen das land als ganzes!!!
du kannst mich auch gerne privat anmailen, wenn du moechstest: m-r.hopfner@gmx.at
jedenfalls wuensche ich dir alles liebe und gute und viel, viel kraft
margaretha rebecca

03.05.2005 - 10:45: RE: ich bin adoptiert worden und brauche eure dringende hilfe *wichtig*
liebe sherry,
meine eigene erfahrung (bin ebenfalls adoptierte, auch mein leibl. vater ist us-staatsangehoeriger und war besatzungssoldat in dtl.) hat mir schmerzlich bewusst gemacht, dass wir um die konfrontation mit unseren schmerzerinnerungen nicht herumkommen (wie gerne wollte ich mir das selber ersparen, wollten mir dies auch meine a-eltern - wohlmeinend - ersparen!!! im unterschied zu dir und wohl vielen anderen adoptierten hatte ich ueberaus liebevolle a-eltern!!!). fuer mich hat schliesslich nur dieser weg (habe psychotherapeutische unterstuetzung in anspruch genommen) zur befreiung meines ich gefuehrt. die erinnerungen werden immer da bleiben, aber aufgearbeitet fuehren sie kein unkontrollierbares eigenleben mehr, sondern du selbst hast die kontrolle ueber sie!!! wichtig ist sehr wohl, dass du dich auch waehrend dieses prozesses immer wieder auf positives besinnst und konzentrierst, denn von dort holst du dir die kraft, all das auszuhalten und dir ganz eigene schoene lebensbereiche zu erschliessen!!! fuer deinen weg auf deine leiblichen eltern zu hole dir nach moeglichkeit qualifizierten rat, damit du fuer alle eventualitaeten gut geruestet und geschuetzt bist.
alles gute dir und pass gut auf dich auf, sherry
margaretha rebecca

02.05.2005 - 14:12: RE: ich bin adoptiert worden und brauche eure dringende hilfe *wichtig* |
hallo sherry,
deine geschichte hat bei mir grosse betroffenheit ausgeloest ...
hier ein link (telefonbuch usa), der dir vielleicht in den usa weiterhilft:
http://www.anywho.com/
alles gute und verlier' niemals deinen lebensmut, denn es ist gut, dass du HIER in dieser welt bist, und du bist ganz was besonderes!!!!
margaretha rebecca

23.04.2005 - 10:15: RE: Jugendamtsrealität
liebe e(...),
danke fuer diesen deinen beitrag. ja, es geht auch mir immer wieder um das auffinden der authentizitaet in meinem denken und empfinden, um das - ueber so weite strecken so schmerzhafte - herausschaelen dessen, "was wahr ist" ... und da gehoeren eben all die "negativa" auch dazu ... aber es ist es wert, diesen weg zu gehen, denn nur er fuehrt zu uns selber ... mir war/ist es wert, diese "meine wahrheit" aufzufinden und auszudruecken, auch um den preis der distanzierung von menschen, die es lieber "gemuetlicher" mit mir haetten ...
es ist mir im zusammenhang mit deinem obigen statement auch noch eines in bezug auf meine eigene geschichte wichtig zu sagen: ich habe mir von den reunions zunaechst einmal UEBERHAUPT NICHTS ERWARTET, denn ich war/bin VIEL ZU STOLZ, UM ÜBERHAUPT IRGENDETWAS ZU ERWARTEN VON MEINEN LEIBLICHEN ELTERN, denn die demuetigung des weggeworfen worden seins (diese beschreibung der umstaende der weggabe trifft NUR auf meinen eigenen fall zu!!!) saß und sitzt TIEF in mir drinnen. ABER ES WURDEN MIR HOFFNUNGEN GEMACHT, die ich ALLMAEHLICH auch fuer mich zuliess, da ich seit dem tod meines a-vaters VOLLKOMMEN ALLEIN UND - mit ausnahme einer a-tante, die im kloster und deshalb auch im grunde "weit weg" war, dennoch hat ihre mentale praesenz viel gutes bewirkt!!! - OHNE JEGLICHEN FAMILIAEREN ANSCHLUSS UEBRIGGEBLIEBEN WAR (meine stiefmutter anlaesslich des todes meines a-vaters (da war ich gerade einmal 18 1/2 jahre alt!!!): "so, jetzt bist du erwachsen und musst selbstaendig in der welt zurechtkommen ..." ... ein wunder also, dass ich einfach weggegangen und schliesslich fuer immer weggeblieben bin von der der umgebung, in der ich aufwuchs?!!!) UND AUFGRUND INNERER UND AEUSSERER UMSTAENDE NICHT MEHR DAS IN MEINEM LEBEN UMSETZEN KONNTE, WAS ICH GERNE AUS MEINEM LEBEN GEMACHT HAETTE, ZIELE EBEN SO REALSIEREN, WIE ICH ES GERNE GETAN HAETTE ...
aber auch aus diesen nachmaligen enttaeuschungen und katastrophen habe ich schliesslich herausgefunden, habe trotzdem noch das eine und andere erreicht, und sage aus heutiger perspektive: VIELES HAETTE MIR SO, WIE ES AUF MICH EINGESTUERZT IST, NIEMALS PASSIEREN DUERFEN, denn es hat mich NOCH EINIGE MALE fast mein psychisches, soziales und materielles leben gekostet (denn auch "die gesellschaft" tut dann noch einiges dazu, um einem in siutationen der schwaeche den stiefel auf die gurgel zu setzen ...), und menschen in aehnlichen situationen sollten davor geschuetzt sein!!!
ein schoenes wo-ende wuensche ich dir
margaretha rebecca

15.04.2005 - 20:50: RE: Jugendamtsrealität
liebe sabeth,
ich komme erst jetzt dazu, dir zu antworten ... deine erfahrung mit dem jugendamt in deiner eigenen angelegenheit, deine interpretation der ereignisse respektiere ich selbstverständlich, und sie kommen mir absolut plausibel vor. was ich auch aus zahlreichen beitraegen ersehe, ist, dass mit den anliegen von adoptierten nicht gerade viel federlesens gemacht wird bei den aemtern und dass auch zahlreichen h-muettern einigermassen unangenehm mitgespielt werden duerfte. ich nehme alle diese berichte sehr, sehr ernst ... haette (aus meiner eigenen erfahrung heraus) vorher niemals gedacht, dass das moeglich ist!!!!!
wenn du mich nach einer klarstellung zu meinem beitrag fragst: ich habe - im unterschied zu wahrscheinlich vielen anderen adoptierten - meine reunions schliesslich als absolute lebenskatastrophen erleben muessen. konnte leider nicht selber suchen (ich plaediere auch aus diesem grund und aus vielen gründen mehr, dass adoptierte es sein sollen, die die suche initiieren, deren weg und tempo bestimmen ...), sondern bin zweimal im abstand von 10 jahren gefunden worden. es wurden mir von meinen leiblichen eltern jene geschichten ueber unsere gemeinsame geschichte erzaehlt, die SIE SICH zurechtgelegt hatten jeweils, die sich allerdings auch in wesentlichen punkten widersprachen (z.b. wer wann was gewußt hat zum zeitpunkt der schwangerschaft, rund um die geburt etc.). leider war ich es, die diese widersprueche herausfinden musste. meine leiblichen eltern und verwandten haben diese reunions in erster linie fuer sich selbst und ihre eigenen familien "veranstaltet", das war familien-image-politik, seelenkosmetik, sie wollten von mir absolution für das vergangene, aber sie wollten noch einmal nicht zu ihren verantwortungen mir gegenueber stehen, die es nach oesterreichischem recht gibt, und ich wusste damals gar nichts davon, sie mit ziemlicher sicherheit schon ... ich habe - nachdem ich an dem allem fast seelisch noch einmal krepiert bin - mich von ihnen losgesagt, mich abgewendet, wollte nur noch vergessen, vergessen, vergessen, mich meinen eigenen lebenszielen zuwenden ... aber so funktionierte es eben nicht ... und erst mit therapeutischer unterstuetzung habe ich es überhaupt das erste mal geschafft, meine jugendamtsakte ausheben zu lassen (bis dahin habe ich dies instinktiv vermieden!!!) ... und ... ich habe GESEHEN ... erst allmaehlich ....im laufe von monaten... ALLES gesehen ... naemlich eine ganz, ganz bestimmte unterschrift meiner leiblichen mutter ... und dann ERKANNT ... naemlich die wahrheit über meine ersten lebensmonate ... und in DIESEN MICH BETREFFENDEN DOKUMENTEN STAND LEIDER DIE WAHRHEIT ... und SIE DECKTEN DIE LUEGEN MEINER LEIBLICHEN ELTERN AUF ... LEIDER ... glaub mir, es tut immer wieder weh, wenn ich daran denke ... denn immer noch will ich meine leiblichen eltern AUCH in ihren positiven eigenschaften, auch in ihrem wohlmeinen mir gegenueber sehen ... aber wenn ich ihre/unsere wahrheit wirklich wahrhaben will, so gehoert auch dieses furchtbar NEGATIVE seite ihres verhaltens mir gegenüber dazu ... ich hasse deswegen meine leiblichen eltern NICHT, aber meine haltung ist die, dass es nun - nach allem, was geschehen ist - mein gutes recht ist, diese wahrheit in allen ihren details auszusprechen, auch oeffentlich ... denn man kann nicht einfach mit einem menschen so verfahren, wie dies meine leiblichen eltern ein leben lang mit mir praktiziert haben ... das ist einfach über weiteste strecken unbeschreiblich roh und schäbig und von einer egozentrik, die mich immer wieder verblüfft und abstößt ...
so viel dazu ...
herzliche gruesse und fuer deine - vorgehabte - reunion wirklich meine allerbesten wuensche ... mit deiner sanften, einfuehlsamen art wirst du bestimmt den richtigen weg zu deinen leiblichen eltern finden ... moegest du aber die kontrolle ueber diese deine so wichtige lebenssituation behalten ...
margaretha rebecca

13.04.2005 - 18:22: RE: Jugendamtsrealität
- ich habe meine leiblichen eltern kennenggelernt jahrzehnte BEVOR ich meinen fuersorge-akt kennenlernte. als ich diesen schliesslich einsah, wurde mir das verhalten meiner leiblichen eltern nach den sog. reunions sonnenklar, denn es war ihre geschichte, die sie mir erzaehlten, die schlicht nicht stimmte ... dies hat der jugendamtsakt zutagegefoerdert ... ich gebe auch zu bedenken, dass mein fall womoeglich nicht typisch sein mag, nichtsdestoweniger ist er existent ...
- ich bin zweimal von der leiblichen verwaandtschaft gefunden worden und vertrete den standpunkt, dass ich davor geschuetzt haette sein sollen!!!!
- wenn den h-muettern ihre kinder "mit sysstem" abgepresst werden, dann gehoert das aufgeklaert und aufgezeigt, dann muss dem ein riegel vorgeschoben werden ...

31.03.2005 - 16:50: RE: Herkunftsmütter
@peter
wirklich tiefe weisheiten, die da zum vorschein kommen ... das erfreut ja geradezu mein muedes, gemartertes herz, danke :-))) ... bin schon gespannt auf weiteres ... danke zudem fuer den ansporn, auch weiterhin "das meinige" hier in der oeffentlichkeit (bin halt doch eine halbe amerikanerin, und das seit gut einem jahr noch dazu ganz offiziell, vielleicht liegts in meinen genen :-))) zum besten zu geben ...
apropos oeffentlichkeit: sowohl meine tochter ("mama, ich bin stolz auf dich, dass du das getan hast" ... offenbar hat sie mehr unter dem adoptionalen wirrwarr und versteckspiel gelitten, als ich selber je angenommen hatte!!! ihretwegen haette ich dezidiert, denn ich habe sie dazu befragt, auf diese form von oeffentlichmachung von privatem verzichtet!) als auch meine - amerikanische :-))) - leibliche (halb-)schwester tragen diesen meinen weg mit!!!! es gibt also durchaus eine reihe mir privat sehr, sehr wichtiger menschen, die nicht nur "verstehen", sondern - wie eben meine tochter - geradezu froh ueber meine vorgangsweise sind ... und: so frisch und frei und wohl und und und habe ich mich in meinem ganzen leben noch nicht gefuehlt ...
bitte um aufklaerung: was ist eine "Satshaltung"?
nachdenken soll angeblich keine schande sein ... :-)))) ... also, auf zu neuen ufern des geistes ... :-))))
margaretha rebecca
p.s.: ich bin nur ein ganz normaler mensch, deshalb sei mir ein wenig selbstrettende ueberheblichkeit (mich ueber eine gezielte kraenkung hinweghebend!!!) schon gestattet, wenn ich ad personam verletzend in den wundesten punkten attackiert werde ...

30.03.2005 - 21:39: RE: Herkunftsmütter
ganz recht ... auf die jeweilige perspektive kommt es an, auf die jeweiligen handlungsfelder, die in ihnen agierenden und deren konkrete moeglichkeiten ... in der ausgangssituation der adoption ist es i.d.r. allerdings doch so, dass das KIND (je kleiner, umso geringer seine chancen, sich zielgerichtet zu artikulieren ...) keine handlungsFREIHEIT besitzt, und dass zahlreiche (nicht alle!!!) h-muetter unter enormem inneren und aeusseren DRUCK stehen ... das kind ist der situation restlos AUSGELIEFERT und muss mit sich geschehen lassen, WAS AUCH IMMER GESCHEHEN MAG UND GESCHEHEN WIRD ... (unter diesem gesichtspunkt verstehe ich auch bernds wutausbrueche besser! schliesslich hat er schon einiges fuerchterliches im adoptionalen zusammenhang hinnehmen muessen, wie andere adoptierte auch) ... in der staerksten position als handelnde sind und bleiben meinem empfinden nach adoptionswerber bzw. -eltern und vermittlungsbehoerden ...
und wie gerne wird es immer betont, dass ja alle im interesse des kindeswohles handeln ... je mehr ich das thema adoption drehe und wende, umso weniger wohl ist mir allerdings dabei als adoptierte ... aber es gibt situationen, wie beispielsweise in meiner, in denen adoption eine sinnvolle loesung sein kann, trotz aller "system"- und sonstigen "schwaechen", die sie zwangslaeufig mit sich bringen mag und auch fuer mich mit sich gebracht hat ... natuerlich ist es wuenschenswert, die rechtlichen bestimmungen so zu gestalten und zu veraendern, dass sie den betroffenen menschenwuerdigere realitaeten und perspektiven schafft und moeglich macht ... als einen versuch in diese richtung sehe ich die bemuehung diverser herkunftseltern hier ...
und wie mir noch seit gar nicht allzu langer zeit immer klarer wird: erst das heraustreten aus den interessensverflechtungen (a und h) ermoeglicht mir erst meine eigene rolle im adoptions"drama" zu erkennen. und ich erkenne mit einigem erschrecken, dass ich doch auch immer wieder "spielball" war ... wie immer betone ich: ich spreche nur fuer mich und will niemanden ad personam kraenken ... aber man muss einfach einmal das licht auch in die modrigen finsteren ecken dringen lassen, wenn man mehr von der wahrheit, der eigenen wahrheit und derjenigen von anderen, erkennen will ... dieses distanzfinden ermoeglicht mir - bei aller liebe zu meinen a-eltern und bei allem verstehen-wollen meiner leiblichen eltern - die erkenntnis, dass ich endlich MEIN leben leben will und dass ich mich befreien moechte vom dankbarkeits- und rechtfertigungszwang in welche richtung auch immer ... ich moechte endlich lebensraum schaffen, lebensziele formulieren und anstreben, DIE FREI SIND VOM ADOPTIONSTHEMA (und in diese richtung zielend empfinde ich auch die rechtlichen bemuehungen von harald) ... ich selber moechte endlich mit mehr leichtigkeit und spielerischem vergnügen an dinge meines lebens herangehen koennen ... nicht zuletzt meine eigene leibliche tochter hat mir mit ihrem weg in ihre eigenstaendigkeit und unabhaengigkeit von mir diesen wunsch als meinen eigenen klargemacht ...
allen hier, die durch schwere zeiten gehen, moege es licht am ende des tunnels geben und einen geglueckten weg hinaus ins freie ...
margaretha rebecca

20.03.2005 - 18:57: RE: Herkunftsmütter
liebe delia,
du sagst es, das a-KIND ist den vorgaben AUSGELIEFERT ... sein WOHL haengt wohl ganz und gar davon ab, ob und inwieweit h-eltern und a-eltern ihre EIGENINTERESSEN "im zaum halten" koennen ...
vielleicht musste ich beinah 50 jahre alt werden, um die kraft fuer eine DISTANZ in beide richtungen (h und a) zu finden, die ueberidentifikationen (v.a. in die a-richtung aber v.a. auf der unbewussten ebene auch in die h-richtung) zu erkennen und damit zu relativieren ... und - wie e(...) es einmal so ungemein treffend formuliert hat - meine eigene authentizitaet endlich einmal spuerbar werden zu lassen ...
DENN ERST JETZT BEGINNT EIGENTLICH MEIN EIGENES LEBEN ... mit beinah 50 wohl nicht mehr zu frueh, nicht :-))))
liebe grusse
margaretha rebecca

20.03.2005 - 18:16: RE: Herkunftsmütter
wie ich - adoptierte - schon einmal angedeutet habe, finde ich erst ZU MIR SELBER, seit ich mich aus dem interessensgeflecht von a-eltern und h-eltern herausarbeite. dies ist mit gewissen aengsten verbunden, denn ich arbeite mich auch aus meinen erwartungshaltungen in beide richtungen heraus, so dass ich eben mit der verantwortung fuer mein leben allein uebrig bleibe ... LETZTLICH TUT ES MIR ABER GERADE GUT, ENDLICH ALLEIN DIE VERANTWORTUNG FUER MEIN GANZES LEBEN ZU UEBERNEHMEN UND DAFUER AUCH EINZUSTEHEN ...
margaretha rebecca

15.03.2005 - 07:48: RE: Herkunftsmütter
es gibt viele herkunftsmuetter, die tatsaechlich ein leben lang leiden an den folgen der adoption ihrer kinder. es GIBT diese frauen, denen ihre kinder mehr oder weniger abgepresst worden sind!!!! deshalb ist es gut fuer sie, eine solche plattform zu schaffen und nuetzen zu koennen!!!

es ist auch gut fuer mich als adoptierte, zu wissen, dass es SOLCHE herkunftsmuetter/-eltern gibt.

allerdings gibt es auch jene herkunftsmuetter/-eltern, die im grunde mit diesen von ihnen verlassenen kindern eher oder gar nichts mehr zu tun haben wollen, die eben nicht darunter leiden (uebrigens: verdrängen muessen auch wir adoptierte den schmerz ueber weiteste strecken, wenn wir weiterleben wollen ...) ...
margaretha rebecca

11.01.2005 - 21:28:
RE: Weitermachen oder nicht?
e(...),
es scheint dich wirklich zu interessieren, was ich meine, das freut mich ... danke ... :-)))
deine anmerkung folgenden wortlautes hat in mir die von mir zuletzt formulierte assoziation ausgeloest. (beim nachdenken nehme ich mir die freiheit und folge meinen assoziationen): "Tja, nur, wenn man seine eignen Interessen wahrnimmt, kann man sich von anderen distanzieren und ist beispielsweise auch imstande sich u.U. vor anderen zu schützen oder eben authentisch zu sein."
ich habe mit einem schlage wieder erlebt, welche - fuer mich beinah buchstaeblich toedliche (denn ich war vom tod bedroht, von anderen todesarten - i.bachmann - dann auch noch, aber das wuerde zu weit fuehren ...) - DISTANZ meine leiblichen eltern mir gegenueber PRAKTIZIERT HABEN UND PRAKTIZIEREN, indem sie GNADENLOS MIR GEGENUEBER IHRE INTERESSEN VERTRETEN UND UMGESETZT HABEN ... ich habe gesehen, welche MULTIVALENZ "distanz" fuer mich hat ... und ich habe auch gesehen, wie ich DISTANZ menschen gegenueber NICHT leben moechte (ich will sie naemlich daran nicht zugrunde gehen lassen) ... meine leiblichen eltern schuetzen sich und ihren lebenskreis seit meiner geburt vor mir, waehrend ich schutzlos zurueckblieb und diese schutzlosigkeit immer wieder ein leben lang erleben musste ... und/denn wann schon konnte ich mir - gerade auch als adoptierte - DISTANZ wirklich "leisten", wenn ich psychisch, sozial, materiell ueberleben und weiterleben wollte (schon aus diesem grund sehe ich dem psychologischen "distanzlosigkeits"- "befund" im fall dbzgl. "problematischen" verhaltens einigermassen kritisch gegenueber!) -
und mir kommt nun - wie du schreibst - erstmals im prozess meines eigenen distanzfindens MEIN EIGENER SCHUTZ zu gute, JETZT KOMMT ER MIR ZUGUTE ... und nachdem ich - wie einst ... geschrieben hat, so lange "der luege leben musste", was wiederum eine fanatische wahrheitssucherin aus mir gemacht hat, betrachte ich - und das eigentlich immer schon - DIE WAHRHEIT ALS MEINEN EINZIG WIRKLICHEN SCHUTZ ... dass ich nun meine geschichte oeffentlich kommuniziere ist MEINE GEBURT, und dass ich meine leiblichen eltern und ihr verhalten auch in der oeffentlichkeit zeige, ist meine form, ja, das ist eben MEINE form, mir, ihnen und der mich umgebenden sozietaet zu zeigen, dass ich in meiner ursprungsidentitaet DA bin (das hat mich die ueberwindung mich beinah erstickender schuldgefuehle meinen leiblichen eltern gegenueber gekostet), meine einzig moegliche AKTION auf ihr konsequentes sich-verschweigen, verbarrikadieren, kopf-in-den-sand-stecken ... denn NIEMALS WIEDER WILL ICH DAS OHNMAECHTIGE BABY VON DAMALS SEIN ...
margaretha rebecca

11.01.2005 - 16:26:
RE: Weitermachen oder nicht?
@e(...)
09.01.2005 - 11:52: RE: Weitermachen oder nicht?
ja, dann muessen meine leiblichen eltern geradezu weltmeister im erkennen und durchsetzen ihrer eigeninteressen mir gegenueber sein, denn die distanz die sie zwischen sich und mich geschoben haben ist immerhin der atlantik und die verbarrikadierung hinter einem anderen rechtssystem ...
MICH kann NUR noch die öffentliche kommunikation meiner lebenswahrheit (in all ihren details) auf dauer schuetzen ...
margaretha rebecca

09.01.2005 - 10:22:
RE: Weitermachen oder nicht? |
danke e(...),
du hast praezisiert, was ich mit "abnabeln" gemeint habe. auch deine formulierung "das Spürbarwerden meiner Authentizität" trifft den kern!!!! gerade in dieser deiner letzten formulierung erkenne ich fuer mich, wie schwierig es war und ist, MEINE AUTHENTIZITAET zu finden in den ado-angelegenheiten, zu sehr war und bin ich hier in die verschiedenen interessensfelder (a-seits und h-seits) emotional, sozial, intellektuell eingebunden gewesen ... und genau wie du schreibst: erst das bewusste DISTANZHALTEN ermoeglicht mir nun so etwas wie das "Spürbarwerden meiner Authentizität ", und zwar in alle richtungen, das ist ein prozess. in meinem fall kann ich sagen, dass meine liebe zu meinen a-eltern so gross war und ist, dass ich vermutlich nie aufgehoert habe, in einer art symbiose mit ihnen zu leben (geistig, denn sie sind schon jahrzehnte tot), aus liebe zu ihnen auch habe ich es gezielt vermieden, mir die negativen impacts von adoption differenziert vor augen zu fuehren. jetzt bin ich so weit, dass ich es tue, weiss aber, dass es meiner liebe zu meinen a-eltern in keinster weise einen abbruch tut! (manchmal verstehe ich es auch nicht, wieso ich sie beide SO SEHR liebe!!!!). und in richtung leiblicher eltern und verwandtschaft bin ich auch einfach ein leben lang regelrecht "ueberfahren" worden ... nur diese distanz ermoeglicht es mir, mich aus dem mich dominierenden interessensgeflecht der sog. "doppelten elternschaft" (die auch zu einer doppelten buerde werden KANN) herauszuarbeiten und in der authentizitaet meines empfindens und denkens endlich MEINE EIGENEN INTERESSEN HERAUSZUDESTILLIEREN!!!!
einen schoenen sonntag
margaretha rebecca

08.01.2005 - 12:02:
RE: Weitermachen oder nicht?
@nina
auch von mir alle guten wuensche fuer die aufarbeitung der geschichte deiner leiblichen herkunft!!! "aufgestossen" ist mir in deiner schilderung lediglich der hinweis auf die eingeschraenkte einsicht in deine akten, welche dir in aussicht gestellt worden ist. du bist ein erwachsener mensch, eigenberechtigt und handlungsfaehig, und hast nach meinem subjektiven rechtsempfinden das recht auf einsicht in die VOLLSTAENDIGE akte zu deiner geschichte!!!!moeglicherweise gehst du mit diesen dingen "anders um", als ich, und auch das sehe ich als dein gutes recht an, denn ich vertrete auch mit nachdruck den standpunkt, dass endlich wir adoptierte es sein sollen, die ART DER AUSEINANDERSETZUNG MIT UNSERER GESCHICHTE DEFINIEREN UND BESTIMMEN SOLLEN!!!noch einmal alles gute dir'!!!
@irma
deinen ausfuehrungen kann ich mich wieder einmal nur vollinhaltlich anschliessen. und mittlerweile empfinde ich es nur noch als ungeheure fortgesetzte ZUMUTUNG, wenn adoptierten die dokumente zu ihrem leben vorenthalten werden, denn dies dient nicht ihren interessen, sondern IMMER den interessen anderer, und wir sind zumeist ein leben lang dazu GEZWUNGEN,INNERHALB der uns aufoktruierten vorgaben zu agieren. der grundstein der VERACHTUNG dem menschen gegenueber, der wir VON DER GEBURT her sind, wird mir der TILGUNG unserer namen gelegt (wie immer betone ich, es ist meine sicht der dinge, andere adoptierte moegen in diesen dingen auch anders denken und empfinden als ich; auch das erachte ich als respekt-erweis, dass ich dem/der anderen das anderssein zugestehe!!!), und diese VERACHTUNGSPRAXIS setzt sich auf den verschiedensten ebenen oftmals EIN LEBEN LANG FORT, verdeckt, subtil, aber auch offen und brutal!!!!! einer der traeume, die ich immer wieder getraeumt habe (einer mit positiven empfindungen!!!!), war, dass ich schwanger bin und kurz vor der geburt stehe. ich spuere die bewegungen des kindes in mir, freue mich ... aber die geburt ist nie passiert!!! heute sehe ich endlich, dass dieses vollausgebildete, aber ungeboren gebliebene kind ich selbst in meiner ursprungsidentitaet (inkl. dazugehoeriger GESCHICHTE) bin ... dieser mensch in mir signalisierte mir fortwaehrend, dass er noch am leben ist und endlich geboren werden will ... heute erst lasse ich diesen menschen zur welt kommen MIT SEINER GESCHICHTE, und wie jede geburt, ist auch diese fuer mich aeusserst schmerzhaft! und ich sehe auch keinen grund mehr, weshalb ich diese geschichte in all ihren DETAILS nicht kommunzieren sollte, auch oeffentlich. wenn meine leiblichen eltern naemlich - die sie eben sind, denn ich habe sie nicht gebeten, mich zu zeugen und in die welt hineinzuschmeissen - nicht in der lage sind, offen zu mir zu stehen, wenn sie nicht in der lage sind, mir die wahrheit zu erzaehlen,wenn sie nicht willens sind, mir auf meine anfragen zu antworten und meinen ersuchen um feststellung von unumstoesslichen tatsachen (feststellung und offizielle anerkennung der vaterschaft) zu entsprechen, und nachdem sie mich ein ungeheures zweites und drittes mal in groesster not wissentlich und restlos im stich gelassen haben, dann tue ich dies eben in umgekehrter richtung und fordere das nun ein, zumal ja auch ich zweimal GEFUNDEN wurde, und dies noch dazu mit illegalen methoden, und gar nicht selber gesucht habe. (auch diese suchen dienten primaer wieder meinen leiblichen eltern bzw. verwandten und nicht in erster linie meinen interessen!!!! ... also, auch hier haben die interessen der anderen wieder dominiert ... deshalb wurde ich, als ich dies entdecken musste, so mir nichts dir nichts wieder "entfernt" aus dem leben der leiblichen eltern!!!!)und mein abnabelungsprozess von meinen leiblichen eltern erfolgt diesesmal nur ueber die kommunikation MEINER GESCHICHTE MIT IHNEN, und die abnabelung von meinen a-eltern (abnabelung ist eine voraussetzung fuer das erwachsenwerden) ueber die kommunikation meiner geschichte mit der adoption.
ist es nicht so: so lange wir adoptierte stillhalten, schweigen, die unbequemen fragen und statements sein lassen, so lange wir unter der decke, die ueber uns ausgebreitet wurde, die ich persoenlich nunmehr AUCH in richtung ursprungsidentitaet und -geschichte wie eine "todesglocke" denke und empfinde, ausharren, ist in "alle" richtungen "alles" "in ordnung". wenn wir aber anfangen, tatsaechlich zu uns (und da gehoert auch die geschichte unseres ursprungs, da gehoeren unsere leiblichen eltern dazu; da gehoert dazu die ganze mitunter so komplizierte geschichte unserer adoption) zu stehen, dies oeffentlich zu kommunizieren, dann kann man ja an den einzelnen schicksalen sehen, welche "nervositaeten" da ausgeloest werden ... h-seits, a-seits etc.etc. ... denn - so meine diesbezueglich eher duestere erkenntnis - es befinden sich sogar unsere leiblichen eltern mit ihren entscheidungen und verhaltensweisen uns gegenueber (auch die meinigen!!!!) wohl mehr "im einklang" mit den hier zum tragen kommenden gesellschaftlichen konventionen, denn jemand - so wie ich nun - , der offen DIE WAHRHEIT auszusprechen wagt, denn da wird es den meisten zumindest einfach ein wenig oder sehr "ungemuetlich" ... fuer mich habe ich jedenfalls entdeckt, dass ich mich VON BEIDEN SEITEN (A und H) LOSLOESEN MUSS, ABNABELN MUSS, UND MICH ÜBER EIN MÄCHTIGES GESELLSCHAFTLICHES SCHWEIGE"GEBOT" BUCHSTÄBLICH HINWEGSETZEN MUSS, WENN ICH ENDLICH ZU MIR SELBER FINDEN WILL .... ....
ich selber habe jahrzehnte das adoptions-versteck-spiel mitgespielt, durchaus auch aus bewusster loyalitaet meinen leiblichen eltern gegenueber ... eine geradezu ABSURDE LOYALITAET, wenn ich mir durch die jahrzehnte ihr verhalten mir gegenueber anschaue, welches ueber weiteste strecken nur noch als im krassesten sinne ILLOYAL klassifiziert werden kann!!!!! zeitweise - auch unwissentlich - habe ich dieses adoptions"spiel" sehr, sehr gerne mitgespielt ... es hat sich allerdings in vielen bereichen als eine "scheinwelt" entpuppt, die von jedem x-beliebigen zertruemmert werden konnte und in meinem fall auch von allen, die sich darin gefallen haben, zu desillusionieren, mir meinen ihrer meinung nach "angestammten platz in der gesellschaft" zuweisen zu muessen, darunter haben sich in der tat einige solcher x-beliebigen eingefunden, zertruemmert wurde ... nun sammle ich einmal all die scherben ein, aber auch die schoenen hinterlassenschaften, die mir das GANZE leben vererbt hat, sichte sie, ordne sie neu und erschaffe mir damit die grundlage fuer MEIN EIGENES leben ... denn dann werde ich - so hoffe ich - einst einmal nicht "nur" "angenommen" und "begleitet" sein (selbstverstaendlich brauchen und verdienen wir alle als kinder, in zeiten der not und krise unterstuetzung und hilfe und sollen diese auch bekommen, und es ist ein segen, wenn da menschen sind, die eine helfende hand reichen!!!!!! aber es soll die krisenstruktur nicht zur dauerloesung kreiert werden!!!!!! hier ist mir auch ein grosses beduerfnis, zu betonen, dass im speziellen meine von mir sog. "lebensbegleiter" mich sehr wohl in meiner ursprungsidentitaet und den speziellen folgen meiner adoptionsgeschichte geachtet und respektiert haben!!!!!) und "froh", wenn mich jemand ueberhaupt registriert und zur kenntnis nimmt und "hineinnimmt" in seinen lebenszusammenhang, sondern endlich SELBER DAFUER SORGE TRAGEN KOENNEN, DASS ICH ALS DAS RESPEKTIERT UND GEACHTET WERDE, WAS ICH BIN VON ALLEM ANFANG AN UND MIT MEINEM GANZEN LEBEN ... DIES AUCH FUER DEN FALL, DASS ICH MEINE PERSOENLICHE WUERDE DERGESTALT IN MIR KONSTITUIERE, DASS ICH MICH BEWUSST IM ABSEITS HALTE UND DEN SELBSTGEWAEHLTEN VERZICHT LEISTE AUF DEN RESPEKTERWEIS, MIT DEM WAHRSCHEINLICH OHNEHIN NICHT "ZU RECHNEN" IST ... UND DENNOCH!!!
ich weiss, dass ich im vergleich zu vielen, vielen adoptierten extremes glueck habe, dass in meinem fall so viele dokumente nun da sind, die mir regelrecht ZUGETRAGEN wurden ... und ich wuensche jedem einzelnen, der sich entschliesst, die geschichte seines ganzen lebens in erfahrung bringen zu wollen, dass er jene menschen und informationen findet, die angetan sind, die wahrheit seines lebens zu entdecken ...
margaretha rebecca

02.01.2005 - 23:14:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
liebe irma,
vielen dank fuer deinen ausfuehrlichen beitrag!!!ein beitrag der - was die erfahrung mit behoerden anlangt - so ganz und gar andere, ja diametral entgegengesetzte erfahrungen zu den meinigen aufzeigt. und ich bin mir sicher, dass es zahlreiche adoptierte (und auch leibliche muetter) geben muss, die aehnliche erfahrungen gemacht haben und machen wie du. deshalb habe ich schon geschrieben, dass meine behoerdlichen erfahrungen wahrscheinlich nicht als "typisch" anzusehen sind. warum ich dennoch immer wieder auch auf meine positiven erfahrungen zu sprechen komme: es ist und bleibt wichtig, das auch zu sehen!! dieses fokussieren auf das positive - in rundherum eher negativen erfahrungszusammenhaengen (und negatives habe ich nun wirklich genug abbekommen vom leben ...) war und ist ein ueberlebensprinzip von mir geworden, ohne das ich nicht dort waere, wo ich jetzt bin ... (denn im grunde haette ich nicht einmal einen teil dessen "schaffen duerfen", was ich geschafft habe, wenn es nach den gaengigen meinungen mir gegenueber gegangen waere ... jemand hat einmal sehr treffend zu mir gesagt: "sie haben mehr erreicht, als drinn' war" ... und da ist in meherer hinsicht viel wahrheit enthalten ...) ... was nicht heissen will, dass ich nicht auch bereit bin, nackt-kalte analysen ueber strukturelle gesellschaftliche zusammenhaenge anzustellen, welche ihrerseits ja auch immer wieder einen vorlaeufigkeitscharakter haben und oftmals dem facettenreichtum der gesellschaftlichen realitaet und des menschlichen verhaltens nicht gerecht werden ... aber genug davon ...
irma, du hast mit deinem bericht wieder einmal dinge auf den punkt gebracht, die mir sehr hilfreich sind bei meiner fortlaufenden analyse "unseres" themas ... wie immer bewundere ich dich fuer deine grosse anstrengung zum ausfuehrlichen bericht (diese geduld bringe ich nicht immer mit, v.a. jene mit mir selber :))) ... oftmals praezisierst du aspekte, die ich selber nur nebulos anzudeuten in der lage war ... es tut gut, dich immer wieder hier zu haben ...
alles liebe und gute
margaretha rebecca (jetzt trage ich auch meinen geburtsnamen "zur schau" :-))))

02.01.2005 - 10:11:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
@...
auch ich finde es sehr schade, dass scheinbar DU einigermassen kritikunfaehig bist und es vorziehst, bei pauschalisierenden sichtweisen auszuharren, die - ich wiederhole mich - sehr wohl einen ausschnitt aus der realitaet adäquat wiedergeben moegen ...zu mir: ich bin sehr empfindlich, weil sehr, sehr verletzt, gebe ich ohne umschweife zu, aber vernuenftig vorgetragene kritik kann ich gut aushalten ... denn: du wirst es vielleicht nicht glauben, aber ich halte meine persoenlichen ansichten auch nicht fuer der weisheit letzten schluss, wie auch wissenschaftliche erkenntnisse ja einem fortlaufenden neuentdeckungs- und neuformulierungsprozess unterworfen sind, auch hier gibt es ja keine "endgueltigkeiten" ... und: ich bin auch faehig mich zu entschuldigen, wenn ich einmal ueber's ziel hinausgeschossen habe einem menschen gegenueber ... habe ich auch schon getan, auch hier herinnen ... und dass ich dir gegenueber "aggressiv" aufgetreten bin, stelle ich schlicht in abrede, viel eher habe ich versucht, bruecken zu bauen ... so sehe ich es jedenfalls ...aggressive attacken gegen mich (und ich erlebe dich mitunter auch nicht als gerade "sanft" ...) beantworte ich damit, dass ich eben die emotionale tuer zu mache und warte, bis "das wetter wieder besser wird" ...
ja, ich verteidige meinen berufsstand, weil ich weiss, dass es auch viele gute leute gibt, die sich redlich bemuehen!!!!! es gibt ueberall solche und solche ... sogar ein deutscher beamter hat mir vor jahren (ich sagte ihm, dass ich adoptierte bin!!!) - ohne mich von angesicht zu angesicht zu kennen - einen ENTSCHEIDENDEN hinweis (standesamtseintrag) gegeben, der es moeglich machte, meine STAATSBUERGERSCHAFT endlich abzuklaeren (denn nach oesterreichischem recht erhaelt das uneheliche kind die staatsbuergerschaft seiner leiblichen mutter - und die ihrige war nicht klar - und diese bleibt ihm trotz adoption - was ich in MEINEM fall als REINE ZUMUTUNG des gesetzgebers empfunden habe!!! wie auch eine gegenseitige unterhaltsverpflichtung aufrechtbleibt (was wohl auch mit ein grund dafuer ist, dass meine leiblichen eltern sich jahrzehnte in transatlantischer distanz zu mir halten!!!!), was ich persoenlich auch als eine unmenschlichkeit gegenueber dem adoptierten empfinde ... also, da gehoert in alle moeglichen richtungen an den adoptionsgesetzen gearbeitet, in allen moeglichen laendern, um sie menschengerechter zu gestalten!!!) auch beim vaterschafts-feststellungsverf ahren im vergangenen jahr bin ich auf eine der sache ausserordentlich aufgeschlossene richterin gestossen ...
genauso wie es adoptiveltern gibt, die sich redlich bemuehen ... meine haben es getan und auch hier herinnen konnte ich dies schon feststellen ... (allerdings konnte ich auch schon das gegenteil feststellen!!!) ... ich habe kein problem damit, wenn sog. infertile paare kinder adoptieren, vorausgesetzt, die leiblichen eltern (und hier erinnere ich auch an vaeter, die - wenn gefragt - moeglicherweise nicht so einfach ihre zustimmung zur adoption geben wuerden, auch solch ein beispiel habe ich hier herinnen schon kennengelernt) werden nicht einem brutalen enteignungsvorgang unterworfen (und wenn dies im grossen stil passiert, dann gehoert das aufgezeigt und oeffentlich angeprangert!!!!! vielmehr: es gehoert JEDER EINZELNE FALL, wo so etwas geschehen ist, durchleuchtet und nach moeglichkeit rechtlich objektiviert!) und geben ihre zustimmung wirklich aus freien stuecken und vorausgesetzt, die a-eltern haben ihre infertilitaet psychologisch aufge- und verarbeitet und versuchen nicht, das adoptierte kind in uebertragener weise zu ihrem leiblichen zu machen (denn das ist auf symbolischer ebene in verschiedener hinsicht "toedlich" fuer den/die adoptierten und wuerde seine "leiblichkeit", sein reines DA-SEIN, welches ein ergebnis eben der fertilitaet seiner leiblichen eltern IST, ja nur in permanenz an die eigene infertilitaet erinnern und die leiblichen eltern zu massiven konkurrenten in dieser hinsicht werden lassen!!!!!!!!!!) ...
ich als adoptierte habe einen schweren weg zu gehen (und werde mich wohl noch eine ganze gute weile selbstbeweihraeuchern muessen ... tut mir gut, dies endlich zu tun, glaub mir :-))), ich gestehe dies allen zu, die schmerzen ertragen muessen aus welchen gruenden immer), zu mir selber zu finden, MEIN GANZES LEBEN anzunehmen ... und zu meinem frei-werden muss ich mich herausloesen von beiden seiten: der h-seite und der a-seite ... ich erwarte von KEINER seite mehr die zustimmung, dass ich es richtig mache ... und ich erwarte von keiner seite mehr irgendeinen TROST (wie ich auch annehme, dass infertile nicht wirklich ausgerechnet von mir getroestet werden wollen und jene nicht, die ihr kind zur adoption gegeben haben, aus welchen gruenden immer) ... holen wir uns trost dort, wo er ABSICHTSLOS gewaehrt wird!!! ... und schliesslich bin bzw. werde ich mit meinem ganzen leben NEU GEBOREN sein ... HOFFENTLICH!!!
alles gute dir ... auch du musst DEINEN WEG gehen ... der austausch mit dir ist/war sehr, sehr interessant und anregend!!!! vielen dank!
margaretha rebecca

02.01.2005 - 00:46:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
und ich bin - instinktiv - jahrzehntelang der begegnung mit den amtlichen unterlagen zu meiner anfangsgeschichte ausgewichen. ich habe mich nie danach gefragt, warum, aber ich wollte einfach nichts damit zu tun haben, sogar zu einem zeitpunkt noch, als ich beide meiner leiblichen eltern schon kennengelernt hatte. hat wohl auch seine gruende in mir gehabt! als ich dann - befaehigt erst durch therapeutische unterstuetzung - diese dokumente einsehen wollte, erhielt ich - ohne jedes problem - zugang. es wurden mir sogar kopien angefertigt und mit amtlichem schreiben zugesandt! denn die hierfuer zustaendige sachbearbeiterin war der ansicht, dass adoptierte ihre akte kennenlernen sollten! also wieder bin ich einem mir wohlgesonnenen behoerdlichlichen organ begegnet! moeglicherweise ist mein fall nicht typisch, aber es ist mir ein beduerfnis, zu zeigen, dass es DIESE beamten AUCH gibt! und das wahrscheinlich nicht nur in oesterreich ...ich denke es ist an der zeit, mit der unmenschlichen praxis der behoerdlichen vernichtung der herkunftsexistenz - so jedenfalls habe ich fallbeispiele hier herinnen auch interpretiert - schluss zu machen, und ebenso schluss zu machen mit der unmenschlichen praxis, personenbezogene behoerdliche dokumente, die rund um die adoption entstanden sind, den adoptierten gezielt vorzuenthalten!!!!!!!! der gesetzgeber sollte ein subjektives recht fuer adoptierte schaffen, das ihm den zugang zu genau diesen dokumenten garantiert und sicherstellt!!!!
margaretha rebecca

01.01.2005 - 15:30:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
@regina-m
1. es ist mir zu viel hass in den reaktionen, wenn die rolle von adoptiveltern und ueberhaupt adoption als solche auch einmal sehr kritisch unter die lupe genommen wird ... auch im gaestebuch meiner privaten hp hat sich ein solcher hasseintrag gefunden in den letzten tagen ... ich habe allerdings keine lust, mich allzulang mit diesen dingen aufzuhalten, denn hass (auch selbsthass) ist nur zerstoererisch ...
2. seien wir doch realistisch: in der von dir beschriebenen hinsicht hat doch das sog. "mittelalter" nie aufgehoert ...
3. bin ich heute geradezu stolz darauf (nachdem ich mich jahrzehntelang mit schuldgefuehlen und scham herumgeschlagen habe), meine leibliche tochter als uneheliche mutter allein grossgezogen zu haben (um den preis auch jahrelanger sozialer isolation!!!), denn es war und ist ein ja-sagen zu meiner leiblichen herkunft gewesen. und offenbar musste ich mir beweisen, dass ich auf keinen fall meinem kind das antue, was meine leibliche mutter mir angetan hat (und bei allem liebenden verstaendnis fuer sie, SIE HAT MIR GROSSES LEID ZUGEFUEGT, EIN LEBEN LANG ...), habe ich mich also auf diesem weg von dem ungeheuerlichen input, den sie mir mit auf den weg gegeben hat (denn ehrlich gesagt unterstelle ich ihr, dass sie damit spekuliert hat, dass ich die katastrophale "pflege" nicht ueberlebe ... und vielleicht hat das zu meinen zahllosen albtraeumen gefuehrt, ich haette jemanden ermordet ... und zu meinen furchtbaren pubertaeren phantasien, ich muesste vielleicht eine verbrecherin werden, weil meine leiblichen eltern solche waren) ... und trotz allem, auch meine leibliche mutter ist ein mensch, der liebendes verstehen verdient ... allerdings auch sie soll um die konftontation mir der wahrheit, die sie geschaffen hat, nicht herumkommen ... auch in diese richtung ist also mein versteckspiel vorbei!!!!
@...
1. habe ich mit keiner zeile die schilderungen zu deiner persoenlichen geschichte angezweifelt ...
2. bin ich der ueberzeugung, dass deine schilderung gesellschaftlicher strukturen, ihrer wirkungsweise und wirkungsmacht, nicht die einzige moeglichkeit darstellt, adoption und ihre vielen aspekte zu beschreiben, dass ich es allerdings fuer sehr wahrscheinlich halte, dass deine schilderung einen ausschnitt der realitaet adäquat beschreibt, will heissen, dass mächtige gesellschaftliche interessen durchaus in der weise wirken, wie du schreibst. deshalb habe ich davon gesprochen, dass - auch wenn nur ein teil von dem stimmt, was du schreibst - es haarstraeubend ist. diese interpretationsfreiheit - gerade, wenn du allgemein-formulierungen verwendest - musst du den lesenden schon ueberlassen!
3. meine persoenlichen erfahrungen im umgang mit aemtern (als alleinerziehende mit kleinkind in schwieriger situation) entspricht ebenfalls NICHT den von dir hierzu getroffenen aussagen, sondern eher denen von beate. und ausserdem ist mir - dieses gewettere gegen "den staat" und "seine diener" (bin auch beamtin) ehrlich gesagt persoenlich zuwider (dies sage ich auch zu "aschenprödel") , denn man tut den vielen leuten/beamten unrecht, die sich bemuehen, ihr bestes zu geben und sich wirklich FUER ihr - mit unter recht schwieriges - klientel nach allen kraeften einsetzen ... auch diese leute gibt es ...ich habe im umgang mit den behoerden (schon lange bevor ich selber beamtin war) immer wieder gute, wenn nicht sogar beste erfahrungen gemacht!4. auch du solltest ganz einfach respektieren, dass es andere sichtweisen als die deine geben kann ... auch auf der ebene der wissenschaft spricht man ja vom sogenannten rationalen diskurs und meint damit die diskussion verschiedener sichtweisen nach bestimmten regeln ... aber HIER in diesem forum tauschen wir uns ueberwiegend unter betroffenen aus, deshalb nehme auch ich ueberwiegend abstand von wissenschaftlicher darstellungsform und beschraenke mich i.d.r. auf die schilderung "meiner sicht der dinge" ...
margaretha rebecca

01.01.2005 - 00:14:
RE: Meine Adoptionsgeschichte
liebe ...,
die eine und andere reaktion auf deinen beitrag zeigt mir, dass da schon "etwas dran" sein muss an deinen ausfuehrungen ... denn du hast offenbar einen "sehr wunden punkt" beruehrt ... ansonsten ist mir die heftigkeit nicht so recht erklaerbar ...
ich erweise hiermit auch jenen leiblichen muettern achtung und respekt, die schein- und offenbar total versagt haben in der uebernahme ihrer mutterrolle. wuerde ich das nicht tun - denn von meiner leiblichen mutter muss ich dies auch behaupten mir gegenueber (aber auch von ihr weiss ich, dass sie positive und liebenswuerdige zuege hatte und hat und dass sie eben an dem ungeheuren gesellschaftlichen druck damals regelrecht auch moralisch zerbrochen ist, und davon hat sie sich ein leben lang nicht mehr erholt!!! ...) - muesste ich mich wieder anfangen, selbst zu hassen, und das will ich ganz einfach nicht mehr (mein dank geht hier ganz besonders an meine therapeutin, die zu meinem nutzen ausreichend lang ihre schuetzende und verstaendnisvolle hand auch ueber meine leibliche mutter gehalten hat!!!!) ... auch meine leibliche mutter verdient es, in ihrer damaligen notlage in liebe erkannt zu werden ... natuerlich: auch bei mir schwanken weiterhin meine gefuehle ihr gegenueber von einem extrem ins andere! aber auch sie ueberlasse ich nicht mehr einfach dem vernichtenden urteilsspruch anderer!!!!!
zunaechst gehoert das kind zu den leiblichen eltern und diese zu ihm ... es sollte auch moeglich sein, dass alleinerziehende muetter ausreichend unterstuetzung finden (auch ich war eine alleinerziehende mutter, und zwar wirklich ALLEIN, ohne freunde und ohne familie!!!! und nicht mit materiellen guetern gesegnet, musste oft meiner tochter sagen, was wir uns NICHT leisten koennen, und sie hat davon keinen grossen seelischen schaden genommen!!!!) ... bevor ein kind aber nur herumgeschoben wird von einem eck ins andere, wenn das kind von den leiblichen eltern und verwandten einfach nicht bekommt, was es fuer seine gute entwicklung braucht, KANN adoption eine positive loesung sein in einer problemlage (und natuerlich kommt es ganz und gar auf das WIE darauf an ... und ich denke, da muesste noch viel veraendert werden im interesse des kindeswohls!!!!), und zwar in allererster hinsicht fuer das kind, um das es da geht ... adoption darf auf gar keinen fall zum kinderbeschaffungsinstrument verkommen ... die ausloeschung der herkunftsidentitaet ist aus meiner sicht ABZULEHNEN ... und es ist gut, wenn die gesamte grosse problemsituation rund um adoption WISSENSCHAFTLICH durchleuchtet und aufgearbeitet wird!!!!
ein gutes neues jahr, ...
margaretha rebecca

Margaretha Rebecca Hopfner, Wien 2002-2006

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